Der Kia Picanto, auch Kia Morning (Hangeul: 기아 모닝), ist ein fünftüriger, viersitziger (in der Importversion fünfsitziger) Kleinstwagen mit Steilheck des südkoreanischen Autoherstellers Kia Motors.
Die Einführung in Deutschland erfolgte im April 2004. Der Modellname in Korea lautet Morning (der Morgen). Es gab zwei lieferbare Ausstattungsvarianten: die LX- und die besser ausgestattete EX-Variante. Laut Herstellerangabe hat das Fahrzeug den größten Innenraum seiner Klasse. In Deutschland mit zwei verschiedenen Motoren zur Wahl: ein Otto- und ein Dieselmotor. Im Dezember 2007 erhielt er eine Modellpflege. Mit dieser verschwand auch die Dieselvariante aus dem Programm.
Beschreibung Das Fahrzeug gewann zahlreiche Vergleichstests gegen direkte Konkurrenten, wie etwa den Fiat Panda. Aber auch gegen etwas größere Wagen, wie den VW Polo, trug er in einem Test der Auto Bild einen Sieg davon. In allen Tests wurden Bremsen, Fahrwerk, Verarbeitung, Material und das Raumangebot (auch im Fond) sehr gelobt, die Kofferraumgröße fand indes mit nur 105/127 Litern keinen Beifall. Der ADAC schloss seinen Test mit den Worten: „unbedingt empfehlenswert“. Ein annähernd gleich ausgestatteter Volkswagen Fox, den es aber nur als Dreitürer gibt, kostete nach Listenpreis rund 3.500 € mehr als ein Picanto EX. Daher wurde der Picanto oftmals als Preisbrecher bezeichnet. KIAs aggressive Preisgestaltung ist offenbar darauf zurückzuführen, dass eine Erhöhung der Marktanteile in Deutschland angestrebt wird. In der Regel zahlt der Kunde bei KIA oft deutlich weniger als den Listenpreis.
Geschichte Der Vorgänger des KIA Picanto war der KIA Pride (1989 bis 2000). Im Gegensatz zum Pride gibt es den Picanto nicht in einer Kombiversion. Zur Einführung in Deutschland, die gleichzeitig mit dem ersten Kinofilm der Comicfigur Garfield stattfand, wurden einige Vorführwagen mit großformatigen Aufklebern Garfields versehen; drei von ihnen wurden von FOX in Deutschland verlost. KIA bot dieses Aufkleberset zum Preis von 200 € (inkl. Anbringung) auch für Privatkunden zum Nachrüsten an.
Design Im Entwicklungszentrum Rüsselsheim wurde die Karosserieform (der Chefdesigner in Korea war Kang Lee) mitentwickelt, um es besser an den europäischen Geschmack anzupassen. Ebenso erfuhr das Fahrwerk eine feinere Abstimmung, die dem hiesigen Markt und Käufern gerecht wird. Rüsselsheim entwickelte den Dreizylinder-Dieselmotor eigenständig im „Dieselkompetenzzentrum“.
Das Design orientiert sich an den zeitgenössischen europäischen Kleinwagen und unterscheidet sich weitestgehend nur in der Seitenlinie von seinen Mitbewerbern.
An der Front fallen die übergroßen, zurückgesetzten Klarglasscheinwerfer mit integrierten Blinkern und der ovale, im Stoßfänger integrierte und leicht vorspringende Kühlergrill auf. Diese Attribute verleihen dem Fahrzeug das typische „Kindchengesicht“ dieser Klasse. Hierin ähnelt er dem Citroën C2 oder dem Ford Fiesta. Die Seitenlinie ist recht weit hochgezogen und endet am Heck mit einem „Hüftschwung“, wie er zuletzt in den 1960er-Jahren üblich war, aber auch im beginnenden 21. Jahrhundert von den Automobildesignern gerne wieder verwendet wird. Dieses Merkmal teilt der Picanto mit dem BMW X3 und dem Hyundai Santa Fe. Das leicht abfallende Heck mit dem extrem kurzen Radüberhang, den großen Klarglasleuchteinheiten und der schwarz unterlegten Heckscheibe findet sich in ähnlicher Form auch beim Citroën C2 oder beim Chevrolet Kalos wieder.
Modellpflegen Januar 2008
Bei dieser Modellpflege erhielt der Wagen Scheinwerfer in Tropfenform, wie sie auch gleichzeitig der Suzuki Alto und Opel Agila bekamen, nachdem sie 2003 mit dem Nissan Micra erschienenPicanto BA - Designer der Modellpflege 2007 (PDF; 181 kB). Auch die Rückleuchten erhielten ausgeformte Ringe, wo zuvor glatte Linien verliefen. Solche zeigt nun die Mittelkonsole, deren glattere Gestalt aufgeräumter wirkt. Dabei verschwanden jedoch zwei Ablagen, eine größere unter dem nun doppelt so hohen Radio, sowie eine links des Lenkrads durch dortige Anbringung der Leuchtweitenregulierung.
Der Kühlergrill wurde kleiner, wabenförmig und in der Topausstattung chromdurchzogen. Dahinter arbeitete in nur noch wenigen Ländern der Diesel, welcher über Reimporte aber weiter nach Deutschland fand. Sonst waren die unveränderten Ottomotoren anzutreffen. Die Topausstattung Cool erkennt man an Blinkern in den Seitenspiegeln.
Sicherheitsseitig gab es eine relevante Ergänzung: das erhältlich gewordene ESP. Es musste in jeder Ausstattung dazubestellt werden, in der Basis war es nicht erhältlich: Picanto Attract verfügen wie drei Viertel der Kleinstwagen von 2010 über kein ESP. Wohl auch deshalb wurde im November 2011 EU-weit das ESP zur Pflichtausstattung neu vorgestellter Modelle.ESP-Pflichten in der Europäischen Union Dem Attract fehlen auch hintere Scheibenbremsen, denn diese wurden nur noch mit dem ESP verbaut. Ein Vergleichstest der jeweiligen Bremswege fand nicht statt, Trommelbremsen verlängern diesen aber nicht unbedingt. Zudem enthält der Attract als einzige deutsche Ausstattung der Modellgeschichte keine Seitenairbags. Sein Preis war mit der Einstiegsvariante LX von 2004 dennoch gleich: 8700 Euro.Picanto-Vorstellung 2004
Komfortseitig fand ein USB-Anschluss ins Fahrzeug, zumindest in der Topausstattung Cool (→ Ausstattung). MP3-CDs spielte das Radio seit 2004, 2005 wurde es serienmäßig. Das Navigationssystem wurde nun portabel und stammte nicht mehr von Becker, sondern Clarion. Damit ausgestattete Fahrzeuge haben Seltenheitswert, ebenso das rein optisch wirkende Sportpaket. Außen verdunkelte es Frontleuchten und Schürzen, innen rahmten angedeutete Röhren in Aluoptik die Instrumente. Echtes Aluminium erhielten die Pedale.
Gelenkt wurde nun mit elektrischer Servounterstützung. Dabei unterstützt der Elektromotor nur noch tatsächliche Lenkvorgänge, während eine hydraulische durchweg Öldruck für eventuelle Lenkmanöver aufbaut. Die neue Lenkung wertet der ADAC besser als die hydraulische (Note 3,1 zu 3,7).Picanto BA - ADAC-Test 2004 (PDF; 163 kB)Picanto BA - ADAC-Test 2007 (PDF; 196 kB) Die Elektronik kann einen künstlichen Lenkwiderstand aufbauen, der bei hohen Geschwindigkeiten mehr Stabilität vermittelt. Das Lenkrad erhielt das cee'd-Design, sein Lederbezug jedoch Kritik aufgrund dessen geringer Rutschfestigkeit.Picanto BA - Modellpflege 2008 -Rutschige Lenkradummantelung beim Facelift Hier bringt dem Attract seine Minderausstattung einen Vorteil.
Juni 2009 Diese Modellpflege blieb zunächst Südkorea und Vietnam vorbehalten, im Folgesommer 2010 erreichte sie Europa, im November Deutschland. Primär dynamisierte sie die Optik, im Detail hob sie den Komfort: Erstmals waren eine Rückfahrkamera (Anzeige im Innenspiegel) und eine Klimaautomatik erhältlich. Schwarz-silberne Felgen, senkrechte Nebelscheinwerfer, abgedunkelte Leuchten und eine angedeutete „Tiger Nose“ waren die äußeren Kennzeichen der Topausstattung, zu der nun ein Klappschlüssel Zugang gewährte. Innen wurde eine Volllederausstattung in schwarz oder cremefarben bestellbar. Eine andere Neuerung wurde serienmäßig und ging als einzige gleich in den Export: das Lenkrad in der Optik des Soul. Auffindbar ist diese Modellpflege anhand der neuen Ausstattungen Vision und Spirit, welche die früheren ersetzten.Picanto BA - Modellpflege Juni 2009 - TextPicanto BA - Modellpflege Juni 2009 - BilderPicanto BA - Modellpflege Juni 2009 - Video (Vietnam)
Januar 2010 Seit dem Jahresbeginn 2010 in Europa neu zugelassene Kia erhalten die 7-Jahres-Herstellergarantie (Details).
November 2010 Zum Modelljahr 2011 wurde in Deutschland das ESP serienmäßig und der Ottomotor erreichte Euro 5. Bis auf Lederausstattung und Rückfahrkamera waren in Europa nun alle Elemente der Modellpflege 2009 erhältlich, so in der deutschen Toplinie Spirit, in der nur die dunklen Leuchten und zweifarbigen Felgen optional blieben.
Crashtest Nur drei Sterne (von fünf möglichen) für die Insassensicherheit erreichte der Picanto des Baujahres 2004 im EuroNCAP Crashtest 11/2004 (ebenso der o. a. Fiat Panda). Das Ergebnis des Kinderschutzes fiel mit vier von fünf Sternen besser aus.
Die Ergebnisse im Detail: 17 Punkte gesamt 3 Sterne von 5 Sternen gesamt 4 Sterne von 5 Sternen im Kinderschutz 1 Stern von 4 Sternen im Fußgängerschutz
Als gravierende Mängel wurden angesehen: Bremspedal und Lenkrad schoben sich in Richtung des Innenraumes; harte Teile hinter dem Armaturenbrett bergen eine Verletzungsgefahr; trotz Gurtstraffer und -begrenzer wurden erhöhte Belastungen im Brustbereich festgestellt.
Zuverlässigkeit In einer 67.000 Fahrzeuge umfassenden Umfrage wählten 2010 Leser des Magazins „Which? Car“ den Picanto der Baujahre 2007 bis 2009 zum zuverlässigsten Modell. Ergebnisse der älteren Baujahre behielt die Verbraucherorganisation der Printausgabe vor. Erfragt wurden Pannen, Fehler und unerfreuliche, aber folgenlose Eigenschaften wie Quietschgeräusche.Picanto BA - Zuverlässigkeitsumfrage 2010 zu Baujahren 2007–2009
J.D. Power-Umfragen zu den Baujahren 2006 bis 2011 zeigen eine segmentübliche, konstante Zuverlässigkeit der Mechanik. Das Interieur wandelte sich von unter- zu überdurchschnittlich, Karosserie und Lack waren die durchweg segmentbesten. In der Umfrage 2012 erlangte auch die Mechanik die Bestnote. Bewertet wurden jeweils ein- bis dreijährige Fahrzeuge durch 17.000 britische Autobesitzer.Picanto BA - Zuverlässigkeitsumfrage 2009 zu Baujahren 2006–2008Picanto BA - Zuverlässigkeitsumfrage 2010 zu Baujahren 2007–2009Picanto BA - Zuverlässigkeitsumfrage 2011 zu Baujahren 2008–2010Picanto BA - Zuverlässigkeitsumfrage 2012 zu Baujahren 2009–2011
Das bestätigt der DEKRA-Gebrauchtwagenreport. Sein Vorteil liegt in Aussagen zur Langzeithaltbarkeit. Er teilt dazu aber nicht in Baujahre, sondern Fahrleistung ein. In der Klasse ab 100.000 km beträgt die Karosserie-, Rahmen- und Innenraummängelquote nur ein Fünftel der anderen Kleinstwagen. Die Antriebs- und Abgasprobleme sind um 40 % seltener als klassenüblich. Nach oben weicht der Picanto aber bei der Bremsleistung ab. Hier sind Sättel und Scheiben 30 % häufiger als bei anderen Kleinstwagen abgenutzt. Dazu könnte die segmentunübliche Autobahnnutzung beitragen. Am häufigsten sind ab 100.000 km die Elektrik- und Lichtmängel. Jedes zweite Fahrzeug weist sie auf, der Picanto mit 54 % etwas häufiger als die klassenüblichen 48 %. In den drei Mängelkategorien (keine, geringe, erhebliche) zeigt er leicht bessere Ergebnisse als die anderen Kleinstwagen.Picanto BA - DEKRA Gebrauchtwagenreport ab 100.000 km (MS Word; 74 kB)
In der Gesamtzufriedenheit ermittelte der ADAC 2012 ein Ergebnis leicht über dem Klassenmittel. Hier wurde nicht explizit nach der Zuverlässigkeit gefragt, sondern vom Komfort bis zur Wirtschaftlichkeit das allgemeine Empfinden von Besitzern der Jahrgänge 2008 bis 2010 erfragt. Alle Kleinstwagen wurden dabei zwischen 50 und 70 auf einer Skala von 100 eingereiht.
Folgende Mängel sind fahrzeugtypisch:
ABS-Ringe (vor 2006)
Vereinzelt kam es zu gesprungenen ABS-Ringen. Diese Zahnräder drehen sich mit den Radachsen. Ihr Wechsel von Vertiefung und Erhöhung ermöglicht eine induktive Drehzahlermittlung. Ein gesprungener Ring führt zu unterschiedlichen Ergebnissen an derselben Achse. Das ABS vermutet ein Rutschen und beginnt zu regeln – scheinbar grundlos. Aufgrund der geringen Differenz der Drehzahlen klingt auch das ABS-Geräusch ungewöhnlich, hörbar wird es meist bei sanftem Bremsen um 20 km/h. Bei unplausibel großen Differenzen erscheint schließlich die ABS-Warnleuchte. Grundlage des Problems ist Korrosion. Sie führt zu leichter Expansion der Ringe und überlastet dieselbigen.Picanto BA - ABS-Ringdefekt mit Reparaturbeschreibung und Bildern (englisch) ABS-RingePicanto BA - ABS-Ringdefekt Problembeschreibung (deutsch)
Motoren
Bis zum Herbst 2006 enthielten die Antriebe Bauteile, die zu weich oder im falschen Maß verbaut waren und so bei manchen Fahrzeugen zu Problemen führten.