Johann Adam Vogt (* 14. Februar 1773 in Kassel; † 14. Mai 1845 in Helsa) war ein deutscher Grebe (Ortsvorsteher, Bürgermeister) in Helsa. Er ist Verfasser einer Helsaer ChronikVgl. Geschichtsverein Helsa 1992., eines SippenbuchsLipscher, A.: Er führte Buch über jeden Helsaer Bürger. In: HNA vom 17. Januar 2017 und von beruflichen Tagebüchern (Almanachen). Von diesen blieben fünf aus den Jahren 1828, 1834, 1835, 1839 und 1840 erhalten.Vgl. Zeis 1977, S. 482. Am 11.10.1830 wurde er als "Deputirte(r)" des "Diemelstroms", d.h. der Kreise Kassel, Hofgeismar und Wolfhagen, für den so genannten Bauernstand in die kurhessische Ständeversammlung gewählt.Vgl. Geschichtsverein Helsa 1992, S. 6f. Vgl. Losch 1909, S. 5 ("Vogt") und S. 57: "Vogt, Joh. Adam, Grebe zu Helsa. Deputierter der Bauern des Diemelstroms auf dem konstituierenden Landtag von 1830.". Vgl. Protokoll der konstituierenden Ständeversammlung, S. 2

Leben Johann Adam Vogts Eltern waren der Metzgermeister Nikolaus Vogt (1742–1821) und Anna Catharina, geb. Gröll (1747–1808).Vgl. Stammtafel der Familie Vogt, in: Geschichtsverein Helsa 1977, S. 4ff. Vogt heiratete am 14. Mai 1794 Anna Margarete, geborene Brethauer. Sie hatten zwei Töchter, Anna Katharina (* 1795) und Anna Elisabeth (* 1798). Zwei seiner drei Brüder wanderten 1809 nach New York aus; sie starben dort in den Jahren 1834 und 1812.

Vogt war gelernter Metzger. Ab 1797 amtierte er als gewählter Ortsvorsteher von Helsa. Von ca. 1800–1823 war er „Im weißen Roß“ in Helsa Gastwirt. Im Königreich Westphalen, dessen König der Bruder von Kaiser Napoleon Bonaparte, Jerome war, wurde Vogt 1808 Maire, d. h. zum Bürgermeister ernannt. Er behielt diese Aufgabe auch nach Napoleons Sturz.Die Bezeichnung Bürgermeister wurde in Hessen offiziell erst 1834 eingeführt und löste die ältere Grebe ab. Er war außerdem Mitglied in zahlreichen Kommissionen, z. B. von 1800 bis 1835 als „Gerichts-Taxator“.Vgl. Stammtafel der Familie Vogt. S. 6.

Aufzeichnungen des Bürgermeisters Vogt Die Helsa-Chronik berichtet unter dem Titel Denkwürdigkeiten aus dem Altertum bis auf die gegenwärtigen Zeiten über Ereignisse ab 1703 bis 1845.Vgl. Geschichtsverein Helsa 1992, S. 23–48, und Vogelsang. Neben Ereignissen des Ortes Helsa schildert Vogt auch einige überregionale und historische Ereignisse, z. B. um die Völkerschlacht von Leipzig.

So berichtete Vogt am 27. September 1813, kurz vor der Völkerschlacht bei Leipzig, vom General Alexander Iwanowitsch Tschernyschow und der ersten Befreiung von Kassel durch ihn und seine Kosaken. Vogt berichtet von den Belastungen im Umfeld der Schlacht durch eine "Viehseuche, ein "Nervenfieber" und die "Einquartierungen" vom 27.9.1813 - 14.2.1814 in Helsa. Zu den materiellen Belastungen erstellte er eine "Schadens-Tabelle, die höheren Orts eingereicht" wurde.Vgl. S. 16ff. Er wurde in den folgenden 20 Jahren mehrfach in Kommissionen gewählt, die solche Schäden bestimmten und ausgleichen sollten. Vgl. S. 22.

1831 berichtete Vogt von einer Cholera-Epidemie in Deutschland. „Im Jahre 1831 graßierte die Colera morbis, oder der so genannte schwarze Tod in Deutschland, wodurch an allen Grenzen Cholera-Häuser aufgebaut wurden.“ Die Reisenden wurden „mit Chlorkalch geräuchert“, bevor sie z. B. „in's Heßenland eintraten“. „In Kaßel wurden einige Opfer dieser Pestkrankheit, hier ist kein Mensch davon befallen worden.“Vgl. S. 32.

Am 17. Dezember 1837, drei Tage nach der Absetzung der so genannten Göttinger Sieben, berichtete Vogt vom Einkehren von sieben Professoren aus Göttingen in der Gastwirtschaft, die seit 1823 seine ältere Tochter mit ihrem Mann führte. Zwei Professoren waren die Gebrüder Grimm, auch Studenten waren dabei. „Am 17ten Dezember kamen sieben Profeßoren, worunter sich die Gebrüder Grimm mitbefanden, und aus Göttingen verwiesen waren, mit einer großen Anzahl Studenten des Abends hier an, speißten in unßerem Hause und fuhren nach Kaßel ab.“Vgl. Helsa-Chronik, Eintrag 76., in Geschichtsverein Helsa 1992, S. 37.

Vogt führte auch ein berufliches Tagebuch, in denen er das Wetter und Ereignisse im Dorf im Rahmen seiner Funktion als Bürgermeister sowie regionale Ereignisse festhielt.Vgl. Zeis 1977, S. 476. Einer dieser Almanache ist im Privatbesitz. Vier besaß 1977 der Verein für hessische Landesgeschichte Kassel.Vgl. Zeis 1977, S. 482, Fußnote: "Nach Druck dieser Auswertung ergibt sich, daß sich auch Almanache für die Jahre 1834, 1835, 1839 und 1840 erhalten haben. Sie befinden sich beim Verein f. hess. Landesgesch. in Kassel."

Es ist außerdem ein Sippenbuch erhalten, in dem Vogt Buch über seine Bürger führte. Neben dokumentierten Daten zwischen Geburten, Hochzeiten u. ä. urteilt Vogt auch mit subjektiven „Vermutungen“ zu Ursachen über „Verfehlungen“ der Bürger.Lipscher, A.: Er führte Buch über jeden Helsaer Bürger. In: HNA vom 17. Januar 2017 und Wienecke, B.: Einträge im Sittenbuch. In: HNA vom 9. März 2012

Mitglied in der kurhessischen Ständeversammlung von 1830-1831 Vogt wurde 1830 als Vertreter der Bauern des Diemelstroms zum "Landtags-Deputirten" der konstitutierenden kurhessischen Ständeversammlung, "trotz allen Sträubens", gewählt. Ein Ergebnis war die erste kurhessische Verfassung von 1831. In der Ständeversammlung war Vogt auch Mitglied von zwei Ausschüssen: Einem "Ausschuß über die Berathung eines Gesetzes zur Sicherung der öffentlichen Ruhe und Ordnung" gehörte er bis zur Verabschiedung des entsprechenden Gesetzes am 22.10.1830 anDem Ausschuss gehörten laut Protokoll der konstituierenden Ständeversammlung, S. 11 neben Vogt an: Börries von Hammerstein, Carl von Eschwege sowie die (Ober-)Bürgermeister von Rinteln, Wilhelm Schwabe, Schmalkalden, Johannes Auffarth und von Marköbel bei Hanau, Martin Stroh (Politiker, 1776). Vgl. entsprechend Geschichtsverein Helsa 1992, S. 7 und ab November 1830 einem "Geld-Ausschuß".Dem "Geld-Ausschuß" gehörten neben Vogt an: Börries von Hammerstein, Carl von Eschwege sowie die (Ober-)Bürgermeister von Kassel, Karl Schomburg, von Hanau, Bernhard Eberhard und von Schmalkalden, Johannes Auffarth. Er hatte auch die "Bildung des kurfürstlichen Haus- und Staatsschatzes zur Aufgabe" und tagte gemäß Vogt "längere Zeit in der Bellevue in der Kabinets-Kaße größtentheils bei nächtlicher Zeit, gewöhnlich von 6 Uhr abends, bis 12 Uhr des Nachts, zum Geld-Ausschuß und Theilung der aus 38 Millionen bestehenden Schatzes." Vgl. Geschichtsverein Helsa 1992, S. 7 Die Wiederwahl in die ständige Ständeversammlung im April 1831 schlug er erfolgreich aus.1830 war Vogt seit 33 Jahren Ortsvorsteher und Grebe von Helsa und seit 30 Jahren in öffentlichen Ämtern tätig, gewählt oder bestellt. Er war eine Generation älter als viele der 29 anderen Gewählten, die oft nach 1790 geboren wurden. So war er schon 1830 erschöpft und 1835 erleichtert, als die Wählbarkeit vorbei war. "Endlich der zwar ehrenvollen Stellen jedoch herzlich müde, kam die Zeit der Erlösung", schreibt er zu 1835, er gab sein "Grund-Vermögen" - die Bedingung der Wählbarkeit - ab, "und somit hörte denn endlich alle Wählerei für meine Person mit einemmale auf." Vgl. Geschichtsverein Helsa 1992, S. 8

Literatur Geschichtsverein Helsa (1992): Abschrift der Helsa Chronik des Bürgermeisters Vogt (1773–1845). Hergestellt im Februar 1977 im Auftrag der Gemeindeverwaltung Helsa, Ausgabe 1992. (Signatur der Ausgabe der Universitätsbibliothek – LMB Kassel: 35 Hass 2006 B 586) Losch, Philipp (1909): Die Abgeordneten der Kurhessischen Ständeversammlungen von 1830 bis 1866. Marburg 1909 Vogelsang, Gerd (o. J.): Historische Daten Helsa. Online Zeis, Friedrich (1976): Zur Helsa-Chronik des Bürgermeisters Vogt. Nach Aufzeichnungen von Kirchenrat D. Eduard Grimmell († 1971), bearbeitet von F. Zeis. In: Norddeutsche Familienkunde, Heft 4/1976, S. 454–460. Auch abgedruckt in Geschichtsverein Helsa 1992, S. 49–55. Zeis, Friedrich (1977): Zum Helsa-Almanach des Bürgermeisters Vogt. Sonderdruck aus „Hessische Familienkunde“ Bd. 13, Heft 8/1977, S. 475–482.

Einzelnachweise

Kategorie:Bürgermeister (Landkreis Kassel) Kategorie:Mitglied der kurhessischen Ständeversammlung Kategorie:Helsa Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1773 Kategorie:Gestorben 1845 Kategorie:Mann