mini|Die Gedenktafel an die Opfer des Massakers an der Bracka-Straße Das Massaker an der Bracka-Straße in Warschau war eine Serie von Morden, Brandstiftungen und anderen schweren Kriegsverbrechen, die 1944 von Soldaten der deutschen Wehrmacht begangen wurden. Die Serie fand während eines Versuchs, die Sperrung eines von den Warschauer Aufständischen gesperrten Straßenabschnitts der Aleje Jerozolimskie aufzulösen, statt.
In den am 3. und 4. August 1944 durchgeführten Kämpfen benutzten die Soldaten des Grenadierregiments Ostpreußen 4 ständig polnische Zivilisten als „lebende Schutzschilde“, die Angriffe der Panzer auf die Barrikaden der Aufständischen sichern mussten. Die Deutschen begingen auch Morde an Kriegsgefangenen und Bewohnern der Häuser in der Bracka-Straße und Aleje Jerozolimskie. Über 200 Menschen fielen dem zum Opfer.
Der deutsche Angriff in Richtung Hauptbahnhof Aleje Jerozolimskie und Poniatowski-Brücke bildeten eine der wichtigsten Hauptverkehrsstraßen in Warschau, die Deutsche benutzten, um ihre gegen die Roten Armee kämpfenden Truppen an dem rechten Weichselufer mit Essen und Versorgung zu versehen. Am ersten Tag des Warschauer Aufstandes (1. August 1944) griffen Soldaten der polnischen Heimatarmee (pol. Armia Krajowa, kurz AK) die wichtigsten deutschen Gebäude in der Aleje Jerozolimskie an (a.u. der Hauptbahnhof, das Gebäude der Bank Gospodarstwa Krajowego, Poniatowski-Brücke), aber sie blockierten keinen Abschnitt der HauptverkehrsstraßeAdam Borkiewicz: Powstanie warszawskie. Zarys działań natury wojskowej. Warszawa: Instytut wydawniczy PAX, 1969. S. 59, 62, 65.. Nur auf der Höhe der Bracka-Straße konnten sie eine schwache Verbindung zu den AK-Einheiten in Śródmieście Południowe herstellen. Die Situation änderte sich erst am 3. August zugunsten der Aufständischen. Am frühen Morgen dieses Tages besetzten die Soldaten der Gruppierung „Chrobry II“ die Gebäude des Postbahnhofs an der Kreuzung Aleje Jerozolimskie und Żelazna StraßeDer Stoßtrupp wurde von Leutnant Zbigniew Brym (Deckname Zdunin) angeführt. Siehe: Borkiewicz 1969, S. 107.. Gegenüber dem Postbahnhof nahm dieselbe Gruppierung dann das sogenannte Dom Turystyczny (deutsch: Tourismushaus) ein, wo die Verbindung zu den Soldaten der Gruppierung „Gurt“, die das nahegelegene Gebäude des Wojskowy Instytut Geograficzny (deutsch: das Militärinstitut der Geographie) besetzten, hergestellt wurde. Gegen 10:00 griffen die Soldaten der beiden Gruppierungen die Tunnel der Durchmesserlinie (kolej średnicowa) an und besetzten Teil des Evakuierungszuges und übernahmen dabei eine Menge Waffen. Ab dieser Zeit waren die Aleje Jerozolimskie und die Eisenbahnlinie von den Aufständischen blockiertAdam Borkiewicz: Powstanie warszawskie. Zarys działań natury wojskowej. Warszawa: Instytut wydawniczy PAX, 1969. S. 107..
Schnell begannen die Deutschen eine Gegenaktion. Gegen Mittag fuhr in die Aleje Jerozolimskie aus der Towarowa eine mächtige Kolonne von Panzern, die aus dem Stadtbezirk Wola Richtung Poniatowski-Brücke vordrangDie Kolonne bestand aus circa zwölf Panzer, die höchstwahrscheinlich zur Fallschirm-Panzer-Division 1 „Hermann Göring“ gehörten. Siehe: Borkiewicz 1969, S. 105.. Einige Hundert im Wola inhaftierte Zivilisten wurden als „lebendige Schutzschilde“ vor deutschen Panzern hergetrieben. Die Deutschen attackierten die Verteidiger des Postbahnhofs und gegen 13:00 Uhr erreichten sie die Poniatowski-BrückeAdam Borkiewicz: Powstanie warszawskie. Zarys działań natury wojskowej. Warszawa: Instytut wydawniczy PAX, 1969. S. 105.. Hingegen begann von der Seite der Poniatowski-Brücke ein Angriff zweier Bataillone des Grenadier-Regiments Ostpreußen 4. (das Regiment wurde einen Tag zuvor aus Zegrze herbeigeholt). Die deutsche Infanterie, unterstützt von mehreren Panzern, drang entlang der Aleja 3 Maja und Aleje Jerozolimskie vor und versuchte den noch von den deutschen Truppen besetzten Hauptbahnhof zu erreichen. Auf dem Abschnitt zwischen der Bracka-Straße und Nowy Świat Straße stießen die ostpreußischen Grenadiere auf den erbitterten Widerstand polnischer Soldaten der 3. Kompanie des Bataillons „Kiliński“, des sogenannten Kolegiums C (gerade Hausnummern der Aleje Jerozolimskie), des Bataillons des Korpus Bezpieczeństwa „Sokół“ und der AK-Einheit „Bełt“ (ungerade Hausnummern)Robert Bielecki: W zasięgu PAST-y. Warszawa: Czytelnik, 1994. ISBN 83-07-01950-8. S. 119–120.. Bis 19:00 Uhr besetzten die Deutschen den Abschnitt der Aleje Jerozolimskie zwischen der Nowy Świat Straße und Marszałkowska-Straße, aber sie drangen nicht bis zum Hauptbahnhof vor. Darüber hinaus hielten AK-Soldaten die Stellungen in den Häusern in der Aleje Jerozolimskie Nr. 17 und 21. Aufgrund der schweren Verluste und des starken Widerstands der Aufständischen mussten die Deutschen den Angriff stoppen und die Haupttruppen des Regiments in die Nähe des Nationalmuseums zurückziehenAdam Borkiewicz: Powstanie warszawskie. Zarys działań natury wojskowej. Warszawa: Instytut wydawniczy PAX, 1969. S. 108.. Sie hinterließen nur die Sicherungen in den verbrannten Häusern Nr. 19 und 25.
Am 4. August wurde die Aleje Jerozolimskie wieder ein Schauplatz heftiger Kämpfen. Am Morgen eröffneten die ostpreußischen Grenadiere wieder den Angriff Richtung West. Später drang eine mächtige Kolonne von Wagen und die deutsche Infanterie aus der 19. Panzer-Division (von 60 bis 80 Panzer und Panzergeschütze) aus der Nähe der Poniatowski-Brücke bis zum Stadtbezirk Ochota vor. Infolge starken Beschusses mussten die AK-Soldaten vorübergehend den brennenden Postbahnhof verlassen. Die Deutschen erlitten jedoch schwere Verluste (allein die 19. Panzer-Division verzeichnete 11 Tote und 40 Verletzte). Der Feind hatte auch nicht versucht, die Aleje Jerozolimskie dauerhaft zu besetzen und zu sichern. Die Deutschen behielten nur den schon früher besetzten Hauptbahnhof, das Gebäude der Bank Gospodarstwa Krajowego und das Nationalmuseum. Sie hinterließen einige Positionen in den Ruinen der Häuser auf dem Straßenabschnitt zwischen der Nowy Świat Straße und Marszałkowska-StraßeAdam Borkiewicz: Powstanie warszawskie. Zarys działań natury wojskowej. Warszawa: Instytut wydawniczy PAX, 1969. S. 115–116.Robert Bielecki: W zasięgu PAST-y. Warszawa: Czytelnik, 1994. ISBN 83-07-01950-8. S. 126–128.. Die AK-Soldaten behielten jedoch die Positionen im Gebäude des Postbahnhofs und im Miethaus Nr. 17. Folglich konnten weder die Deutschen noch die Polen die Aleje Jerozolimskie als Verkehrsweg benutzten. Erst nach mehrtägigen Kämpfen sicherten die Aufständischen den Abschnitt der Aleje Jerozolimskie zwischen der Nowy Świat Straße und Marszałkowska-Straße, der der einzige oberirdische Weg war, der Śródmieście Południowe und Śródmieście Północne verband (10.–25. August)Adam Borkiewicz: Powstanie warszawskie. Zarys działań natury wojskowej. Warszawa: Instytut wydawniczy PAX, 1969. S. 251, 325..
Verbrechen an den Gefangenen und Zivilisten mini|Die Gedenktafel unter der Poniatowski-Brücke zum Gedenken an die ermordeten Soldaten von 1138. und 1139. AK-Züge Während der Kämpfe am 3. und 4. August 1944 begingen die ostpreußischen Grenadiere eine Serie von Kriegsverbrechen. Auf der ganzen Ausdehnung des Angriffs wurde die polnische Bevölkerung aus den von den Deutschen eroberten Häusern vertrieben und zum Nationalmuseum gebracht. Am Abend des 3. August befanden sich mehr als 4.000 Zivilisten in den Kellern des MuseumsgebäudesAntoni Przygoński: Powstanie warszawskie w sierpniu 1944 r. T. I. Warszawa: PWN, 1980. ISBN 83-01-00293-X. S. 241–242.. Erst am Abend des 4. August versorgten die Deutschen die Vertriebenen mit etwas Essen und erlaubten den Ärzten, den Verletzten zu helfenLudność cywilna w powstaniu warszawskim. T. II i III. Warszawa: Państwowy Instytut Wydawniczy, 1974. S. 127..
Die deutschen Soldaten benutzten die im Stadtbezirk Praga inhaftierten polnischen Zivilisten als „lebende Schutzschilde“, die Angriffe der Panzer auf die Barrikaden der Aufständischen sichern mussten. Nach einem Bericht des Zeugen dieser Ereignisse an die Redaktion der aufständischen Zeitung „Rzeczpospolita Polska“ (Nr. 26 (98) vom 15. August 1944) wählte ein Offizier der deutschen Panzertruppen am Morgen des 3. August etwa 60 Männer aus der in den Kellern des Nationalmuseums inhaftierten Zivilbevölkerung. Er befahl ihnen dann, eine Kolonne zu bilden (5–6 Personen in jeder Reihe), die vor Panzern in Richtung der aufständischen Positionen getrieben wurde. Neben der polnischen Barrikade an der Kreuzung der Bracka-Straße und Aleje Jerozolimskie gerieten die Zivilisten der „lebendigen Schutzschilde“ ins Kreuzfeuer und wurden massakriert. Die Geiseln, die entkamen oder sich vor Schüssen zu schützen versuchten, hatten die Deutschen erschossen oder mit Granaten beworfenMaja Motyl, Stanisław Rutkowski: Powstanie Warszawskie – rejestr miejsc i faktów zbrodni. Warszawa: GKBZpNP-IPN, 1994. S. 65–66.. Infolgedessen starben etwa 50–60 polnische Zivilisten. Der oben erwähnte Zeuge sagte aus, dass nur fünf Männer ins Nationalmuseum zurückkehren konnten, darunter drei Verletzte und eine verbrühte Person (einer von ihnen starb bald).
Ähnlich handelten die Deutschen während der Kämpfe am 4. August. Am Morgen wurden ungefähr 100 männliche Zivilisten und einige in Powiśle inhaftierte Aufständische aus den Kellern des Nationalmuseums geholt und zu den aufständischen Barrikaden getrieben. Viele Geiseln starben während der Erschießung oder wurden von den Deutschen ermordet. Einige flohen in das von Aufständischen kontrollierte Gebiet. Geiseln mussten auch die Kolonne der deutschen 19. Panzer-Division decken. Zunächst waren es die Zivilisten, die in den Kellern des Museum inhaftiert wurden. Viele Geiseln entkamen jedoch oder starben in der ersten Phase des Angriffs. Die Deutschen zogen dann mehrere Hundert Zivilisten aus den Häusern in der Nähe von der Kreuzung der Marszałkowska-Straße, Nowogrodzka-Straße und Aleje Jerozolimskie. Sie sicherten die Fahrt der Kolonne bis zur Kreuzung der Aleje Jerozolimskie und Chałubińskiego-Straße, wo sie dann mehrere Stunden unter Bewachung festgehalten wurden.
Am 3. und 4. August führten die ostpreußischen Grenadiere auch eine Serie von Hinrichtungen durch. Aus dem Situationsbericht einer nicht identifizierten AK-Einheit vom Abend des 5. August 1944 zeigt sich, dass die Deutschen alle Männer ermordeten, die in den Häusern in der Aleje Jerozolimskie Nr. 8 und 16 und im Eckhaus Nowy Świat/Aleja 3 Maja inhaftiert wurden. Im aufständischen Verbandsplatz in der Aleje Jerozolimskie 16 wurde ein den Verletzten helfender Arzt erschossen und die Leiterin einer Sanitärabteilung verbrannte in einem von den Deutschen angezündeten HausLudność cywilna w powstaniu warszawskim. T. II i III. Warszawa: Państwowy Instytut Wydawniczy, 1974. S. 57–58.Maja Motyl, Stanisław Rutkowski: Powstanie Warszawskie – rejestr miejsc i faktów zbrodni. Warszawa: GKBZpNP-IPN, 1994. S. 65.. Auf der anderen Seite berichtete die Zeitung „Biuletyn Informacyjny“ Nr. 43/44, dass in diesen Tagen die Bewohner der Miethäuser in der Bracka-Straße 17 und Aleje Jerozolimskie 19 umgebracht worden seien (im letzten Haus sollten 40 Männer und einige Frauen sterben). Antoni Przygoński schätzte die Gesamtzahl der Hingerichteten auf etwa 100 Personen. Männer aus dem Haus an der Ecke der Marszałkowska-Straße und Aleje Jerozolimskie überlebten, weil ein in die Wehrmacht aufgenommener Schlesier sie zum rechten Zeitpunkt in ein von den Aufständischen besetztes Haus entkommen ließ.