Das Hollersbachtal im Oberpinzgau ist das Tauerntal der Gemeinde Hollersbach. Es liegt südlich der gleichnamigen Ortschaft.

mini|340px|Blick über den Kratzenbergsee zum Seekopf und zum Kratzenberg mini|340px|Blick auf das Vordermoos und auf den mäandrierenden Hüttenbach mini|340px|Blick auf den Ofner Boden mini|340px|Blick vom Gasthof Senninger Alm auf den Talschluss

Lage Das Tal liegt in den Hohen Tauern zwischen dem zur Gemeinde Mittersill gehörenden Felbertal mit der bekannten Felbertauernstraße im Osten und dem Habachtal in der Gemeinde Bramberg am Wildkogel mit seinem bekannten Smaragdvorkommen im Westen.

Gewässer Der Hollersbach entsteht durch den Zusammenfluss von Hüttenbach (auch Weißeneggbach genannt) und dem Seebach mit seinem eindrucksvollen Seebach-Wasserfall südlich der Ofneralm im Hollersbachtal auf über Das Landesinformationssystem SAGIS gibt jedoch – ebenso wie der franziszeische Kataster von 1829/30 – als Ursprung des Hollersbaches den Kratzenbergsee an. Der Bach mündet bei Hollersbach in die Salzach.

Ziel des Nationalparkes ist auch der Erhalt des Hollersbaches als natürliches Gewässer. (Zitat Naturführer „Hollersbachtal“ d. Nationalparks S. 28). Im Abschnitt zwischen Leitneralm und Ofnerbodenalm verbirgt sich der Bach entgegen diesen Kriterien hinter einem deutlich zu nahe am Bachlauf errichteten Hochwasserschutzwall. Der den naturnahen Bachlauf stets begleitende Grauerlenbestand wurde im Bereich der Almen fast zur Gänge gerodet, der unterschiedlich breite Bach wurde im Raum der kleinen Bachinseln leicht begradigt, in der Bachsohle wurden die großen Steine entfernt und das Bachbett maschinell geglättet, die Böschungen erhielten eine weitgehend gleichbleibende Neigung, d. h. der Bach bekam ein sehr einheitliches Bett, die natürlichen und wichtigen Verzahnungen des Baches mit seinem Umland verschwanden. In dem Abschnitt oberhalb des geschlossenen Waldes ist daher der Bach nicht mehr als natürlich und nicht mehr als naturnah anzusprechen. In der Folge der gewässerverändernden Maßnahmen konnten und können auch die bachnahen Almweideflächen in Fettwiesen umgewandelt und schrittweise intensiviert werden. Die sehr strukturreichen und blütenreichen Almweideflächen wichen und weichen strukturarmen und zunehmend auch blütenarmen Wiesen. Durch diesen Strukturwandel wird der Erholungswert und der naturschutzfachliche Wert des Baches und seiner Umgebung deutlich beeinträchtigt.

Der Kratzenbergsee ist mit 24 ha Größe der größte natürliche Gebirgssee im Nationalpark Hohe Tauern und im Raum der Tauern insgesamt. Er verdankt seine Entstehung den Eiszeiten. Gletscher haben in Verbindung mit darunter liegendem Schotter damals auch dieses Hochtal ausgeschürft und einen zuerst über 100 m tiefen Gletscherkolk geschaffen. Seine größte Tiefe beträgt heute über 30 m. Der Scharrnbach im westlichen Seitental des Hollersbaches wird wegen der dort früher betriebenen Bergbaugruben auch Gruberbach genannt wird. Zahlreiche weitere kleine Seitenbäche nimmt der Hollersbach in seinem Verlauf auf. Südlich der Leitneralm etwa den Krameteker, den Grummetecker Graben und seinen Bach und nördlich der Senningeralm die Speibingklamm mit ihrem Bach.

Die Pflanzenwelt Grauerlenwälder Der Schluchtwald zwischen den Almflächen bis zum Talausgang wird vor allem westseitigen Blockschutthang sehr stark von Grauerlenwäldern bestimmt. Die Unterhänge der Tauerntäler sind vielfach natürlich nährstoffreich, dazu kommt der Nährstoff der stickstoffbindenden Knöllchenbakterien in den Wurzeln der Grauerlen. Verbunden mit der hohen Luftfeuchtigkeit im Schluchtwald bestehen hier daher sehr gute Lebensbedingungen für Farne und Moose und die vielfach üppigen krautigen Blütenpflanzenbestand. Besonders typisch für den Grauerlen-Hangwald im Hollersbach sind verschiedene Farnarten, vor allem der Straußfarn mit seinem großen trichterförmig angeordneten Wedeln. Weitere häufige Farne sind Buchenfarn, Eichenfarn und breitblättriger Dornfarn.

Fichtenwälder Die hochmontanen gelegenen Fichtenwälder mit dem typischen Vorkommen der Hainsimse sind auf sauren Böden in der Regel deutlich artenärmer als die Grauerlenbestände. Sie wachsen einerseits auf wenige entwickelten trockeneren Fels- und Schuttböden, anderseits auf sauren nassen anmoorigen Böden.

Der höher gelegene subalpine Fichtenwald mit Rippenfarn und Heidelbeere (im Oberpinzgau „Schwarzbeere“ genannt) und dem Stockwerkmoos. Nicht selten kommt in höheren Lagen auch der Rostroter Almrausch in dem lockeren Waldbestand vor.

Lärchen-Zirben-Wälder Lärchen-Zirbenwälder sind im Hollersbachtal nur mehr reliktär erhalten. Verantwortlich ist dabei der Raubbau an Wäldern im Mittelalter und z. T. auch der der frühen Neuzeit im Zuge der Gewinnung von Brennholz für die Halleiner Saline. Das langsame Wachstum der Zirbe verhindert eine rasche Verjüngung nach dem Einstellen großflächiger Holzschlägerungen im Tal. Durch mehrmaligen Kahlschlag wurde die natürliche Verjüngung des Lärchen-Zirbenwaldes verunmöglicht. Namhafte Zirbenbestände sind heute nur noch im südlichen Teil des Scharrntales zu finden.

Almweiden Die Almweiden im Hollersbachtal sind abseits von kleinräumigen Sonderstandorten fast durchwegs arten- und strukturreiche Borstgras-Rasen. Sie finden sich als alten bewachsenen eher trockenen Blockschutthalden. Typisch sind im Hangbereich die durch das Weidevieh ausgetretenen hangparallelen Viehtreppen. Neben dem Borstgras sind Blutwurz, Arnika und Schweizer Leuenzahn typisch, an Zwergsträuchern Besenheide, Heidelbeere und Preiselbeere. In feuchteren Teilen sind Rasenschmiele und Zweiblütiges Veilchen typisch.

Mähder Sehr kleinräumige Almmähder haben die Almwirtschaft seit Jahrhunderten geprägt. Um 1970 waren diese Almmähder aber teilweise bereits als Almweiden genutzt und haben ihren Mähwiesencharakter verloren. Nach Ausweisung der Almweiden als Teil des Nationalparkes begann eine deutliche Intensivierung und großflächige Vergrößerung intensiv genutzter und schrittweise immer stärker gedüngter Mähwiesen. Auch ehemalige bachnahe Schotterflächen und Grauerlenbestände wurden zu Mähwiesen umgewandelt. Damit verarmt das abwechslungsreiche und typische blütenreiche und strukturreiche Bild der Almweiden im Nationalpark zunehmend. Der Wert für den Naturschutz, aber ebenso für die Erholung und den Fremdenverkehr sinkt.

Hochstauden und Grünerlenbestände In enger Beziehung zu den Grünerlenbeständen an wasserzügigen und nährstoffangereicherten Standorten gedeihen Meisterwurz, Grauer Alpendost, Alpenmilchlattich und öfter auch die Österreichische Gemswurz.

Alpine Rasen Die alpinen Rasen über etwa Seehöhe sind weit überwiegend Krummseggenrasen. In dieser Höhenlage ist das Klima deutlich rauer als in tieferen Lagen, die Schneedecke dauern deutlich länger an und die Winde sind stärker. Hier sind neben der namensgebenden Krummsegge mit ihren charakteristisch gekrümmten Blättern Scheuchzers Glockenblume, Feldhainsimse, und Lebendgebärender Knöterich typisch.

Schneetälchen Die Schneetälchen der alpinen Stufe, die nur wenige Monate schneefrei bleiben, sind vor allem durch die Krautweide geprägt, bei der die nieder liegenden kleinen Äste des „kleinsten Baumes der Welt“ (Carl von Linné) im Erdreich verborgen bleiben und nur Blätter und Blattwirtel des Zwergstrauches aus dem Boden herausragen. Hier blüht im Frühjahr die Zwergprimel, die Klebrige Primel, die Kleine Soldanelle, aber auch der kleine Schnee-Enzian neben dem Zwerg-Ruhrkraut. In angrenzenden steinigen Standorten gedeiht das stängellose Leimkraut.

Moore und Feuchtflächen Die Nass- und Feuchtwiese Ofner Boden: ist ein „Moor im Entstehen“ mit naturschutzfachlich wertvollen anmoorigen und sumpfigen Teilen. Hier befand sich ein durch einen Bergsturz entstandener See, der um etwa 2000 vollständig verlandete. Das Hintermoos () und das Vordermoos () sind Moorkomplexe im unmittelbaren Talschluss, die aus verlandeten nacheiszeitlichen Seebecken entstanden sind. Das Vordermoos besitzt eine Torfmächtigkeit von über 0,5 m. Neben typischen Flachmoorarten wie dem Schmalblättrigen Wollgras wachsen im Vordermoos Fieberklee, Sumpf-Läusekraut und Allermannsharnisch. Das Hintermoos ist das höchstgelegene Moor im Land Salzburg. Das Reichertleitenmoos (1870 bis ) mit seiner für die Höhenlage typischen Flachmoorvegetation liegt im Scharrntal nächst der Reichertleitenalm zwischen den Großen Geralmen im Norden und dem Zetachkopf im Süden. Deutlich höher gelegen ist unterhalb des Kühkares bzw. des Kühkopfes das Moor beim Bärenbad im Scharrntal (ca. ).

Die Tierwelt Das Hollersbachtal besitzt durch seine verschiedenen vielfältigen Lebensräume. Von 35 im Hollersbachtal lebenden Säugetierarten ist auszugehen. Dazu gehören neben den jagdlich genutzten Wildarten Hirsch, Reh und Gämse, sowie Fuchs und Dachs auch verschiedene Spitzmäuse und Fledermäuse. Häufig und wenig scheu sind im Tal die seit etwa 50 Jahren nicht mehr bejagten Murmeltiere. Im alpinen Gelände leben Schneehase und Schneemaus.

Die Vogelwelt ist mit etwa 70 Arten ebenfalls reichhaltig (siehe auch Klammen und Felsen). Bemerkenswert sind neben der im Hollersbach jagenden Wasseramsel und der Gebirgsstelze sowie dem im Durchzug auf Schotterbänken rastenden Flussuferläufer verschiedene Spechtarten wie Dreizehenspecht und Schwarzspecht. Zu den Eulenarten zählen hier Raufußkauz und der kleine Sperlingskauz. Die Gruppe der Raufußhühner ist mit Auerhuhn, Birkhuhn, Haselhuhn und Schneehuhn ebenfalls gut vertreten. Mit etwas Glück ist an feuchteren Bereichen an Felsen auch der Alpenmauerläufer zu beobachten.

Die Reptilien sind mit Bergeidechse und Kreuzotter vertreten, die Amphibien mit Grasfrosch und Alpensalamander. Im Talbeginn bzw. in Ortsnähe sind auch der Laubfrosch und die Erdkröte anzutreffen.

Die Forstwirtschaft Im Spätmittelalter wurden auch die Tauerntäler zunehmend für die Zwecke des Salinenwesens geschlägert. Vermutlich erfolgte die erste großflächige Schlägerung im Jahr 1586, der linksufrige steilere Waldbereich vermutlich im Jahr 1713. Der Wald gehört weitgehend zu den früheren fürsterzbischöflichen Waldungen, die heute im Eigentum der Bundesforste stehen. Nur ein kleiner Teil gehört ansässigen Bauern. Der Schutzwaldanteil beträgt etwa 30 %. Der übrige Teil ist Wirtschaftswald. Um 1980 wurden im Hollersbachtal etwa 2000 Festmeter Holz jährlich entnommen.

Almen und ihre Nutzung Grundalmen Das Hollersbachtal wurde in den letzten drei bis vier Jahrzehnten durch schrittweise Intensivierungsmaßnahmen zum almwirtschaftlich am intensivsten genutzte Tauerntal im Oberpinzgau. Rechtsseitig im Tal liegt der Großteil der Almen im Hollersbacher Tal.- Dazu gehören: Die Almhütten der Vorderen und der Hinteren Ofneralm mit ihren Almhütten nächst dem Ofner Boden und die kleine Rossgrubalm direkt am Almweg gelegen. Die Hütte der Sauersteinalm liegt unmittelbar auf einem steilen Felsenabbruch über dem Talboden. Hinter der Almhütte sorgt eine künstliche Erhebung dafür, dass allfällige Lawinen im Winter oder auch allfälliger Steinschlag neben die Hütte abgelenkt werden. Die Alm wird vom neuen Eigentümer, dem Schuhbichlbauern seit einigen Jahrzehnten auch als „Schuhbichlalm“ bezeichnet. Auch der Name Bramlalm war geläufig. Nachdem im Hollersbachtal aber seit fürsterzbischöflicher Zeit bereits eine Schuhbichlalm besteht, führen diese Namen z. T. zur Verwirrung. Im Raum der Sauersteinalm liegt der ehemalige Gasthof „Edelweiß“, Talauswärts folgt die große Ottacher Grundalm mit zwei Ställen und einer neu erbauten großen Almhütte. die Senningeralm (auch „Senningerbräualm“), wird seit der frühen Nachkriegszeit nicht mehr als Almwirtschaft geführt. Die dortige Hütte ist seit vielen Jahrzehnten ein Ausflugsgasthof. Die Lahneralm wurde früher nach dem „Speibinggraben“ auch Speibingalm genannt. Nach der wohl ebenfalls nicht mehr genutzten Wirtsalm folgt talauswärts die Leitneralm (früher auch Leitenalm) am Beginn des ausgeprägten Trogtales.