mini|Curt Abel um 1898 Curt Abel-Musgrave (* 4. April 1860 in Berlin; † 3. NovemberDas Sterbedatum differiert in den Quellen. Auch der 11. März 1938 wird genannt, vermutlich durch die gegenüber der anglophonen Schreibweise von Daten unterschiedliche Reihenfolge von Tag und Monat (MM/DD/YYYY) verursacht. Die Beisetzung erfolgte am 6. November 1938. Auf dem Grabstein selbst wurde bei der in jüngerer Zeit erneuerten Aufschrift das Sterbejahr versehentlich mit 1937 angegeben, abweichend von der Dokumentation der Friedhofsverwaltung. 1938 in Cambridge, Massachusetts, Vereinigte Staaten), geboren als Curt Emil Josua Abel,Colin Read: The Public Financiers: Ricardo, George, Clark, Ramsey, Mirrlees, Vickrey, Wicksell, Musgrave, Buchanan, Tiebout, and Stiglitz. Springer-Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-1-137-34134-1, S. 145f. war ein deutschamerikanischer Chemiker, Mediziner, Pädagoge, Journalist, Autor, Publizist, Übersetzer und Kommunalpolitiker, der in Deutschland, der Schweiz, in Großbritannien, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten lebte.Reinhard Hillich: Abel-Musgrave, Curt. In: Kurt Bartsch, Johann Holzner, Norbert Oellers, Peter Pabisch, Ingrid Pergande-Kaufmann, Erhard Schütz und Bernd Witte (Hrsg.): Die Deutsche Literatur zwischen 1890 und 1990 (Reihe VI, Band 1). Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main u. a. 1990, ISBN 978-3-7728-1860-8, S. 22–31 (17).

Er veröffentlichte politische und sozialkritische Werke, einen utopischen Antikriegsroman, Theater-Lustspiele, Dramen, Märchen, Gedichte, Novellen und Essays,Karen Horn: Der Nestor. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Nr. 12/2006 vom 26. März 2006, S. 48. teils unter den Namen bzw. Kürzeln C. Abel, Curt Abel, Kurt Abel, Curt A.-Musgrave, Kurt A. Musgrave, C. Musgrave, C. Abel-Musgrave, Curt Abel-Musgrawe, und unter den Pseudonymen Ernest Lunge, W. Rosen und Curt A. Freiburg sowie anonym.Abel-Musgrave, Curt. In: Deutsche Biographie, auf; deutsche-biographie.deCurt A. Freiburg (Pseudonym): Offiziere ohne Epauletten. Erlebnisse eines verabschiedeten Offiziers. In: Princeton University Library, auf: princeton.eduAbel-Musgrave, Curt. In: Virtual International Authority File, auf viaf.org

Ein Teil seiner Veröffentlichungen erschien in deutscher, englischer, niederländischer und hebräischer Sprache. Außerdem übersetzte er bekannte Werke von Arthur Conan Doyle und Rudyard Kipling in die deutsche Sprache.Aiga Klotz: Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland 1840–1950. Band II G–K. Springer-Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-476-03317-8, S. 434–435.Dieter Sudhoff (Hrsg.), Hans-Dieter Steinmetz (Mitarb.): Karl May: Briefwechsel mit Friedrich Ernst Fehsenfeld I (1891–1906). Karl-May-Verlag, Bamberg u. Radebeul 2009, ISBN 978-3-7802-1791-2, S. 240, 331, 347, 425, 467.Dieter Sudhoff (Hrsg.), Hans-Dieter Steinmetz (Mitarb.): Karl May: Briefwechsel mit Friedrich Ernst Fehsenfeld II (1907–1912). Karl-May-Verlag, Bamberg u. Radebeul 2009, ISBN 978-3-7802-1792-9, S. 246, 320–323.

Er war der Sohn des Philologie-Pioniers Carl Kalonymos Abel und der Vater des international bekannten Finanzwissenschaftlers Richard Abel-Musgrave.Hans-Werner Sinn: Please bring me the New York Times. On the European Roots of Richard Abel Musgrave. CESifo Working Paper, No. 2050, July 2007, S. 4–5.

Familienname mini|Die Kunstfigur Reginald Musgrave in einer Illustration von Sidney Paget zu Arthur Conan Doyles Sherlock-Holmes-Roman The Adventure of the Musgrave Ritual im The Strand Magazine vom 29. Mai 1893 Der korrekte Familienname lautete Abel. Bei dem von Curt Abel willkürlich hinzugefügten Namen Musgrave gab es hingegen keinerlei Bezug zu seiner Familie. Curt Abel hatte sich vielmehr entschlossen, einen Familiennamen des englischen Sprachraumes per Bindestrich (engl. hyphen) hinzuzufügen und verfiel darauf, sich zu diesem Zweck einer Kunstfigur seines Freundes, des Arztes und Schriftstellers Arthur Conan Doyle, zu bedienen. In dessen literarischem Werk ist Musgrave ein Kommilitone aus der College-Zeit des Detektivs Sherlock Holmes.Arthur Conan Doyle: The Musgrave Ritual (1893), in: The Memoirs of Sherlock Holmes (1894); in Deutschland: Das Familienritual, Das Ritual der Familie Musgrave, Der Katechismus der Familie Musgrave, Das Ritual von Musgrave

Eine Notwendigkeit für diese Namensänderung scheint aus heutiger Sicht nicht gegeben, denn der hebräische Name Abel (hebr. הֶבֶל; Hevel) war aufgrund seiner biblischen Überlieferung im anglophonen Sprachraum sowohl als Vorname wie auch als Familienname geläufig und leicht auszusprechen.

Grund der Ergänzung seines Familiennamens könnte neben einem gewissen Faszinosum möglicherweise das Bemühen gewesen sein, die eigene teils jüdische Herkunft durch die englische Aussprache des künftigen Familien-Doppelnamens zumindest im deutschen Sprachraum zu verschleiern. Auslöser dafür mag die Affäre um eine antisemitische Beleidigung vom Februar 1890 gewesen sein, durch die er seinen Kommilitonen und Freund in Folge eines Duells verloren hatte. Dessen Familienname Salomon (hebr. שְׁלֹמֹה; Šəlomoh) ließ ebenfalls auf eine jüdische Abstammung schließen.

Ausweislich der Veröffentlichungen unter seinem eigentlichen Namen Curt Abel ist die Ergänzung um den Namen Musgrave frühestens auf die Mitte der 1890er Jahre zu datieren. Conan Doyles Kunstfigur Musgrave dürfte Abel erst ab etwa dieser Zeit bekannt geworden sein, denn Conan Doyles Werk The Adventure of the Musgrave Ritual erschien erstmals am 13. Mai 1893 im US-amerikanischen Harper’s Weekly und am 29. Mai 1893 im britischen The Strand Magazine.Arthur Conan Doyle: The Adventure of the Musgrave Ritual. In: Harper’s Weekly, Vol. XXXVII, Nr. 1899, vom Samstag, 13. Mai 1893, Supplement II, S. 453–458.Arthur Conan Doyle: The Adventure of the Musgrave Ritual. In: The Strand Magazine, Vol. 05, Issue 29, vom Montag, 29. Mai 1893, S. 479f. Das britische Periodikum war seinerzeit die bedeutendste Literaturzeitschrift des Vereinigten Königreiches, so dass davon auszugehen ist, dass diese vom Literaten Curt Abel während seiner Jahre in England gelesen wurde. Abels Namensänderung zu Abel-Musgrave erfolgte vermutlich anlässlich einer amtlichen Registrierung während eines USA-Aufenthaltes.

Sein Sohn Richard verzichtete im Jahr 1937 auf den Bindestrich zwischen diesen beiden Nachnamen, als er sich um die US-Staatsbürgerschaft bewarb. In der Folge nutzte der Sohn seinen eigentlichen Familiennamen Abel abgekürzt als Richard A. Musgrave, wodurch dieser wie ein zweiter Vorname in einer im anglophonen Sprachraum üblichen Schreibweise wirkte. Teilweise ließ der Sohn den Familiennamen Abel bzw. das Kürzel A. vollkommen entfallen. Richards spätere Dissertation wurde dennoch sowohl unter Abel-Musgrave als auch Musgrave in Harvard registriert.Richard Abel-Musgrave: The Theory of Public Finance and the Concept of Burden of Taxation. PhD-Dissertation, Harvard University, Cambridge, Massachusetts, 1937.

Familie mini|hochkant|Curt Abels Ehefrau Charlotte „Lotte“ Abel, geborene Prüfer, um 1900 Curt Abel war Sohn des an der Berliner Humboldt-Akademie lehrenden Philologie-Pioniers, des Professors für Vergleichende Sprachwissenschaft und Völkerpsychologie, Carl Kalonymos Abel (1827–1906) und dessen Ehefrau, Auguste Karoline (1831–1903), geborene Schwarz. Curt Abel hatte Geschwister; eine vermutlich ältere Schwester, die in die Vereinigten Staaten ausgewandert ist, gilt als gesichert.

In beiden Familien seiner Eltern gab es Angehörige jüdischer Abstammung, so Curt Abels Großvater väterlicherseits, den Bankier Gerson Abel (* 1791), und seine Großmutter mütterlicherseits, Friederike Charlotte Schwarz (* 1803), geborene Guergens. Beide waren zum christlichen Glauben konvertiert. Curt Abel wuchs evangelisch-lutherisch auf.Curt Abel-Musgrave: Lebenslauf. In: Zur Kenntnis der Styrole. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde, Ruprecht-Karls-Universität, K. Rössler, Heidelberg 1907. Seiner Konfirmation jedoch entzog er sich einen Tag vor dem Ereignis, so dass sich sein Vater Carl Abel genötigt sah, die für diesen Anlass ausgesprochenen Einladungen sehr kurzfristig zurücknehmen zu müssen. Im engeren Sinn religiös war die Familie nicht; seiner teilweise jüdischen Vorfahren war sich Curt Abel jedoch zeitlebens sehr bewusst.

Aus Curt Abel-Musgraves 1907 geschlossener Ehe mit der Tochter des Politikers Richard Karl Adalbert Prüfer, der passionierten Bergsteigerin Annemarie Charlotte „Lotte“ (1871–1923), geborene Prüfer, gingen zwei Kinder hervor, die in Clifton bei Bristol geborene spätere Pädagogin Ellen Abel-Musgrave (1908–1988) und der dann international bekannt gewordene Ökonom Richard Abel-Musgrave (1910–2007), geboren in Königstein im Taunus. 1923 verstarb Curt Abel-Musgraves Ehefrau 52-jährig an Leukämie. Sie wurde in Königstein beigesetzt.Städtischer Friedhof der Stadt Königstein im Taunus, Grabfeld III, Viererwahlgrab, Grab-Nr. 39–42. Die dortige Grabstätte der Familie Prüfer/Abel-Musgrave ist seit 2012 eingeebnet, das Grabmonument mit Grabin- und aufschriften ist jedoch nach dem Stand vom Juli 2018 weiterhin erhalten.

Leben mini|hochkant|Curt Abel als elfjähriger Berliner Gymnasiast kurz nach der Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 mini|Das Königliche Wilhelm-Gymnasium in der Bellevuestraße 15 in Berlin-Tiergarten besuchte Curt Abel von etwa 1870 bis 1876 Curt Abel besuchte nach der Volksschule zunächst das Königliche Wilhelm-Gymnasium in Berlin-Tiergarten, an dem etwa zeitgleich auch Johannes Biermann, William Küster, Wilhelm Liebermann von Wahlendorf, Carl Ludwig Reimer, Max Rötger und Georg Witkowski unterrichtet wurden. Die Familie war währenddessen von dem südwestlich Berlins gelegenen Vorort Zehlendorf aus der dortigen Hohenzollernstraße 10 nach Berlin-Schöneberg in die Keithstraße 9 (heute: nahe Wittenbergplatz) umgezogen.Abel, Carl, Dr. phil., Hohenzollernstraße 10. In: Berliner Adreß-Buch für das Jahr 1875. VII. Jahrgang, Societät der Berliner Bürger-Zeitung, Berlin 1875.Abel, Carl, Dr. phil., Keithstraße 9, Parterre. In: Berliner Adreß-Buch für das Jahr 1876. VIII. Jahrgang, Societät der Berliner Bürger-Zeitung, Berlin 1876. (Online ist die betreffende Seite des Adressbuches unleserlich, auf den Microfiches der Zentral- und Landesbibliothek Berlin vor Ort im Gebäude der Berliner Stadtbibliothek jedoch lesbar. Die betreffende Adressbuchseite liegt dem WP-Verfasser gescannt als Bilddatei vor.) 1876 wechselte er nach Bruchsal zum Großherzoglich Badischen Gymnasium,Edmund-Kara Jendrewski: Der Karl May-Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld. epubli, Berlin 2015, ISBN 978-3-7375-3615-8, S. 50–52. zu dieser Zeit ein Progymnasium. In: sbg.ka.bw.schule.de Der Grund für diesen Wechsel ist unklar, zumal seine Eltern ausweislich der Berliner Adressbücher weiter in Berlin wohnten.Abel, Carl, Dr. phil., Keithstraße 9, Parterre. In: Berliner Adreß-Buch für das Jahr 1878, X. Jahrgang. Societät der Berliner Bürger-Zeitung, Berlin 1878.Abel, C., Dr. phil., Bülowstraße 99, II. Etage. In: Berliner Adreß-Buch für das Jahr 1879, XI. Jahrgang. Societät der Berliner Bürger-Zeitung, Berlin 1879. Eine Quelle stellt dabei einen nicht recht nachvollziehbaren Zusammenhang mit Curt Abels Verweigerung der Konfirmation her, die jedoch etwa zwei Jahre vor dem Schulwechsel datiert werden dürfte. Wahrscheinlicher wäre ein Zusammenhang mit seiner Tuberkulose-Erkrankung, wegen der man betroffene Kinder aus der Großstadt oft zur Kräftigung und Gesundung aufs Land (Berge, Wald, See, Licht, Luft, Sonne) geschickt hat. Aufgrund dieser Erkrankung konnte er seine Reifeprüfung erst 1882 ablegen. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Progymnasium zu einem Gymnasium ausgebaut worden.

In Berlin nahm Curt Abel an der Friedrich-Wilhelms-Universität ein Studium der Medizin auf und belegte zusätzlich Literatur und Neue Sprachen (u. a. Englisch). Zur damaligen Zeit wurden Schüler höherer Schulen zumeist lediglich altsprachlich unterrichtet.