Die Sea-Watch 3 war ein Schiff der Organisation Sea-Watch mit Sitz in Berlin.Wir brauchen nicht mehr Regeln, wir brauchen mehr Rettungsschiffe, Sea-Watch, 26. Juli 2017, abgerufen am 4. Juli 2018. Das Schiff war rund 50 m lang und fuhr zuletzt unter deutscher Flagge. Es wurde für die Seenotrettung im Mittelmeer eingesetzt.
Beschreibung Das Schiff wurde von zwei Viertakt-Sechzehnzylinder-Dieselmotoren von Caterpillar (Typ: D399TA) mit zusammen 1630 kW Leistung angetrieben, die über Untersetzungsgetriebe auf zwei Festpropeller wirkten., Zeeschepen of het Haringvliet, abgerufen am 5. Juli 2018. Es erreichte damit rund 10 kn., Rederij Groen. Das Schiff war mit einem Bugstrahlruder ausgestattet.
Für die Stromerzeugung standen zwei Generatorsätze mit 156 bzw. 184 kVA Scheinleistung zur Verfügung, die von einem Detroit-Diesel- und einem Caterpillar-Dieselmotor angetrieben wurden.
Während des Einsatzes als Furore G wurde das Schiff von acht Besatzungsmitgliedern betrieben, die in Einzelkabinen untergebracht waren. Außerdem fanden sieben weitere Personen in drei Doppel- und einer Einzelkabine Platz.
Die Sea-Watch 3 war die Nachfolgerin der Sea-Watch 2 (2016–2017) beziehungsweise der Sea-Watch (2015).
Geschichte Das Schiff wurde unter der Baunummer 211 von Shimoda Dockyard in Japan als Offshoreversorger gebaut. Die Kiellegung erfolgte 1972. Das Schiff wurde Anfang Juli 1973 an Petroleiro Brasileiro S.A. Petrobras Frota Nacional de Petroleiros in Rio de Janeiro abgeliefert und als Alegrete in Dienst gestellt. 1982 wurde es an Companhia Brasileiro de Offshore in Salvador verkauft.Jack Bouman: Na verkoop herdoopt, Koopvaardij, abgerufen am 5. Juli 2018.
1990 wurde das Schiff an Sunset Shipping in Douglas auf der Isle of Man verkauft und zu einem Offshore-Sicherheitsschiff umgebaut. Neuer Name des Schiffes wurde Seaboard Swift.
In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre wurde es mehrfach verkauft und umbenannt: 1995 kam es zu Hornbeck Shipping in Douglas und wurde in Hornbeck Swift umbenannt, 1997 als Swift zu Tidewater Marine (Northsea) in Den Helder und 1999 zur Rederij West Friesland in Den Helder, die es in Swift 1 umbenannte. Die Rederij West Friesland ließ es auf der Werft Frisian Shipyard in Harlingen zu einem Unterstützungsschiff für seismische Forschungen umbauen.
2004 kam das Schiff zu Telco Marine in Den Helder, wenige Monate später dann aber schon zu Vroon Offshore Service. Neuer Name des Schiffes wurde VOS Southwind. 2010 wurde das Schiff an die Rederij Groen verkauft und Ende des Jahres in Furore G umbenannt. Die Rederij Groen nutzte das Schiff als Offshore-Unterstützungsschiff.
Einsatz als Rettungsschiff
Im Jahr 2015 wurde das Schiff an Ärzte ohne Grenzen Spanien (Médicos Sin Fronteras España) in Barcelona verkauft. Die Nichtregierungsorganisation nutzte es als Dignity I für die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. 2017 übernahm der Verein Sea-Watch das Schiff und ersetzte damit die kleinere Sea-Watch 2. Kurzfristiges Besatzungsmitglied war auch Pia Klemp.
Am 6. November 2017 starben bei einem Tumult auf See mehrere Menschen. Sie waren ins Wasser gefallen oder gesprungen, als die Sea Watch 3 und ein libysches Boot bei der Bergung von Schiffbrüchigen einander in die Quere kamen.
Im Juni 2018 wurde das Schiff von den maltesischen Behörden im Hafen von Valetta festgesetzt, weil es angeblich nicht ordnungsgemäß unter niederländischer Flagge registriert gewesen sei. Obwohl die ordnungsgemäße niederländische Registrierung schon im Juli geklärt war, wurde der Sea-Watch 3 aus politischen Gründen die Ausfahrt aus Valetta bis Oktober verweigert.Matthew Vella: Malta still preventing Sea-Watch vessel from departing, despite positive inspection. Maltatoday, 11. September 2018, abgerufen am 23. November 2018.Christian Jakob: Rückkehr der Seenotretter. TAZ, 6. November 2018, abgerufen am 23. November 2018.Raphael Thelen und Andreas Evelt: „Sea-Watch 3“ hat alle Zulassungen – darf aber nicht auslaufen. Spiegel, 1. August 2018, abgerufen am 23. November 2018. Im Dezember 2018 reichte Sea-Watch Klage gegen das maltesische Verkehrsministerium ein, weil es eigenmächtig die freie Verfügung über die Sea-Watch 3 verhindert habe.Denise Grech: Transport Ministry taken to court over ‘abuse of power’. Malta Times, 11. Dezember 2018, abgerufen am 11. Dezember 2018.
Rechtsstreit um Hafenzugang in Italien
Januar 2019 Italien weigerte sich, die Sea-Watch 3 mit mehreren geretteten Menschen an Bord in einen seiner Häfen einfahren zu lassen, da vom Rettungsort aus der nächste sichere Hafen in Tunesien gewesen sei. Auf Klage des Kapitäns der Sea Watch und mehrerer geretteter Personen an Bord entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte im vorläufigen Rechtsschutz zehn Tage nach Rettung der 47 Menschen, dass Italien die Personen an Bord medizinisch und mit Lebensmitteln versorgen müsse. Weiter müsse den Minderjährigen an Bord rechtlicher Beistand zur Verfügung gestellt werden. Eigentlich hatten die Antragsteller gefordert, dass die Migranten das Boot verlassen dürften. Dem kam das Gericht nicht nach. Wenig später wurde aus dem Umfeld der italienischen Regierung bekannt, dass sich Vertreter Deutschlands, Frankreichs, Portugals, Rumäniens und Maltas zur Aufnahme der Personen bereit erklärt hätten.Colleen Barry und Menelaos Hadjicostis/AP: Italy: 5 EU nations will take in migrants stranded at sea. yahoo.com vom 29. Januar 2019.
Mai 2019 Mitte Mai 2019 rettete die Besatzung der Sea-Watch 3 erneut 65 Personen 60 Kilometer vor der libyschen Küste. Der italienische Innenminister Matteo Salvini sprach ein Verbot zum Befahren italienischer Hoheitsgewässer aus.Angelo Scarano: La Sea Watch con 65 migranti a bordo. Salvini: „Non avvicinatevi all'Italia“. In: ilgiornale.it, 15. Mai 2019. Wenig später nahm man die Verletzten und die Familien doch auf, 18 Personen gingen so mit einem Boot der Küstenwache an Land. Das Schiff selbst verblieb außerhalb der italienischen Gewässer 15 Seemeilen vor Lampedusa. Unter den verbliebenen 47 Menschen erwogen anschließend einige nach Angaben der Aktivisten Suizid, sollte man sie nicht ebenfalls an Land bringen.Alessandra Ziniti: La Sea Watch pronta a infrangere il divieto di Salvini entrando in acque italiane. In: repubblica.it, 18. Mai 2019. Schließlich steuerte die Besatzung am 18. Mai trotz des Verbots italienische Hoheitsgewässer an.UNHCR urges EU to stop sending migrants to Libya. In: DW.com, 19. Mai 2019. Humanitäre Gründe sowie der psychische Zustand der „Gäste“ zwängen dazu und man nehme sein Recht in Anspruch, den nächsten sicheren Hafen anzulaufen.Sea-Watch 3 mit dutzenden Migranten vor Lampedusa. In: Standard.at, 19. Mai 2019. Die Personen wurden vor Lampedusa von der italienischen Küstenwache und Finanzpolizei an Land gebracht. Das Schiff wurde vorsorglich beschlagnahmt. Salvini verlangte seine Außerdienststellung und Versenkung.Colleen Berry: Italy’s Salvini furious as 47 migrants land despite his ban. In: Washington Post, 20. Mai 2019, abgerufen am 21. Mai 2019. Er beschuldigte den Staatsanwalt, der die Anlandung angeordnet hatte, der „Beihilfe zur illegalen Einwanderung nach Italien“. Der Innenminister drohte, gegen jeden, der solche leiste, vorzugehen.Jörg Seisselberg: Salvini auf Crashkurs mit der Justiz. In: tagesschau.de, 21. Mai 2019, abgerufen am 21. Mai 2019. Am 1. Juni 2019 wurde das Schiff von den Behörden wieder freigegeben.„Sea-Watch 3“ in Italien wieder frei. In: tagesschau.de, abgerufen am 1. Juni 2019. Im Folgenden besuchte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, das noch nicht zugängliche Schiff, um seine Unterstützung für die Besatzung auszudrücken.EKD-Ratschef unterstützt Seenotretter. In: tagesschau.de, 3. Juni 2019, abgerufen am 17. Juni 2019.
Beschlagnahmung 2019 mini|Carola Rackete auf der Sea-Watch 3 2019 rettete die Sea Watch 3 mit 22 BesatzungsmitgliedernDas erzählen Weggefährten über die „Sea-Watch“-Kapitänin, tagesspiegel.de vom 3. Juli 2019 und 2 Mitarbeitern des NDR, darunter Nadia Kailouli, an BordNadia Kailouli mit Hintergründen zur „Sea-Watch 3“, ndr.de vom 1. Juli 2019 53 Menschen vor Libyen. Nach Angaben des Guest Coordinators der Besatzung handelte es sich um 38 Männer, 9 Frauen, 3 unbegleitete Minderjährige und 3 Kinder, die meisten von der Elfenbeinküste oder aus Ghana, einige kamen aus Mali, Guinea, Ägypten und Libyen. Zuerst 10, später weitere 3 Personen wurden meist aus medizinischen Gründen nach Italien an Land gebracht, 40 (32 Männer, 6 Frauen und 2 unbegleitete Jugendliche)Nürnberger Nachrichten vom 1. Juli 2019, S. 3, In der online-Ausgabe (https://www.nordbayern.de/politik/sea-watch-forchheimer-crewmitglied-verteidigt-kapitanin-1.9056486) fehlen Kapitel (darunter das betreffende der Print-Ausgabe) blieben an Bord, während das Schiff vor Lampedusa ohne Erlaubnis zum Einlaufen in Warteposition blieb. Innenminister Matteo Salvini bezeichnete das Schiff als Piratenschiff.„24 Stunden am Tag nur Wasser, und es bewegt sich nichts“. In: welt.de, 17. Juni 2019.Jörg Seisselberg: „Sea-Watch 3“ ignoriert Verbot. In: tagesschau.de, 26. Juni 2019, abgerufen am 26. Juni 2019.Migranti, Salvini: „Firmato divieto di ingresso per la Sea Watch“. Ong: „Non riporteremo nessuno in Libia“. In: repubblica.it, 15. Juni 2019. Das Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) sowie die Internationale Organisation für Migration appellierten an die europäischen Staaten, die Geretteten aufzunehmen.UN fordern Aufnahme von „Sea Watch“-Migranten. In: zdf.de, 21. Juni 2019, abgerufen am 4. Juli 2019. Am 21. Juni beantragten Kapitänin Rackete und mehrere Staatsangehörige verschiedener afrikanischer Staaten beim EGMR eine einstweilige Anordnung, um Italien zum Einlaufenlassen des Schiffes zu zwingen.Sea Watch appeals to Human Rights court. In: ansa.it, 24. Juni 2019. Den Eilantrag lehnte das Gericht jedoch am 25. Juni 2019 ab, da vorläufige Maßnahmen nur dann vorgesehen seien, wenn es ein „unmittelbares Risiko für irreparablen Schaden“ gibt. Die Situation an Bord des Schiffes rechtfertige derzeit keinen Zwang gegen Italien. Italien erhielt den Hinweis, dass das Gericht sich auf die notwendige Hilfe der Behörden gegenüber den „Personen, die sich in der Situation von Vulnerabilität befinden“, verlasse.Flüchtlinge scheitern vor Gericht und müssen auf See bleiben. In: Spiegel Online, 25. Juni 2019.Rackete et autres c. Italie – mesure provisoire refusée pour le Sea Watch 3. (PDF) In: Human Rights Documentation, 25. Juni 2019, abgerufen am 25. Juni 2019.Salvini wütet gegen deutsche Sea-Watch-Kapitänin Die Welt, 27. Juni 2019.
Am 26. Juni 2019 fuhr das Schiff trotz angedrohter hoher Geldstrafen in italienische Hoheitsgewässer ein, da nach zwei Wochen auf dem Schiff die Migranten „es nicht mehr aushielten“ und „einige gedroht hätten, über Bord zu springen“. Salvini forderte die Justiz zum schnellen Handeln aufJörg Seisselberg: Salvini wütet gegen „Sea-Watch“. In: tagesschau.de, 26. Juni 2019, abgerufen am 27. Juni 2019.Michael Braun: Angesteuert, aber nicht im Hafen. In: taz.de, 27. Juni 2019, abgerufen am 27. Juni 2019. und äußerte, dass Italien keine „Anlegestelle für Illegale“ sei.Kapitänin der „Sea-Watch 3“ will trotz Verbots in Italien anlegen. In: zeit.de, 26. Juni 2019, abgerufen am 26. Juni 2019. „Es ist ein holländisches Schiff von einer deutschen Nicht-Regierungsorganisation, die Migranten vor Libyen aufgenommen hat.“ Niemand verstehe, warum Italien und seine Bürger dafür verantwortlich seien und dafür bezahlen sollten. Das Schiff wurde von der Küstenwache gestoppt.„Sea-Watch 3“ vor Lampedusa gestoppt. In: tagesschau.de, 27. Juni 2019, abgerufen am 27. Juni 2019. Mehrere italienische Abgeordnete übernachteten daraufhin aus Solidarität auf dem Schiff.Zwei Migranten dürfen an Land. In: zdf.de, 28. Juni 2019, abgerufen am 4. Juli 2019.