Der Rauschberg ist ein mehrgipfeliger Gebirgsstock in den Chiemgauer Alpen mit einer maximalen Höhe von .

Geographie Der Hauptgipfel des Rauschberg-Massivs befindet sich 5,2 Kilometer (Luftlinie) südöstlich des Ortszentrums von Ruhpolding. Er liegt im Zeller Forst, früher ein gemeindefreies Gebiet und heute eine Gemarkung der Gemeinde Ruhpolding. Der Ostteil des Massivs gehört bereits zum Gebiet der Gemeinden Inzell (Nordseite) und Schneizlreuth (Südseite).

Die höchste Erhebung im Westteil ist der Hintere Rauschberg mit , der Gipfel des Vorderen Rauschbergs besitzt die etwas geringere Höhe von 1645 Meter. Zum Westteil gehört auch der Roßgassenkopf () am Eingang zur gleichnamigen Roßgasse. Gipfel im Ostteil des Gebirgsstocks sind der Streicher () und der Zenokopf (), die zusammen den Westabschluss des Inzeller Kienbergs bilden. Letzterer stellt eigentlich einen eigenen Bergstock dar, er wird aber üblicherweise dennoch in das Rauschberg-Massiv integriert, obwohl er sich durch eine ausgeprägte Scharte zwischen Hinterem Rauschberg und Streicher – dem Kienbergsattel () – deutlich absetzt. Ausgehend von Streicher und Zenokopf im Westen verliert der Inzeller Kienberg nach Osten allmählich an Höhe und geht ab dem Maierknogl () in den Plattlinger Rücken über, der dann bei Zwing und an den Weißbachfällen im Tal des Weißbachs endet.

Das Rauschberg-Massiv im weiteren Sinne reicht somit in West-Ost-Erstreckung über eine Distanz von 6,5 Kilometern von der Weißen Traun bis an den Weißbach südlich von Inzell. In Nord-Süd-Erstreckung ist es rund 4 Kilometer breit und wird im Norden von der Deutschen Alpenstraße (B 305) und im Süden vom Sackgraben und den Oberläufen des Schwarzachens begrenzt.

Zugang Der im Westen des Bergstocks gelegene Vordere Rauschberg () ist als leichte Bergwanderung von Ruhpolding aus erreichbar. Die 1953 erbaute Rauschbergbahn steht seit November 2022 still. Der Gipfel ist ein beliebtes Wanderziel, weil man von ihm eine hervorragende Aussicht in das gesamte Voralpenland hat. So kann man zum Beispiel den Unternberg, den Hochfelln, den Chiemsee, den Hochstaufen, den Zwiesel und das Ristfeuchthorn sehen. Des Weiteren geht der Blick vom Watzmann und Steinernem Meer über Hochkalter, Reiter Alm, Leoganger Steinberge, Sonntagshorn, Loferer Steinberge hin zum Kaisergebirge. Bei günstiger Witterung können sogar zwei der höchsten Berge Österreichs ausgemacht werden – der Großglockner und der Großvenediger.

Geologie mini|500px|Das Rauschberg-Massiv gesehen von der Schlösselschneid () im Südwesten.

Der zu den Nördlichen Kalkalpen (Chiemgauer Alpen) gehörende Gebirgsstock des Rauschbergs wird überwiegend von bis zu 700 Meter mächtigem Wettersteinkalk aufgebaut. Dieser mitteltriassische Riffkalk wurde vor rund 230 Millionen Jahren in der Tethys am Südrand des europäischen Kontinents während des Ladiniums (Langobardium) abgelagert.

Der Wettersteinkalk ist dreigliedrig – unterer, mittlerer und oberer Abschnitt. Den unteren Abschnitt baut ein weißgrauer Kalk auf, der über weite Gebiete durch reinweißen splittrigen Dolomit vertreten wird. Schlecht bis ungebankt erscheint der mittlere Abschnitt des Wettersteinkalks, in dem Algenrasenkalke auftreten, jedoch Dolomiteinschaltungen fast fehlen. Der obere Abschnitt ist deutlich und massiv gebankt (Bankmächtigkeit bis 3 Meter), es sind aber durchaus geringmächtige, stärker verwitternde Lagen eingeschaltet. Den obersten Wettersteinkalk prägt sodann eine Sonderfazies, die am Rauschbergkamm, zwischen Rauschberghaus und Roßgasse, weiterhin am Kienbergkamm, besonders in der Streicherscharte aufgeschlossen ist. Sie besteht aus einer Vielfalt sedimentärer Bildungen – Brekzien, Rhythmite, Resedimente und feinkavernöse Kalke. Der Wettersteinkalk zeigt deutliche Verkarstungserscheinungen, erkennbar an Dolinen und Sturzschächten. Ganze Dolinenfelder sind insbesondere südlich des Zenokopfs zu beobachten.

Unterhalb des Wettersteinkalks kann auch noch die Partnach-Formation (Partnach-Kalk, am Nordostende des Massivs bis zu 250 Meter mächtig werdend) des Ladiniums angetroffen werden, so beispielsweise am Ostrand des Massivs bei der Moar-Alm und an einem kleinen Zwickel im äußersten Westen gegenüber Fritz am Sand.

Der Schichtenverband fällt am Rauschberg generell nach Süden ein und geht dann in Richtung Sonntagshorn in ein breites, flaches Synklinorium über, das im Bereich des Sackgrabens eine untergeordnete Aufwölbung (Mahdeck-Sattel mit Wettersteinkalk im Kern) aufweist.

Die Südhänge des Rauschbergmassivs nördlich der Schwarzachen-Niederung werden von einem durchziehenden Band von auflagernden Raibler Schichten des Karniums eingenommen (mit der Abfolge Raibler Tonstein im Liegenden, Raibler Kalk und Raibler Dolomit im Hangenden). Die Raibler Schichten sind im Rauschberg-Massiv generell durch die dreifache Wiederholung von jeweils einer liegenden Schieferton-Folge und einer hangenden Kalk-Dolomit-Folge gekennzeichnet. Ihre Gesamtmächtigkeit beträgt zirka 300 Meter. Die Formation tritt aber auch bereits nahe der Kammlage auf, so beispielsweise zwischen Vorderem und Hinterem Rauschberg bis herab zur Geißwand und Rauschbergalm, südwestlich des Streichers und östlich der Kienbergalm. Des Weiteren erscheint sie im Osten des Mahdeck-Sattels.

Ab der Waicher Maisalm und der Kaitlalm entlang der Oberläufe des Schwarzachens (Lanzelecker Bach und Hinterer Schwarzachen) tritt erstmals stratigraphisch höherliegender Hauptdolomit des Noriums auf, welcher dann das gesamte Sonntagshorn-Massiv unterlagert.

Eiszeiten mini|500px|Blick von Inzell auf den Rauschberg – in der Mitte die Roßgasse, die in der letzten Kaltzeit einen Lokalgletscher trug. Rechts der Roßgasse der Roßgassenkopf und links davon der Hintere Rauschberg.

Der Bergstock des Rauschbergs war sowohl während der Riß- als auch der Würm-Kaltzeit allseitig von Ferneismassen umflossen, wobei – nach den Endmoränen zu urteilen – die Riß-Kaltzeit bedeutender war. Auf der Westseite des Massivs drang der Weißtraungletscher nach Norden in den Ruhpoldinger Talkessel, entsandte aber einen Seitenast nördlich des Rauschbergs nach Osten, der dann am Froschsee mit dem Rottraungletscher in Verbindung trat. Dieser Seitenast hat am Nordfuß des Rauschbergs bei Plenken und Ried und insbesondere bei Labenbach seine ausgezeichnet erhaltenen Seitenmoränen hinterlassen. Der Rottraungletscher war seinerseits östlich des Bergstocks nach Norden gen Inzell vorgestoßen. Hierbei hatte er sich nördlich des Gletschergartens in drei Äste aufgespalten – Wildenmoostal, Zwing und Weittal. Der Weißtraungletscher und der Rottraungletscher berührten einander auch südlich des Rauschberg-Massivs in der Schwarzachen-Niederung, wie weit verbreitete Moränenablagerungen in diesem Sektor belegen. Die Ablagerungen in den Talungen südlich des Rauschbergs bestehen vorwiegend aus eisrandnah abgelagerten fluvioglazialen Sedimenten (wie beispielsweise an der Waicher Maisalm), mit Mächtigkeiten von zirka 50 Meter, weniger aus Grund- und Seitenmoränen, letztere treten nördlich des Rauschbergs stärker in den Vordergrund. Südlich der Schwarzachenalm ist jedoch am Vorderen Kraxenbach auf Hauptdolomit liegendes Moränenmaterial sehr schön aufgeschlossen.

Laut Klaus Doben (1973) stand das Ferneis im Norden des Rauschbergs auf rund 900 Meter Höhe, im Süden jedoch auf etwa 1050 Meter – und hatte somit eine Dicke von 150 bis 250 Meter.

Im Verlauf der letzten Kaltzeit existierte auf dem Rauschberg auch ein Lokalgletscher. Dieser ging von der Nordseite des Hinteren Rauschbergs aus und floss durch die Roßgasse nach Nordosten in Richtung Froschsee. Der Rauschberg-Gletscher wurde aus der Roßgasse und dem Kar zwischen Hinterem Rauschberg und Streicher gespeist; er sammelte sich im Roßgaßboden, von wo er über eine 50 Meter hohe Felsbarriere hinab sein Zungenbecken erreichte. Bei Rauchenbichl bzw. Endsee, berührten sich seine Endmoränen mit den Moränen des Weißtraun- bzw. Rottraungletschers.

Ein kleinerer Lokalgletscher bestand außerdem am Nordhang des Streichers, der in Nordost-Richtung nach Schmelz herabzog. Sein Einzugsbereich lag in der Schneegrube zwischen Streicher und Zenokopf. Sein Zungenbecken war der Fahrriesboden, unterhalb dem sich die Endmoränen mit den Fernmoränen des durch das Wildenmoos fließenden westlichen Seitenarms des Rottraungletschers mischten.

Holozän Im Holozän gab die Erosion des fließenden Wassers der Gebirgslandschaft ihre letzte Formung. Die im Spät- bis Postglazial akkumulierten Lockergesteine wurden während der Trauntal-Stufe teilweise wieder ausgeräumt. Die aus der verstärkten Erosion während des Holozäns hervorgegangenen Ablagerungen sind: Schutt- und Schwemmkegel (Schwemmkegel oberhalb Ramsler), Hang- und Verwitterungsschutt (besonders im nordseitigen Wettersteinkalk), Hochwasserablagerungen (meist schluffreicher Kies) in einigen Talabschnitten sowie Bergsturzablagerungen und Blockschutt. Ein verhältnismäßig großer Bergsturz ist am Nordwesthang des Rauschberges bei Knogl herabgekommen. Seine Blöcke reichen bis auf eine postglazial terrassierte Schotterfläche. Durch diesen Bergsturz wurde der Taubensee aufgestaut, der möglicherweise in einem alten Bett der Weißen Traun liegt, deren Wasser in ein neues Bett, westlich der Jurakuppen an der Rauschbergbahn-Talstation, abgedrängt wurde. Als weitere postglaziale Ablagerungen fungieren schluffreiche Hangrutschungen (so genannte Bergschlipfe) unter Beteiligung oberflächennahen Grundwassers. Sie treten beispielsweise am Rauschbergs östlich des Labenbacher Etzes auf, dessen intensiv durchfeuchtete Nordhänge sich durch eine verzögerte Schneeschmelze auszeichnen und außerdem von Moränenschuttmassen bedeckt werden. Am Labenbacher Etz erscheint außerdem einige Meter mächtiger Lehm, der über tiefgründig verwittertem Cenomanmergeln (Branderfleck-Formation) zu liegen kommt. Hierbei dürfte es sich um hangabwärts sich anreichernde, abgeschwemmte Verwitterungsbestandteile des Cenomans handeln.

Tektonik mini|500px|Nord-Süd-Profil durch das Rauschberg-Massiv, nach Klaus Doben (1973). Gut zu erkennen die Versteilung des Wettersteinkalks durch Längsstörungen auf der Südflanke.

Strukturgeologisch befindet sich der Rauschberg an der Stirnfront der tirolischen Staufen-Höllengebirgs-Decke, die im Verlauf der alpidischen Orogenese in nördliche bis nordwestliche Richtung über die bajuvarische Lechtal- und Allgäu-Decke schräg auf- bzw. überschoben wurde. Die Überschiebungsfront verläuft südlich von Inzell noch in westsüdwestlicher Richtung, biegt aber dann gen Ruhpolding sukzessiv in die Südwestrichtung ein. Am Taubensee überfährt sie das Neokom und Cenomanium (Branderfleck-Formation) der Lechtal-Decke. Wegen des weit verbreiteten Hangschutts ist die Deckengrenze nur selten zu erkennen – sie wird von gelegentlichen Schubfetzen von Haselgebirge, Werfen-Formation (nur als Lesesteine) und Reichenhall-Formation (10 Meter mächtige Rauhwacke) markiert.