mini|Mobiler Hühnerstall Ein mobiles Haltungssystem oder auch Mobilstallsystem ist ein vollausgestatteter beweglicher Stall zur ganzjährigen Unterbringung von Nutztieren. Durch regelmäßiges Versetzen der Stallung auf immer frisches Gras werden Verschlammung, Überdüngung und Parasitenanreicherungen stark reduziert.

Da sich diese Weiterentwicklung der stationären Freilandhaltung aufgrund des hohen Schutzbedürfnisses der Tiere besonders für die Hühnerhaltung eignet, gibt es überwiegend mobile Stallsysteme für Legehennen und Masthähnchen.

Geschichte mini|Fachbuch zur Geflügelhaltung von 1886 Das Konzept eines mobilen Hühnerstalls gibt es vermutlich schon einige Jahrhunderte; zumindest werden solche in gesammelten Werken zur Hühnerhaltung schon vor 200 Jahren beschrieben. Damals wurden umgebaute Kutschen oder selbstentwickelte Bauwagen verwendet. Als zwischen den beiden Weltkriegen die wirtschaftliche Stimmung angespannt war und die Menschen besonders auf ihre kostbarste Ressource Nahrung achten mussten, kam der Trend der Hühnertraktoren bei britischen Landwirten auf und die erste Blütezeit der mobilen Ställe begann. Aufgrund des Mangels an Geflügelfutter bot es sich für die Bauern an, ihre Hennen auf die abgeernteten Felder zu schicken. So kam es dazu, dass die Hühnerställe mit Pferden und später mit Traktoren von Acker zu Acker gezogen wurden. Auf den Feldern konnten die Hühner noch einige verlorengegangene Körner, Würmer oder Unkraut finden, wofür die Bauern keine Futterausgaben hatten. Überlieferungen aus der Geflügelzucht zufolge sind die Hühner aus der mobilen Haltung robuster, kräftiger und gesünder als Hühner in festen Stallungen.

Während sich nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Industrialisierung der Landwirtschaft der Großteil der Geflügelproduktion durch die zunehmende Technisierung im Laufe der Zeit auf die scheinbar wirtschaftlichere Massentierhaltung spezialisierte, entwickelte die Firma Triangle in Frankreich teilmobile Stallsysteme, in denen Intensivtierhaltung und ein mobiler Stall kombiniert wurden. Der Landwirt Andreas Wördekemper übernahm dieses System und entwickelte es weiter. In den Neunzigerjahren kam bei den Junglandwirten Iris und Maximilian Weiland aufgrund der hohen Parasitenbelastung im Auslauf der Bedarf nach einem vollmobilen Stall für die Nutzung im kleinbäuerlichen Bereich auf. Ein Jahr nach dem Bau des Hühnermobils, des ersten vollmobilen Stallsystems, durch die Firma Weiland, gewann diese 2003 den Förderpreis für ökologischen Landbau.

In den darauf folgenden Jahren begann das Interesse an den mobilen Ställen zu wachsen. Wördekemper erweiterte sein Segment, indem die Firma teilmobile Stallsysteme für Gänse, Kälber und Schweine entwickelte. Weiland hingegen spezialisierte sich auf die Hühnerhaltung und einen erhöhten Mobilitätsanspruch. Immer mehr Landwirte entdeckten in den vergangenen Jahren mobile Stallsysteme für sich, sodass auch weitere Firmen wie farmermobil, Steiner Automation und Rowa die Branche betraten.

Hintergrund mini|Ein mobiler Hühnerstall für 900 Freilandhennen|alternativtext=Mobilstall für 900 Freilandhennen von farmermobil In der Freilandhaltung hat jedes Tier einen fest bestimmten Auslaufbereich. Die Verbrauchererwartungen zu diesem Label sind, dass die Tiere viel Platz im Freien haben und genügend Grünauslauf vorhanden ist. Dies entspricht auch den Bedürfnissen der Hennen. Da Haushühner als Nachfahren der Bankivahühner ein erhöhtes Schutzbedürfnis haben, bleiben sie immer im stallnahen Bereich. Dies führt dazu, dass nach wenigen Tagen der gesamte Auslaufbereich plattgetreten und zugekotet ist. Durch die starke Überdüngung kommt es zu einer erhöhten Parasitenbelastung und einer Zerstörung der Grasnarbe. Folgen davon sind eine zu hohe Nitratbelastung des Bodens, aber auch infektiöse Erkrankungen sind dadurch, insbesondere in der herkömmlichen Hühnerhaltung, keine Seltenheit. Ein Lösungsweg für diese Probleme ist das häufige Versetzen des Stalles.

Teilmobile Stallsysteme

Als teilmobil bezeichnet man versetzbare Ställe zur Unterbringung von Nutztieren, die sich ohne vollständige Demontage versetzen lassen. Teilmobile Systeme stehen auf Kufen oder Stützen. Sie können in der Regel nicht autark betrieben werden. Bei teilmobilen Ställen ist daher meist ein fester Anschluss für Wasser, Futter und Strom notwendig.

Im Gegensatz zu vollmobilen Stallsystemen müssen teilmobile Stallsysteme auf zusammenhängenden Flurstücken in einer Ebene mit geringer Neigung stehen. Aufgrund dieser Einschränkungen in der Mobilität werden teilmobile Ställe meist nur ein bis fünf Mal jährlich versetzt, auch wenn ein häufiges Umsetzen aufgrund der hohen Tierzahlen besonders notwendig wäre, um die entsprechenden Synergieeffekte nutzen zu können. Ein großer Teil der Landwirte mit teilmobilen Ställen für die Hühnerhaltung setzt diesen nur einmal jährlich beim Einstallen um. Dadurch kommen die jungen Legehennen zwar nicht mit den belastenden Parasiten der Vorjahre in Kontakt, allerdings ist die Grasnarbe nach wenigen Wochen vollständig zerstört, und die Hennen laufen in ihrem eigenen Kot.

Vollmobile Stallsysteme mini|Hühner vor einem vollmobilen Stallsystem Als vollmobil bezeichnete Ställe lassen sich innerhalb von wenigen Minuten versetzen, und sie sind als komplett autarkes System ausgelegt. Vollmobile Stallsysteme werden alle 10 bis 14 Tage versetzt, damit sich die Vegetation unter und um den Stall herum schnell und ohne Nachsaat erholen kann. Bei schlechten Wetterverhältnissen sollten vollmobile Ställe spätestens alle vier bis sechs Wochen versetzt werden.

Eine hohe Mobilität wird erreicht durch gute Fahrwerke, bodenschonende Bereifung und integrierte Wasser-, Futter- und Energiespeicher. Charakteristisch ist eine geschlossene Bodenplatte, durch die gewährleistet wird, dass es auch unter dem Stallsystem zu keiner Zerstörung des Bodens kommt, und die es ermöglicht, den Hennen durch Trockeneinstreu ein artgerechtes Umfeld zu schaffen. Durch das häufige Versetzen der vollmobilen Ställe kommt es zu keiner Parasitenbelastung der Auslaufflächen, und die Grasnarbe wird nicht beschädigt. Im Gegenteil, denn der Kot der Tiere, der durch das Weiterziehen auf verschiedene Weiden, Wiesen und Felder verteilt wird, dient diesen als Dünger.

Die hohe Mobilität führt dazu, dass vollmobile Stallsysteme meistens nur verhältnismäßig kleine Anzahlen von Tieren fassen können. Arbeitswirtschaftlich bedeutet dies im Verhältnis zur Intensivtierhaltung deutlich mehr Arbeit pro Tier für den Landwirt.

Bei Hühnern variiert die Anzahl der Tiere in einem vollmobilen Stallsystem zwischen 200 und 2500 Tieren je nach Hersteller. Was deutlich unter den Tierzahlen einer Intensivtierhaltung liegt, dort sind Gruppen von 3000 bis 6000 Legehennen und 10 000 bis 40 000 Masthähnchen die Regel.

Auswirkungen auf die Landwirtschaft

Tierwohl

Mobile Stallsysteme bieten bezüglich des Tierwohls eine große Chance für Landwirtschaft und Tiere. Die Hühner haben aufgrund ständigen Auslaufs genug Bewegung und immer die Möglichkeit zur gesundheitsförderlichen Grünfutteraufnahme. Der ganzjährige Auslauf fördert die Bildung von Vitamin D und stärkt das Immunsystem der Hennen. Durch stetiges Versetzen des Stalles wird den typischen Defiziten in der Tiergesundheit vorgebeugt, die in der herkömmlichen Freiland- oder Biolandhaltung häufig der Fall sind.

Zu den Bedürfnissen von Hühnern gehören das soziale Zusammenleben in der Gruppe, das Erkunden der Umgebung, Fortbewegung, Ausruhen und Körperpflege in Form von Sandbaden sowie die Futtersuche, die etwa 40 bis 60 Prozent der Tageszeit in Anspruch nimmt. Durch den täglichen Auslauf können in vollmobilen Stallsystemen all diese Bedürfnisse erfüllt werden. Etwa 50 Prozent der Tiere sind im Tagesschnitt draußen, was wiederum die Besatzdichte im Stall verringert.

Durch die beschränkte Größe von vollmobilen Ställen wird der permanente Stress für die Tiere reduziert, und der Landwirt kann eine bessere Übersicht über seine Tiere behalten. Da die Hühner aus vollmobilen Stallsystemen unter geringerem Stresseinfluss stehen und genügend Auslauf haben, kommt es seltener zu Federpicken und die gängige Verstümmelung der Krallen und Schnäbel muss nicht vorgenommen werden.

In mobilen Stallsystemen befinden sich Sitzstangen, welche sowohl den Hennen als auch den Masthähnchen einen natürlichen Ruhebereich bieten. Im Gegensatz zu den meisten Masthühnern aus herkömmlichen Stallungen, müssen die Tiere aus vollmobilen Stallsystemen gegen Ende der Mast nicht in ihren Exkrementen stehen. Die meisten Systeme besitzen Kotbänder, welche die Ausscheidungen regelmäßig entsorgen.

Im Idealfall bietet das Stallsystem den Hennen einen großen Scharrraum und einen zusätzlichen überdachten Außenbereich, damit sie auch bei ungünstigen Wetterbedingungen oder Stallpflicht ihren natürlichen Beschäftigungen nachgehen können. Einige Hersteller haben krallenschärfende Slats, schonende Holzstangen oder tierfreundliche Einstreunester ebenfalls in ihr System integriert.

Ökologische Aspekte

Wenn mobile Stallsysteme mindestens alle 2 Wochen versetzt werden kommt es nicht zu punktuellen Nitratbelastungen. Die Tiere können sich immer auf anderen Wiesenabschnitten bewegen, dadurch wird ihr Kot auf weiten Flächen verteilt.

Besonders bei Hühnern ist es typisch, dass diese, aufgrund ihres Schutzbedürfnisses, im stallnahen Bereich verweilen. Dies führt zu einer schnellen Zerstörung der Grasnarbe, was wiederum Verschlammungen, Erosionen und Auswaschungen begünstigt. Durch die volle Mobilität der Stallsysteme können die Hennen ihrem Bedürfnis nach Stallnähe nachgehen, ohne dass der Boden darunter leidet. Mit jedem Versetzen wird für eine kurze Zeit ein anderer Abschnitt des Flurstücks belastet. Die Grasnarbe bleibt durch dieses System erhalten, selbst wenn der Stall vegetationsbedingt auch erst nach sechs Wochen versetzt wird.

Systeme mit einer geschlossenen Bodenplatte, sorgen dafür, dass 60 bis 70 Prozent des Kots im Stall bleiben. Untersuchungen an „Hühnermobilen“ haben ergeben, dass die Nährstoffeinträge maximal 65 Kilogramm Nitrat pro Hektar betragen. Der im Auslauf verteilte Kot wird von den Pflanzen direkt für das Wachstum aufgenommen, sodass sich die Grasnarbe durch die Düngeeffekte verdichtet. Die meisten Stallsysteme verfügen des Weiteren über ein Kotband, welches wöchentlich entleert wird, wodurch sich die Geruchsbelastung auf die Umgebung ebenfalls minimiert.

Des Weiteren brauchen die Hennen aufgrund ihrer Grünfutteraufnahme einen 10-30 Prozent kleineren Anteil an Kraftfutter. Da dieses häufig aus Klimaschutz bedenklichen Regionen kommt, kann sich dadurch auch CO2-Bilanz pro Ei verbessern.

Permakultur und Synergieeffekte mini|Hühner vor einem mobilen Stallsystem, geschützt vor Greifvögeln durch Ziegen Der Hauptvorteil vollmobiler Stallsysteme liegt an der Option, sie weiterziehen zu können. Darin liegt auch die größte Verbindung zur Idee der Permakultur. Durch kleine Tiergruppen und stetiges weiterziehen kann die Überlastung der Böden verhindert werden. Die Energie, die verbraucht wird, kann über die Photovoltaikanlage wieder aufgeladen werden.