Fuchswinkel ist ein Ortsteil der im westlichsten Teil des sächsischen Erzgebirges gelegenen Gemeinde Schönheide (Erzgebirgskreis) mit etwa einhundert Gebäuden.

Geografische Lage mini|Fuchswinkel und Fuchsstein in einer Landkarte von 1876

Der Ortsteil liegt im oberen Teil von Schönheide. An der Nordseite dieses Ortsteils liegt der teilweise bewaldete hohe Berg Fuchsstein.Landesvermessungsamt Sachsen: Topographische Karte 1:10.000, Blatt 5441-SW Schönheide, Normalausgabe, 1. Auflage, Dresden 1995, ISBN 3-86170-609-1 Nach der Naturraumkarte von Sachsen liegt das Gebiet in der Mesogeochore „Schönheider Hochflächen“ und gehört zur Mikrogeochore „Schönheider Kuppengebiet“.

Name Den ersten Teil der Bezeichnung Fuchswinkel hält der Autor Ernst Flath, der eine etwa 1909 erschienene Geschichte Schönheides verfasste, für den Namen des ersten Siedlers in diesem Ortsteil. Er könne aber auch von dem Tier Fuchs hergeleitet sein.Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Kommissionsverlag von Armin Stopps Buchhandlung, Schönheide o. J. (1909), S. 5 Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden „Winkel“ als Bezeichnung eines Ortsteils gibt es in der Gemeinde Schönheide mehrfach: Ascherwinkel, Fuchswinkel, Heinzwinkel, Schwarzwinkel (früher Marquartswinkel). Siegfried Sieber bezeichnet diesen Begriff als alten Flurnamen. Dies findet eine Bestätigung im Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm, wonach der Begriff „Winkel“ „häufig in orts- und flurnamen zur bezeichnung von zwischen bergen, wäldern und fluszkrümmungen einbiegenden landstücken“ zu finden sei.Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Band 30, Sp. 347 lit. B Nr. 1 c Digitalisat im Wörterbuchnetz, abgerufen am 12. Februar 2015. Vgl. auch Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Wörterbuch, Band 3, Sp. 904–906 Digitalisat im Wörterbuchnetz, abgerufen am 30. Januar 2015

Im Asterschen Kartenwerk von 1792 werden die Begriffe „Der Fuchswinckel“ und „Der Fuchsstein“ verwendet, und einige Häuser sowie Wege sind südöstlich des Fuchssteins eingezeichnet.Friedrich Ludwig Aster: Sächsische Meilenblätter, Blatt 196 im Berliner Exemplar (Link zum Kartenblatt in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) Albert Schiffner berichtet in Band 18 des Schumannschen Lexikons von 1833, der Fuchswinkel reihe sich an den BaumannsbergGemeint ist der Ortsteil Baumannsberg. beinahe nach Nordwesten, er laufe „am Fuchssteine hin“ und komme „– gleich dem MarkerswinkelGemeint ist der Ortsteil Schwarzwinkel. – dem Orte NeuheideGemeint ist der nördlich des Fuchssteins liegende Ortsteil Neuheide. nahe“.Friedrich August Gottlob Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen, enthaltend eine richtige und ausführliche geographische, topographische und historische Darstellung aller Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Höfe, Gebirge, Wälder, Seen, Flüsse etc. gesammter Königl. und Fürstl. Sächsischer Lande mit Einschluß des Fürstenthums Schwarzburg, des Erfurtschen Gebietes, so wie der Reußischen und Schönburgischen Besitzungen. Band 18, im Verlage der Gebrüder Schumann, Zwickau 1833, Seite 726f. (Digitalisat) In einem Ortsverzeichnis von 1837 wird die Bezeichnung Fuchswinkel verwendet und erläutert: „zu Schönheide gehörig; bildet eine abgesonderte Häusergruppe, nach Neuheide zu“. In den Spalten „Zahl der Wohngebäude“ und „Einwohner“ finden sich keine Angaben.Neues alphabetisches Orts-Verzeichnis des Königreichs Sachsen. Nach officiellen Nachrichten zusammengestellt von Central-Comité des statistischen Vereins für das Königreich Sachsen. Mit allergnädigst ertheiltem Privilegio. Verlag der Waltherschen Hofbuchhandlung. Erste Abtheilung A.–L. Dresden 1836, S. 72 Digitalisat Albert Schiffner erwähnt in seinem 1839 erschienenen Handbuch über Sachsen den Fuchswinkel als „Ortstheil“ und berichtet, der Fuchswinkel liege „unfern Neuheide“.Albert Schiffner: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen. Erste Lieferung, den Zwickauer Directionsbezirk enthaltend. bei Friedrich Fleischer, Leipzig 1839, S. 191 und S. 194 (Link zum Digitalisat), s. auch Albert Schiffner: Beschreibung von Sachsen und der Ernestinischen, Reußischen und Schwarzburgischen Lande. Mit 192 Ansichten und 2 Karten, J. Scheible’s Buchhandlung, Stuttgart 1840, S. 305 (Link zum Digitalisat in der Sächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) Das Ortsverzeichnis für Sachsen von 1862 erwähnt den Fuchswinkel als zu Schönheide gehörend, macht aber keine näheren Angaben.Alphabetisches Orts-Verzeichniß des Königreiches Sachsen, bearbeitet nach officiellen Unterlagen durch das statistische Bureau des Ministeriums des Innern, Druck und Verlag von C. Heinrich, Dresden 1862, S. 152 Digitalisat

In Schönheide kam der Name „Fuchs“ nach dem Adressbuch für 1896 26fach vor,Adreßbuch folgender Städte und Ortschaften: Auerbach/Vogtland […], Schönheide, Druck und Verlag von Eichhorn und Jehne, Zwickau 1896, S. 348 Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden nach dem Adressbuch von 1913 17fach„Adressbuch von 91 Städte und Ortschaften des sächsischen Erzgebirges“, Werdau o. J. (1913 oder 1914), S. 282 (Link zum Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden), nach dem von 1926 29fachAdreßbuch für die Amtshauptmannschaft Schwarzenberg, Auer Druck- und Verlagsgesellschaft, Aue (Sachsen) 1926, S. 822f. (Link zum Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) und nach dem von 1930 zusammen mit Schönheiderhammer und Neuheide 27fach.Adressbuch für die Städte Aue […] und 21 Landgemeinden, Auer Druck- und Verlagsgesellschaft, Aue/Sachsen 1930, S. 358 Noch im 21. Jahrhundert in Schönheide allgemein bekannter Namensträger ist der „Fuchsen-Sattler“.Das Örtliche. Telefonbuch für Eibenstock und Schönheide, Telefonbuch-Verlag, Chemnitz 2016, S. 236

Geschichte mini|hochkant=1.4|Der Ortsteil Fuchswinkel Teil der Erstbesiedlung Schönheides? mini|Das Bismarck-Denkmal-Komitee entstand schon um 1900.

Der Siedlungsbeginn von Schönheide wird auf 1537 datiert.Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 177 Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek DresdenKarl Gottlob Dietmann: Die gesamte ... Priesterschaft in dem Churfürstenthum Sachsen ..., Band I.3: Konsistorium Wittenberg, Verlag Richter, Dresden und Leipzig 1755, S. 609 (Digitalisat in der Universitätsbibliothek Halle) In der Gründungsurkunde für Schönheide, dem sogenannten Befreiungsbrief vom des Balthasar Friedrich Edler von der Planitz,Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 178 Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden wird die Lage der Doppel-Hufen als einerseits vom Dorfbach nördlich bis zum Filzbach und andererseits südlich bis zur Zwickauer Mulde reichend beschrieben. Die Hufen der GründungsphaseErnst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 191 Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden reichten im nördlichen Bereich vom Filzbach bis zum Dorfbach. Der Ortsteil Fuchswinkel kann nach dem heute noch im Liegenschaftskataster ablesbaren Verlauf der Hufen nicht mit Sicherheit als Teil der Erstbesiedlung angesehen werden.

Weil der Ortsteil Fuchswinkel „von dem eigentlichen Complexe des enger zusammengebauten Dorfes in größerer Entfernung abgelegen und in sich selbst zerstreuter erbaut worden“ ist, wurde er im Jahr 1848 von dem Verbot von Schindel-, Stroh- und Rohrdächern befreit,Gottlob Leberecht Funke: Die Polizei-Gesetze und Verordnungen des Königreiches Sachsen, mit Inbegriff der organischen und formellen Bestimmungen, V. Band, Hahn’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1856, S. 345 Digitalisat das in Sachsen für Städte „und auf dem Land“ durch „Verordnung, baupolizeiliche Maßregeln zu Abwendung von Feuersgefahr betreffend vom 11. März 1841“ eingeführt wurde.Rudolf von Trautzschen: Die Baugesetze und baupolizeilichen Bestimmungen des Königreichs Sachsen, F. A. Brockhaus, Leipzig 1859, S. 288 Digitalisat

Anlässlich des 100. Geburtstages des Reichskanzlers von Otto von Bismarck wurde am 1. April 1915 eine Relieftafel an einer durch SteinbrucharbeitenS. die Darstellung des Steinbruchs in der Äquidistantenkarte von 1905. entstandenen senkrechten Felswand am Fuchsstein enthüllt.Schönheider Wochenblatt vom 6. März 1915 Bereits 1910 hatte die Gemeinde Schönheide für das Denkmalprojekt das Gelände des Fuchssteins gekauft, parkartig umgewandelt und mit Wegen versehen.Schönheider Wochenblatt vom 25. Februar 1915 Nach dieser Umgestaltung des Geländes wurde hierfür der Name „Bismarkhain“ verliehen.Dies geschah schon vor dem Anbringen der Gedenktafel, denn schon 1912 postalisch gelaufene Ansichtskarten hatten den Aufdruck „Bismarkhain“. 1945 erhielt der Berg seinen ursprünglichen Namen zurück, und die Gedenktafel wurde entfernt.Schon im Sommer 1945 erwähnte die Gemeinde Schönheide in einem Bericht an den Landkreis über die in der Gemeinde vorhandenen Denkmäler das Bismarck-Relief nicht mehr. Es war offensichtlich unmittelbar nach Kriegsende entfernt worden. Noch im 21. Jahrhundert sind die Dübellöcher für die Anbringung der Tafel zu erkennen.

mini|Aussichtspavillon auf dem Fuchsstein Von den 1950er Jahren an fanden bis zum Ende der 1980er Jahre im Fuchsteingelände regelmäßig im Sommer eine „Park- und Pressefest“ genannte Veranstaltung statt, deren Mitveranstalter die in Chemnitz erscheinende Regionalzeitung „Freie Presse“ – damals als Organ der SED-Bezirksleitung des DDR-Bezirks Karl-Marx-Stadt – war. Auf einer Bühne wurden insbesondere Musikveranstaltungen geboten. In Landkarten ist am Fuchsstein „Bühne“ und auch „Freilichttheater“Topographische Karte 5441-SW-Schönheide des Staatsbetriebs Geobasisinformation und Vermessung des Landes Sachsen, 2. Auflage, Dresden 2010, ISBN 978-3-89679-524-3 eingetragen. Die Bezeichnung „Fuchsstein-Park“ und eine Darstellung des Geländes auf der Nordseite als „Skiübungshang“ findet sich in älteren Landkarten für das bewaldete Gelände um den Fuchsstein.Wanderkarte 1:50.000, Nr. 71–Aschberggebiet–, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, Leipzig o. J. (1960er Jahre) Bis in das 21. Jahrhundert stellen Karten das Gelände mit Wegen als parkartig gestaltet dar und verwenden den Begriff „Park“. Am höchsten Punkt des Geländes steht ein eiserner Aussichtspavillon.

Nach 1990 wurde die vom Fuchsstein nach Süden abfallende Hochfläche von der Gemeinde Schönheide erschlossen und als Einfamilienhausgebiet ausgewiesen. Sie ist inzwischen voll bebaut. In diesem Bereich steht das Gebäude einer Religionsgemeinschaft. Da es eine formale Abgrenzung der einzelnen Ortsteile Schönheides nicht gibt, kann dieses Gebiet auch als nicht zum Ortsteil Fuchswinkel gehörend angesehen werden. Durch die Vergabe nur eines Straßennamens, nämlich „Am Fuchsstein“, mit zahlreichen von ihr abgehenden Stichstraßen, schuf die Gemeinde Schönheide auf diesem Wege keine Klarheit über eine Abgrenzung des Ortsteiles. Die in der Äquidistantenkarte von 1876 östlich des Fuchssteins eingetragene Häuserreihe mit der davon östlich eingetragenen Bezeichnung „Fuchswinkel“Blatt 136–Section Schneeberg– der Topographischen Karte (Äquidistantenkarte) Sachsen, bearbeitet im topographischen Bureau des Königlichen Generalstabes, Maßstab 1:25.000. Jahr 1876 (Link zum Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) wurde bis fast Ende des 20. Jahrhunderts als der Ortsteil Fuchswinkel verstanden.

Nach einem Landwirt mit Namen Johann-Ewald wurde im örtlichen Volksmund die Bezeichnung Johannberg abgeleitet, sie gilt dem Verbindungsweg von der Schneeberger Straße hinauf zu den Gleisen der Schmalspurbahn. Dieser Weg trägt heute den für eine Reihe von Straßen und Wegen in diesem Gebiet verwendeten Namen „Am Fuchsstein“.

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