Die 1924 eröffnete Metro Barcelona ist das U-Bahn-System in der zweitgrößten Stadt Spaniens und bietet ein umfangreiches Netz elektrisch betriebener Eisenbahnstrecken, die größtenteils im Tunnel verlaufen. Die Linien 6, 7, 8 und 12 werden vom Verkehrsunternehmen Ferrocarrils de la Generalitat de Catalunya (FGC), alle anderen Strecken von Transports Metropolitans de Barcelona (TMB) betrieben.
Die U-Bahn-Linien beider Betreiber werden durch die im Stadtgebiet meistens im Tunnel geführten S-Bahn-Strecken der Rodalies Barcelona ergänzt.
mini|U-Bahn-Station Plaça Espanya (L1, L3) Liniennetz Das Metronetz Barcelonas besteht aus zwölf Linien mit insgesamt 170 Kilometer Linienlänge und 183 Stationen. Die U-Bahn befördert pro Jahr etwa 450 Millionen Fahrgäste. Die Linie 1 verkehrt auf iberischer Breit-, die Linie 8 auf Meterspur, die anderen Strecken sind regelspurig.
Die Linie 6 bildet den Stadtabschnitt der FGC-Regelspurstrecken nach Terrassa und Sabadell, die Linie 8 den der Meterspurstrecken nach Igualada und Manresa. Die die Gesamtstrecken bedienenden Züge laufen auf den Stadtabschnitten mit den reinen U-Bahn-Zügen mit, sie bedienen jedoch teilweise nicht alle Halte.
Linie Betreiber Strecke Eröffnung Länge Bahnhöfe TMB Hospital de Bellvitge – Fondo 1926 20,72 km 30 TMB Paral·lel – Badalona Pompeu Fabra 1995 13,7 km 18 TMB Zona Universitària – Trinitat Nova 1924 18,3 km 26 TMB Trinitat Nova – La Pau 1926 17,21 km 22 TMB Cornellà Centre – Vall d’Hebron 1930 18,9 km 27 FGC Plaça Catalunya – Sarrià 1929 4,8 km 8 FGC Plaça Catalunya – Avinguda Tibidabo 1954 4,63 km 7 FGC Plaça Espanya – Molí Nou – Ciutat Cooperativa 1912 12,0 km 11 TMB Flughafen El-Prat Terminal 1 – Zona Universitària 2016 19,6 km 15 La Sagrera – Can Zam 2009 7,8 km 10 (52 im Endzustand) TMB La Sagrera – Gorg 2010 5,4 km 6 ZAL-Riu Vell – Collblanc 2018 7,5 km 11 TMB Trinitat Nova – Can Cuiàs 2003 2,3 km 5 FGC Sarrià – Reina Elisenda 2016 (1976) 0,6 km 2
Im Liniennetz der Metro werden außerdem die sechs Linien T1–T6 der Straßenbahn Barcelona dargestellt.
Geschichte mini|Station Lesseps (L3) Am 30. Dezember 1924 wurde die erste U-Bahn zwischen Catalunya und Lesseps eröffnet. Sie war von der Gran Metropolitano de Barcelona erbaut worden. So bekam die Linie, heute die L3, ihren Namen „Gran Metro“. Bereits eineinhalb Jahre später, am 10. Juni 1926, wurde eine weitere U-Bahn-Linie zwischen Bordeta und Catalunya in Betrieb genommen, die jedoch vom Konkurrenzunternehmen Metropolitano Transversal erbaut und betrieben wurde. Sie transportierte vor allem die Besucherströme der 1929 in Barcelona stattfindenden Weltausstellung. Der ursprüngliche Grund für den Bau der Linie war jedoch, eine Verbindung zwischen zwei Eisenbahnstrecken herzustellen, was auch die Wahl der iberischen Breitspur erklärt. Zwischen Universitat und Arc de Triomf gibt es einen viergleisigen Abschnitt, der sowohl von der U-Bahn als auch von der Renfe benutzt wird. Am 19. Dezember 1926 wurde ein Linienast der Gran Metro von Aragón (heute Passeig de Gràcia) nach Jaume I in Betrieb genommen. Dieser Teil wird heute von der separaten Linie L4 befahren.
Bis 1946 gab es aufgrund der schlechten Wirtschaftslage nur wenige Eröffnungen neuer Linien. Vor allem wurde das bestehende Netz ausgebaut. Seit 1939 die Francodiktatur in Spanien herrschte, wurden alle katalanischen Namen der Stationen entfernt, nur noch spanische Bezeichnungen waren dort zu sehen.
mini|Station Plaça Catalunya (L1, L3) 1951 übernahm die Gemeinde Barcelona die beiden konkurrierenden Unternehmen Gran Metropolitano de Barcelona und Metropolitano Transversal. Ziel war es, ein U-Bahn-Netz zu bauen, das den steigenden Fahrgastzahlen gerecht werden sollte. Bis 1954 wurde die L1 verlängert. Sie verkehrt seit dem 15. Mai 1954 von Santa Eulàlia bis nach Fabra i Puig. Fünf Jahre später, am 21. Juli 1959, wurde die neue U-Bahn-Linie L5 zwischen Sagrera und Vilapicina eröffnet. Eigentlich sollten die Tunnel für die L2, die schon in den 30er Jahren errichtet worden waren, genutzt werden; man entschied sich jedoch für eine Teillösung mit der L5. Diese Linie wurde im Gegensatz zu den anderen per Oberleitung mit Strom versorgt. Inzwischen sind sämtliche Metrolinien auf Oberleitungsbetrieb umgestellt.
mini|Station Jaume 1 (L4) 1961 schlossen sich die beiden Gesellschaften zu einer zusammen. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wurde das bestehende Metronetz durch Verlängerungen weiter ausgebaut. Am 25. September 1995 ging jedoch die neue L2 zwischen Sant Antoni und Sagrada Família in Betrieb, deren Tunnel teilweise schon 1929 gebaut worden war. 2002 übernahm die L2 den Abschnitt der L4 zwischen La Pau und Pep Ventura. Am 14. Dezember 2003 ging wiederum eine neue Linie, die L11, in Betrieb. Sie wird als „Leichtmetro“ (Metro lleuger) bezeichnet und fungiert als Zubringer zur L4. Auf der 2,1 km langen, eingleisigen Tunnelstrecke mit einer Ausweiche verkehren Zweiwagenzüge.
Fahrzeuge Diese Tabelle enthält die Informationen zu den einzelnen Baureihen (spanisch: serie), die auf dem TMB-Netz der U-Bahn verkehren. BaureiheBildLinienBemerkung500170pxAutomatischer Zugbetrieb zwischen Can Cuiàs y Casa de l’Aigua2000170px2100170px3000170px4000170pxBreitspurausführung der Baureihe 3000 (Wagenkastenbreite: 3,10 Meter). Ehemals Betrieb mit Seitenstromschiene, auf Deckenstromschienen umgebaut.5000170px 6000170pxBreitspurausführung der Baureihe 5000 (Wagenkastenbreite: 3,10 Meter)7000170pxCAF-Züge der neuesten Generation8000170pxBreitspurvariante der Baureihe 70009000170px|170px Ausführung mit Führerständen auf den Linien , ohne Führerstände auf den Linien (vollautomatischer Zugbetrieb)
Ausbau und Planungen L9/L10 mini|Streckenführung der Linien 9 und 10 Neben kleinen Netzergänzungen wird eine Linie komplett neu errichtet. Die L9/10 wird mit 42 km und 46 Stationen die Stadt durchqueren. Diese vollautomatische Linie hat sowohl im Südwesten zum Flughafen und nach Zona Franca ZAL als auch im Nordosten nach Badalona und Can Zam zwei Äste.
mini|Tunnelquerschnitte (rechts mit Station) Eine Besonderheit der L9/10 ist die Lage in einem Doppelstocktunnel mit zwölf Metern Durchmesser. Dieser Tunnelquerschnitt bietet ausreichend Platz für die Stationen, sodass sie nicht zusätzlich ausgebrochen werden müssen.
Der erste Teilabschnitt der L9 zwischen Can Zam und Can Peixauet wurde am 13. Dezember 2009 eröffnet. Seit dem 12. Februar 2016 ist auch das 19,6 km lange Teilstück zwischen dem Flughafen El Prat und Zona Universitària in Betrieb. Dadurch ist der Flughafen erstmals an das Metronetz angeschlossen. Die Inbetriebnahme des ersten Teilabschnitts der L10 (Bon Pastor bis Gorg) war im März 2010 geplant. Im Sommer 2010 erreichten beide Linien bereits die Station La Sagrera, wo ein Übergang zu den Linien L1 und L5 besteht. Im Süden der Linien wurde im September eine Teilstrecke der Linie 10 eröffnet: Züge der Linie 10 fahren nun von Torrassa bis Can Tries|Gornal auf dem gemeinsamen Abschnitt der Linien 9 und 10 und anschließend noch zwei Stationen weiter auf dem neu in Betrieb genommenen Zweig der Linie 10 in Richtung Zona Franca.
Weitere Streckenteile befinden sich in Bau. An der Plaça de Lesseps im Stadtteil Gràcia gibt es eine große Baugrube der L9/L10, dort wird die Verknüpfung zur L3 gebaut. Der Lückenschluss zwischen dem Nord- und dem Südabschnitt der Linien 9/10 war für 2023 geplant, inzwischen wird mit einer Fertigstellung im Jahr 2027 gerechnet.
mini|Linienschema der R3
L13 und R3 Weiterhin sind noch die Linien R3 und L13 geplant. Die Linie R3 (ehemals L12) wird einer S-Bahn ähneln und das Zentrum mit Vororten verbinden. Die Bahnhöfe außerhalb der Kernzone werden neu gebaut, in Barcelona werden bestehende Strecken genutzt. Die Linie L13 ist wie die L11 eine Art „Leichtmetro“ (Metro lleuger) mit drei Stationen und als Zubringer zur L1 und L2 in Badalona geplant.
L1 Eine 4,5 Kilometer lange Erweiterung mit fünf Stationen ist ab dem nordöstlichen Ende der L1 in Fondo bis nach Badalona geplant. Der geplante Verlauf sieht Stationen in Montigalà Centre, Lloreda St. Crist, Bufalà, Badalona Pompeu Fabra (Übergang zur L2) und Badalona (Übergang zur R1) vor. Hierbei soll durch zwei wichtige Umsteigebahnhöfe in Badalona-Pompeu Fabra (L2) und dem Regionalbahnhof Badalona (R1) eine bessere Anbindung der Randbezirke und Regionallinien an das Metronetz der Stadt entstehen. Probleme gibt es allerdings bei den Möglichkeiten, Züge abzustellen. Das geplante Depot in Montigalà soll statt ursprünglich vorgesehenen 80000m² laut neuesten Plänen nur noch 51000m² groß werden soll. Die Stadtverwaltung besteht auf lediglich 34000m² und fürchtet durch die fünf bis sechs Jahren langen Bauarbeiten Schäden an öffentlichen Straßen und Lärmbelästigung durch Tunnelbohrmaschinen. Fertiggestellt soll der neue Abschnitt 2030 werden, was durch die Uneinigkeiten bei der Planung allerdings unrealistisch ist. Eine Erweiterung im Süden bis zur El Prat-Estacio (Umstieg zur Flughafenlinie L9) steht derzeit ebenfalls zur Debatte, wird vor 2040 allerdings nicht in Betrieb gehen.
L2 Ab dem derzeitigen westlichen Ende Paral•lel am Montjuïc der Linie L2 sollen sechs neue Stationen auf einem 6,3 Kilometer langem Abschnitt bis in die Industriezone Zona Franca (Umstieg zur L10) entstehen. Die Pläne reichen bis 2006 zurück und aktuell sind Baukosten von etwa 1 Milliarde Euro vorhergesehen. Geplant sind folgende Stationen: Poble Sec (Umstieg zur L3), Montjuïc (Nahe des Messegeländes), Foixarda (am olympischen Ring), Foc (Umstieg zur L10), Fira II (Umstieg zur L9) und Parc Logístic (Umstieg zur L9). Ob die Linie ab da auf denselben Gleisen wie die L9 bis zum Flughafenterminal 1 verläuft oder dort endet, steht noch nicht fest, ist allerdings wahrscheinlich. Stadtrat und Generalitat haben der Verlängerung bereits zugestimmt, ein Eröffnungsdatum ist in den 2030er Jahren geplant.
L3 Da das Krankenhaus Hospital Clinic um ein paar hundert Meter umzieht und der Anschluss ans Metronetz weiterhin bestehen soll, ist es geplant, die L3 von Zona Universitària bis Sant Feliu de Llobregat zu verlängern. Dazwischen werden mit Esplugues und Sant Joan Despí zwei Stationen auf dem Weg nach Sant Feliu unter anderem die Tramlinie T3 entlasten. Auch am anderen Ende ist eine Erweiterung um eine Station nach Trinitat Vella (Übergang zur L1) geplant. Beide Erweiterungen sollen bis 2035 in Betrieb gehen.
L4 Ab La Pau finden derzeit Bauarbeiten statt, die L4 bis La Sagrera um drei Stationen mit Namen Santander, Sagrera-TAV (Übergang zum Fernverkehr) und La Sagrera (Übergang zur L1, L5, L9 und L10) zu verlängern. Letztere soll ein großer Umsteigeknoten im Metronetz Barcelonas werden. Die Eröffnung dieses Abschnitts ist bis 2032 geplant, hängt allerdings vom Baufortschritt der gleichnamigen Station Sagrera-TAV der Linie L9/L10 ab. Die Kosten betragen etwa 277,6 Millionen Euro.
L8 Es bestehen Pläne, die L8 nach der Plaça Espanya über wichtige Punkte in der Innenstadt bis nach Besòs zu erweitern. Im ersten Schritt wird die Linie über die Stationen Hospital Clínic (Übergang zur L5) und Francesc Macià (Übergang zu den Straßenbahnlinien T1, T2 und T3) bis nach Gràcia (Übergang zur L6 und L7) um vier Kilometer zu verlängern. Die Kosten betragen 412 Millionen Euro und als Eröffnung wird 2029 bis 2030 angestrebt.
L12 Die derzeit kürzeste Linie des Netzes sollte nach den ursprünglichen Plänen 26 Kilometer lang werden und 23 Stationen umfassen. Diese Pläne wurden 2006 endgültig verworfen. Seit 2016 setzt man sich dafür ein, die L12 bis Sant Joan Despí zu erweitern, wo sie dann auf eine sich in Bau befindliche Erweiterung der L3 treffen würde. Konkrete Pläne dazu wurden noch nicht genehmigt.
Besonderheiten mini| Die Metro Barcelona ist eines der größten städtischen unterirdischen Verkehrssysteme Europas. Ältere Linien werden noch von klassischen, von Menschen gesteuerten Zügen betrieben, während neuere Linien (ab L9) automatisch und ohne Fahrer betrieben werden.