mini|Die Tebaga-Clausura befindet sich oben links in der Karte
Tebaga-Clausura ist die moderne Bezeichnung eines römischen Sperrwerks des Prinzipats, das für Sicherungs- und Überwachungsaufgaben am rückwärtigen Limes Tripolitanus, einem tiefgestaffelten System von Kastellen und Militärposten,Michael Mackensen: Kastelle und Militärposten des späten 2. und 3. Jahrhunderts am „Limes Tripolitanus“. In: Der Limes 2 (2010), S. 20–24; hier: S. 22. in der römischen Provinz Africa proconsularis, später Tripolitania, zuständig war. Die in vielen Abschnitten sehr gut erhaltene Befestigungslinie wurde in der Tebaga-Enge zwischen dem Höhenzug des Djebel Tebaga und dem Djebel Melab, einem Ausläufer des Matmatagebirges, in Südtunesien, Gouvernement Gabès, errichtet.
Lage Die über 17 Kilometer lange, in der steinigen Halbwüste errichtete Clausura sollte eine breite Talsenke und deren Umland sichern. Die Senke befindet sich zwischen der halbmondförmig, von Nordosten nach Südwesten gestreckten Antiklinale des Djebel Tebaga und dem von Südosten heranstoßenden Djebel Melab, einem Ausläufer des von schichtkammartigen Höhen geprägten Matmatagebirges,Horst Mensching: Die südtunesische Schichtstufenlandschaft als Lebensraum. In: Mitteilungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft 10, 1963, S. 82–93; hier: S. 86. das wiederum zur Berglandschaft des Djebel Dahar gehört. Für die römischen Militärplaner war die Talsenke von äußerster Wichtigkeit, da an diesem Korridor zum letzten Mal aus dem Östlichen Sandmeer heranstürmende feindliche Kräfte kontrolliert abgefangen werden konnten, bevor sie die fruchtbare Arad-Ebene und die Küstenstädte erreichten.David J. Mattingly: Tripolitania. University of Michigan Press, 1994, ISBN 0-472-10658-9, S. 109. In seiner Gesamtausdehnung war das Sperrwerk von Südosten nach Nordwesten orientiert. Es schirmte lediglich den tiefsten Punkt der Talsenke in einem nach Südwesten abfließenden Wadi auf rund 150 HöhenmeternTebaga-Clausura, tiefster Punkt bei sowie den vollständigen Djebel Tebaga bis auf rund 395 Höhenmeter ab. Von dieser Höhe steigen die erhalten gebliebenen Baureste der Sperre noch in nordwestliche Richtung auf rund 315 Höhenmeter hinab, um dann unmittelbar vor der senkrechten westlichen Abbruchkante des Djebel zu enden. An dieser Stelle ist ein weiter Blick in das Sedimentbecken des ebenfalls von den Römern gesicherten Schott Fedjedj möglich. Eine Geländesituation, die bereits während der Antike so vorhanden war.Tebaga-Clausura, nordwestlicher Endpunkt bei Weiter südöstlich, bereits im ansteigenden Einzugsbereich des Djebel Melab, zieht sich die Clausura auf rund 230 Höhenmeter und fällt dann steil in ein kleines Wadi herab, um dort unvermittelt am Fuße des Hangs bei rund 195 Höhenmetern zu münden.Tebaga-Clausura, südöstlicher Endpunkt bei Es lässt sich an diesem Punkt keine Fortsetzung der Anlage beobachten und es ist nicht nachvollziehbar, wie das anschließende, zunächst noch leichter zu querende Gelände, gesichert wurde. Wahrscheinlich war dies eine der Aufgaben des vorgelagerten, 0,24 Hektar großen Kleinkastells Benia Guedah Ceder.Kleinkastell Benia Guedah Ceder bei Dieses Kleinkastell entstand am Rand einer kleinen fruchtbaren Ebene,Pol Trousset: Recherches sur le limes Tripolitanus, du Chott el-Djerid à la frontière tuniso-libyenne. (Etudes d’Antiquites africaines). Éditions du Centre national de la recherche scientifique, Paris 1974, ISBN 2-222-01589-8. S. 68. die zeitweilig unter anderem mit Wasser aus dem die Tebaga-Clausura an ihrem tiefsten Punkt durchfließenden Wadi gespeist wurde.
Die Clausura besitzt etwas nördlicher von dem zuletzt genannten Endpunkt offenbar noch eine Fortsetzung in Richtung Nordosten. Zwischen den beiden Enden liegt der breite Hauptarm des verzweigten Wadis, das nach einem Knick um fast neunzig Grad anschließend durch die Clausura in die kleine Ebene am Kleinkastell Benia Guedah Ceder fließt. Die nordöstliche Erweiterung der Clausura, die sich in ihrer Form am Gelände orientiert, zwängt den unmittelbaren Zugang zu dem einzigen TorTebaga-Clausura, Tor bei zusammen mit dem natürlichen Hindernis des Djebel Tebaga im Norden zangenartig ein. Der erhaltene Teil beginnt am Nordrand des Wadis.Tebaga-Clausura, Erweiterung, Südende bei Nach rund 40 Metern macht er einen großen Schwenk von neunzig Grad um den Fuß eines angrenzenden Hügels und führt anschließend noch rund 1,30 Kilometer geradeaus, um letztendlich am Westrand eines kleinen Trockentals zu enden.Tebaga-Clausura, Erweiterung, Nordende bei Das gesamte Teilstück lässt sich fast 2,40 Kilometer lang im Gelände verfolgen.
Forschungsgeschichte Seit dem späten neunzehnten Jahrhundert wurde die Tebaga-Clausura als eine lineare römische Grenzbefestigung erkannt. In den frühen Berichten gab es noch einige Verwirrung über die bautechnische Ausgestaltung des Hindernisses. So wurde sie einmal als niedrige Trockensteinmauer von vier Meter Breite beschrieben, ein andermal als Erdwall. Tatsächlich sind beide Aussagen richtig, da das Bauwerk als Wall und Graben über dem Schwemmboden des Tales und als Mauer an den Djebel-Steilhängen errichtet wurde. Der französische Forschungsreisende Paul Blanchet (1870–1900) legte noch vor Beginn der ersten Ausgrabung den ersten Kurzbericht der Anlage vor. Das einzige Durchgangstor wurde wenig später, im Jahre 1904, durch den französischen Offizier und Amateurarchäologen Raymond Donau (1862–1930) ergraben. Anschließend haben bis heute viele Forschergenerationen das Sperrwerk untersucht, wobei weitere Grabungen unterblieben.
Sowohl der britische Archäologe David Mattingly, als auch sein französischer Kollege Roger Guéry (1926–1997) untersuchten die Überreste römerzeitlicher Landhäusern (Villae rusticae) im Raum des Djebel Tebaga. Dabei stellten beide unabhängig voneinander eine bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. beginnende ländliche Besiedlung fest, die bis in die Zeit der oströmischen Verwaltung Nordafrikas reicht.Hédi Ben Ouezdou, Pol Trousset: Aménagements hydrauliques dans le Sud-Est tunisien. In: Contrôle et distribution de l’eau dans le Maghreb antique et médiéval. (= Collection de l'École française de Rome 426) École française de Rome, Rom 2009, ISBN 978-2-7283-0797-5, S. 1–18; hier: S. 10. Erst die mit Gewalt vorgetragene Islamische Expansion führte zu einem raschen und endgültigen Untergang der afrikanischen Antike während der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts.Vgl. Claude Lepelley: La cité africaine tardive. In: Jens-Uwe Krause, Christian Witschel (Hrsg.): Die Stadt in der Spätantike. Niedergang oder Wandel? (= Historia Einzelschriften 190), Franz Steiner, Stuttgart 2006, ISBN 3-515-08810-5, S. 13–31. Der radikale kulturelle Bruch führte dazu, dass nicht nur viele Städte verlassen wurden, sondern auch die ländlichen Regionen verödeten.
Baugeschichte mini|Lage der Clausura in der Enge von Tebaga Die in das dritte Jahrhundert n. Chr. datierenden Ostraca aus dem in Libyen gelegenen Grenzkastell Gholaia/Bu Njem bestätigen die Beteiligung einer regulären Garnison an routinemäßigen polizeilichen Aufgaben sowie der Überwachung von Zivilisten.Robert Marichal: Les ostraka de Bu Njem. In: Comptes rendus de l'Académie des Inscriptions et Belles-Lettres (1979), S. 436–437.
Der im Tal gelegene Bauabschnitt der Befestigungslinie aus Wall und Graben ergab ein rund 15 Meter breites Hindernis. Möglich wurde diese Technik durch die örtlichen Bedingungen, da das Gelände dort durch eine Vielzahl von Schwemmschichten geprägt ist. Mit der veränderten Bautechnik an den Berghängen passten sich die römischen Erbauer an die dort von der Natur gegebenen Bedingungen an. Auf dem zu Geröllhalden sedimentierten Lockergestein des von querstreichenden Rinnen unterbrochenen Tebaga-Schichtkamms sowie auf dessen von festem Gestein dominierten Höhenzügen, war nur ein Hochbau in Form einer Mauer möglich. Die Anlage in der Enge von Tebaga hat Parallelen am tripolitanischen Limes, darunter ist beispielsweise die Hadd-Hajar-Clausura. In der Vergangenheit wurde diskutiert, ob in den Veränderungen der Konstruktion verschiedene Bauphasen zu erkennen seien, was bis jetzt jedoch nicht eindeutig geklärt werden konnte.
Turm I Bis heute sind lediglich drei Turmfundamente am Hauptwerk der Clausura bekannt. Alle drei liegen am Djebel Tebaga. Einer dieser Türme wurde von dem französischen Archäologen Pol Trousset 1974 auf Höhe 425 verzeichnet.Pol Trousset: Recherches sur le limes Tripolitanus, du Chott el-Djerid à la frontière tuniso-libyenne. (Etudes d’Antiquites africaines). Éditions du Centre national de la recherche scientifique, Paris 1974, ISBN 2-222-01589-8, S. 63; Fig. 8. Er befindet sich an der Innenseite der über einen Gebirgsgrat des Tebaga laufenden Mauer auf rund 383 Höhenmetern. Material von diesem Turm wurde für die Errichtung eines Vermessungspfeilers an diesem Ort wiederverwendet. Die Mauer selbst ist hier gut erhalten. Von der Turmstelle aus ist der anschließende Streckenverlauf bis zum nordwestlichen Endpunkt der Clausura einsehbar. Zudem bietet sich ein weiter Blick in den Schott Fedjedj. Die Tebaga-Enge ist von hier aus nicht mehr sichtbar. Nach dem Abstieg der Mauer von dem Grat wurden die letzten rund 800 Meter aufgrund der Gegebenheiten wieder als Grabenwerk ausgeführt.Pol Trousset: Recherches sur le limes Tripolitanus, du Chott el-Djerid à la frontière tuniso-libyenne. (Etudes d’Antiquites africaines). Éditions du Centre national de la recherche scientifique, Paris 1974, ISBN 2-222-01589-8, S. 64; Tebaga-Clausura, Turm I bei
Turm II Ein weiterer Turm, der sich bereits in Unterhanglage befindet, wurde südöstlich, auf 240 Höhenmetern errichtet. Erstmals ist der Fundort 1906, in einem für das Militär geschriebenen Rapport des französischen Historikers Jules Toutain (1865–1961), erwähnt worden.Jules Toutain: Notes et documents sur les voies stratégiques et sur l’occupation militaire du Sud tunisien à l’époque romaine, par MM. les capitaines Donau et Le Boeuf, les lieutenants de Pontbriand, Goulon et Tardy, Imprimerie nationale, Paris 1906, S. 333. Jahrzehnte später dokumentierte der französische Luftbildarchäologe Jean Baradez (1895–1969) die Turmstelle und berichtete 1949 von seinen Beobachtungen.Jean Baradez: Fossatum Africae. Recherches Aériennes sur l’organisation des confins Sahariens a l’Epoque Romaine. Arts et Métiers Graphiques, Paris 1949, S. 146. Das Turmfundament liegt ebenfalls an der Innenseite der hier noch als Mauer aufgeführten Clausura. Das Bauwerk besitzt einen runden Grundriss von acht Metern Durchmesser. und ist von einem rundlichen Wall und Grabenwerk umgeben, das mit einem Durchmesser von 25 Metern eingemessen wurde. Die Anlage schließt unmittelbar an die Mauer an. Von der Turmstelle aus konnte unter anderem das vor dem Sperrwerk liegende Wadi Batoum, einem Nebental des Wadis Guedah el Baguel, eingesehen werden.Pol Trousset: Recherches sur le limes Tripolitanus, du Chott el-Djerid à la frontière tuniso-libyenne. (Etudes d’Antiquites africaines). Éditions du Centre national de la recherche scientifique, Paris 1974, ISBN 2-222-01589-8, S. 64; Tebaga-Clausura, Turm II bei
Turm III