In Formaten mit Namen wie Formel 1: Freies Training, Formel 1: Qualifying und Formel 1: Das Rennen berichtete die Mediengruppe RTL seit Mitte der 1980er Jahre in Live-Übertragungen von der Formel-1-Weltmeisterschaft.

Situation zum Einstieg Die 1950 begründete Automobil-Weltmeisterschaft hatte über viele Jahre einen schweren Stand bei den Programmverantwortlichen von ARD und ZDF. Im Gegensatz zum Österreichischen Rundfunk mit dem langjährigen (1965–2008) Kommentator Heinz Prüller, der auch die Übertragung des österreichischen Grand Prix mit besonderem Aufwand herstellte, verzichteten die öffentlichen Fernsehsender in der Bundesrepublik Deutschland sehr oft auf Live-Übertragungen. Dies führte noch in den 1970er Jahren dazu, dass nicht gewährleistet war, dass der Große Preis von Deutschland, für welchen man das Internationale Sendesignal für die EBU zu erstellen hatte, in allen Jahren vollumfänglich produziert wurde. Bekanntes Beispiel ist hier der Großer Preis von Deutschland 1976, jenes Rennen mit dem bekannten Feuerunfall des österreichischen Rennfahrers und späteren RTL-Experten Niki Lauda. Aufgrund der überdurchschnittlichen Streckenlänge der Nürburgring-Nordschleife und den parallel stattfindenden Olympischen Spielen im kanadischen Montreal, für welche man Übertragungstechnik und Fachpersonal benötigte, verzichtete der zuständige Südwestfunk auf eine Weltbildproduktion.

Die aus den Anstalten oft gehörte Kritik zu jener Zeit an der Sportart waren, zum Beispiel, der negative Umweltfaktor, das Animieren zu gefährlicher Raserei, aber auch die Möglichkeit, tödliche oder schlimme Unfälle zum sonntäglichen Nachmittagskaffee zu übertragen. Ebenso störte es die damaligen Verantwortlichen sehr, dass der Rennsport, anders als die priorisierten olympischen Sportarten, bereits komplett durch kommerzialisiert war.Dokumentiert durch diverse, zeitgenössische Zeitschriftenartikel Hinzu kam, dass es, anderes als in Österreich, keinerlei nennenswerte oder erwartbare Erfolge von den vereinzelten deutschen Teilnehmern gab, was für weniger Interesse bei den Zuschauern sorgte.

Die Situation änderte sich auch in den 1980er Jahren nicht wesentlich. Zwar wurden regelmäßiger Rennen übertragen, aber nach wie vor oft nur zu Teilen, in Zusammenfassungen, zeitversetzt oder auch gar nicht. Zu dieser Zeit nahm sich Brabham-Teamchef Bernie Ecclestone, welcher Präsident der Teamvereinigung „FOCA“ war und somit die Interessen der Teams vertrat, diesem Thema an. So lagen ab 1981 alle Verwertungs- und Medienrechte der nunmehr „Formula One World Championship“ genannten Serie bei Ecclestones neuer Vermarktungsfirma. Er pochte auf gewisse Standards und Verlässlichkeiten bei der Fernsehübertragung. Aus diesem Grund kam Ecclestone das Liberalisieren des deutschen Fernsehmarkts und das direkte Interesse des neuen Marktteilnehmers RTL Plus an Übertragungen von der Formel-1-Weltmeisterschaft sehr gelegen.

Geschichte Schon von 1984 bis 1988 zeigte daher der damals in Luxemburg beheimatete und frisch gegründete Privatfernsehsender RTL Plus viele seiner 38 übertragenen Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft live und in voller Länge in seinem Hauptprogramm. Vereinzelt wurden Rennen zeitversetzt und/oder gekürzt gezeigt, gelegentlich wurden auch Rennen ausgelassen. Initiator für die Rennsportübertragungen, war der bis dahin aus dem Hörfunk von Radio Luxemburg bekannte Motorsportjournalist Willy Knupp, welcher bereits seit Ende der 1960er Jahre gemeinsam mit dem damaligen Programmchef Frank Elstner dem Motorsport großen Platz im Radio Programm gab.Motorsport aktuell - „Hallo, wie gehts?“ Ausgabe: 41/2000 Laut Aussage von Knupp, der Kommentator, Redakteur und Programmverantwortlicher in Personalunion war, wurden am Anfang die Übertragungen von ihm im „Ein-Mann-Betrieb“ gestemmt und von bis zu 100.000 Zuschauern wahrgenommen. In den Jahren 1989 und 1990 lagen die Live-Übertragungsrechte für Deutschland exklusiv wieder beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, welche jedoch öfters auf eine Live-Berichterstattung verzichtete. Jedoch durfte RTL Plus weiterhin die sogenannte Vorqualifikation am Freitag übertragen. Aufgrund schlechter Quoten verzichtete man jedoch schon nach drei Rennen des Jahres 1989 darauf. Trotzdem sendete man aufgrund von Zweitverwertungsrechten weiterhin diverse „Spezials“ und kurze Zusammenfassungen über die Königsklasse des Motorsports.

Anfang 1991 erhielt Willy Knupp Insider-Informationen, wonach in naher Zukunft ein besonders talentierter, von Daimler-Benz unterstützter, deutscher Fahrer, aber auch besagter Automobilkonzern selbst, in die Formel 1 einsteigen könnte. Dies veranlasste die Geschäftsführung um Helmut Thoma, vor Saisonstart einen Fünfjahresvertrag mit der FOCA abzuschließen, welcher nur kurze Zeit, nach Einstieg des besagten Piloten, sogar zu einem Zehnjahresvertrag erweitert wurde. Seit dem Saisonstart der Saison 1991, startend mit dem Großen Preis der USA in Phoenix, berichtete daher der mittlerweile in Köln beheimatete, immer mehr zum großen Fernsehunternehmen gewachsene Sender, bis 1996 parallel zum in Deutschland als Free-TV-Mitbewerber positionierten paneuropäischen Sportsender Eurosport, in einer durchgehenden, mehrfach verlängerten Rechtephase von der Königsklasse des Motorsports. Sendete Eurosport bis 1993 zunächst auch auf Deutsch ihre Live-Übertragungen, erhielt der mittlerweile RTL Television genannte Sender zunächst eine Sprachexklusivität und ab 1997 eine komplette Free-TV-Exklusivität für die Bundesrepublik Deutschland.

Zwischen dem Großen Preis von Frankreich am 7. Juli 1991 bis einschließlich dem Großen Preis von Abu Dhabi des Jahres 2020 strahlte RTL Television jedes Rennen live und in voller Länge aus. Sechs Wochen nach dem Frankreich-Grand-Prix 1991 startete Michael Schumacher seine Formel-1-Karriere beim Großen Preis von Belgien. Damals kommentiert von Willi Knupp und Ex-Porsche-Pressechef Manfred Jantke. In den Folgejahren löste Schumacher in Deutschland einen Formel-1-Boom aus, welchen er mit seinen Weltmeistertiteln stetig steigerte und die Formel 1 bei RTL von der Randsportart zum Massenphänomen verwandelte. 1992, im ersten Jahr einer verlässlichen Quotenmessung durch die GfK, hielt sich das allgemeine Interesse der Fernsehzuschauer für die damalige „Randsportart“ noch eher in Grenzen: Durchschnittlich nur 1,76 Millionen Zuschauer sahen die 16 Übertragungen, der Marktanteil lag bei 20,6 Prozent. Bei Michael Schumachers vierten WM-Titel im Jahr 2001 verfolgten schon durchschnittlich 10,44 Millionen Zuschauer die 17 Grands Prix bei 55,4 Prozent Marktanteil. Der Allzeitrekord für eine einzelne Rennübertragung wurde beim Großen Preis von Europa 1997 im spanischen Jerez de la Frontera erreicht. Beim damaligen Saisonfinale, bei dem Michael Schumacher nach einer umstrittenen Kollision gegen WM-Rivale Jacques Villeneuve ausgeschieden und später deswegen aus der WM-ausgeschlossen wurde, schauten durchschnittlich 15,41 Millionen und in der Spitze fast 20 Millionen Zuschauer beim deutschen Free-TV-Sender zu.

Nachdem der 2015 mit dem langjährigen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone ausgehandelte Vertrag zum Ende der Saison 2017 ausgelaufen war, verkündete RTL im Dezember 2017 eine abermalige, exklusive Free-TV-Einigung mit den neuen Rechteinhabern der Formula One World Championship Limited (FOWC) um den damaligen Chairman Chase Carey für drei weitere Jahre. An der FOWC hält seit Anfang 2017 das US-amerikanische Medienunternehmen Liberty Media sämtliche Anteile. Das neue Abkommen galt bis zum Ende der Saison 2020 und sicherte vorerst letztmals der Mediengruppe RTL Free-TV-Rechte an sämtlichen Wettbewerbsbestandteilen eines jeweiligen Formel-1-Wochenendes. Die Übertragungen wurden in dieser Rechtephase zusätzlich auf RTL UHD übertragen. Das erste Formel-1-Rennen in Ultra-HD-Qualität war der Großen Preis von Aserbaidschan in Baku, am 29. April 2018.

Da der Pay-TV-Anbieter Sky, welcher 1996 unter dem Namen DF1 in die Übertragung eingestiegen war, für die Zeit von 2018 bis 2020 vorerst keine Liverechte an der Formel 1 erworben hatte, war RTL in der am 25. März 2018 gestarteten, 69. Formel-1-Saison der einzige deutsche Fernsehsender, der Grand-Prix-Rennen live in Deutschland übertrug. Anders als in anderen großen europäischen TV-Märkten wie Großbritannien, Italien und Frankreich, wo die Formel 1 vorwiegend im Pay-TV zu sehen ist, war sie damit in Deutschland weiterhin frei empfangbar. Dies galt für die 69. Formel-1-Saison. Seit der Saison 2019 überträgt auch Sky wieder die Formel 1.

Mit Ende der Saison 2020, weiterhin mit rund vier Millionen Zuschauern im Schnitt bei 17 Rennwochenenden, stieg RTL aus der Formel-1-Live-Übertragung aus. Als Gründe wurden unter anderem die stark gestiegenen Preise der Ausstrahlungsrechte angegeben. Aufgrund einer Sublizenzierung von Sky durfte RTL 2021 und 2022 jeweils vier Rennen live und exklusiv im Free-TV zeigen. In der Saison 2021 sollten die Großen Preise in Imola, Barcelona, Monza und São Paulo übertragen werden. Am 12. September 2021 gab RTL jedoch während der Übertragung zum Großer Preis von Italien bekannt, dass wegen der Verlegung des Sao Paulo GP stattdessen das Rennen in Dschidda gezeigt wird. Es durften lediglich die Rennen am Sonntag live übertragen werden. Die Qualifyings und die freien Trainings waren exklusiv im Programm von Sky zu sehen. Der Kommentar und die Moderation erfolgte aus Köln. Jedoch waren Kai Ebel sowie ein weiterer On-Air-Reporter vor Ort. Im Jahr 2022 wurden die Rennen in Imola, Silverstone, Zandvoort und São Paulo übertragen. 2023 wurden keine Formel 1 Rennen übertragen, da RTL keine Einigung mit Sky erreichen konnte.

Am 19. Dezember 2023 wurde bekannt gegeben, dass RTL mit der Saison 2024, aufgrund einer neuen Partnerschaft mit Sky, wieder die Formel 1 überträgt, dies gilt vorerst für die Saison 2024 und 2025. Nach dieser Vereinbarung werden an 7 Rennwochenenden das Rennen sowie der Sprint oder die Qualifikation im Free TV übertragen. Außerdem überträgt RTL an fünf zusätzlichen Rennwochenenden die Qualifikation oder den Sprint. Auf RTL+ sind an zwölf weiteren Rennwochenenden die Qualifikation oder Sprint verfügbar.

Formate An einem gewöhnlichen Rennwochenende strahlte RTL zuletzt bis 2020 samstags erst mit Formel 1: Freies Training die dritte freie Trainingseinheit, als Zusammenfassung mit Magazincharakter und anschließend, meist nach einer kurzen Unterbrechung, in welcher oft über andere Rennserien berichtet wurde, mit Formel 1: Qualifying die Qualifikation zum jeweiligen Grand Prix aus. Sonntags folgten die meistens 60 Minuten lange Sendung Formel 1: Countdown, die eigentliche Rennübertragung mit dem Titel Formel 1: Das Rennen sowie die Interview und Analysesendung Formel 1: Siegerehrung und Highlights. Im Jahr 2005 übertrug man, als Ersatz für das eingestellte frühsonntägliche Qualifikationstraining, mit der Stammcrew, die Rennen der damals neuen FIA GP2 Series. In dem Zeitslot zwischen dem vom Morgen aufgezeichneten dritten freien Training und der Qualifikation am Nachmittag berichtete RTL viele Jahre lang über andere FIA-Weltmeisterschaften wie die Tourenwagen-Weltmeisterschaft, die FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft oder der Rallye-Weltmeisterschaft in Magazinform.

Ständiger Ausbau der Übertragung