mini|hochkant=1.5|Schloss Cappenberg – Ansicht von Süden aus der Luft
Das Schloss Cappenberg (früher Kloster Cappenberg) ist ein ehemaliges Prämonstratenser-Chorherrenstift im Ortsteil Cappenberg der Stadt Selm.
Es liegt am nördlichen Stadtrand von Lünen, nördlich der Lippe, am südlichen Rande des Münsterlandes auf einer Anhöhe, dem Cappenberg, umgeben von ausgedehnten Buchenwäldern, und ist ein Aussichtspunkt mit Blick über die Lippeauen auf das östliche Ruhrgebiet von Hamm bis nach Dortmund. Cappenberg war das erste Prämonstratenserkloster im deutschen Raum. Der Zutritt war dem Adel vorbehalten. Ende des 17. Jahrhunderts kam es zum Neubau der Klostergebäude.
Nach der Säkularisation im Zuge der Napoleonischen Kriege wurde es 1803 zu einer Gutsdomäne. Das Abteigebäude wurde zum Schloss umgewandelt. Im Jahr 1816 wurde es von dem preußischen Staatsmann Freiherr vom Stein käuflich erworben und diente ihm als Altersruhesitz. Cappenberg wurde zusammen mit den Gütern des Klosters Scheda zu einer Standesherrschaft erhoben und ging später durch Erbfolge in den Besitz der Grafen von Kanitz über. Ein Teil des Schlosses dient heute als Museum, das u. a. Ausstellungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zeigt.
Die ehemalige Stiftskirche (Baubeginn 1122) ist seit 1832 Pfarrkirche der katholischen Kirchengemeinde St. Johannes Evangelist.
Die Grafen von Cappenberg
Seit dem 11. Jahrhundert hatte eine Adelsfamilie Grafschaftsrechte im Westen des Bistums Münster inne. Seit 1092 nannte sie sich nach dem Kappenberg bei Lünen Cappenberg oder Kappenberg. Dort stand auch ihre gleichnamige Burg. Die Cappenberger Grafen, die mit den Saliern und den Staufern verwandt waren und den Dreingau besaßen, waren ein mächtiges und reiches Herrschergeschlecht. Während der Investiturkriege, in denen sie den Kampf der sächsischen Bevölkerung unter Herzog Lothar von Supplinburg gegen Kaiser Heinrich V. unterstützten, zogen Graf Gottfried und sein Bruder Otto von Cappenberg im Februar 1121 unter der Führung des Herzogs Lothar mit starker Heeresmacht nach Münster. Ein großer Teil der Stadt wurde zerstört, auch der alte Dom ging in Flammen auf. Bevor ein Prozess gegen ihn wegen schweren Landfriedensbruchs eröffnet werden konnte, übergab Gottfried – aus Reue oder aus Furcht vor dem kaiserlichen Bann – den größten Teil seines Besitzes in Westfalen dem Gründer des Ordens von Prémontré, Norbert von Xanten, entsagte dem weltlichen Leben und zog in ein Kloster. Damit blieb er – nach damaliger Gepflogenheit – straffrei.
Kloster Cappenberg Klostergründung mini|hochkant|Grabplatte für Gottfried von Cappenberg Nach Beschluss des Wormser Konkordats im Jahr 1122 kehrte er als Gottfried II., später als Heiliger Gottfried verehrt, und letzter Graf von Cappenberg zurück und gründete an seinem Stammsitz auf dem Cappenberg das erste Prämonstratenserstift im deutschsprachigen Bereich. Für seine Frau Ida, auch Jutta genannt, Tochter des Grafen Friedrich von Arnsberg, und für seine Schwester Gerberga von Cappenberg richtete er in unmittelbarer Nachbarschaft ein Frauenkloster ein. Cappenberg war damit ein Doppelkloster. Anfangs gehörten dem Kloster noch Männer und Frauen aus verschiedenen Ständen an.Handbuch historischer Stätten, S. 142
In den Jahren nach der Gründung übereigneten die Grafen von Cappenberg dem Kloster Stiftsgut aus ihrem allodialen Besitz. Hierzu gehörten in der Nähe des Klosters gelegene Höfe in Cappenberg, Werne, Alstedde und Mengede sowie entferntere Besitzungen in Wesel, Wessum und Saerbeck.
Gottfried war zwar zeitweise als Nachfolger des ersten Abtes des Klosters, des Ordensgründers, vorgesehen, starb aber bereits mit 30 Jahren in Ilbenstadt. Ein Teil der Gebeine Gottfrieds wurde 1149 nach Cappenberg überführt und dort bestattet. An ihn erinnert eine Grabplatte aus dem 14. Jahrhundert im südlichen Querhaus der Stiftskirche.
Von Annette von Droste-Hülshoff (1797–1846) stammt das 12-strophige Gedicht: Die Gründung des Klosters Cappenberg. Das historisierende Gedicht geht auf zeitgenössische Sagen und Erzählungen zurück, denen Droste-Hülshoff nachgespürt hat.
1. Der Mond mit seinem blassen Finger Langt leise durch den Mauerspalt Und koset, streifend längs dem Zwinger, Norbertus’ Stirne feucht und kalt. Der lehnt an bröckelndem Gestein, Salpeterflocken seine Daunen, An seinem Ohre Heimchen raunen, Und wimmelnd rennt das Tausendbein. … 12. Die Humpen sind in Hast zertrümmert, Burgunderblut fließt übern Stein, Die Lampen mählich sind verkümmert, Wie Erdenlust sie qualmten ein. Doch drüben, in des Klosters Hut, Entflammte man die ew’ge Leuchte, Und knieend alles Volk sich beugte Dem reinen Wein, der Christi Blut.
Bedeutung Cappenbergs im Mittelalter mini|hochkant|Kopfreliquiar des heiligen Johannes Evangelist samt Ständer („Cappenberger Kopf“), Kopf vor 1158 (Ständer ?) Gottfried stellte ebenfalls Besitz zur Gründung des Klosters Varlar in der Nähe von Coesfeld und des Klosters Ilbenstadt in der Nähe von Friedberg (Hessen) zur Verfügung. Von Cappenberg aus wurden die Klöster Clarholz und Scheda gegründet. Von Letzterem waren die Frauenklöster Oelinghausen und Berentrop abhängig. Diese bildeten den Filiationsverband von Cappenberg, wenngleich Oelinghausen später in die Paternalität von Kloster Wedinghausen wechselte. Außerhalb Westfalens besetzte Cappenberg die Klöster St. Wiperti in Quedlinburg und Heiligenberg in der Grafschaft Hoya.Ludger Horstkötter: Die Prämonstratenser in Westfalen. In: Magdalena Padberg (Hrsg.): Kloster Oelinghausen. Arnsberg 1986, S. 10f. Für die Bedeutung Cappenbergs spricht auch, dass die ersten Pröpste in Unserer Lieben Frauen in Magdeburg und Jerichow von dort stammten. Ebenso kamen Bischöfe von Brandenburg, Havelberg und Ratzeburg aus Cappenberg.
Die Hauptaufgabe der Prämonstratenser neben dem Chorgebet war die Seelsorgetätigkeit. Cappenberg selbst verfügte nicht über Pfarrrechte; es wurden ihm aber verschiedene Kirchen inkorporiert. Im Jahr 1139 übertrug Bischof Werner von Münster die Kirchen in Werne und Ahlen sowie das Archidiakonat in Werne an Cappenberg. Im Jahr 1160 kam auch das Archidiakonat in Ahlen hinzu. Die Kirche im benachbarten Bork wurde Cappenberg 1175 inkorporiert. Graf Engelbert I. von der Mark übertrug Cappenberg 1254 das Patronat über die Kirche zu Mark, die Filiale in Hamm und die Kapelle auf der Burg Mark. Er wurde im Kloster Cappenberg bestattet. Der Dynast Hermann II. von Lohn gab 1278 das Patronat über die Kirche in Stadtlohn an das Kloster. Im Jahr 1318 schenkte Engelbert II. von der Mark die Patronate über die Kirchen in Kurl und Methler an Cappenberg.Ludorff: Bau- und Kunstdenkmäler Kreis Lüdinghausen, S. 25
In weltlicher Hinsicht konnte Cappenberg den ursprünglichen Besitz stark vermehren. Dies geschah durch weitere Schenkungen sowie durch Kauf. In der Zeit der Klosteraufhebung verfügte Cappenberg überwiegend in der Nähe des Klosters über 7000 Morgen Wald, Wiesen und Ackerland. Hinzu kamen mehr als 240 Höfe und Kotten von Hörigen. Cappenberg verfügte zudem über bedeutende ökonomische Vergünstigungen. Dazu gehörten die Schatzfreiheit, die Zollfreiheit in Wesel und Kaiserswerth.
Seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts nahmen Cappenberg und seine Tochterklöster einen exklusiv adeligen Charakter an. Außerdem hielt der Cappenberg Filiationsverband am Titel eines Propstes als Klosterleiters fest.
Weitere Entwicklung Das Frauenkloster ging vermutlich im 14. Jahrhundert ein. Das Männerstift wirtschaftete erfolgreich und konnte einen erheblichen Reichtum ansammeln, der heute noch zum Teil in der auf dem Gelände befindlichen Stiftskirche sichtbar ist. Allerdings führten Reichtum und Adelsexklusivität in Cappenberg, Varlar, Scheda und Clarholz dazu, dass sie die Seelsorge in den ihnen inkorporierten Kirchen bürgerlichen Priestern aus anderen Prämonstratenserklöstern überließen. Die Stiftsherren selbst führten aber den Pfarrertitel, und ihnen kamen die Einkünfte der Kirchen zugute.Ludger Horstkötter: Die Prämonstratenser in Westfalen. In: Magdalena Padberg (Hrsg.): Kloster Oelinghausen. Arnsberg 1986, S. 15. Seit dem 13. Jahrhundert wurde der Lebenswandel der Stiftsherren, deren Zahl 1536 auf zwölf begrenzt wurde, häufig kritisiert. Es kam verschiedentlich zu letztlich vergeblichen Reformversuchen.
Cappenberg war in den letzten Jahrhunderten seines Bestehens kaum mehr als eine Versorgungsanstalt für nachgeborene Söhne des westfälischen Stiftsadels. Die Aufnahmebedingungen hinsichtlich der adeligen Vorfahren waren dabei ähnlich streng wie bei den Domkapiteln.
Teilweise verfielen die Klostergebäude, teilweise wurden sie während des Dreißigjährigen Krieges zerstört. Seit dem späten 17. Jahrhundert begann ein umfassender, sich über Jahrzehnte hinziehender Neubau im Stil des Barock. Dabei kam es zur baulichen Trennung zwischen Abtei und Kirche. Die Arbeiten wurden möglicherweise 1728 beendet. Eine rechts vom Haupteingang an der Wand angebrachte Plakette mit lateinischer Inschrift enthält einen Segenswunsch für das neue Gebäude sowie die Jahreszahl 1728, als Chronogramm im lateinischen Text versteckt. Das Abteigebäude wurde als Dreiflügelanlage erbaut. Im 18. Jahrhundert plante das Hochstift Münster zur finanziellen Ausstattung der Universität Münster die Aufhebung Cappenbergs. Dazu kam es jedoch nicht.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Cappenberg zu den Gebieten im Heiligen Römischen Reich, die keinem Reichskreis angehörten. Es war aber nicht reichsunmittelbar, obwohl es beim Frieden von Lunéville so behandelt wurde.Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 4., vollständig überarbeitete Auflage. C.H. Beck, München 1992, ISBN 3-406-35865-9, S. 103.
Nach der Säkularisation bis heute mini|Hauptgebäude des Schlosses Cappenberg (Museumstrakt) Nach fast 700-jährigem Bestehen wurde das Stift im Jahre 1803 aufgelöst und zur preußischen Staatsdomäne umgewandelt. Zwischenzeitlich unter französischer und bergischer Verwaltung stehend, fiel der Besitz mit 6.952 Morgen 1815 wieder an den preußischen Staat und wurde 1816 von dem ehemaligen Staatsminister Karl Freiherr vom und zum Stein unter gegenseitiger Verrechnung gegen die Herrschaft Birnbaum in der Provinz Posen für 228.000 Taler erworben. Er renovierte die Gebäude und bewahrte die Anlage vor dem Verfall. Zusammen mit dem Kloster Scheda wurde Cappenberg zu einer Standesherrschaft erhoben. Vom Stein verbrachte auf Cappenberg ab 1817 bis zu seinem Tode 1831 einen Großteil des Jahres.
Er lobte die Lage des Schlosses 1816 in einer Einladung:
mini|hochkant|links|Therese vom Stein (1820) Steins Erbin wurde seine Tochter Therese (1803–1863), die 1827 Ludwig Graf von Kielmansegg heiratete. Deren Tochter Gräfin Mathilde von Kielmansegg (1838–1914) war verheiratet mit Albrecht Wilhelm Graf von der Groeben (1818–1864). Deren Erbin, Therese Gräfin von der Groeben (1859–1938), verheiratet mit dem Generalleutnant Alexander von Kanitz (1848–1940), trat die Erbfolge an ihren gemeinsamen Sohn Albrecht (auch Albert Andreas Alexander) Graf von Kanitz (1891–1975) ab, womit 1926 das Schloss und Gut als Erbe über das Geschlecht von der Groeben an die Familie der Grafen von Kanitz überging.http://www.schlosscappenberg.de/
Im Zweiten Weltkrieg diente das Schloss Cappenberg zur Aufbewahrung von Kunstwerken zum Schutz vor den Bombenangriffen der Alliierten. So wurde die Sammlung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund nach Cappenberg ausgelagert. Auch Kunstschätze aus verschiedenen zerstörten Kirchen Westfalens, etwa der Marienaltar von Conrad von Soest aus der Dortmunder Marienkirche, wurden hier verwahrt.
Ab 1946 wurde die Sammlung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Cappenberg ausgestellt. Die Rückführung der Sammlung nach Dortmund erfolgte erst mit der Neueröffnung des dortigen Museums im Jahr 1983.