19. Leichtathletik-Europameisterschaften 180px|zentriert|Logo der 19. Leichtathletik-Europameisterschaften Stadt Stadion Ullevi-Stadion Teilnehmende Länder 48 Teilnehmende Athleten 1370 Wettbewerbe 47 (Männer: 24/Frauen: 23) Wettbewerbe 47 Eröffnung 6. August 2006 Schlussfeier 13. August 2006 Chronik ← München 2002 Barcelona 2010 → Medaillenspiegel Platz Land 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze 40px|Gesamt1 12 12 11352 4 5 2 113 4 1 2 74 3 3 5 115 3 2 1 66 3 1 2 67 3 – – 38 2 1 1 49 2 1 – 310 2 – 1 3 Vollständiger Medaillenspiegel
Die 19. Leichtathletik-Europameisterschaften wurden zwischen dem 6. und 13. August 2006 in der schwedischen Stadt Göteborg ausgetragen.
Vergabe Die Kandidatur Göteborgs hatte sich am 6. Oktober 2001 anlässlich des EAA-Kongresses gegen Barcelona durchgesetzt, nachdem Amsterdam schon zuvor seine Bewerbung zurückgezogen hatte.
Wettkampforte Die Wettkämpfe wurden im Ullevi-Stadion ausgetragen, das 1995 bereits Schauplatz der 5. Leichtathletik-Weltmeisterschaften gewesen war.
Der Marathon fand auf einem rund zehn Kilometer langen und viermal zu durchlaufenden Rundkurs im Stadtzentrum statt, Die Wettbewerbe im Gehen wurden wie schon 1995 auf einem zwei Kilometer langen Rundkurs auf der Skånegatan ausgetragen, einer Straße vor dem Stadion. Start und Ziel lagen bei allen Rennen im Ullevi-Stadion.
Eröffnungsfeier mini|hochkant=2.1| Die Eröffnung wurde am Abend des 6. Augusts 2006 vor 100.000 Zuschauern auf dem Götaplatsen in der Innenstadt Göteborgs gefeiert. Ihr Motto lautete „Schweden trifft Europa“. Es war die erste Eröffnungsfeier von Leichtathletik-Europameisterschaften, die nicht im Stadion stattfand. Dieser Schritt sollte die enge Verbindung zwischen der Veranstaltung und dem Austragungsort verdeutlichen.
Die Feier dauerte zwei Stunden und wurde von dem ehemaligen Dreispringer Jonathan Edwards zusammen mit einer schwedischen Fernsehmoderatorin moderiert. Beim Einmarsch wurde die deutsche Flagge von der neunzehn Jahre jungen Deutschen Meisterin über 200 Meter Jala Gangnus getragen.
Während der Schau trat mehrmals die Stepp-Gruppe „Jeerk“ auf, die in ihren Darbietungen verschiedene Leichtathletikdisziplinen aufgriff. Daneben wurde ein großes musikalisches Programm geboten. Das Symphonieorchester der Stadt spielte zusammen mit einem Gitarristen der Band Hammerfall. Diese trat im Anschluss noch in voller Besetzung mit schwedischen Sportlern auf und präsentierte dabei das der schwedischen Mannschaft gewidmete Lied „The Fire Burns Forever“, an dem auch einige Athleten aus Schweden mitgeschrieben hatten. Daneben trat unter anderem die norwegische Sängerin Sissel Kyrkjebø auf, die auch in der Musik zum Film Titanic zu hören ist. Des Weiteren gab es einen Auftritt der Griechin Elena Paparizou. Der Ire Ronan Keating sang zusammen mit Jessica Anderson. Zum Abschluss der Feierlichkeiten wurde ein Feuerwerk veranstaltet.
Offizieller Europameisterschafts-Song war „Heroes“ von Elena Paparizou.
Teilnehmer Zu den Wettkämpfen entsandten 48 der 50 Mitgliedsverbände der European Athletic Association eine Delegation nach Göteborg. Lediglich die Verbände aus Armenien und Liechtenstein verzichteten auf eine Teilnahme. Teilnehmer (Gesamtzahl: 1370)(in Klammern jeweils die Angabe zur Anzahl der Teilnehmer des betreffenden Landes) Albanien (4) (1) (1) (35)
Deutschland (77)
Finnland (56)
(1)
Irland (29)
Kroatien (14)
(2)
Österreich (11)
Schweden (69) Schweiz (19) Serbien
Wettbewerbe Die Wettbewerbe wurden in den fünf unterschiedlichen leichtathletischen Wettbewerbsgruppen ausgetragen: Laufen, Springen, Werfen, Gehen und Mehrkampf.
Das Wettkampfangebot wurde für die Frauen noch einmal erweitert. Hinzu kam nun auch der 3000-Meter-Hindernislauf. So war das EM-Programm für Frauen und Männer nun fast identisch. Abweichungen gab es in der Länge der kurzen Hürdenstrecke, in den Gewichten der Wurfgeräte sowie in der Anzahl der Mehrkampfdisziplinen. Einzig das 50-km-Gehen blieb noch alleine den Männern vorbehalten. Diese Disziplin wurde für die Frauen 2018 Teil der Europameisterschaften. Von 2022 an wurde die Distanz der langen Gehstrecke für Männer und Frauen auf 35 Kilometer verkürzt. Unterschiede im Wettbewerbsprogramm für Frauen und Männer gab es von 2018 an alleine bei den Gewichten von Wurfgeräten, in den Höhen der Hürden und der Länge der kurzen Hürdensprintstrecke, sowie schließlich im Mehrkampf.
Doping Es gab acht offizielle dopingbedingte Disqualifikationen: Andrej Michnewitsch (), Kugelstoßen, zunächst Zweiter – Wegen immer wieder auftretender Dopingvergehen wurden alle seine Ergebnisse seit August 2005 annulliert.Andrei Mikhnevich (BLR) – results annulled from August 2005, worldathletics.org 31. Juli 2013 (englisch), abgerufen am 7. Februar 2023 Jurij Bilonoh (), Kugelstoßen, zunächst Sechster – Er wurde für den Zeitraum 18. August 2004 bis 17. August 2006 gesperrt. Alle Ergebnisse inklusive des Olympiasiegs 2004 und dem EM-Resultat wurden gestrichen.IOC disqualifies four medallists from Athens 2004 following further analysis of stored samples. olympics.com 5. Dezember 2012 (englisch), abgerufen am 7. Februar 2023 Ville Tiisanoja (), Kugelstoßen, zunächst Elfter – Er gab die Einnahme von Testosteron zu, wurde für zwei Jahre gesperrt und mit einer Strafe von 50.000 Euro belegt.Ville Tiisanoja gibt Testosteron-Einnahme zu, leichtathletik.de, 31. August 2006, abgerufen am 7. Februar 2023 Roland Varga (), Diskuswurf, zunächst Elfter – Er wurde 2007 aufgrund einer Probe vom 22. Juli 2006 des Verstoßes gegen die Antidopingbestimmungen überführt. Er erhielt einer Sperre von zwei Jahren, seine Ergebnisse seit der Probenentnahme wurden annulliert.Who is Roland Varga?, biographies.net (englisch), abgerufen am 7. Februar 2023 Iwan Zichan (), Hammerwurf, zunächst Erster – 2014 wurde der bereits mehrfach wegen Dopings überführte Athlet aufgrund erneuten Dopingvergehens nachträglich disqualifiziert. Alle seine Resultate zwischen dem 22. August 2004 und dem 21 August 2006 wurden annulliert.Revision of results following sanctions of Tsikhan and Ostapchuk, worldathletics.org (englisch), abgerufen am 7. Februar 2023 Andrei Varantsou (), Hammerwurf, zunächst Zwölfter – Er wurde erstmals 2005 positiv getestet und erhielt als Mehrfachtäter nach zahlreichen Verstößen gegen die Dopingbestimmungen 2013 eine lebenslange Sperre. Viele seiner erzielten Resultate, darunter das Ergebnis dieser Europameisterschaften, wurden gestrichen.Andrei Varantsou (M), dopingsanctions.com (englisch), abgerufen am 7. Februar 2023 Nadseja Astaptschuk (), Kugelstoßen, zunächst Zweite – Sie wurde in ihrer Laufbahn mehrfach des Dopingbetrugs überführt mit entsprechenden Konsequenzen unter anderem in Form der Aberkennung erzielter Resultate. Dazu gehörten ihr Titel bei den Weltmeisterschaften 2005, ihr zweiter Rang bei den Europameisterschaften 2006 und ihr Olympiasieg 2012.Olympics 2012: Nadzeya Ostapchuk Loses Gold Medal Following Failed Doping Test, bleacherreport.com, 13. August 2012 (englisch), abgerufen am 7. Februar 2023 Iryna Jattschanka (), Diskuswurf, zunächst Zehnte – Ihr Resultat wurde wie auch ihr dritter Rang bei den Olympischen Spielen 2004 gestrichen.Doping-Four Athens Games athletes stripped of medals, reuters.com, 5. Dezember 2012 (englisch), abgerufen am 7. Februar 2023 Fünf dieser acht gedopten Sportler kamen aus Belarus, je einer aus Finnland, der Ukraine und Ungarn.
Sportliche Leistungen Die Medaillenwertung wurde wieder einmal sehr deutlich durch Russland angeführt. Zwölf EM-Titel gingen alleine an Russland, insgesamt sammelten die russischen Athleten 35 Medaillen. Deutschland und Frankreich hatten je vier Goldmedaillen auf ihrem Konto. Das deutsche Team hatte fünf Silbermedaillen gegenüber einer für Frankreich zu Buche stehen. Vier Nationen hatten jeweils drei Europameister aufzuweisen. Bezüglich der Zahl der Silbermedaillen lag von ihnen Spanien vor Belarus, Schweden und Belgien. Jeweils zwei Europameister hatten Portugal, Finnland und Italien in ihren Reihen, wobei in der Zahl der weiteren Medaillen Portugal vor Finnland und Italien lag.
Das Leistungsniveau war hoch, es gab folgende Rekorde: 20 verbesserte oder egalisierte Meisterschaftsrekorde in 10 Disziplinen 26 verbesserte Landesrekorde in 13 Disziplinen
Bei den einzelnen Sportlern sind besonders folgende Leistungen zu nennen. Drei Athleten errangen je zwei Goldmedaillen bei diesen Meisterschaften: Francis Obikwelu (Portugal) – 100 Meter, 200 Meter Kim Gevaert (Belgien) – 100 Meter, 200 Meter Marc Raquil (Frankreich) – 400 Meter, 4-mal 400 Meter Folgende Europameister von 2006 hatten bereits vorher EM-Titel gewonnen: Francis Obikwelu (Portugal) – 100 Meter, Wiederholung seines Erfolgs von 2002 Mehdi Baala (Frankreich) – 1500 Meter, Wiederholung seines Erfolgs von 2002 Francisco Javier Fernández (Spanien) – 20 km Gehen, Wiederholung seines Erfolgs von 2002 Alexander Awerbuch (Israel) – Stabhochsprung, Wiederholung seines Erfolgs von 2002 Christian Olsson (Schweden) – Dreisprung, Wiederholung seines Erfolgs von 2002 Roman Šebrle (Tschechien) – Zehnkampf, Wiederholung seines Erfolgs von 2002 Marta Domínguez (Spanien) – 5000 Meter, Wiederholung ihres Erfolgs von 2002
Legende Kurze Übersicht zur Bedeutung der Symbolik – so üblicherweise auch in sonstigen Veröffentlichungen verwendet: CR Championshiprekord NR nationaler Rekord w Rückenwindunterstützung über dem erlaubten Limit von 2,0 m/s DNF Wettkampf nicht beendet (did not finish)
Resultate Männer 100 m
mini|hochkant=1.1|Francis Obikwelu, Doppeleuropameister auf den Sprintstrecken Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Francis Obikwelu 9,99 CR 2 Andrei Jepischin 10,10 3 Matic Osovnikar 10,14 4 Ronald Pognon 10,16 5 Mark Lewis-Francis 10,16 6 Dariusz Kuć 10,21 7 Dwain Chambers 10,24 8 Ronny Ostwald 10,38 Finale: 8. August, 19:40 Uhr
Wind: +1,3 m/s
Francis Obikwelu, der im Jahre 2006 nachträglich auch zum Europameister 2002 erklärt worden war, musste in keinem der vier Läufe alles geben, um trotzdem jeweils souverän zu siegen. Im Endlauf war er der erste Läufer, der bei Europameisterschaften unter 10 Sekunden blieb.
200 m
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Francis Obikwelu 20,01 2 Johan Wissman 20,38 3 Marlon Devonish 20,54 4 Kristof Beyens 20,57 5 Iwan Tjoplych 20,76 6 Eddy De Lépine 20,77 7 David Alerte 20,93 8 Anastasios Gousis 20,94 Finale: 10. August, 20:45 Uhr
Wind: +1,6 m/s
Francis Obikwelu war der erste Sprinter seit 28 Jahren, der sowohl über 100 als auch über 200 Meter Europameister werden konnte. Letztmals war dies Pietro Mennea 1978 in Prag gelungen. Während der Schwede Johan Wissman vor heimischem Publikum über sich hinauswuchs und zweimal den Landesrekord verbesserte, gelang Marlon Devonish die Wiederholung seines dritten Platzes von 2002 in München.
400 m mini|hochkant=0.9|Europameister wurde der Vizeweltmeister von 2003 Marc Raquil
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Marc Raquil 45,02 2 Wladislaw Frolow 45,09 3 Leslie Djhone 45,40 4 Daniel Dąbrowski 45,56 5 Andrea Barberi 45,70 6 Timothy Benjamin 45,89 7 Rafał Wieruszewski 45,97 8 Dimítrios Régas 46,23 Finale: 9. August, 20:45 Uhr
Noch fünfzig Meter vor dem Ziel sah der Russe Wladislaw Frolow wie der sichere Sieger aus. Aber Marc Raquil hatte auf der Zielgeraden das deutlich bessere Stehvermögen, sodass er den Russen kurz vor dem Ziel passieren konnte. Der 400-Meter-Lauf war die erste Entscheidung bei den Europameisterschaften 2006, bei der kein einziger der Finalteilnehmer von 2002 auch den Endlauf 2006 erreichte.
800 m mini|hochkant=0.9|
Platz Athlet Land Zeit (min) 1 Bram Som 1:46,56 2 David Fiegen 1:46,59 3 Sam Ellis 1:46,64 4 Dmitrijs Miļkevičs 1:46,70 5 Miguel Quesada 1:46,91 6 Florent Lacasse 1:46,95 7 Andrea Longo 1:47,11 8 Michael Rimmer 1:47,66 Finale: 13. August, 15:10 Uhr