mini|Transport von Recyclingmaterial auf einem Lastenfahrrad in Shanghai Die Abfallwirtschaft in China ist eine staatliche Aufgabe, die in den Kompetenzbereich des Ministeriums für Ökologie und Umwelt (MEE) und des Ministeriums für Wohnungswesen und Städtebau (MOHURD) fällt. Abfallwirtschaft umfasst neben der Vermeidung und Verwertung die Beseitigung von Abfällen. Als weltweit größter Produzent von Abfällen und weltweit größter Müll-Importeur hat dieser Wirtschaftszweig in der Volksrepublik China in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen. Rund 56 % der weltweit exportierten Plastikabfälle landeten 2012 in China.China’s ban on imports of 24 types of waste is a wake up call to the world – Greenpeace, greenpeace.org, 29. Dezember 2017 Das entsprach 9 Mio. t Plastikmüll. 2017 hat China ein Importverbot von 24 Abfallarten erlassen; der Import von Plastikmüll im ersten Halbjahr 2018 reduzierte sich um 56 %.
Geschichtlicher Hintergrund In den 1970er Jahren wurde der Abfall in hohem Maße wiederverwertet, so dass keine Deponien in den Großstädten notwendig waren. Der Hausmüll wurde fast vollständig dem Wirtschaftskreislauf zugeführt und galt damit als vorbildlich. Für Fäkalien waren 7 Millionen Biogasanlagen im Jahr 1981 in Betrieb. Jedoch wurde Sondermüll nicht dem technischen Standard dieser Zeit entsprechend behandelt und gelagert, so dass eine massive Boden- und Grundwasserverschmutzung gegeben war. Industrieabfälle wurden einfach in Flüsse geleitet oder auf Felder gekippt. Kläranlagen bestanden fast keine. Kaum geklärt war der Verbleib von nicht rückführbaren Abfällen, wie stark verschmutztem Altöl, Farbstofffehlchargen usw.Werner Schenkel: Abfallwirtschaft. In: Bernhard Glaeser (Hrsg.): Ökologie und Umweltschutz in der VR China. Brockmeyer, Bochum 1982, S. 237–301. Feste Abfälle werden erst seit dem Jahr 1979 in Städten und seit 2000 auf Kreisebene erfasst. Mit der Verabschiedung des Umweltschutzgesetzes im Jahr 1979 und dem Beginn der Wirtschaftsentwicklung erhielt das Thema Abfallwirtschaft Aufmerksamkeit durch die chinesische Regierung. Erste Mülldeponien wurden ab 1985 gebaut. Standards für die Abfallablagerungstechnologien wurden im Jahr 1988 erlassen. Gesetzlich wurde die Abfalllagerung im Jahr 1996 geregelt. Ab dem Jahr 2001 wurden große geordnete Mülldeponien in der Küstenregion errichtet.
Umfang Im Jahr 2014 erzeugte das Land bereits ein Volumen von 179 Mio. Tonnen (t) städtischem Siedlungsabfall, welches sich bis zum Jahr 2016 auf 203,6 Mio. t erhöhte. Nicht erfasst werden ca. 8 bis 10 % des Mülls, weil dieser Teil von Müllsammlern entsorgt wird. Das Volumen an industriellem Festmüll lag im Jahr 2016 bei 3,09 Mrd. t und bei Sondermüll bei 53,5 Mio. t. Prognosen zufolge steigen die jährlichen Siedlungsabfallmengen Chinas bis zum Jahr 2030 auf über 480 Mio. t. Im Jahr 2000 waren es noch rund 118 Mio. t. Die Provinz Guangdong war im Jahr 2016 unter allen Provinzen der größte Abfallproduzent Chinas mit rund 23 Mio. t Abfall. Diese Zunahme der Abfallmengen ist auf die zunehmende Urbanisierung, rasche wirtschaftliche Entwicklung sowie die Müll-Importe zurückzuführen. Diese Entwicklungen erfordern die Weiterentwicklung von Abfallentsorgungsmöglichkeiten und Investitionen in die Abfallwirtschaft. Im Vordergrund steht der massive Ausbau von Müllverbrennungsanlagen sowie die Reduktion von Deponien, respektive wilden Deponien.
Organisationsstruktur mini|Chinesische Ministerien verantwortlich für die Abfallindustrie in China Zentrale Regierungsinstitutionen, regionale und lokale Behörden sowie je nach Art des Abfalls das jeweils zuständige Ministerium sind für das Abfallmanagement verantwortlich. Es existieren zwei zuständige Ministerien: das Ministerium für Ökologie und Umwelt und das Ministerium für Wohnungswesen und Städtebau. Das Ministerium für Ökologie und Umwelt übernimmt die allgemeine Verwaltung und Überwachung von allen Abfallarten. Das Ministerium für Wohnungswesen und Städtebau formuliert die Gesetze und Vorschriften für die technischen Standards der Abfallentsorgung und Deponierung. Für Siedlungsabfälle ist das Ministerium für Wohnungswesen und Städtebau zuständig und für den Import und Export von Abfällen die Abteilung Bodenumweltmanagement des Ministeriums für Ökologie und Umwelt. Industrieabfälle werden durch das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) geregelt.
Abfallentsorgung
Zunehmende Verstädterung und hohes Wirtschaftswachstum haben in den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts dazu geführt, dass die Menge an Siedlungsabfall in China jährlich um 9 % gewachsen ist. In manchen Städten wie Peking lag sie im Jahr 2015 bei rund 15 % bis 20 %. Im Jahr 2014 erreichte der Siedlungsabfall in China bereits ein Volumen von 179 Mio. t. Siedlungsabfall wurde dabei überwiegend durch Deponierung und Verbrennung entsorgt. Im Jahr 2015 lag die Müllentsorgung durch Deponien bei 63,7 % und durch Verbrennung bei 34,3 %.
Deponierung Laut Schätzungen des Shanghai Environmental Sanitation Engineering Design Institute gibt es mehr als 10.000 technisch minderwertige Deponien in China. Allein Peking besitzt rund 1000 davon. Die größte Deponie Chinas befindet sich laut der Kommission zur Kontrolle und Verwaltung von Staatsvermögen (SASAC) des Staatsrats der VR China in der regierungsunmittelbaren Stadt Chongqing mit einer Fläche von insgesamt knapp 420 Hektar. Aufgrund mangelnder Flächen und der illegalen Deponien haben sich die Städte Peking, Shenzhen und Shanghai das Ziel gesetzt, ab 2020 keine Abfälle mehr auf Deponien zu entsorgen.
Der Siedlungsabfall in China besitzt einen hohen Organik- und Wasseranteil. Im Nordwesten Chinas lag der Feuchtigkeitsgehalt der Abfälle im Jahr 2015 bei rund 46 %, in Nord- und Südchina bei rund 58 %. Somit wird bei der Deponierung ein hoher Anteil an feuchten biogenen Abfallfraktionen produziert, die wiederum klimarelevantes Deponiegas erzeugen.
Illegale Deponien Im Jahr 2015 waren zwei Drittel der Klein- und Mittelstädte Chinas von Mülldeponien mit teilweise illegalen Müllkippen geradezu „belagert“. Ein Viertel dieser Städte hat nicht genügend Fläche für die Entsorgung. Pekings Einwohner bezeichnen die 400–500 illegalen Mülldeponien am Stadtrandgebiet als die „7. Ringstraße“.In dem Dokumentarfilm Besieged by Waste von Jiuliang Wang wird die Müllentsorgung in Peking dargestellt. Bei den Filmarbeiten stellte sich heraus, dass diese Stadt von 400–500 illegalen Mülldeponien „umzingelt“ ist.
Auswirkungen auf die Umwelt Aufgrund der feuchten biogenen Abfallfraktionen verschlechtert sich die Qualität des Sickerwassers. Bei rund 47 % der Müllkippen in China wurde die Entsorgung des Deponiesickerwassers vernachlässigt. 10 % der Mülldeponien haben das Sickerwasser in das Kanalsystem entsorgt und 20 % der Müllkippen haben für die Entsorgung biochemische Verfahren verwendet.
In China werden bei der Abfalldeponierung aufgrund eines mangelhaften Gasrückgewinnungssystems Treibhausgase wie Ammoniak (NH3), Kohlendioxid (CO2) und Methan (CH4) frei. Aus Umwelt- und finanziellen Gründen versucht das Land daher, durch Methankraftwerke Strom zu erzeugen. Die Deponie Shuige zählt zu den größten Deponien von Nanjing (Jiangsu Provinz). Durch die Zusammenarbeit mit dem französischen Unternehmen Veolia Environnement S.A. wurde ein Methankraftwerk errichtet, das den Strombedarf von 15.000 Haushalten abdecken kann. Weitere solche Anlagen werden in Hangzhou, Guangzhou, Nanjing, Xi’an, Peking, Changsha, Wuxi und in der Provinz Jinan gebaut.
Elektroschrott-Deponien
mini|Elektronikschrott pro Kopf weltweit und bekannte Großdeponien Für die Entsorgung von Elektroschrott ist in China eine der größten Elektroschrott-Deponien der Welt in Guiyu in der Provinz Guangdong entstanden. Diese Deponie wird auch als „elektronischer Friedhof der Welt“ bezeichnet und gehört zu den gefährlichsten Deponien weltweit. Schon bei Säuglingen wird in dieser Region eine erhöhte Bleikonzentration im Blut aufgewiesen. Mehr als 5.000 Familienbetriebe versuchten dort, durch Sortierung und Recycling des Abfalls Geld zu verdienen. Nicht recycelbarer Elektroschrott wird mit giftigen Chemikalien in Müllkippen entsorgt. Dies hat enorme umweltschädliche Auswirkungen in Boden und Wasser. Nach Dekreten etwa 2005, die offene Feuer verboten, und Errichten eines Industrieparks etwa seit 2015 wurde die Umweltbelastung für die Arbeiter als auch für die Luft deutlich verbessert.
Müllverbrennung Im Jahr 2016 gab es 231 Müllverbrennungsanlagen in China. Die Hauptstadt Peking besaß davon allein 28. Die chinesische Regierung setzt den Fokus auf Müllverbrennungsanlagen hauptsächlich aus zwei Gründen. Zum einen werden die für Deponien verfügbaren Flächen immer knapper. Die schlechte technische Ausstattung der Deponien (fehlende Filteranlagen, mangelhafter Grundwasserschutz und CO2-Emissionen) ist ein weiterer Grund für die Förderung von Müllverbrennungsanlagen, die bei dem gegenwärtig noch relativ niedrigen technologischen Standard umweltfreundlicher sind als Mülldeponien. Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 fast ein Drittel ihres Mülls durch Müllverbrennungsanlagen zu entsorgen. Besonders in den Küstenprovinzen Jiangsu, Zhejiang, Fujian, Guangdong und Shandong sowie in den Binnenprovinzen Hebei, Shanxi, Anhui, Hubei, Hunan und Sichuan ist gegenwärtig der massive Aufbau von Müllverbrennungsanlagen geplant. Allein die Provinz Zhejiang hat vor, bis Ende 2020 40 weitere Müllverbrennungsanlagen zu bauen. Die bis 2020 benötigten 800 weiteren Anlagen dieser Art sollen häufig in Form von Public-Private Partnerships (PPP) errichtet werden, d. h. entweder als BOT- (build, operate, transfer) oder als BOO-Projekte (build, operate, own). Aufgrund der ungünstigen Mülleigenschaften hat China jedoch Schwierigkeiten, eine effiziente Befeuerung der Müllverbrennungsanlagen zu erreichen. Der Siedlungsabfall, der einen hohen Organik- und Wasseranteil hat, führt zu einem sehr niedrigen Heizwert und zu einer ineffizienten Auslastung der Müllverbrennungsanlagen. Somit werden die ökologischen und energetischen Potenziale dieses Verfahrens nicht ausreichend ausgeschöpft. Müllentsorgungsunternehmen In China gibt es zehn große Müllentsorgungsunternehmen, die mit ihren Müllverbrennungsanlagen zusammen mehr als 200.000 t Müll pro Tag entsorgen können. Sie machen 80,4 % des gesamten Marktes aus. Die Vorgabe des 13. Fünfjahres-Plans lautet, in den nächsten Jahren die Verbrennungskapazität der Müllverbrennungsanlagen auf 467.000 t pro Tag zu erreichen. Das größte Unternehmen ist die Hangzhou Jinjiang Group Co. Ltd., die durch ihre Anlagen 43.688 t Müll pro Tag entsorgen kann. Dies entspricht etwa 15,38 % der gesamten Waste-to-Energy (WtE)-Verbrennungskapazität in China. Weitere bekannte Unternehmen in Chinas Abfallindustrie sind die China National Environmental Protection Corp., die Shanghai Environment Group Co. Ltd., die China Everbright International Co. Ltd. und die Zhejiang Weiming Environmental Protection Co. Ltd.
China plant, die weltgrößte Müllverbrennungsanlage zu bauen. Hierzu hat das chinesische Unternehmen Shenzhen Energy Environment Engineering Co. Ltd. mit dem Unternehmen Keppel Seghers Belgium N.V. einen Vertrag über 26,7 Millionen US-Dollar unterzeichnet. Diese Müllverbrennungsanlage soll in Shenzhen, Provinz Guangdong, errichtet werden und noch im Jahr 2018 einsatzbereit sein.
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