Rave Un2 the Joy Fantastic ( für Schwärmen zu der fantastischen Freude) ist das 23. Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Es erschien am 9. November 1999 bei Arista Records / NPG Records und ist das sechste sowie letzte Studioalbum, das Prince unter dem Pseudonym des unaussprechbaren Symbols veröffentlichte. Nach Differenzen mit Warner Bros. Records hatte er 1993 seinen Künstlernamen abgelegt und nahm ihn erst im Mai 2000 wieder an. Mit dem Album arbeitete Prince erstmals seit 1996 wieder mit einem Major-Label zusammen; seine vorherigen Veröffentlichungen hatte er über sein eigenes Label NPG Records vertrieben.

Die Musik zählt zu den Genres Contemporary R&B, Funk, Pop und Rock. Einzelne Liedtexte werden als Anspielungen auf Prince’ damalige Ehefrau Mayte Garcia gedeutet, mit der er 1999 eine Ehekrise durchlief und sich im Mai 2000 scheiden ließ. Darüber hinaus greift Prince Themen auf, die bereits seine Songs der 1990er-Jahre prägten, darunter Affären, Liebe, sexuelle Anzüglichkeiten, zwischenmenschliche Beziehungen sowie Kritik an der Musikindustrie.

Als musikalische Gäste wirken Ani DiFranco, Chuck D, Clare Fischer, Eve, Gwen Stefani, Larry Graham, Maceo Parker und Sheryl Crow mit, von der Prince auf dem Album eine Coverversion veröffentlichte – eine in seiner Karriere sehr seltene Ausnahme bei Studioalben. Im Vergleich zu anderen Veröffentlichungen von Prince erhielt Rave Un2 the Joy Fantastic von Musikkritikern überwiegend zurückhaltendes Lob.

In kommerzieller Hinsicht erreichte das Album zwar Goldstatus in den USA, platzierte sich international jedoch kaum in den Top 20 der Charts. Eine Tournee zum Album absolvierte Prince nicht, trat jedoch im Rahmen einer Werbekampagne zwei Wochen lang in Europa auf. Dabei hatte er drei Fernsehauftritte in Deutschland, was weder zuvor noch später wieder vorkam. Mit der Zusammenarbeit mit Arista Records zeigte sich Prince sehr unzufrieden und machte insbesondere den Labelgründer und damaligen Geschäftsführer Clive Davis dafür verantwortlich.

Im April 2001 veröffentlichte Prince das Album Rave In2 the Joy Fantastic, das Remixversionen der Songs von Rave Un2 the Joy Fantastic enthält.

Entstehung mini|links|Ani DiFranco, 2005 Das Titelstück Rave Un2 the Joy Fantastic nahm Prince bereits am 24. Juli 1988 in den Olympic Studios in London auf,Uptown (2004), S. 443. als er mit seiner Lovesexy Tour im Vereinigten Königreich unterwegs war. Da der Song seiner Ansicht nach seinem Hit Kiss (1986) zu stark ähnelte, verzichtete er zunächst auf eine Veröffentlichung.Thorne (2017), S. 351.Hahn (2016), S. 315. Die übrigen Stücke, darunter eine überarbeitete Version des Titeltracks, nahm Prince Anfang bis Mitte 1999 in seinem Paisley Park Studio in Chanhassen auf.Ro (2011), S. 297.Clerc (2023), S. 374–380. Nach Angaben des Toningenieurs Hans-Martin Buff (* 18. Juni 1969 in Garmisch-Partenkirchen), der von 1996 bis 2000 für Prince tätig war, war The Greatest Romance Ever Sold der letzte für das Album aufgenommene Song.Thorne (2017), S. 352.

Seit 1984 arbeitete Prince wiederholt mit dem Arrangeur Clare Fischer zusammen, der Saiteninstrumente zu seinen Songs beitrug. Während Prince Fischer die Stücke zuvor auf Kassetten zusandte, erfolgte dies ab 1999 über Pro Tools. Auf Rave Un2 the Joy Fantastic arrangierte Fischer gemeinsam mit The NPG Orchestra entsprechende Parts bei den vier Stücken Man ‘O’ War, segue, Silly Game und The Sun, the Moon and Stars; die Aufnahmen entstanden in den O’Henry Sound Studios in Burbank.

Die Hornheads sind ein 1991 gegründetes Blechbläserquintett, das erstmals am 3. Juni 1991 bei einem Livekonzert mit Prince auftrat. Für Rave Un2 the Joy Fantastic spielte die Band am 17. Mai 1999 im Paisley Park Studio Overdubs zu den Songs Hot Wit U und Man ‘O’ War ein.Uptown (2004), S. 236.

Nachdem Ani DiFranco am 3. Juni 1999 gemeinsam mit Gastmusiker Maceo Parker ein Konzert im Midway Stadium in Saint Paul gegeben hatte, lud Prince beide in sein Paisley Park Studio ein. DiFranco steuerte für 18x18px Love U, but 18x18px Don’t Trust U Anymore akustische Gitarren bei, während Parker dem Song Prettyman Saxophon-Parts hinzufügte. Am 1. Juli 1999 nahm Prince mit Sheryl Crow Baby Knows auf. Bei einem Konzert am 10. Juli 1999 im Paisley Park Studio befand sich unter anderem Gwen Stefani von No Doubt im Publikum; sie blieb anschließend in Chanhassen und sang den Gesangspart für So Far, So Pleased ein.Uptown (2004), S. 239. Die Stücke Baby Knows und So Far, So Pleased mischte Prince Ende Juli 1999 in den Electric Lady Studios in New York City ab. Mitte August fügte Chuck D von Public Enemy im Paisley Park Studio Rap-Passagen zu Undisputed hinzu.

Vom 10. bis 15. September 1999 arbeitete Prince erneut in den Electric Lady Studios; in diesem Zeitraum nahm Eve ihre Gesangsparts für Hot Wit U sowie für den Adam & Eve Remix von The Greatest Romance Ever Sold auf. Anschließend stellte Prince das Album Rave Un2 the Joy Fantastic fertig.

Zusammenarbeit mit Arista Records mini|Clive Davis, 2007 Anfang April 1999 traf sich Prince in New York City erstmals mit Clive Davis,Uptown (2004), S. 235. der damals Chef und Gründer von Arista Records (1974) war. Sie besprachen eine mögliche Zusammenarbeit für ein neues Studioalbum und trafen sich Ende Mai 1999 erneut, wobei Prince erste Songs von Rave Un2 the Joy Fantastic präsentierte; Davis zeigte sich begeistert, ließ die Stücke jedoch nicht anderen Führungskräften von Arista anhören. Gemeinsam mit dem Rechtsanwalt L. Londell McMillan (* 1966) regelte Prince die Modalitäten der Zusammenarbeit und erhielt von Davis einen Vorschuss von 11 Millionen US-Dollar (damals ungefähr 10,4 Millionen Euro), eine Million US-Dollar mehr als bei seinen Verträgen mit Warner Bros. Records.Uptown (2004), S. 237.Ro (2011), S. 300.Draper (2016), S. 147.

Im Juni 1999 veröffentlichte Arista Records das Album Supernatural von Carlos Santana, den Davis unter Vertrag genommen hatte.Hahn (2016), S. 310. Wie bei Rave Un2 the Joy Fantastic traten auf Supernatural mehrere bekannte Gastmusiker auf. Bis November 1999 verkaufte sich das Album allein in den USA fünf Millionen Mal; 2000 erhielt Santana für Supernatural acht Grammys.

Am 24. August 1999 veröffentlichte Warner Bros. Records das Prince-Album The Vault … Old Friends 4 Sale, einen Tag später kündigten Arista Records und NPG Records per Pressemitteilung Rave Un2 the Joy Fantastic an. Innerhalb der USA wurde das Album von NPG Records über Arista lizenziert, international über BMG – damals ein Tochterunternehmen des Bertelsmann-Konzerns, zu dem auch Arista gehörte. Die Kooperation galt ausschließlich für Rave Un2 the Joy Fantastic; Prince behielt sämtliche Rechte an den Master Tapes.Uptown (2004), S. 240.Hahn (2016), S. 312. In Interviews betonte er, dass er bei Arista „keinen Vertrag, sondern nur eine Vereinbarung“ getroffen habe.

Als Produzent von Rave Un2 the Joy Fantastic ist „Prince“ angegeben, obwohl er zu dieser Zeit ein unaussprechbares Symbol als Pseudonym nutzte. Er sprach gelegentlich in der dritten Person und erklärte, „Prince“ wisse, wie Hits geschrieben werden, und sei „ein guter Entscheidungsträger“.Uptown (2004), S. 242.Hahn (2016), S. 318. Davis lobte ihn und betonte, Prince sei der Künstler, mit dem er „am liebsten“ zusammenarbeiten wolle. Seine Entscheidung, nach drei Jahren wieder mit einem Major-Label zu kooperieren, begründete Prince folgendermaßen: „Ich glaube, ich musste eine Weile aus der Plattenindustrie aussteigen, damit ich meine Kunstfertigkeit zurückgewinnen und wieder ermächtigt werden konnte. Die Probleme, die ich mit so genannten Majors hatte, betrafen Eigentum und langfristige Verträge. Beide Probleme sind in meiner Vereinbarung mit Arista nicht existent.“Uptown (2004), S. 241. Zudem hätten frühere Komplikationen mit Musiklabels ihn daran gehindert, Gastmusiker auf seinen Alben einzusetzen.Uptown (2004), S. 244.

Als Führungskräfte von Arista Records das Album Rave Un2 the Joy Fantastic hörten, waren sie deutlich weniger beeindruckt als Clive Davis anfangs. Nach Prince’ Tod 2016 berichtete Toningenieur Hans-Martin Buff, Davis habe mehrfach im Paisley Park Studio angerufen, um Änderungen am Album zu verlangen. Prince habe diese Anrufe im Laufe der Zeit absichtlich nicht mehr entgegengenommen und stattdessen Buff ans Telefon geschickt, um seine Anwesenheit zu verschleiern.Azhar (2016), S. 103.

Vermarktung Anlässlich der Veröffentlichung von Rave Un2 the Joy Fantastic gab Prince so viele Interviews wie nie zuvor in seiner Karriere. Außerdem spielte er vereinzelt Konzerte zur Promotion des Albums. Auftakt der Werbekampagne war am 16. September 1999 im Auditorium des Equitable Building in Manhattan, New York City, wo Clive Davis eine „Listening Party“ für 500 geladene Gäste organisierte. Davis spielte den Gästen die meisten Songs des Albums vor und erzählte dazu Anekdoten, bevor Prince ein 50-minütiges Konzert gab, ohne Stücke des neuen Albums zu spielen. Nur wenige der anwesenden Musikjournalisten berichteten über die Veranstaltung.Hahn (2016), S. 317. Am 9. Oktober 1999 folgte eine weitere „Listening Party“ im Hotel Fontainebleau Miami Beach in Florida.Uptown (2004), S. 243. Anschließend wollte Prince ein Musikvideo zu The Greatest Romance Ever Sold produzieren und in den USA auf Tournee gehen, was BMG jedoch verweigerte; das Label wollte das Album zunächst in Europa bewerben.Ro (2011), S. 302.

Am 15. November 1999 begann Prince eine zweiwöchige Werbekampagne durch Europa, bei der er Interviews gab und in Großbritannien, Frankreich, Spanien, Deutschland und den Niederlanden auftrat. Geplante Auftritte in Schweden sagte er ohne Angabe von Gründen ab und kehrte am 29. November 1999 in die USA zurück.Uptown (2004), S. 247.

Als Prince am 18. November 1999 bei Top of the Pops in London den Song Baby Knows spielte, kam es nach dem Auftritt zu einem Eklat: Er ließ den gesamten Backstagebereich von allen Mitarbeitern außer seiner Crew räumen, um ein Interview mit einem Reporter der BBC ungestört führen zu können. Auch Robbie Williams musste den Bereich verlassen, worauf er folgendes sagte: „Can you fucking believe that? I’d like to give him a kicking like it’s 1999 [Anspielung auf Liedtext in 1999], only he’s got too many minders.“Uptown (2004), S. 245–246. („Könnt ihr das verdammt nochmal glauben? Ich würde ihm gerne einen Tritt verpassen, als wäre es 1999, aber hat er zu viele Aufpasser“)

Am 25. November 1999 trat Prince erstmals im deutschen Fernsehen auf und war musikalischer Gast in Die Harald Schmidt Show. Anschließend war er bei Die Glücksspirale sowie auf VIVA zu sehen, wo Charlotte Roche ihn in Fast Forward interviewte. Diese drei Auftritte blieben die einzigen im deutschen Fernsehen während seiner Karriere. mini|Gwen Stefani, 2003 Ab Januar 2000 war Rave Un2 the Joy Fantastic kaum noch in den Top 100 der internationalen Charts vertreten. Prince warf Arista unzureichende Musikpromotion vor, während das Label ihn als zurückgezogen und wenig kooperativ einschätzte.Ro (2011), S. 303. Öffentlich kritisierte Prince Clive Davis und wollte das Album nur weiter bewerben, falls Arista eine zweite Single auskoppeln würde, was Davis nicht zusicherte und sagte: „Ich hatte gedacht, dass Sie anders sein würden, als Sie in der Presse beschrieben wurden. Jeder hatte mich gewarnt.“Hahn (2016), S. 320.Hahn (2016), S. 321. Prince plante nach The Greatest Romance Ever Sold als zweite Single das Duett So Far, So Pleased mit Gwen Stefani, benötigte dafür jedoch die Zustimmung von Interscope Records, Stefani’s damaligem Label, die verweigert wurde.Ro (2011), S. 304.