Die Liste der Stolpersteine in Vestland listet alle Stolpersteine in der norwegischen Provinz (Fylke) Vestland auf. Stolpersteine erinnern an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden vom deutschen Künstler Gunter Demnig konzipiert und werden zumeist von ihm selbst verlegt. Im Regelfall liegen die Stolpersteine vor dem letzten selbstgewählten Wohnort des Opfers. Stolpersteine werden auf Norwegisch snublesteiner genannt.

Alle Stolpersteine dieser Provinz sind jüdischen Opfern gewidmet. Die ersten Verlegungen fanden im Juni 2014 in Bergen statt.

Holocaust in Norwegen mini|Die zweite Massendeportation erfolgte mit der MS Gotenland Norwegen war von 9. April 1940 bis 8. Mai 1945 von deutschen Truppen besetzt. Damals befanden sich rund 2.100 jüdische Norweger und Flüchtlinge aus Mitteleuropa im Land. Von diesen konnten sich rund tausend Personen ins neutrale und nicht besetzte Schweden retten. Unmittelbar nach dem Einmarsch deutscher Truppen begannen Hetzkampagnen gegen Juden und die Arisierung in Norwegen. Den Juden im Land wurde Schritt für Schritt all ihr Hab und Gut geraubt. Im Spätherbst 1942 erfolgten die ersten Massenverhaftungen. Am 26. November 1942 wurden von norwegischer Polizei und Gestapo 532 norwegische Juden (302 Männer, 188 Frauen und 42 Kinder) der SS übergeben. Sie gelangten mit einem Frachtschiff der Norddeutschen Lloyd, der Donau, nach Stettin und wurden von dort in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. 346 von ihnen, darunter alle Frauen und Kinder, wurden unmittelbar nach der Ankunft am 1. Dezember 1942 in den Gaskammern ermordet. 186 Männer überstanden die Selektion und bekamen die Nummern 79064 bis 79249 eintätowiert.Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939–1945. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1989, ISBN 3-498-00884-6, S. 347 Nur neun von ihnen konnten die Shoah überleben. Am 25. Februar wurden weitere 158 Juden mit der Gotenland nach Stettin verschifft und über Berlin nach Auschwitz gebracht.Israel Gutman, Eberhard Jäckel, Peter Longerich, Julius H. Schoeps (Hrsg.): Enzyklopädie des Holocaust - die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. 2. Auflage. Piper, München/Zürich, April 1998, ISBN 3-492-22700-7, B. II, S. 1013–1016, Stichwort: Norwegen 28 Männer wurden als arbeitsfähig eingestuft, die anderen sofort ermordet. Dies geschah am 3. März 1943.

Stolpersteine in Vestland Alver Am Alverstraumen, einer Meerenge in der Gemeinde Alver, liegt ein Stolperstein. Alverstraumen war bis 2019 Teil der damals selbständigen Gemeinde Lindås.

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben HIER WOHNTEBERNHARD MÜLLERGEBOREN 1890DEPORTIERT 1941DACHAUGETÖTET 13.2.1942 Alversund,Radøyvegen 237 wurde 1890 im polnischen Radomyśl geboren. Er war Gerber und kam im Januar 1939 als Arbeitsemigrant über Schweden nach Norwegen. Es gelang ihm, im Sommer 1939 seine Frau Cyla (auch Cecylie, geboren 1907) und die Kinder Oskar (geboren 1928) und Berta (geboren 1932) mit einem Touristenvisum nach Norwegen zu holen, knapp vor dem deutschen Überfall auf Polen. Die Familie plante die Emigration nach Südamerika, wo Verwandte lebten, dafür musste noch Kapital aufgebracht werden. Die Aufenthaltserlaubnis für Norwegen wurde im Dezember 1939 und im Mai 1940 um jeweils weitere sechs Monate verlängert. Nach der deutschen Besatzung des Landes war Emigration nicht mehr möglich. 1940 wurde Bernhard Müller in L. K. Sellevolds Lærfabrikk in Alverstraumen nördlich von Bergen eingestellt. Die Familie zog dorthin. Am 23. Oktober 1940 wurde Bernhard Müller von der deutschen Sicherheitspolizei festgenommen. Er war zuerst im Lager Ulven und ab August 1941 in der Møllergata 19 in Oslo interniert. Am 17. Dezember 1941 wurde er in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Bernhard Müller verlor dort am 13. Februar 1942 sein Leben.

Nach Verhaftung ihres Ehemannes und dem Wegfall des Einkommens musste Cecylie Müller ihre Kinder alleine durchbringen. Mit Unterstützung des Uhrmachers Herschel Rabinowitz (1891–1942) aus Bergen und der Jüdischen Gemeinde von Oslo konnte die Familie im Mai 1941 nach Bergen übersiedeln. Dort wurden sie zusammen mit ihren Kindern am 25. November 1942 verhaftet. Sie wurden in das Bredtveit-Gefängnis in Oslo gebracht und am 25. Februar 1943 über Stettin und Berlin in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Ihr Sohn Oskar überstand die Selektion, jedoch Cecylie und Berta Müller wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft am 3. März 1943 in einer Gaskammer ermordet. Oskar Müller wurde während eines Todesmarsches im Frühjahr 1945 getötet. Die Stolpersteine für Bernhard Müllers Familienmitglieder liegen in Bergen.

Bergen In Bergen, der zweitgrößten Stadt Norwegens, wurden 17 Stolpersteine an neun Adressen verlegt. Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben HIER WOHNTEIDA BECKERGEB. GOLDMANGEBOREN 1917DEPORTIERT 1943AUSCHWITZGETÖTET 3.3.1943 Bergen, Welhavens gate 36 geborene Goldmann, wurde am 4. Februar 1917 im polnischen Wizna geboren. Ihre Eltern waren Samuel Goldmann und Frida, geborene Rabinowitz. Sie kam 1937 nach Norwegen und heiratete 1939 Israel Josef Becker, geboren 1916 in Oslo. Das Ehepaar hatte einen Sohn, Sam (geboren April 1941). Am 26. Oktober 1942 wurde der Ehemann verhaftet und interniert. Ida Becker und ihr Sohn wurden am 25. November 1942 verhaftet und nach Oslo gebracht. Dort wurden sie im Bredtveit-Gefängnis eingesperrt. Am 25. Februar 1943 wurden sie mit dem Schiff Gotenland nach Stettin deportiert und von dort gemeinsam mit 156 weiteren Juden aus Norwegen über Berlin nach Auschwitz-Birkenau gebracht. Unmittelbar nach der Ankunft im Vernichtungslager am 3. März 1943 wurden Ida Becker und ihr Sohn in einer Gaskammer ermordet.

Auch ihr Ehemann Josef wurde vom NS-Regime ermordet, mutmaßlich auch in Auschwitz. Sein Todesdatum ist unbekannt. HIER WOHNTEISRAEL JOSEFBECKERGEBOREN 1916DEPORTIERT 1942AUSCHWITZGETÖTETUNBEKANNTER TODESTAG Bergen, Welhavens gate 36 wurde am 26. Mai 1916 in Oslo geboren. Seine Eltern waren Einwanderer aus Russland. Der Vater, Hille Becker (geboren 1885), stammte aus Smolensk, die Mutter, Judith, geborene Zemechman (geboren 1888), aus St. Petersburg. Er hatte zwei jüngere Geschwister: Herman Hirsch (geboren 1920) und Ada Abigael (geboren 1922). Er besuchte die Mittelschule und danach die Handelsschule. Becker arbeitete als Angestellter und heiratete im Jahr 1939 die aus Polen stammende Ida Goldmann. Das Ehepaar hatte einen Sohn, Sam, geboren im April 1941. Am 26. Oktober 1942 wurde Josef Becker verhaftet und nahe Tønsberg interniert. Am 26. November 1942 wurde er mit dem Frachtschiff Donau nach Stettin und von dort in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Israel Josef Becker wurde vom NS-Regime ermordet. Das Todesdatum ist unbekannt.

Auch seine Eltern, seine Schwester, seine Frau und sein Sohn wurden vom NS-Regime ermordet. Sie wurden alle in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet. Stolpersteine in Stavanger erinnern an das Schicksal seiner Eltern und seiner Geschwister. Seinem Bruder Herman gelang die Flucht nach Großbritannien, wo er in der norwegischen Luftwaffe kämpfte. Er starb im März 1945 bei einem Angriff auf das Gestapo-Hauptquartier in Kopenhagen. HIER WOHNTESAM BECKERGEBOREN 1941DEPORTIERT 1943AUSCHWITZGETÖTET 3.3.1943 Bergen, Welhavens gate 36 wurde am 8. April 1941 geboren. Seine Eltern waren Israel Josef Becker und Ida, geborene Goldmann. Sein Vater stammte von russischen Emigranten ab, seine Mutter kam aus Polen. Ende Oktober 1942 wurde sein Vater verhaftet. Am 25. November 1942 wurde auch Sam, gerade mal 1 Jahr alt, zusammen mit seiner Mutter verhaftet. Sie wurden in das Bredtveit-Gefängnis in Oslo überstellt. In der Nacht vom 25. Februar 1943 wurden beide mit der Gotenland nach Stettin Polen deportiert, dann mit Lastzügen über Berlin in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Unmittelbar nach der Ankunft am 3. März 1943 wurden Sam Becker und seine Mutter in einer Gaskammer ermordet. Er war damals ein Jahr und zehn Monate alt.

Sein Vater wurde ebenfalls vom NS-Regime ermordet.120px HIER WOHNTERUBEN BERGGEBOREN 1920DEPORTIERT 1942AUSCHWITZGETÖTET AN UNBEKANNTEM DATUM Bergen, Ibsens gate 84 wurde am 20. Januar 1920 in Oslo geboren. Er hatte einen Zwillingsbruder, Magnus, und drei weitere Geschwister. Seine Eltern, Abraham und Sofie Berg, starben 1921. Die Kinder wurden bei verschiedenen jüdischen Familien in Oslo und Trondheim untergebracht. Ruben und sein Zwillingsbruder Magnus kamen schließlich 1923/24 in das neu gegründete jüdische Waisenhaus in Oslo. Ruben Berg wurde Seemann und arbeitete als Maschinist auf der MS Oslofjord. Im Herbst 1942 fand er Arbeit in Laksevåg, einem Stadtteil von Bergen. Er wohnte in Kronstad in Bergen und wurde am 3. November 1942 verhaftet. Ruben Berg wurde im Bezirksgefängnis von Bergen interniert und eine Woche später in das Internierungslager Berg nahe Tønsberg überstellt. Am 26. November 1942 wurde er zuerst nach Akershuskaia transportiert, dann mit dem Frachtschiff Donau nach Stettin und von dort in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Ruben Berg wurde vom NS-Regime ermordet. Sein Todesdatum ist unbekannt.120px HIER WOHNTEALICE ROSABORINSKIGEB. BIRNBAUMGEBOREN 1892DEPORTIERT 1943AUSCHWITZGETÖTET 3.3.1943 Bergen, Welhavens gate 73 geb. Birnbaum wurde am 5. Juli 1892 in Berlin-Friedrichsfelde geboren. Sie heiratete Paul Borinski, geboren 1881 in Königshütte. Das Paar hatte zwei Kinder, Annelise und Fritz. Im Februar 1940 flüchtete das Ehepaar von Hamburg aus nach Norwegen. Paul Borinski wurde am 26. Oktober 1942 verhaftet und im November 1942 mit dem Frachter Donau nach Stettin und von dort nach Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet. Alice Rosa Borinski wurde am 6. Januar 1943 ebenfalls verhaftet. Sie kam in das Bezirksgefängnis Bergen und zwei Wochen später in das Bredtveit-Gefängnis in Oslo. Am 25. Februar 1943 wurde sie mit dem Frachter Göteborg deportiert und kam von Stettin ebenfalls nach Auschwitz. Auch Alice Rosa Borinski wurde unmittelbar nach der Ankunft in Auschwitz am 3. März 1943 in einer Gaskammer ermordet.

Beide Kinder konnten rechtzeitig flüchten, ihre Tochter in die Schweiz und ihr Sohn nach Palästina.120px HIER WOHNTEPAUL BORINSKIGEBOREN 1881DEPORTIERT 1942AUSCHWITZGETÖTET 1.12.1942 Bergen, Welhavens gate 73 wurde am 24. April 1881 in Königshütte geboren. Er wurde Chemiker und heiratete die Berlinerin Alice Rosa, geborene Birnbaum. Das Paar hatte zwei Kinder, Anneliese und Fritz. Im Februar 1940 flüchtete er mit seiner Frau von Hamburg aus nach Norwegen. Am 26. Oktober 1942 wurde Paul Borinski verhaftet und in das Internierungslager Berg nahe Tønsberg überstellt Einen Monat später wurde er mit dem Frachtschiff Donau nach Stettin deportiert. Von dort aus kam er in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, wo Paul Borinski unmittelbar nach seiner Ankunft am 1. Dezember 1942 in einer Gaskammer ermordet wurde.