Das 6. Badische Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich III.“ Nr. 114 war ein Infanterieverband der Großherzoglich-Badischen Armee und ab 1871 Teil der Preußischen Armee.

mini|Polizeidirektion Konstanz, ehemalige Klosterkaserne mini|Siegelmarke des 6. Badischen Infanterie-Regiments „Kaiser Friedrich III.“ Nr. 114 mini|Der Musketier August Schlude als „114er“ mit grüner Schulterklappe mini|Denkmal Friedrich III. in Konstanz, 1892 zum 25-jährigen Jubiläum der Regiments errichtet

Geschichte Der Verband wurde am 26. Oktober 1867 aus dem 5. und 10. Infanterie-Bataillon der Badischen Armee errichtet und führte zunächst die Bezeichnung 6. Großherzoglich Badisches Infanterie-Regiment. Es formierte sich zu zwei Grenadier- und einem Füsilier-Bataillon. Als Garnison wurde dem Regiment Rastatt zugewiesen. 1868 verlegte das Regiment nach Konstanz und war im ehemaligen Kloster Petershausen untergebracht.Philipp Zieger: Deutsche und Schweizer kämpften im grünen Regiment Seite an Seite – und prägten die Geschichte der Stadt Konstanz. In: Südkurier. 18. Juni 2018. mini|Uniform der „114er“ Nach der Militärkonvention vom 25. November 1870 gab das Großherzogtum seine Militärhoheit an Preußen ab und ging in der Preußischen Armee auf. Zum 1. Juli 1871 erhielt der Verband die Bezeichnung 6. Badisches Infanterie-Regiment Nr. 114 und bildete gemeinsam mit dem 5. Badischen Infanterie-Regiment Nr. 113 die 57. Infanterie-Brigade. Mit der Ernennung des Kronprinzen Friedrich Wilhelm zum Regimentschef erhielt der Verband am 22. September 1877 den Namen 6. Badisches Infanterie-Regiment „Kronprinz Friedrich Wilhelm“ Nr. 114 und führte nach dessen Tod ab dem 2. August 1888 die Bezeichnung 6. Badisches Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich III.“ Nr. 114.Regimentsgeschichte bei Landesarchiv Baden-Württemberg

Deutsch-Französische Krieg von 1870/71

Das Regiment war an der Belagerung von Straßburg beteiligt. Danach folgte die Zuordnung im XIV. Armeekorps unter General August von Werder. Bis zum Jahresende 1870 folgten Gefechte bei La Culotte sowie Nompatelize und die Besetzung von Dijon. Im Januar 1891 folgten Kämpfe bei Belfort und an weiteren Orten. Nach Auflösung des XIV. Armeekorps am 6. März 1871 begann der Heimmarsch des Regiments in Besançon.Militärhistoriografie Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Band: 6. Badisches Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich III.“ Nr. 114, Seiten 6 bis 7. Einsätze gab es bei Dijon und an der Lisaine.Philipp Zieger: Die Schweiz und das grüne Regiment. In: Südkurier. 12. Juni 2018.

Friedenszeit Die Friedensstärke der 114er betrug rund 3.300 Mann.Philipp Zieger: Die Schweiz und das grüne Regiment. In: Südkurier. 12. Juni 2018.

Erster Weltkrieg Einsätze gab es bei Loos, Loretto und Chérisy.Philipp Zieger: Deutsche und Schweizer kämpften im grünen Regiment Seite an Seite - und prägten die Geschichte der Stadt Konstanz. In: Südkurier. 18. Juni 2018

Schweizer aus den Kantonen Thurgau, Zürich, Basel (beide), Sankt Gallen und Schaffhausen wurden im Ersten Weltkrieg in das Regiment aufgenommen. Es handelte sich um Auslandsdeutsche und freiwillige Schweizer. Nach dem Ersten Weltkrieg gingen die Freiwilligen in die Schweiz zurück. Erst mit dem Militärstrafgesetzbuch von 1929 wurde Schweizern der Eintritt in fremdem Militärdienst verboten.1914. Wir waren auch dabei - Männer aus der Schweiz kämpfen im Deutschen Heer. In: Dominik Gügel: 50 x Bodensee. Eine spannende Zeitreise durch die Geschichte. Silberburg Verlag GmbH, Tübingen 2020, ISBN 978-3-8425-2198-8, S. 100–101.

Verbleib Nach dem Kriegsende räumte das Regiment gemäß den Waffenstillstandsbedingungen das besetzte Gebiet und marschierte mit seinen Resten in die Heimat zurück. Ab dem 12. Dezember 1918 bezog es auf dem Rückmarsch zunächst Quartier in Bobenhausen und Wohnfeld, bis es ab dem 12. Januar 1919 in Konstanz eintraf. Nach der Demobilisierung wurde das Regiment schließlich am 9. Mai 1919 aufgelöst.

Die Tradition des Regiments übernahm in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung General der Infanterie Hans von Seeckt vom 24. August 1921 die in Konstanz stationierte 9. bis 12. Kompanie des 14. (Badisches) Infanterie-Regiments.

Kommandeure DienstgradNameDatumGünter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 2: Die Stellenbesetzung der aktiven Infanterie-Regimenter sowie Jäger- und MG-Bataillone, Wehrbezirkskommandos und Ausbildungsleiter von der Stiftung bzw. Aufstellung bis 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1992, ISBN 3-7648-1782-8, S. 290–291.Oberstleutnant/OberstKarl von Bauer26. Oktober 1867 bis 17. April 1871OberstEduard Kraus18. April 1871 bis 1. Juni 1875Oberstleutnant/OberstHermann von Melchior2. bis 18. Juni 1875 (mit der Führung beauftragt)Oberstleutnant/OberstHermann von Melchior19. Juni 1875 bis 14. März 1881Oberstleutnant/OberstBenno von Fragstein und Niemsdorff15. März bis 15. September 1881 (mit der Führung beauftragt)OberstBenno von Fragstein und Niemsdorff16. September 1881 bis 4. Februar 1887OberstleutnantKarl Kleinhans5. Februar bis 7. März 1887 (mit der Führung beauftragt)OberstKarl Kleinhans8. März 1887 bis 23. März 1890OberstRudolf Caemmerer24. März 1890 bis 16. Juni 1893OberstOtto Meyer17. Juni 1893 bis 16. Februar 1894OberstleutnantGeorg von Bose17. Februar bis 16. März 1894 (mit der Führung beauftragt)OberstGeorg von Bose17. März 1894 bis 16. Juni 1897OberstOtto Emmich17. Juni 1897 bis 17. Mai 1901OberstFriedrich von Cochenhausen18. Mai 1901 bis 20. April 1905OberstTheodor von Watter21. April 1905 bis 14. April 1907OberstArthur von Walther15. April 1907 bis 19. April 1909OberstUdo von Wussow20. April 1909 bis 12. September 1911OberstArved von Frobel13. September 1912 bis 5. Mai 1912OberstKurt von Fölkersamb22. Mai 1912 bis 29. August 1914OberstleutnantAdolf Friedrich von Sell30. August bis 29. September 1914MajorKurt von Kummer30. September bis 29. Oktober 1914 (mit der Führung beauftragt)OberstHans von Sydow30. Oktober 1914 bis 26. Mai 1918OberstleutnantWalther von Goeßel27. Mai bis 15. Oktober 1918OberstleutnantGottlob Clamann16. Oktober 1918 bis 1919

Bekannte Regimentsangehörige Im Verlauf der Geschichte zählten etliche bekannte Personen zu den Angehörigen des Regiments. Unter anderem sind dazu bekannt:

Cai Theodor Dame Daniel Thilo Eduard von Kraus Franz von Oberhoffer Friedrich Matthaei Fritz von Loßberg Georg Theodor Bauer Hans-Henning von Fölkersamb Hans Baur Hermann von Melchior Karl Kleinhans Ludwig Schelle Oskar Antze Oskar Muser Oskar Wallmüller Roderich von Dewitz Rudolf von Caemmerer Theodor von Watter Udo von Wussow Wilhelm von Linde

Gedenken mini|Die Kapelle auf dem Riesenberg Die Namen der 3.200 Gefallenen des Regiments im Ersten Weltkrieg wurden auf der Eichenholz-Vertäfelung im Innern der Riesenbergkapelle (114er-Kapelle) auf der Kuppe des Riesenberges in Konstanz festgehalten ().Philipp Zieger: Deutsche und Schweizer kämpften im grünen Regiment Seite an Seite – und prägten die Geschichte der Stadt Konstanz. In: Südkurier. 18. Juni 2018. Architekt der 1925 errichteten Kapelle war Karl Gruber, das Altarbild wurde durch Hans Franke gefertigt. Die Kapelle wird durch die Traditionsgemeinschaft der ehemaligen Garnisonsstadt Konstanz gepflegt. Seit 1945 steht neben der Kapelle ein Findling, mit dem der Gefallenen des Regiments 14, dem Traditionsnachfolger der 114er, im Zweiten Weltkrieg gedacht wird.Philipp Zieger: Die Schweiz und das grüne Regiment. In: Südkurier, 12. Juni 2018.Heike Thissen: Die 114er-Kapelle. Im Gedenken an die Kameraden erbaut. In: Eva-Maria Bast, Heike Thissen: Geheimnisse der Heimat. 50 spannende Geschichten aus Konstanz. Band 2, werk zwei Print + Medien Konstanz GmbH, 2013, ISBN 978-3-9815564-6-9, S. 105–108. Unter den Soldaten des 6. Badischen Infanterieregiments Kaiser Friedrich III. Nr. 114 waren auch Freiwillige aus der Schweiz.Ausstellung zum Ersten Weltkrieg im Napoleonmuseum Thurgau. In: Qlt (kult) 17. März bis 13. April 2018, S. 4–5.Napoleonmuseum Thurgau: Wir waren auch dabei. Männer aus der Schweiz und das Konstanzer Regiment Nr. 114 im Krieg 1914–1918. Sonderausstellung 1. Mai bis 11. November 2018.

Archive Die Regimentsakten lagerten 1919 zunächst bei der Abwicklungsstelle des Regiments, gingen dann an das Archiv des XIV. Armee-Korps und kamen 1947 bis 1949 an das Generallandesarchiv Karlsruhe.Regimentsgeschichte bei Landesarchiv Baden-Württemberg

Ausstellungen 1. Mai bis 11. November 2018: Wir waren auch dabei. Männer aus der Schweiz und das Konstanzer Regiment Nr. 114 im Krieg 1914–1918. Napoleonmuseum ThurgauPressetext Ausstellung Napoleonmuseum Thurgau

Weitere Regimenter mit Schweizer Freiwilligen im Ersten Weltkrieg Infanterie-Regiment „König Wilhelm I.“ (6. Württembergisches) Nr. 124, Weingarten1914. Wir waren auch dabei. Männer aus der Schweiz kämpfen im Deutschen Heer. In: Dominik Gügel: 50 x Bodensee. Eine spannende Zeitreise durch die Geschichte. Silberburg Verlag, Tübingen 2020, ISBN 978-3-8425-2198-8, S. 100–101.

Literatur

Blum-Delorme: Das 6. Badische Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich III.“ Nr. 114. Verlag Schwarz, Konstanz 1922. (Digitalisat) Claus von Bredow: Historische Rang- und Stammliste des deutschen Heeres. Scherl, Berlin 1905, S. 645–646 Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914–1918. Teil VI: Infanterie. Band 1: Infanterie-Regimenter. Verlag Militaria, Wien 2007, ISBN 978-3-902526-14-4, S. 192–193. Arthur Waenker v. Dankenschweil: Geschichte des 6. Badischen Infanterie-Regiments Kaiser Friedrich III. Nr. 114 im Rahmen der Vaterländischen Geschichte und der Spezial-Geschichte von Konstanz populär dargestellt. Mittler & Sohn, Berlin 1898. Verein der Offiziere des ehemaligen Infanterie-Regiments (Hrsg.): Geschichte des 6. Badischen Infanterie-Regiments Kaiser Friedrich III. Nr. 114 im Weltkrieg 1914 bis 1918 (= Aus Deutschlands großer Zeit. Band 33), Sporn, Zeulenroda (Digitalisat der Württembergischen Landesbibliothek).

Weblinks

Philipp Zieger: Deutsche und Schweizer kämpften im grünen Regiment Seite an Seite – und prägten die Geschichte der Stadt Konstanz. In: „Südkurier“, 18. Juni 2018 6. Badisches Infanterie-Regiment Kaiser Friedrich III. Nr. 114 bei GenWiki Regimentsgeschichte bei Landesarchiv Baden-Württemberg

Einzelnachweise

Kategorie:Badische Militärgeschichte Infanterieregiment 114 Baden #:114 Kategorie:Geschichte (Konstanz) Kategorie:Gegründet 1867 Kategorie:Aufgelöst 1919