mini|Bombardier-Twindexx-Zugverband mit farblich passender Lokomotive der Baureihe 146.5 im Oktober 2015 mini|Twindexx Vario als „Intercity 2“-Steuerwagen auf der Innotrans im September 2014

Unter dem Namen Intercity 2, kurz IC2, vermarktet DB Fernverkehr ihre doppelstöckigen Intercity-Züge, die seit Dezember 2015 in Betrieb sind.

Bombardier Twindexx Bestellung und Auslieferung mini|Doppelstockwagen der 2. Klasse (DBpza 682.2) mini|IC-2-Garnitur mit einer Lokomotive der Baureihe 147.5

Durch die zunehmende Überalterung des vorhandenen Wagenparks bedrängt, entschied die DB Fernverkehr 2011, ihre IC-Flotte mit Doppelstock-Zügen zu ergänzen. Um dies kurzfristig umzusetzen, nutzte die DB eine Option auf Doppelstockwagen des Typs Bombardier Twindexx Vario, die ursprünglich für DB Regio vorgesehen waren und bestellte bei Bombardier eine für den Fernverkehr adaptierte Variante dieser Wagen mitsamt Loks. Der Wert des 2011 an Bombardier Transportation vergebenen Auftrags wurde mit 362 Millionen Euro beziffert.Bombardier liefert Twindexx-Doppelstockwagen und TRAXX-Lokomotiven für den Fernverkehr an die Deutsche Bahn AG. Pressemitteilung auf n-tv.de, 12. Januar 2011, abgerufen am 6. Juli 2018.Aufgestockt. In: mobil. März 2011, S. 58–59. Die Kosten eines Zuges mit fünf Wagen und einer Lokomotive der Baureihe 146.5 betrugen 17 Millionen Euro.

Auf der InnoTrans 2014 wurden die ersten Wagen der Öffentlichkeit vorgestellt.Peter Neumann: Trends und Skurriles auf der weltgrößten Bahn-Messe in Berlin. In: Berliner Zeitung. 25. September 2014, abgerufen am 26. September 2014. Erste Prototypen wurden im Herbst 2014 in Berlin und Leipzig präsentiert. Es gab vielfach Kritik, wie z. B. ein zu geringes Angebot an Stellfläche für Reisegepäck, geringerer Sitzkomfort oder das Fehlen eines Bistro- oder Speisewagens.Johannes Dörries: Deutsche Bahn: Neue IC-Züge kommen mit Verspätung. In: Mitteldeutsche Zeitung. 15. Dezember 2014. Im Jahr 2011 war geplant, 2013 die ersten Doppelstockwagen einzusetzen. Dieser Termin wurde mehrfach verschoben. Bombardier begründete die Lieferverzögerungen mit der Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt, in deren Rahmen mehrfach zusätzliche Nachweise gefordert worden seien. Im Juli 2015 wurden die Doppelstockwagen in verschiedenen Bahnhöfen präsentiert, u. a. in Düsseldorf und Leipzig.IC-Doppelstockwagen auf Präsentationstour. In: Eisenbahn Magazin. 9/2015, S. 26. Die Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt erfolgte im September 2015, anschließend begann die Übergabe der Fahrzeuge an die DB Fernverkehr und die Personalschulung.Zulassung für Doppelstock-IC. In: Eisenbahn Magazin. 11/2015, S. 22. Im Januar 2017 waren 25 Züge ausgeliefert; ursprünglich war die Lieferung des ersten Loses von 27 Zügen bis Ende 2013 vorgesehen.

Im September 2013 bestellte die Bahn weitere 17 Doppelstock-IC mit einem Auftragswert von 293 Millionen Euro.Bahn kauft neue Doppelstock-IC. In: Handelsblatt. 17. September 2013. Auf der Strecke von Stuttgart in Richtung Schweiz wurden diese Züge vorübergehend mit Lokomotiven der Baureihe 146 bespannt, ab 2019 sollten Schweiz-fähige Maschinen der Baureihe 147 eingesetzt werden, was allerdings nicht geschah. Ende März 2017 erfolgte ein weiterer Abruf der Deutschen Bahn über 25 zusätzliche Intercity-Doppelstockzüge.Weitere IC2 von Bombardier. In: Eisenbahn Magazin. 6/2017, S. 33. Im Januar 2020 verweigerte die DB Fernverkehr die Abnahme der 25 Züge des 2017 bestellten Teils der 2. Serie wegen Softwareproblemen.

Bestellung Einsatzbeginn Steuerwagen Mittelwagen Summe 2011 Dezember 2015 27 108 135 2013 Dezember 2018 17 68 85 2017 Dezember 2020 26 104 130

Aufbau und technische Daten Die ohne Lokomotive 134,50 Meter langen Wagenparks werden aus fünf Wagen gebildet: Neben einem Steuerwagen („Servicewagen“, Bauart DBpbzfa 668.2, Ordnungsnummer 1) sind drei Mittelwagen zweiter Klasse (DBpza 682.2, Ordnungsnummern 2–4) und ein Mittelwagen erster Klasse (DApza 687.2, Ordnungsnummer 5) eingereiht. Angetrieben wird jeder Zug von einer auf 160 km/h ausgelegten Elektrolokomotive vom Typ Bombardier Traxx, je nach Konfiguration kommt die Baureihe 146 oder 147 (= Traxx 3) zum Einsatz. Die Züge haben eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Die Deutsche Bahn strebte zunächst eine spätere Zulassung für eine Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h an.Peter Kirnich: Bahn entdeckt Heimatmarkt: Neue Doppelstock-IC ohne Speisewagen. In: Frankfurter Rundschau, 13. Januar 2011. Da der IC 2 gemäß Angaben der Deutschen Bahn kaum auf Strecken mit mehr als 160 km/h Höchstgeschwindigkeit zum Einsatz kommt und somit der potentielle Zeitvorteil marginal wäre, wurde dies nicht weiter verfolgt. Überdies seien höhere Geschwindigkeiten auch wegen ETCS teuer in der Zulassung sowie für Doppelstockzüge beispielsweise wegen des Energieverbrauchs und Seitenwind-Empfindlichkeit problematisch. So mache der kostengünstige IC 2 mit gemäßigter Geschwindigkeit eine Aufrechterhaltung sowie Ausweitung des Fernverkehrs auf ländliche Routen finanzierbar, während auf schnellen Routen der Einsatz von ICE-Triebzügen mit größerer Höchstgeschwindigkeit effektiver sei.

Die Züge verfügen über 468 Sitzplätze, davon 70 in der ersten Wagenklasse sowie sechs Klappsitze. Für die Fahrradmitnahme stehen insgesamt neun reservierungspflichtige Stellplätze zur Verfügung, davon sechs im Steuerwagen und jeweils einer in den übrigen drei Wagen der zweiten Klasse. Die Züge verfügen unter anderem über Kopfpolster, Fußstützen, LTE-fähige Mobilfunkverstärker und Steckdosen. Ab 2019 wurde mit der Integration eines WLAN-Systems in die IC2-Flotte begonnen. S. 25 Laut DB-Angaben zur Einführung war die Nachrüstung eines Bordrestaurants „wahrscheinlich“ vorgesehen, ist jedoch nicht erfolgt. Stattdessen erfolgt auf einzelnen Streckenabschnitten eine Bewirtung in beiden Klassen am Platz. Unter dem Namen IC Café-Team bieten Mitarbeiter den Reisenden Kalt- und Heißgetränke, Snacks sowie Backwaren an.Der neue Intercity und die Lösung des Heißgetränke-Dilemmas, inside.bahn.de, 10. Dezember 2015; abgerufen am 6. Juli 2018. Anfangs wurde dieser Service durch das Catering-Unternehmen LSG Sky Chefs realisiert. Seit dem Fahrplanwechsel im Winter 2021 haben Mitarbeiter der DB Fernverkehr übernommen.

Die Ein- und Ausstiege verfügen im Steuerwagen über 1300 mm und in den Mittelwagen 1800 mm lichte Weite. Der Einstieg in den Steuerwagen ist auf 55-Zentimeter-Bahnsteigen barrierefrei über eine Spaltüberbrückung möglich, für Höhen zwischen 38 und 76 Zentimeter ist eine Rampe vorgesehen. Ein barrierefreier und ebenerdiger Einstieg in den Steuerwagen ist also hier nur für den Unterstock möglich. Dort ist auch eine barrierefreie Toilette vorhanden. Der Oberstock ist nicht barrierefrei und nur durch zwei Treppen erreichbar, hier sind Sitzplätze sowie ein Kinderspielbereich vorhanden. Bei allen Mittelwagen (und damit auch dem einzigen Wagen der ersten Klasse) sind beim Einstieg immer Treppen zu überwinden, vom Eingangsbereich aus sind alle Sitzplätze im Unter- und Oberstock nur über weitere Treppen zu erreichen. Die Einstiege in den Wagen sind knapp 1,90 Meter breit, in den Mittelwagen teilt ein Handlauf die Einstiege in zwei Teile. In der zweiten Klasse ist eine Kniefreiheit von 820 Millimetern vorgesehen, in der ersten Klasse von 910 Millimetern. Die Bauweise als Doppelstockwagen führt zu einigen Einschränkungen gegenüber den zuvor eingesetzten einstöckigen Fahrzeugen. So sind wegen der geringen Innenraumhöhe und des lichtraumbedingten Knicks im Wagenkasten nur kleine Gepäckablagen über den Sitzen möglich, auf denen größere Gepäckstücke nicht verstaut werden können. Auch die Luftkanäle der Klimaanlage müssen aus Platzgründen im Fußbereich des Innenraums an den Wänden entlanggeführt werden, wodurch der Fußraum bei den Plätzen am Fenster stark eingeschränkt ist.

Die erste Serie wurde mit Lokomotiven der Baureihe 146.5 ausgestattet. Der Einsatz der ersten Serie erfolgt vor allem auf den Strecken in Niedersachsen sowie nach Leipzig und Dresden. Die zweite Serie wird von Lokomotiven der Baureihe 147.5 traktioniert. Das Haupteinsatzgebiet für das erste Los von 17 Zügen der zweiten Serie liegt in Baden-Württemberg. Die Züge sollten für den Verkehr mit der Schweiz mit ETCS ausgestattet werden, doch dessen Zulassung durch die Schweiz wurde vom Hersteller nicht erlangt. Die Kilometerkosten der Fahrzeuge betragen laut Angaben der Deutschen Bahn 18 Euro je Kilometer, bei alten Reisezügen lägen sie bei 25 Euro je Kilometer.

Im Januar 2020 verweigerte die Bahn als Konsequenz vielfacher Probleme die Abnahme von 25 neuen Zügen, da sich die Baureihe im Betrieb seit 2015 als sehr störanfällig herausgestellt hatte und vielfach Verspätungen provozierte. Der Abnahmestopp der letzten IC-2-Züge durch die Deutsche Bahn wurde 2023 aufgehoben, nun sollten die restlichen Züge der zweiten Serie und ein zusätzlicher Zug von nunmehr Alstom geliefert und bis Ende 2024 abgenommen werden. Dazu müssen die Züge aber eine bestimmte Laufleistung störungsfrei gelaufen sein. Es gibt technische Verbesserungen, auch wurden die Züge mit WLAN ausgerüstet. Statt einer Zugsicherungsanlage vom Typ EBICAB wird ab 2026 eine Atlas EVC 3 eingebaut. Ab 2027 sollen die bisher gelieferten Züge entsprechend nachgerüstet werden.

Einsatz mini|Ein IC der Linie 35 zwischen Duisburg und Düsseldorf mini|IC 2 nach Konstanz in Stuttgart Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2015 begann der Betrieb mit dem erstmaligen Einsatz der Doppelstock-Intercity-Züge – nun mit der Bezeichnung Intercity 2 (IC2) – auf der IC-Linie 56 (Cottbus/Leipzig – Hannover – Norddeich).IC-Linie 35 Norddeich–Köln auf IC2 umgestellt; in: Eisenbahn Magazin, 6/2016, S. 17. Hier kommen bis heute ausschließlich Züge der ersten Serie zum Einsatz. Seit dem 20. März 2016 werden die Intercity-2-Züge auch auf der IC-Linie 35 (Koblenz – Köln – Münster – Norddeich) eingesetzt. Der Einsatz wurde aber zum Jahresfahrplan 2017 für ein bis zwei Jahre unterbrochen, weil die Fahrzeuge ab Dezember 2016 für die IC-Linie 55 (Dresden – Hannover – Köln) benötigt wurden, wo bereits seit dem 4. September 2016 ein Zugpaar mit Doppelstock-IC verkehrte. Fahrplanmäßig werden 18 Garnituren benötigt.18 Züge im Umlauf; in: Eisenbahn Magazin, 3/2017, S. 33. 2016 gingen die ersten fünf Garnituren in Betrieb, Ende 2016 waren bereits 25 im Einsatz. Die Instandhaltung der zuerst bestellten Züge von DB Fernverkehr erfolgt im ICE-Werk Leipzig, wo neue Werkstattkapazitäten geschaffen wurden. Zunächst war daran gedacht worden, die Intercity-Doppelstockwagen durch die DB-Regio-Tochter DB Verkehr GmbH zu betreiben und damit die bei DB Regio vorhandenen Instandhaltungskapazitäten für Doppelstockwagen auszulasten.

Nach Testfahrten im Mai 2017Gäubahn: IC-2-Probebetrieb; in: Eisenbahn Magazin, 7/2017, S. 27. verkehren die Züge seit dem 10. Dezember 2017 auch zwischen Stuttgart und Singen, wobei hier Züge der zweiten Serie zum Einsatz kommen. Da eine ETCS-Ausrüstung Voraussetzung für einen Einsatz im Schweizer Netz ist und den Bombardier-Zügen die Schweizer Zulassung nicht erteilt war, wurde deren Verkehr nach Zürich zunächst auf Ende 2020 verschoben und 2021 abgesagt. Bereits im Dezember 2019 wurde in der Presse über den alternativen Einsatz von Triebwagenzügen des Typs KISS für die durchgehende Verbindung berichtet. Seit dem Fahrplanwechsel 2021/2022 werden die Doppelstock-Intercity-Züge auf der neuen IC-Linie 34 Frankfurt (Main)–Siegen–Dortmund(–Münster–Norddeich) eingesetzt.