mini|Panoramablick auf den Distrikt Kentron mit (von links nach rechts): Uhrturm des Rathauses, Ardschinbank (vorn), Glendale Hills Wohnhäuser (hinten), Turm der Jerewaner Brandy-, Wein- und Schnapsfabrik Ararat, Russische Botschaft, Berge des Ararat im Hintergrund

Kentron () ist einer der zwölf Distrikte Jerewans, der Hauptstadt Armeniens. Er umfasst die Innenstadt, das wirtschaftliche und politische Zentrum der Stadt. Die Volkszählung 2011 ergab eine Einwohnerzahl von .

Etymologie Das Wort kentron bedeutet wörtlich Zentrum auf Armenisch und hat dieselben etymologische Wurzeln wie das deutsche Wort, nämlich das altgriechische κέντρον (kéntron, „Zentrum“). Sein westarmenisches Pendant ist getron ().

Überblick Kentron grenzt im Westen an die Distrikte Adschapnjak und Malatia-Sebastia, im Süden an die Distrikte Schengawit und Erebuni, im Osten an den Distrikt Nor Nork und im Norden an die Distrikte Arabkir and Kanaker-Sejtun. Der Fluss Hrasdan fließt durch den westlichen Teil des Distriktes.

Der Distrikt ist inoffiziell in Viertel unterteilt: Noragjugh (), Pokr Kentron (), Nor Kilika (), Kond (), Dsoragjugh () und Ajgestan ().

Kond und Noragjugh gehören zu den sieben ursprünglichen Vierteln des alten Jerewan.

Geschichte links|mini|Rathaus Kentron Nachdem Armenien 1920/21 Teil der Sowjetunion geworden war, war sie erste Stadt der Sowjetunion, für die ein Generalplan erstellt wurde. Der „Generalplan von Jerewan“ des Architekten Alexander Tamanjan wurde 1924 bestätigt. Er sah ursprünglich eine Einwohnerzahl von vor. Die Stadt wurde schnell in eine moderne Industriemetropole mit über 1 Mio. Einwohnern umgewandelt. Außerdem wurden neue Bildungs-, Forschungs- und Kultureinrichtungen gegründet.

Tamanjan verband nationale Traditionen mit modernen urbanen Konstruktionen. Sein Entwurf sah eine kreisförmig-radiale Struktur vor, die sich in die bestehende Stadt integrierte und viele der bestehenden Straßen übernahm. Trotzdem wurden viele historische Gebäude des Stadtzentrums (dem heutigen Distrikt Kentron) abgerissen, einschließlich Kirchen, Moscheen, der Safawiden-Festung, Bädern, Basaren und Karawansereien.

Mit den Jahren wurde Kentron der am meisten entwickelte Distrikt Jerewans, was einem erheblichen Entwicklungsunterschied zu den anderen Distrikten der Stadt führte. Die meisten Bildungs-, Kultur- und Forschungseinrichtungen waren im Distrikt Kentron konzentriert.

Parks mini|Hochzeitspaar an der zentralen Fontäne des Englischen Parks Der Englische Park ( ) wurde 1860 angelegt und bis 1920 der einzige öffentliche Park Jerewans. 1910 wurde er wesentlich umgestaltet. Das erste Fußballspiel in Armenien fand 1920 in diesem Park statt, als eine Mannschaft aus Jerewan und eine aus Alexandropol miteinander spielten. Nachdem Armenien Teil der Sowjetunion geworden war, wurde der Park nach der Kommune von Baku benannt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Unabhängigkeit Armeniens erhielt er seinen Namen zurück. Im Park gibt es viele Denkmäler und Wasserspiele.

Der Ringpark ( ), seit 2005 auch Jugendpark erstreckt sich von der Kathedrale des Heiligen Gregor des Erleuchters im Süden über 5 km bis zum Poplawoksee im Norden. Es gibt zahlreiche Statuen, darunter für Alexander Sergejewitsch Gribojedow, Andranik Ozanian, Wardan Mamikonjan, Jeghische Tscharenz, Tigran Petrosjan, Mikajel Nalbandjan, Armen Tigranjan, Fridtjof Nansen, Awetik Issahakjan und Wahan Terjan.

Der Park der Liebenden ( ) aus dem 18. Jahrhundert umfasst 2,5 ha. Der Park hieß ursprünglich Kosernpark nach dem Jerewaner Viertel Kosern. 1949 wurde er umgestaltet und erhielt den Namen Puschkinpark. Ende der 1970er Jahre wurde er in Freundschaftspark umbenannt zu Ehren der Freundschaft der Völker der Sowjetunion untereinander. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Unabhängigkeit Armeniens entschied der Jerewaner Stadtrat dem Park seinen heutigen Namen zu geben, da er seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein beliebter Ort für Spaziergänge von Liebespaaren geworden war. 2005 bis 2008 wurde der Park nach Entwürfen des französisch-schweizerischen Architekten Pierre Rambach (1925–2003) umgestaltet. Es gibt ein Freiluft-Café und eine Amphitheater mit 215 Sitzen, in dem Filme gezeigt, Lesungen gehalten und Konzerte gegeben werden. 2010 wurde eine Statue für Geworg Emin errichtet.

Der Denkmalkomplex Zizernakaberd ( ) wurde 1965 bis 1968 auf dem gleichnamigen Hügel über dem Fluss Hrasdan zum Gedenken an den Völkermord an den Armeniern von 1915 erbaut. In den 1990er Jahren wurde ein unterirdische Museum gebaut und eine Gedenkmauer errichtet.

Der Chatschatur-Abowjan-Park ( ) wurde nach dem Vater der modernen armenischen Literatur Chatschatur Abowjan benannt. Der Park besteht aus einer dreieckigen Grünfläche und der kreisförmigen Innenfläche eines von der Abowjanstraße gebildeten Kreisverkehrs, in dessen Mitte ein Abowjandenkmal steht.

Weitere Parks im Distrikt Kentron sind der der Komitaspark ( ), der Schahumjanpark ( ) und der Missak-Manuschjani-Park (, früher Maschtozpark ).

Religiöse Architektur mini|Sorawor-Kirche (rechts) und Sankt-Ananias-Kapelle (links), 2016 Die Kirche der Heiligen Muttergottes Sorawor, kurz Sorawar-Kirche ( ) stammt aus dem 17. Jahrhundert. Die dreischiffige Basilika ohne Kuppel ist innen und außen schlicht gehalten. An den flachen Bereichen der Außenwände befinden sich Chatschkars aus dem 17. Jahrhundert. Der heutige Kirchenkomplex wurde 1693/1694 auf den Fundamenten des beim großen Erdbeben von 1679 zerstörten Klosters errichtet. Zu Zeiten der Armenischen SSR diente der Gebäudekomplex verschiedenen nichtkirchlichen Zwecken. 1970 wurde er jedoch an die Kirche rückübertragen und vollständig renoviert.

Die Sankt-Sarkis-Kathedrale ( ) wurde 1835 bis 1842 an Stelle von Vorgängerbauten aus frühchristlicher Zeit errichtet. 1972 erfolgte eine umfassende Erneuerung nach Plänen des Architekten Raphael Sarkisowitsch Israelian. Dabei wurde die Fassade mit orangefarbenem Ani-Tuff verkleidet und mit dreieckigen Nischen versehen.

Die Katoghike-Kirche ( ) wurde 1264 errichtet. Sie überstand vermutlich als einzige Kirche Jerewans das große Erdbeben von 1679. Von 1693 bis 1695 wurde sie mit einer großen kuppellosen dreischiffige Basilika überbaut. Als die Basilika 1936 zu Gunsten von Wohnbebauung und einem linguistischen Institut abgerissen wurde, kam die alte Kirche wieder zum Vorschein. Nach Protesten der Bevölkerung blieb zumindest die kleine Kirche mit einer Grundfläche von 5,4 × 7,5 m erhalten.

Die Blaue Moschee ( ) ist die einzige noch genutzte Moschee Armeniens. Der Gebäudekomplex wurde 1765/1766 errichtet. 1827 war sie die wichtigste der acht Moscheen Jerewans. 1931 ließ die sowjetische Verwaltung die Moschee schließen und brachte hier das Stadtmuseum unter. Infolge des Bergkarabachkonflikts verließen zwischen 1988 und 1991 fast alle Muslime Armenien in Richtung Aserbaidschan. Trotzdem wurde die Moschee nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Unabhängigkeit Armeniens wieder religiös genutzt. 1995 erwarb die Regierung des Iran die Gebäude und ließ sie zu einer schiitischen Moschee umbauen. Für das Stadtmuseum wurde ein neues Gebäude errichtet.

Die Johannes-der-Täufer-Kirche ( ) ist eine dreischiffige Basilika. Sie wurde 1710 an Stelle einer mittelalterlichen Kirche errichtet, die beim großen Erdbeben von 1679 zerstört worden war. In den 1980er Jahren durfte die Kirche vollständig saniert werden. Die Außenwände wurden mit Tuffstein verkleidet und im Innern wurde unter anderem der Boden mit Marmor ausgelegt. Außerdem erhielt die Kirche einen Glockenturm.

Die Kathedrale des Heiligen Gregor des Erleuchters ( ) wurde von 1997 bis 2001 errichtet. Sie ist die größte Kathedrale der Armenisch Apostolischen Kirche. Die Kathedrale ist ein Komplex aus drei Kirchen: der Hauptkirche mit 1700 Plätzen, und den Kapellen für Trdat III. dem König und Aschchen der Königin mit jeweils 150 Plätzen. Die Hauptkirche ist bis zur Spitze des Kreuzes 54 m hoch. Der Glockenturm hat mehr als 30 Bögen.

Die Sankt-Annen-Kirche ( ) wurde 2015 eröffnet. Der kreuzförmige Bau hat eine Kuppel. Der Glockenturm befindet sich über dem Eingang.

Kultureinrichtungen mini|Jerewaner Operntheater, 2016

Die Armenische Nationalbibliothek ( ) geht auf die 1832 gegründete Bibliothek des Jerewaner Gymnasiums zurück, die in der Sowjetzeit 1925 bis 1990 nach Alexander Mjasnikow benannt war. Das neoklassizistische Hauptgebäude wurde 1939 nach Plänen des Architekten Alexander Tamanjan errichtet. Unter den 6,3 Mio. Medien befindet sich mit dem 1512 in Venedig gedruckten Urbatagirk das älteste Druckwerk in armenischer Sprache.

Die Nationalgalerie Armeniens ( ) ist die größte Kunstsammlung Armeniens. Das 1977 fertiggestellte Gebäude am Platz der Republik entstand nach Entwürfen von Mark Grigorian und Eduard Sarapjan. Den Grundstock der Sammlung bildeten 1921 Dutzende Werke aus einer Ausstellung armenischer Künstler. Die Sammlung umfasst mittlerweile rund 26.000 Werke von antiken urartäischen Fresken über mittelalterliche armenische Kirchenkunst bis zu neuzeitlicher Kunst von armenischen, russischen und westeuropäischen Künstlern.

Das Jerewaner Operntheater ( ) wurde nach Plänen des Architekten Alexander Tamanjan errichtet und am 20. Januar 1933 mit einer Aufführung von Almast in armenischer Sprache, der einzigen Oper des armenischen Komponisten Aleksandr Spendiarjan, eröffnet. Kurz darauf wurde ein Ballet gegründet; 1935 wurde als erste Ballettaufführung Peter Tschaikowskis Schwanensee gegeben. Das Operntheater bietet zwei Säle: die Aram-Chatschaturjan-Konzerthalle mit Sitzen und das Opern- und Ballett-Nationaltheater Aleksandr Spendiarjan mit Sitzen.

Das Aram-Chatschaturjan-Haus ( ) ist ein zu einem Museum umgestaltetes Wohnhaus das Komponisten Aram Chatschaturjan. Chatschaturjan bewohnte das Haus, wenn er Jerewan besuchte. In den 1970er Jahren wurde es nach Plänen des Architekten Edward Altunjan zu einem Museum ungestaltet. Chatschaturjan überließ dem Museum Manuskripte, Briefe und andere Erinnerungsstücke. In dem mehrstöckigen Haus gibt es einen Konzertsaal mit einem Bechstein-Flügel, in dem regelmäßig Konzerte stattfinden.

Das Matenadaran (; vollständige Bezeichnung ) ist das Zentralarchiv für alte armenische Handschriften. Die Sammlung geht auf das Archiv des Katholikats der Armenischen Apostolischen Kirche in Etschmiadsin zurück. Die Sowjetischen Behörden enteigneten es 1920 und brachten es nach Moskau. 1939 kam es zurück nach Jerewan. Zwischen 1945 und 1957 wurde ein neues Gebäude für das Archiv errichtet. Es bewahrt Manuskripte und andere Dokumente. Allein zur armenischen Sammlung gehören 2500 Manuskripte mit armenischer Buchmalerei.

Das Staatliche Jerewaner Puppentheater Howhannes Tumanjani ( ) wurde am 1. Juni 1935 von der Regisseurin Sofja Bedschanjani, der Maler Geworg Arakeljan und den Schauspielern Pawlos Borojan und Araksja Arabjani eröffnet. Waria Stepanjan wurde die erste Leiterin des in der Halle der Kathedrale des Heiligen Gregor des Erleuchters untergebrachten Theaters. 1938 wurde das Puppentheater nach dem armenischen Dichter Howhannes Tumanjan benannt. Das Puppentheater wurde 1950 geschlossen, aber am 27. Juli 1957 unter Jerwand Manarjan im Haus Leninallee 43 wieder eröffnet. Seit 1975 befindet sich das Puppentheater an seinem heutigen Standort an der Sajat-Nowa-Allee. Im Theater befindet sich außerdem das Puppenspielmuseum Pawlos Borojan mit etwa 200 Exponaten.