Das ehemalige Badehaus ist ein Fachwerkbau auf einem zweistockigen Steinsockel in der Stadt Schelklingen im Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg. Das vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg nicht für denkmalschutzwürdig befundene Gebäude soll 2018 abgerissen werden.Johannes Nuss: Gebäude am Ende der Färbergasse wird abgerissen. Schwäbische Zeitung vom 22. Juni 2018, abgerufen am 25. Juni 2018.

Lage Das Haus steht am Ende der Färbergasse Richtung AchFrüher meist „Aach“, heute eher „Ach“, aber es ist Beides zu finden., wo sich durch die Einmündung der Schloßgasse ein größerer freier Platz bildetFärbergasse 20, 22 und Schloßgasse 1; Nr. 47 des Stadtplans von 1893; Rothenbacher 2015, Nr. 47 S. 179ff.. Von Südosten stößt die heutige Achgasse, ehemals „im Suessenloch“ genannt, hinzu. Das Gebäude grenzt mit der Südseite an die ehemalige Stadtmauer; diese wurde aber bei der Errichtung des Hauses abgetragen. Direkt neben dem Gebäude befand sich eines der beiden Wassertore. Das Gebäude wurde mindestens bis ins frühe 18. Jahrhundert als Badestube oder Badehaus benutzt und war gleichzeitig Wohnhaus des Baders. Eine Lage direkt am Fluss und an den ehemaligen Wassertoren war notwendig, um weite Transportwege für das in großen Mengen benötigte Wasser zu vermeiden.

Das Haus hatte zwischen sich im Osten, der Stadtmauer im Süden und dem Nachbargebäude Schloßgasse 3 (Nr. 48 des Stadtplans von 1893) einen ganz kleinen Wurzgarten, was darauf hindeutet, dass in dem Gebäude ausschließlich Handwerker ohne jede Landwirtschaft lebten. Weitere Gärten hatten die Einwohner Schelklingens allerdings in den verschiedenen „Baindten“ außerhalb der Stadt.

Geschichte Eine BadstubeEine zeitgenössische Darstellung des Baders findet sich in Sachs und Amman (1568; Neuaufl. 1984). in Schelklingen wird erstmals 1356 erwähnt, als Erzherzog Peter von ÖsterreichRothenbacher 1984, S. 100–102; ein Herzog Peter von Habsburg lässt sich nicht finden, in Frage kommt lediglich Herzog Albrecht II. von Habsburg (1298–1358), genannt der Weise oder Lahme. der Stadt Schelklingen erlaubte, die Einnahme über das Pfund Heller aus der Badstube zum Gottesdienst zu nehmenGünter 1939, S. 72. Regest der Urkunde in Schieber et al. 1950, S. 101: 23. Jan. 1356 und bei Eberl und Martin 2000, Regest S 1, S. 285. Hier und bei Stadt Schelklingen (Hrsg.) 1984, S. 58 wird statt Herzog „Peter“ Herzog „Albrecht“ genannt. Abdruck der Urkunde in Stadt Schelklingen 1984, S. 58. Text: „Wir Peter von Gots Gnaden Herzog ze Österreich ze Steyr vnd ze Kärnden Tun | chund, das wir vnseren getrew lieben, den burgern von Schälkling von gnaden er | loubt vnd gunt haben, vnd erloubn vnd gunen ouch mit disem brief vser | der padstuben daselben ze Schälkling vser des phunt heller, daz si vns | ierlach dauon dienent, gelten mag, daz si daz wol ze Gotesdienst geben | vnd widemen mugen. Also das vns, vnsern Erben vnd Nachkomen dauon | mehrs abget In dem vergendet Dienst, mit vrchund ditz briefs, Geben | ze Wienn an samstag vor Sand Agnesen tag. Nach Christs gebürd, drew | tzehen hundert iar dornoch in dem Sechs vnd funftikisten jar“.. Die erste Schelklinger Badstube reicht demnach wahrscheinlich noch bis in die Zeiten der Grafen von Berg-Schelklingen und möglicherweise bis in die Zeiten der Stadtgründung um 1234 zurück, denn der letzte Graf verstarb 1346. 1374 wird die Badstube zur Standortbestimmung eines anderen Hauses herangezogenEberl 1978, Nr. 225.. Im Urspringer Lagerbuch von 1475 ist die Rede von der „neuen Badstube“Günter 1939, S. 72. HStA Stgt H 234 Bd. 5, Eintrag Nr. 56, fol. 34: „Item Auberly Stecher hat ain huß hinder der nuwen badstuben by Michel Huterß huß dar vß git er 10 ß heller.“. Die Urspringer Lagerbücher von 1486HStA Stgt H 234 Bd. 6, Eintrag Nr. 36, fol. 6v: „Item daß Endlin Stecherlin git vß irem huß hinder der nuwen badstuben jarlich 10 ß heller.“ Eintrag Nr. 38, fol. 6v nennt eine „Ell Baderin“ sicherlich die Ehefrau des Baders und ohne Familiennamen. und 1502HStA Stgt H 234 Bd. 8, Eintrag Nr. 29, fol. 11r: „Item daß Endlin stecherlin git jarlich vß irem huß by der newen badstuben x ß heller“. Eintrag Nr. 35, fol. 12r nennt wieder eine „ell badernun“. führen die „neue Badstube“ noch als Anrainer auf. Am 6. September 1587 beschwert sich die Stadt Schelklingen bei der vorderösterreichischen Regierung in Innsbruck über das Kloster Urspring, weil es u. a. seinen Untertanen in Hausen o.U. verbot, nach Schelklingen ins Bad zu gehenGünter 1939, 203f.: Original des Schreibens im Pfarrarchiv Schelklingen. Die Streitigkeit wurde durch einen Vertrag vom 21. Oktober 1588 geregelt: siehe Günter 1939, S. 204; Regest der Urkunde in Schieber et al. 1950, S. 103 und bei Eberl und Martin 2000, Regest S 65, S. 312..

Besitzer Die Zinsliste über den Wachterzins zu Schelklingen von 1529 führt die „alte Badstube“HStA Stgt H 162 Bd. 267, fol. 2v. „Die alt Badstub 1 lb 1 ß me 2 metzen öll hatt mayster Jäckle dar zu vß aim garten.“ auf und nennt als Bader den „Mayster Jäckle“ (nur der Vorname „Jacob“ wird benutzt). Ein weiterer Eintrag bezeichnet ihn als „Jacob Bader“HStA Stgt H 162 Bd. 267, fol. 6r. „Item mayster Jacob Bader ½ tagwerck wysen dar von er gybt 1 lb heller.“. Hier wird auch die „neue Badstube“ wieder genanntHStA Stgt H 162 Bd. 267, fol. 3r. „Die new badstub 1 lb 5 d.“.

Das Lagerbuch der Schelklinger Frühmesspflege von 1533 nennt wieder „Meister Jacob Bader“ auf der alten BadstubeStA Schelklingen A 380, fol. 4: „Item Mayster Jacob Bader 2 ½ lb h auß der alten badstuben dar inn er ist.“. Das neue Bad wird als Anrainer genanntStA Schelklingen A 380, fol. 5: „Item Petter Schrag 5 ß auß ainer hoffstat im garten by dem newen bad me 5 ß auß dem pfrundhaus.“ Peter Schrag war Kaplan der St. Afra-Kaplanei..

Das Register über den Kleinen Pfarrzehnten von 1555 nennt den „Garten bei dem alten Bad“HStA Stgt H 162 Bd. 271, fol. 7v: „Item der gartt bey dem alten bad gibt den opß zehenden.“.

Ca. 1592 ist „Maister Caspar Beygkher Bader“ Anwander eines Gartens in der „unteren Baind“HStA Stgt H 234 Bd. 14, fol. 68.. Weiter unten im Text wird der Garten selbst als nach Kloster Urspring zinspflichtig aufgeführt. Dort wird er als „Caspar Beickher Bader“ bezeichnetHStA Stgt H 234 Bd. 14, fol. 77.. Ca. 1595 sind die Einträge fast identisch, da ca. 1592 wohl ein Konzept des Originals von ca. 1595 ist. Der Garten des Nachbarn stieß an „M[eister] Caspar Beickhen Badern“HStA Stgt H 234 Bd. 15, fol. 52.. Weiter unten beim Eintrag des Gartens wird er als „M[eister] Caspar Beickher Bader“HStA Stgt H 234 Bd. 15, fol. 56. bezeichnet. Noch 1596/97 und 1597/98 war Caspar Begger/Begker BürgermeisterStA Schelklingen A 279 Bd. 1: Stadtrechnung 1596/97 und 1597/98, jeweils Titelblatt..

Im 17. Jahrhundert übernahm die Familie Keiderlin das Baderhandwerk; es war diejenige Familie, welche bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts das Baderhandwerk in Schelklingen ausübte. Hans Keiderlin muss der erste Bader dieses Namens gewesen sein. Das Lagerbuch der Frühmess- und St. Afra-Pflege von 1607 nennt einen Hans Keiderlin und als Nachfolger wohl seinen Sohn Matheis (Matheus) KeiderlinStA Schelklingen A 381, fol. 11: „Hanns <jetz Matheis> Keiderlin aus der badstuben järlich auf Martini 3 lb hr macht – 1 fl 42 k 6 [h].“ Das Lagerbuch wurde 17. Jh. mehrfach aktualisiert, wobei kein exaktes Datum genannt werden kann.. Matheus Keiderlin wird bereits im Urbar von ca. 1595 in einem Nachtrag als Wiesenanstösser erwähntHStA Stgt H 234 Bd. 15, fol. 37.. Der Sohn des Matheus erhielt scheinbar den Vornamen des Großvaters; 1661 musste er („Hans Keuderlin, Bader“) für weitere drei Jahre auf Wanderschaft gehenGünter 1939, S. 111.. 1670 verkaufte Agatha Keuderlin, die Witwe Matheis Keuderlins, die Badstube an Franz MüllerRP vom 26. Juni 1670., der dieselbe wiederum seinem Schwiegersohn Martin Claus übergab. Dieser scheint nur bis 1709 Bader gewesen zu sein, denn 1710 wird Johann Ulrich Sigmayer als Chirurg genannt. Der Beruf des Baders scheint in der Folgezeit in dem des Chirurgen aufgegangen zu sein; die Badstube wurde anscheinend aufgelöst, denn sie wird im 18. Jahrhundert nicht mehr erwähntGünter 1939, S. 111f.. Spätestens mit dem Tod des Martin ClausJohann Martin Claus, aus Weißenhorn, heiratet 13. Jan. 1707 in Schelklingen Agatha Müller, die Tochter des Chirurgen und Ratsherrn Franz Müller (Miller), † Schelklingen 22. Febr. 1738 (vgl. zu ihm die Einträge Nr. 1205 und 1206; rechnerisch müsste er 1642/43 geboren worden sein. Er war drei Mal verheiratet. Seine erste Ehe wurde vor 1716 geschlossen, seine zweite 1716 und seine dritte 1717. Am 2. März 1728 ist er gestorben. Seine Tochter Agatha stammte demnach aus 1. Ehe und dürfte um 1690 geboren worden sein). Seine Ehefrau starb am 14. Okt. 1738. Es wurden fünf Kinder getauft, wovon vermutlich nur Töchter überlebten, denn der Name Claus verschwindet aus Schelklingen. Vgl. Eberl et al. 2012, Nr. 857, S. 232. dürfte der Betrieb einer Badstube in diesem Gebäude aufgehört zu haben. Joseph Enzenberger, welcher 1735 eine Haushälfte besaß, war kein Schwiegersohn, ebenso wenig Christoph Rick, Johann Blankenhorn (Plankenhorn) und Johannes Mack.

Anlage Das Gebäude hat fast quadratischen Grundriss und stellt eines der großen Gebäude in der Altstadt dar, weshalb es im Volksmund als Arche bezeichnet wurde. Das Fehlen von ausgedehnten Gärten am Haus verdeutlicht die reine Nutzung als Handwerkerhaus. Das Gebäude fällt innerhalb der Schelklinger Hauslandschaft dadurch auf, dass die beiden Stockwerke ganz aus Bruchstein aufgemauert wurden (sonst meist nur das Erdgeschoss). Auf den beiden Wohn- und Handwerksgeschossen sitzt ein mächtiger Dachstuhl aus Fachwerk auf, welcher in drei Stockwerke gegliedert ist. Der First ist Süd-Nord ausgerichtet. Noch 1914 lag das Fachwerk der beiden Giebel frei und wurde erst später verputztMartin und Stadtarchiv Schelklingen 1999, S. 6..

1705 werden erstmals die Belastungen des Hauses genannt. Das ganze Haus zahlte der Prädikaturpflege, welche im Jahre 1506 gestiftet worden warRegest der Urkunde vom 16. März 1506 in Eberl und Martin 2000, Nr. S 23, S. 296f. Vgl. außerdem Rauscher 1908, S. 156, 159, 172, 174, 180 u. bes. 193. 1508 wurde die Stiftung durch den Bischof von Konstanz bestätigt; vgl. Rauscher 1908, S. 193., 3 Pfund Heller Bodenzins. Das ehemalige Prädikaturhaus, welches bis heute noch überwiegend im alten Baubestand erhalten ist, steht zwischen dem alten Pfarrhaus, der Stadtpfarrkirche und dem Spital (Maximilian-Kottmann-Platz 8; Nr. 117 des Stadtplans 1893). Zwischen 1705 und 1726 wurde das ehemalige Badehaus und das Wurzgärtle in zwei Hälften geteilt; die eine Hälfte behielt „Chyrurgus“ und Ratsherr Franz Müller (Miller), die andere Hälfte übergab er seinem Schwiegersohn und Färber Martin ClausDer jetzige Straßenname „Färbergasse“ dürfte auf ihn zurückzuführen sein. . Jeder der beiden Besitzer zahlte die Hälfte mit 1½ Pfund Heller. Mit der späteren Aufhebung der Prädikaturpflege bzw. ihrer Vereinigung mit der Frühmesspflege werden keine Leistungen mehr erwähnt.

Am 2. Nov. 1731 verkaufte Ursula Haller, Witwe des verstorbenen Chirurgen Franz Müller ihren halben Hausanteil und halbes Wurzgärtle an Joseph Enzenberger. Die Räume werden einzeln aufgeführt. Im Erdgeschoss lagen die Viehställe. Die andere Haushälfte gehörte dem Färber Martin Claus; hierin lag das Farbhaus und die Mang. Das Haus hatte im Inneren einen eigenen Schöpfbrunnen für die Färberei, womöglich noch vom früheren Badebetrieb herrührendRP Schelklingen 1730–1738, S. 53–56. StA Schelklingen A 118 Bd. 2..