mini|Asiento zwischen Spanien und England, 1713
Der Asiento de Negros (wörtlich: Vertrag über Schwarze) war ein Vertrag der spanischen Krone in Form eines Asientos über die Einfuhr afrikanischer Sklaven in das spanische Amerika, der mit unterschiedlichen Vertragspartnern und -inhalten vom 16. bis 18. Jahrhundert geschlossen wurde.
Vertragsinhalt Der Asiento de Negros stellte den Versuch dar, das Problem des Arbeitskräftemangels in Spanisch-Amerika über den Import von Sklaven zu lösen und gleichzeitig das System des Monopolhandels mit den eigenen Kolonien aufrechtzuerhalten.
mini|Skizze eines Sklavenschiffes Zwar erfuhr im Laufe der Zeit der Asiento de Negros je nach Vertragspartner und internationaler politischer Konjunktur zahlreiche Modifizierungen, doch lassen sich grundsätzlich einige allgemeine Merkmale feststellen. Der Asiento de Negros wurde für einen Zeitraum zwischen fünf und 30 Jahre geschlossen und erlaubte die Einfuhr von ca. 4000 bis 5000 Sklaven jährlich. Die Anzahl der Sklaven wurde entweder pro Kopf, in pieza de India oder nach der Größe der Sklavenschiffe in Tonnen (gerechnet wurden drei piezas de India auf eine Tonne) angegeben, sodass die Zahl der tatsächlich beförderten Menschen schwankte. Auch die aufgrund der hohen Sterblichkeit der Sklaven während der Überfahrt zu erwartenden Verluste wurden in die Abmachungen mit einbezogen, so dass den Vertragsnehmern erlaubt wurde, über das eigentlich vereinbarte Kontingent hinaus zum Teil auch noch nach Ende der Vertragslaufzeit Sklaven (zwischen 20 % und 40 % der vereinbarten Anzahl) nach Amerika zu liefern. Außerdem legte der Vertrag die anzulaufenden Häfen in Afrika, Europa und Amerika fest. Dagegen verpflichtete sich der Vertragsnehmer zur Zahlung einer bestimmten Summe an Abgaben, die zwischen 100 und 212 Achterstücken pro Sklave bzw. pieza de India lag und zu einer Anleihe an die spanische Krone zu außergewöhnlich günstigen Konditionen. Die Abgaben wurden jährlich oder per Einmalzahlung auf den im Vertrag vereinbarten Lieferumfang entrichtet, unabhängig von der Zahl der tatsächlich gelieferten Sklaven. Seit dem letzten Viertel des 17. Jahrhunderts gestattete man im Rahmen des Asiento auch die Belieferung Spanisch-Amerikas mit herkömmlichen Handelswaren auf Rechnung des Vertragsnehmers, wobei Anzahl und Größe der Schiffe genau festgelegt wurden.
Geschichte thumb|Der Spanier Amaro Pargo, einer der berühmtesten Freibeuter des Goldenen Zeitalters der Piraterie, beteiligte sich am afrikanischen Sklavenhandel in Hispanoamerika. Zunächst zwangen die Spanier für die wirtschaftliche Ausbeutung der Neuen Welt die indigene Bevölkerung zu Arbeitsdiensten, was zum einen deren Dezimierung zur Folge hatte, zum anderen vor allem von kirchlicher Seite Einwände gegen dieses System hervorrief. So wurde bereits in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts damit begonnen, die einheimischen Arbeitskräfte durch afrikanische Sklaven für die Arbeit in den Bergwerken und auf den Plantagen zu ersetzen.
Obwohl also schon bald nach der europäischen Entdeckung Amerikas afrikanische Sklaven in die Neue Welt gebracht wurden, beginnt die Geschichte des Asiento de Negros erst im Jahre 1585. Bis dahin verlieh die spanische Administration für persönliche Verdienste oder zur Deckung von Staatsanleihen einzelne Lizenzen für den transatlantischen Sklavenhandel. Allerdings waren die Begünstigten oftmals kaum in der Lage, den Handel auch abzuwickeln, sodass zwar ein schwunghafter Handel mit den Lizenzen betrieben wurde, die erwarteten Arbeitskräfte aber nicht in ausreichender Zahl Amerika erreichten.
Die portugiesisch-spanische Thronunion im Jahr 1580 eröffnete Spanien erstmals die Möglichkeit, den Sklavenhandel in erfahrene Hände zu legen, ohne den Angehörigen eines fremden Königreichs den Zutritt nach Amerika gewähren zu müssen. Schließlich waren die Portugiesen seit Mitte des 15. Jahrhunderts entlang der afrikanischen Westküste gesegelt, hatten dort Faktoreien gegründet und den Handel mit afrikanischen Sklaven nach Europa und später Amerika begonnen.
Nach dem Abfall Portugals von Spanien im Jahre 1640 stellte sich das Problem des Sklavenhandels für Spanien neu, wollte man doch den einträglichen Handel nicht einer als rebellisch angesehenen Provinz überlassen. In der Folge wurde der Asiento an verschiedene international tätige Kaufleute bzw. Handelshäuser vergeben. Die Belieferung dieser Asientohalter wiederum mit afrikanischen Sklaven unterlag einem scharfen Wettbewerb zwischen allen europäischen Staaten mit Interessen am interkontinentalen Handel. Schließlich monopolisierte England nach dem Frieden von Utrecht 1713 den Sklavenhandel nach Spanisch-Amerika über einen Asiento, den man sich in einem zwischenstaatlichen Vertrag für 30 Jahre überschreiben ließ.Michael Zeuske: Handbuch Geschichte der Sklaverei. Eine Globalgeschichte von den Anfängen bis heute. De Gruyter, Berlin/Boston 2016, ISBN 978-3-11-027881-1, S. 516 (abgerufen über De Gruyter Online) Nach Beendigung des englischen Asiento 1750 ging nach einer Übergangsphase, in der wieder Lizenzen ausgegeben wurden, der Vertrag an eine spanische Kompanie, die ihn mit kleineren Unterbrechungen bis ins Jahr 1779 hielt, als Spanien aus Angst vor Versorgungsmängeln aufgrund eines erneuten Krieges mit England den Handel mit Sklaven für alle Spanier öffnete.
Die portugiesische Phase Der erste Asiento wurde 1585 mit Pedro Gomez Reynel geschlossen. Er gab das Muster vor für die bis 1640/41 währende „portugiesischen Phase“ der Geschichte des Asiento de Negro. In dem Vertrag wurde vereinbart, 4250 schwarze Sklaven nach Amerika zu liefern. Um die Sterblichkeitsrate auszugleichen, wurde dem Vertragsnehmer dafür das Recht übertragen, Lizenzen für den Transport von 5500 bis 6500 afrikanischen Sklaven weiter zu verkaufen. Damit refinanzierte er die jährlich an die königliche Kasse zu entrichtende Summe von 100.000 Dukaten. Der Asientist war berechtigt, die Anzahl der Sklaven, deren Handel er nicht über Lizenzen veräußert hatte, selbst zu handeln, durfte aber den Kaufleuten Sevillas und Lissabons den Verkauf von Lizenzen, deren Höchstpreis festgelegt war, nicht verweigern. Die Sklaven mussten in Sevilla, Cádiz, Lissabon, auf den Kanaren oder in portugiesischen Faktoreien geladen werden. Je 500 Sklaven sollten pro Jahr nach Hispaniola (die heutige Dominikanische Republik / Haiti) und Kuba geliefert werden. Der Bestimmungshafen des restlichen Kontingents wurde nach Bedarf 15 Monate im Voraus festgelegt. Außer Buenos Aires, dessen Belieferung mit 600 Sklaven dem Vertragsnehmer vorbehalten blieb, durfte allerdings das Festland des südlichen Amerika nicht angelaufen werden. Die Lizenznehmer, ausschließlich kastilische oder portugiesische Kaufleute, durften ihre Sklaven in Amerika frei verkaufen und außer mit Edelmetallen und Produkten, die der Casa de Contratación vorbehalten waren, außerhalb der Indienflotte nach Europa zurückkehren.
Zwar variierten in der Folge Häfen, Kontingente und Abgabensumme leicht, doch blieben die wesentlichen Merkmale des Asiento bis 1640 unverändert. Das führte zum einen zu unkontrollierbarem Schmuggel sowohl mit Sklaven als auch mit anderen Waren. Denn die Asientisten versuchten, die Sklaven möglichst selbst bis ins Landesinnere zu verhandeln, weil sich dort günstige Gelegenheit zu Schmuggel und große Gewinnspannen boten. Zum anderen blieb der spanischen Administration immer die aufgrund des Sklavenhandels kaum verhinderbare portugiesische Zuwanderung nach Amerika ein Dorn im Auge, die eigentlich den Kastiliern vorbehalten war. Immer wieder kam es zur Anklage und Strafverfolgung der Vertragsnehmer. Zwischen 1611 und 1615 kehrte man vorübergehend sogar ganz zum Lizenzsystem zurück. Allerdings scheiterte dieses System an der Auflage, über Sevilla ausfahren zu müssen. Auch fehlte die portugiesische Erfahrung für die Administration des Handels, so dass man bis 1641, als der Handel mit Rebellen verboten wurde und damit der gerade verlängerte Asiento hinfällig wurde, wieder zum Asientosystem mit portugiesischen Kaufleuten zurückkehrte.
Die internationale Phase mini|links|Joseph Coymans, sein Bruder und zwei Cousinen waren am Asiento beteiligt. Gemalt von Frans Hals (1644). Wadsworth Atheneum Hartford (Connecticut)
Nachdem man bis 1662 wiederum Lizenzen an verschiedene Kaufleute ausgegeben hatte mit insgesamt unbefriedigendem Ergebnis, schloss die spanische Administration in diesem Jahr einen Asiento mit den Genueser Kaufleuten Domingo Grillo und Ambrosio Lomelin. Die Vertragsnehmer sollten keine Lizenzen mehr ausgeben, sondern den Sklavenhandel selbst organisieren. Erstmals wurde mit der Vereinbarung über die Lieferung von 3500 piezas de India diese Zähleinheit in einem königlichen administrativen Dokument verwendet. Die Sklaven für den Verkauf durften ausschließlich nach Cartagena, Portobelo oder Veracruz gebracht werden. Die Rückfrachten sollten innerhalb des spanischen Flottensystems transportiert werden, soweit dies zur Verfügung stand. Dafür bezahlten die Vertragsnehmer 30.000 Pesos jährlich an die Staatskasse. Außerdem wurde dieser Asiento mit einem Schiffsbauprogramm verbunden. Die Vertragsnehmer verpflichteten sich, zehn Schiffe an der Biskaya zu bauen sowie die Werften in Havanna, Campeche und Santo Domingo mit Sklaven und Schiffsbaumaterialien zu versorgen. Die Schiffe der Asientisten mussten von den Häfen Andalusiens aufbrechen und durften, abgesehen von den Übersetzern, keine Ausländer in der Mannschaft beschäftigen. Angehörige von Staaten, die sich mit Spanien im Krieg befanden, wurden vom Handel ausgeschlossen.
Alle Asientos bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach diesem Muster abgeschlossen, wenn auch die Zahl der Anlieferhäfen mit der Zeit ausgeweitet und das Schiffsbauprogramm je nach Notwendigkeiten durch Kredite oder Zahlungen für eine amerikanische Küstenwache ersetzt wurde. Erstmals erlaubte man 1674 im Rahmen des Asiento die Entsendung herkömmlicher Waren und deren Verkauf in amerikanischen Häfen.
Diese Phase des Asientohandels war geprägt von scharfer internationaler Konkurrenz. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts gründeten fast alle westeuropäischen Staaten Faktoreien an der westafrikanischen Küste und hatten sich auf verschiedenen Karibikinseln festgesetzt. Die in Europa gegründeten Kompanien, die für den Überseehandel ihres jeweiligen Staates privilegiert waren, bemühten sich, über Verbindungen zu den jeweiligen Asientoinhabern, möglichst große Kontingente der vereinbarten Sklavenzahl an die Vertragsnehmer zu liefern. Vor allem im niederländischen Curaçao und im englischen Jamaika wurden Sklavendepots eingerichtet, über die sich die Asientisten versorgten. Aber auch Schweden und Kurbrandenburger beteiligten sich an den Lieferungen für den Asiento. Immer wieder kam es zu Intrigen gegen den einen oder anderen Asientoinhaber, einige landeten in spanischen Gefängnissen, 1695 soll einer gar von den Niederländern vergiftet worden sein.
Der letzte Asiento des 17. Jahrhunderts wurde mit der portugiesischen Companhia de Cacheu geschlossen und verweist bereits auf die Phase der großen zwischenstaatlichen Verträge, als der Asiento zum diplomatischen Instrument der europäischen Politik avancierte. Der portugiesische König gewährte der Cacheukompanie nicht nur ein Darlehen, um die Bewirtschaftung des Asiento überhaupt zu ermöglichen, sondern war auch zu vier Fünftel selbst an der Kompanie beteiligt. Auseinandersetzungen um die Asientolieferungen zogen in der Folge Schwierigkeiten auf höchster diplomatischer Ebene nach sich.
Die staatlichen Asientos mini|links|Jean Baptiste du Casse, 1700