Die Dynamische Urteilsbildung (DU) ist ein Modell aus der Organisationsberatung. Es ist ein Verfahren, das sich anbietet, um Entscheidungsprozesse in Gruppen, Teams, aber auch als Individuum zu strukturieren und zu begleiten.Susanne Bächtold, Katja Supersaxo (Hrsg.): Dynamische Urteilsbildung. Urteilen und Handeln mit der Lemniskate, Ein Handbuch für die Praxis. Haupt Verlag, Bern 2005, ISBN 3-258-06874-7.

Entstehungsgeschichte und Hintergrund Das Modell wurde vom holländischen Soziologen und Unternehmensberater Lex Bos entwickelt. Er beschäftigte sich 1974 in seiner DissertationLex Bos: Ordeelsvorming in groepen. Dissertation an der Landbowhogschool Wageningen (Niederlande) 1974. Deutsche Übersetzung: Urteilsbildung in Gruppen, Polarität und Rhythmus als Schlüssel zur Entwicklung sozialer Organisationen. Verlag Urachhaus, Stuttgart 2001. mit Entscheidungsprozessen in Gruppen. Seine Beobachtungen in verschiedenen Feldversuchen führten ihn zur Formulierung des Modelles. Das Ziel war es, einen Prozess vorzuschlagen, um zu nachhaltigen und transparenten Urteilen und Entscheidungen zu gelangen. Dabei spielt die Dynamik eine wichtige Rolle und der offene, respektvolle und sachbezogene Umgang der Beteiligten untereinander. Lex Bos war der Anthroposophie verbunden und legte seinem Modell die Grundwerte dieser Philosophie zugrunde. Dies zeigt sich vor allem auch in der Namensgebung dynamisch.

Darstellung des Modells Grafische Umsetzung mini|Lemniskate Um das Modell grafisch darzustellen, hat Lex Bos die Lemniskate verwendet. Die liegende Acht symbolisiert den angeblich nie endenden Prozess bei der Urteilsbildung. Die Lemniskate durchläuft ausgehend von der Fragestellung verschiedene Felder (Wahrnehmung/Begriffe/Ziele/Wege) und führt so zu einem ausgewogenen Urteil. mini|Feldermodell

Definition

Anwendungsbereiche Die Dynamische Urteilsbildung als Prozessmodell wird vorwiegend in der Organisationsberatung, Supervision und Mediation angewendet. Durch die einfache Strukturierung des Modells in die klar abgegrenzten Felder können die Wahrnehmungen als Fakten, die Begriffe als Interpretationen für die Analyse auf dem Erkenntnisweg gesammelt und gewichtet werden sowie für die Handlungsebene die Ziele deklariert und die Wege dahin, d. h. die Mittel, diskutiert werden. Es bietet damit auch die Möglichkeit, Konflikte zu bearbeiten und aufzulösen.

Die Haltung, die ein Supervisor nach dem Modell einnimmt, erinnert die Sozialpädagogin und Supervisorin Carla van Kaldenkerken an die Dialogmethode und die gewaltfreie Kommunikation. Die Methode sei sehr komplex und könne in der Supervision nur mit Erfahrung angewendet werden.Carla van Kaldenkerken. Rezension vom 23. Dezember 2010 zu: Silvia Schibli, Katja Supersaxo: Einführung in die Supervision. Haupt Verlag (Bern Stuttgart Wien) 2009. In: socialnet Rezensionen

Literatur Jessica Andermahr, Boris Jermer: Frageweg über die Dynamische Urteilsbildung nach Lex Bos. In: Volker Heyse et al. (Hrsg.): Mittelstand 4.0 – eine digitale Herausforderung. Führung und Kompetenzentwicklung im Spannungsfeld des digitalen Wandels. Waxmann Verlag, Münster 2018, ISBN 978-3-8309-3738-8, S. 202–203. Rolf Kuhn: Modell zum persönlichen Entscheidungsprozess. In: Marika Hammerer, Erika Kanelutti, Ingeborg Melter (Hrsg.): Zukunftsfeld Bildungs- und Berufsberatung. Neue Entwicklungen aus Wissenschaft und Praxis, Bertelsmann Verlag, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-7639-4704-1, S. 125–130 Silvia Schibli, Katja Supersaxo: Die Dynamische Urteilsbildung als Prozessmodell. In: dies.: Einführung in die Supervision. Haupt UTB, Bern/Stuttgart/Wien 2009, ISBN 978-3-8252-3249-8, S. 56–70. Susanne Bächtold, Katja Supersaxo (Hrsg.): Dynamische Urteilsbildung. Urteilen und Handeln mit der Lemniskate, Ein Handbuch für die Praxis. Haupt Verlag, Bern 2005, ISBN 3-258-06874-7. Lex Bos: Ordeelsvorming in groepen. Dissertation an der Universität Wageningen (Niederlande) 1974. Deutsche Uebersetzung: Urteilsbildung in Gruppen, Polarität und Rhythmus als Schlüssel zur Entwicklung sozialer Organisationen. Verlag Urachhaus, Stuttgart 2001.

Weblink Gabriele Zimmermann auf wialog

Einzelnachweise

Kategorie:Pädagogische Psychologie Kategorie:Diagramm Kategorie:Kreativitätstechnik