mini|hochkant|Kirche Friedland (2016) mini|Kirche Friedland (2018) Die Kirche Friedland () war das Gotteshaus des heute Prawdinsk () genannten Ortes (bis 1946 Friedland in Ostpreußen). Die ältesten Teile des noch existierenden Gebäudes stammen aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Ursprünglich war die Kirche ein römisch-katholisches, bis 1945 ein evangelisches und seit 1990 als Sankt-Georg-Kirche () ein russisch-orthodoxes Gotteshaus.

Geographische Lage Das heute russische Prawdinsk liegt 50 Kilometer südöstlich von Königsberg (Kaliningrad). Der Ort ist eine Kleinstadt innerhalb des Rajons Prawdinsk der Oblast Kaliningrad.

Kirchengebäude In ihren Anfängen entstand die Friedländer St.-Georgs-KirchePfarrkirche St. Georg in Friedland/Prawdinsk im Jahre 1313 aus Holz. Bei einem Einfall der Litauer brannte sie 1347 nieder, wurde aber 1360 bis 1380 dann als gemauerter Saalbau mit Sakristei und Turm wiedererrichtet. Vor Ende des 15. Jahrhunderts erhielt das Gotteshaus in erheblichem Maße Umbauten. So entstand durch die Anlage von zwei Pfeilerreihen eine dreischiffige Basilika mit sieben Jochen.

An den Seitenwänden baute man 1506 auf der Südseite die St.-Anna-Kapelle an, die später als Privatkapelle der Familie von Proeck genutzt wurde; nach 1521 kamen weitere Kapellen auf der Nordseite hinzu. mini|Detail der Kirchenglocke Die wertvolle Kunstausstattung der Kirche wurde 1948 geraubt. Von den einst drei Glocken hat eine den Krieg auf dem Hamburger Glockenfriedhof überdauert und läutet heute in der Kirche zu Langenhagen in Niedersachsen. Sie stammt aus dem Jahr 1746 und wurde in der Königsberger Glockengießerei Dörling angefertigt. Die beiden anderen Glocken sind im Glockenturm verblieben. Die größere Glocke stammt aus dem Jahr 1729 und trägt noch das Monogramm Friedrich Wilhelms I. von Preußen FWR. mini|Detail der Kirchenglocke Zwischen 1961 und 1991 wurde die Kirche zweckentfremdet und diente als Lagerhalle der Konsumgenossenschaft, bis sie – auch mit starker Unterstützung ehemaliger Friedländer Kirchenmitglieder – ausgebessert wurde und nun Gotteshaus der russisch-orthodoxen Kirche ist.

Geschichte Bis 1945 Seit Einführung der Reformation bis zum Jahre 1945 bestand eine evangelische Kirchengemeinde in Friedland. Gehörte sie einstmals zur Inspektion des Oberhofpredigers in Königsberg (heute Kaliningrad), so war sie dann in den Kirchenkreis Friedland, der ab 1927 in den Kirchenkreis Bartenstein (heute polnisch: Bartoszyce) umfunktioniert wurde, integriert. Sie lag im Bereich der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Vor 1912 zählte die Gemeinde 4500 Gemeindeglieder.

Kirchspielorte (bis 1945) mini|hochkant|Glocken im Kirchturm von Friedland/Prawdinsk (Juni 2011) Vor 1945 gehörten zum Kirchspiel Friedland folgende Ortschaften: Name (bis 1946) Russischer Name (seit 1946) Battkeim – Bothkeim Tschistopolje Eichenwäldchen – Friedlandshof – Götzlack Krutoi Jar Grünwalde Antonowo Hegewald – Heinrichsdorf Rownoje Heyde Kostjukowka Kloschenen Lukino Lawdt – Mertensdorf Tjomkino Postehnen Peredowoje SortlackWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 456 –

Kirchenbücher Viele Kirchenbücher der Kirchengemeinde Friedland werden heute im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil 1: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin, 1992³ Taufen: 1640 bis 1879 Trauungen: 1677 bis 1888 Bestattungen: 1716 bis 1884 Konfirmationen: 1819 bis 1823

Auch andere kirchenchronikalische Aufzeichnungen sind dort vorhanden.

Vierter Koalitionskrieg Im Vierten Koalitionskrieg kommandierte während der Schlacht bei Friedland am 14. Juni 1807 der Oberkommandierende der russischen Truppen General Levin August von Bennigsen – an der Turmbrüstung der Kirche stehend – die russisch-preußischen Truppen gegen Napoleons Armee.Pfarrkirche St. Georg, ostpreussen.net

Seit 1945 In der Zeit der Sowjetunion war kirchliches Leben untersagt. In den 1990er Jahren bildete sich in Prawdinsk eine neue evangelische Gemeinde, die zum Einzugsbereich der Auferstehungskirchengemeinde in Kaliningrad gehört.

In Prawdinsk besteht heute eine russisch-orthodoxe Gemeinde. Sie nutzt die frühere evangelische St.-Georgs-Kirche als Gotteshaus. Prawdinsk gehört zur russisch-orthodoxen Diözese Kaliningrad und Baltijsk.

Die in Friedland geborene Ursula Margarete Kluge (* 26. Juli 1928), geb. Jandt, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Wolfenbüttel lebt, half von 1992 bis 2006 bei den Restaurierungsarbeiten.История Свято-Георгиевского храма, st-ge.org (russisch)

Am 27. September 2005 wurde die Kirche vom Metropoliten von Smolensk und Kaliningrad, Kyrill, als russisch-orthodoxes Gotteshaus geweiht., mospat.ru (russisch)

Pfarrer bis 1945 Bis 1945 wurde Friedland und das dazugehörige Kirchspiel von jeweils zwei Geistlichen (Pfarr- und Diakonenstelle) betreutFriedwald Moeller, Altpreußisches Evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968:

Heinrich Schmidt, bis 1529 Laurentius Schönwald, 1529 Gregor Steinbach, ab 1529 Petrus Prätorius, 1530–1532 Johannes Pauly, 1532–1537 Nicolaus Naps, 1533 Valentin Buge, 1537–1545 Basilius Kuntz, bis 1543 George Hofmeister, um 1545 Michael Will (Eusebius), 1545–1547 Briccius Lehmann, 1547–1548 Michael Thiel, ab 1548 Bonaventura Fischr, ab 1550 Simon Dewitz, 1550–1559 Simon Wolrath, 1559–1567 Johann Morgenstern, 1567–1593 Erasmus Landenberg, bis 1570 Sigismund Weier, 1570–1573 Christoph Schultz, 1573–1581 Joachim Bliefert, 1593–1602 Gregorovius Helming, bis 1602 Martin Bergau, 1602–1612 Michael Wegner, 1602–1613 Petrus Conradi, 1612–1620 Christoph Werner, 1613–1640 Christian Freymuth, 1621–1646 Andreas Blanckenburg, 1641–1642 Johann Brien, 1643–1657 Christoph Sperber, 1647–1671 Martin Scheibe, 1657–1677 Christoph Cramer, 1671–1677 Johann Grantzau, ab 1677 George Fischer, 1677–1696 Christoph Bartholomäus Cramer, 1696–1727 Christian Störmer, bis 1717 Johann Fischer, 1720–1739 Friedrich Sigismund Schmidt, 1727–1735 Gottfried Eigenfeld, 1735–1759 Daniel Reinhold Bock, 1739–1747 Johann Bernhard Kuhn, 1747–1799 Johann Daniel Wardemünde, 1755–1771 Matthias Friedrich Rücker, 1771–1775 August Hermann Glawe, 1776–1778 Gottfried Heinrich Sommerey, 1778–1787 Johann Friedrich Kuschinsky, 1787–1814 Samuel Heinrich Keber, 1792–1814 Johann Wilhelm Traugott Pancritius, 1814–1851 Christian Friedrich Parthey, 1814–1817 Johann Gottfried Schröder, 1817–1823 Hans Albert Weiße, 1824–1839 Johann Adolf Ferdinand Müller, 1839–1855 Emil Hein, 1851–1871 Carl August Richard Johann, 1855–1872 Bernhard Schöllner, 1872–1878 Eduard Johann H. Erdmann, 1873–1881 Hugo Rosseck, 1879–1883 Maximilian Michael Krenz, 1883–1884 Emil Eschenbach, 1884–1891 Johann Adalbert Volrad Hübner, 1885–1889 Karl Richard Grabowski, 1889–1891 Friedrich Grünhagen, 1891–1906 Friedrich Johann Rathke, 1893–1895 Friedrich Karl Gooth. Müller, 1895–1898 Karl Wilhelm Heinrich Müller, 1898–1902 Friedrich Otto Bierfreund, 1902–1912 Gottlieb Heinrich Adolf Richard Rothe, 1907–1928 Alfred Friedrich Karl Halling, 1912–1913 Benno Kaleß, ab 1913 Egon Sprang, 1923–1927 Siegfried Küchler, 1927–1930 Walter Schultz, 1928–1934 Heinrich Geiger, 1930–1934 Bruno Schiemann, 1934–1945 Alfred Halling, 1935–1945

Seit 1990 gehört die Kirche zur russisch-orthodoxen Eparchie Tschernjachowsk. Die Priester der Kirche seit 1990: 1997–2010: Wadim Degtjarjow seit 2010: Dmitrij Cholsinjow

Literatur Friedland, Stadt, links der Alle, Kreis Friedland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Friedland (meyersgaz.org). Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 2: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Natangen. 1898, S. 81–90 (Google Books). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 88–90 (Google Books). Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 175–179 (Google Books).

Weblinks

Свято-Георгиевский храм Правдинск, st-ge.org (russisch)

Einzelnachweise

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