mini|hochkant|Václav Riedlbauch (2013) Václav Riedlbauch (* 1. April 1947 in Dýšina bei Pilsen; † 3. November 2017 in Prag) war ein tschechischer Komponist, Hochschullehrer, Kulturmanager und Politiker. Riedlbauch schrieb Orchesterwerke, ein Orgelkonzert, Kammer- und Vokalmusik sowie Kompositionen für Kinder.Alle biografischen Angabe basieren – soweit keine anderen Quellen benannt sind – auf den Artikeln Lebenslauf, Nachruf Tschechisches Kulturministerium: - Prof. Václav Riedlbauch (siehe Biografische Quellen).
Biografie
Herkunft und Familie Václav Riedlbauch wuchs in Strakonice auf, wo er auch begraben wurde. Er war eines von 6 Kindern des Maschinenbautechnikers Rudolf Riedlbauch (1914–2003) und seiner Ehefrau Veronika Riedlbauchová (1922–1984). Seine Geschwister sindFür einen ersten Überblick siehe: Horst Schäfer: Rede zur Vernissage von Rudolf Riedlbauch in Blatná (siehe Weblinks) der akademische Maler und Kunstlehrer Rudolf Riedlbauch, (1944–2023)Profil Rudolf Riedlbauch (in tschechischer Sprache); die Wirtschaftsingenieurin Anna Černíková (geborene Riedlbauch, * 1945); der Flötist, Dichter und Professor am Prager Konservatorium Jan Riedlbauch (* 1948);Databazeknih.cz: Jan Riedlbauch (in tschechischer Sprache) der seit 2019 pensionierte erste Geiger des Prager Sinfonieorchesters FOKHomepage des Orchesters FOK (FOK steht für Film Oper Konzert) Josef Riedlbauch (1950–2022); die Geigerin Marie Vaňková (* 1957).Artist info: Marie Vaňková
Riedlbauch war in zweiter Ehe mit der Musikwissenschaftlerin und Musikredakteurin Yvetta Koláčková (* 1958) verheiratet.
Studium und Hochschullehrer In den Jahren 1962–1968 studierte Riedlbauch am Prager Konservatorium Akkordeon bei Josef Smetana und Komposition bei Zdeněk Hůla. Es folgte ein weiteres Studium der Komposition bei Václav Dobiáš an der Akademie der musischen Künste in Prag (AMU), wo er 1973 seinen Abschluss machte. Er absolvierte zudem Meisterkompositionskurse an der Accademia Musicale Chigiana in Siena bei Franco Donatoni sowie bei Witold Lutosławski und Tomasz Sikorski an der Fakultät der bildenden Künste der Nikolaus-Kopernikus-Universität im polnischen Toruń.
Bereits während seines Studiums an der AMU unterrichtete Riedlbauch ab 1970 am Prager Konservatorium und hielt diese Lehrtätigkeit bis 1978 bei. Zugleich war er ab 1971, auch während seines Studiums, Assistenzprofessor an der Kompositionsabteilung innerhalb der Musikfakultät der AMU. Ab 1978 wurde er dort außerordentlicher Professor, ab 1985 Dozent und seit dem Jahr 2000 Professor. Von 1990 bis 2004 leitete er die Kompositionsabteilung an der AMU und von 1996 bis 2000 auch deren Konzertabteilung.Ivan Kurz über das Leben und Werk von Václav Riedlbauch (siehe Diskografie) Nach Ivan Kurz ist es größtenteils Riedlbauchs Wirken in dieser Zeit zu verdanken, dass die kulturelle Öffentlichkeit auf das Prager Liechtenstein-PalaisLichtenstein Palace (Ledebour Palace) in Prague als neuen Musikveranstaltungsort aufmerksam wurde, in dem das Konzertleben der Fakultät in historischen Aufführungsräumen stattfinden konnte. Seine Lehrtätigkeit an der AMU beendete Riedlbauch 2016. Unter seinen Schülern waren unter anderem Adam Klemensmusivbase.cz: Adam Klemens, Martin HyblerHomepage Martin Hybler & musivbase.cz: Martin Hybler und Josef Marek.Homepage Josef Marek
Neben seiner Lehrtätigkeit an der AMU unterrichtete Riedlbauch seit 2010 Kulturmanagement an der Wirtschaftsuniversität Prag.
Kulturmanager Von 1973 bis 2005 fand in Karlsbad das jährliche Festival Junge Bühne (Mladé pódium) statt.Viktor Velek: Karlsbad (deutsch für tschechisch Karlovy Vary), in: Oesterreichisches Musiklexikon online, abgerufen am 11. Mai 2020 Dieses Festival für Musiker unter 35 Jahren (sowohl Komponisten als auch Interpreten klassischer Musik) wurde von Riedlbauch als Kulturmanager maßgeblich initiiert und mitorganisiert. Es fand in Zusammenarbeit mit der sogenannten aktiven Jugendgruppe innerhalb der Union tschechischer Komponisten und Konzertkünstler (Svaz českých skladatelů a koncertních umělců)Tschechisches Musikwörterbuch von Personen und Institutionen: Union tschechischer Komponisten und Konzertkünstler, auf Tschechisch, abgerufen am 11. Mai 2020 statt und wurde von 2006 bis 2009 in Pardubice fortgeführt.
Des Weiteren war Riedlbauch Künstlerischer Leiter der Oper des Prager Nationaltheaters (1987–1989), Programmdirektor des Kulturpalastes in Prag (1990–1993) sowie Mitglied eines Ausschusses der OSA, der Urheberrechtsvereinigung für Rechte an Musikwerken (Ochranný svaz autorský pro práva k dílům hudebním)About the OSA, einem Berufsverband von Komponisten, Lyrikern und Musikverlegern (1992–1997) 1995 war er einer von deren Vizepräsidenten.The board of the OSA und gehörte 2007 deren Abrechnungslegungskommission an.OSA-Jahrbuch 2007 (in Tschechisch)
Von 1993 bis 1995 war er Chefproduzent des Panton-Verlags und ab 1996 dessen Direktor. Der Panton-Verlag war 1958 zu einer Zeit, als ein leichtes politisches Tauwetter in der Tschechoslowakei einsetzte, von liberalen tschechischen Komponisten zur Veröffentlichung zeitgenössischer tschechischer Musik gegründet worden. 1972 wurde der Verlag zum Verlag des staatlich gelenkten Tschechischen Musikfonds. Nach dem Fall des Kommunismus im Jahr 1989 geriet der Musikfonds in finanzielle Schwierigkeiten und musste 1993 aus finanziellen Gründen den Panton-Verlag an die deutsche Schott Music International verkaufen, die den Verlag unter dem Namen Schott Music Panton weiterführte.The free Library: Music publishers in the Czech republic, abgerufen am 11. Mai 2020Außerdem gründete Riedlbauch den Triga-Verlag, der insbesondere zeitgenössische tschechische Musik herausgab.
Riedlbauch war von 2001 bis 2009 Geschäftsführer der Tschechischen Philharmonie in Prag. In dieser Zeit gehörte er außerdem dem ständigen Komitee der Concertino Praga an, einem internationalen Radiowettbewerb für junge Instrumentalisten.Im Regen lernen sich die Menschen am besten kennen (Lidé se nejlíp poznají v lijáku), Týdeníku Rozhlas, 28. Mai 2001. Interview aus Anlass von Riedlbauchs Berufung an die Tschechische Philharmonie. Zur Geschichte der Conertino Praga siehe: About Concertino Praga Im Mai 2009 benannte er als Gründe für seinen Rücktritt von der Position des Geschäftsführers der Tschechischen Philharmonie Differenzen mit den Orchestermitgliedern und deren mangelnde Bereitschaft mit ihm weiterhin zusammenzuarbeiten.Václav Riedlbauch - ein Mann, der die tschechischen Philharmoniker verlassen will (Václav Riedlbauch – muž, který se chystá z České filharmonie odejít), Muzikus.cz, 24. April 2009 Kern der Differenzen waren höhere Gehaltsforderungen der Orchestermusiker und deren Verlangen nach Beteiligung an den Einnahmen aus dem Verkauf von Tonträgern.Die Philharmoniker stimmten mit den Gewerkschaften einer Reform zu (Filharmonie se dohodla s odbory na reformě), Česká televize, 20. Juni 2011
Riedlbauch war zudem von 2006 bis 2009 Vorsitzender der dramaturgischen Leitung des Festivals Czech Touches of Music.Homepage Czech Touches of Music & The Fine Art Archive: Václav Riedlbauch In seinem letzten Lebensabschnitt leitete er die nach dem tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů benannte Bohuslav-Martinů-Stiftung und prägte das Festival-Programm der Bohuslav-Martinů-Tage. Bereits zuvor war er dem von seinem Bruder Jan gegründeten Ensemble Martinů als Komponist verbunden.ENSEMBLE MARTINŮ - KONZERT, München 2005 Riedlbauch gehörte auch dem ständigen Wettbewerbsausschuss des Musikfestival Prager Frühlings an.Václav Riedlbauch im Archiv des Nationaltheaters (siehe Biografische Quellen) Wirken als Politiker Den ersten Teil seiner Ausbildung absolvierte Riedlbauch in den Jahren vor dem Prager Frühling und setzte diese dann nach dem Prager Frühling fort, in einer Phase der sogenannte Normalisierung, in der die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei nach der Niederschlagung der Volkserhebung ihre Macht konsolidierte. In dieser Periode der Normalisierung begann Riedlbauchs akademische und außeruniversitäre Laufbahn, in deren Verlauf er 1987 künstlerischer Leiter der Oper am Nationaltheater wurde. Dass dies ohne Kooperation mit dem kommunistischen Machtapparat oder der Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei möglich gewesen wäre, ist mehr als unwahrscheinlich, und so heißt es auch in einem Nachruf des Tschechischen Fernsehens vom 3. November 2017, er habe zeitgenössischen Dokumenten und Zeugen zufolge noch im November 1989 auf der Seite der zusammenbrechenden kommunistischen Macht gestanden.Václav Riedlbauch starb, er leitete das Kulturministerium und die Tschechischen Philharmoniker (Zemřel Václav Riedlbauch, řídil ministerstvo kultury i Českou filharmonii), Česká televize, 3. November 2017 2010 bestätigte er, Mitglied der Kommunistischen Partei gewesen zu sein, habe aber kein Problem damit, weil es für ihn der Vergangenheit angehöre.Jan H. Vitvar: S bičem nad hlavou (Mit einer Peitsche über dem Kopf), Týdeník Respekt, 24. Januar 2010 (der vollständige Artikel ist nur gegen Bezahlung zugänglich)
Der Vorwurf, auf der Seite der zusammenbrechenden kommunistischen Macht gestanden zu haben, bezog sich auf Riedlbauchs Rolle während der Streiks an der Staatsoper in der Wendezeit des Jahres 1989. Laut dem Sprecher des damaligen Streikkomitees soll Riedlbauch den streikenden Schauspielern finanzielle Sanktionen und den Verlust ihrer Arbeitsplätze angedroht und sie gehindert haben, sich direkt an das Publikum zu wenden. Zwanzig Jahre später, im Oktober 2009, gab das Tschechische Fernsehen Kulturminister Riedlbauch Gelegenheit, zu diesen Vorwürfen Stellung zu nehmen. Riedlbauch bestritt jegliche Bedrohung der Streikenden und berief sich darauf, diesen lediglich einen Brief der vorgesetzten Behörde verlesen zu haben, mit dem die Ensemblemitglieder der Sparten Theater, Ballett und Oper auf mögliche Konsequenzen ihres Streiks aufmerksam gemacht werden sollten.Der Kulturminister bestreitet die Vorwürfe von '89, er habe die Schauspieler angeblich nicht bedroht (Ministr kultury obvinění z roku '89 odmítá, hercům prý nevyhrožoval), Česká televize, 28. Oktober 2009. Dieser Gegendarstellung Riedlbauchs ging am 25. Oktober 2009 eine Meldung des Fernsehens über die gegen ihn erhobenen Vorwürfe voraus. Diese Meldung ist in der Datenbank des Tschechischen Fernsehens nicht mehr auffindbar, der Link zu ihr ist tot: Minister Riedlbauch droht streikenden Künstlern im November '89 - 24T24, 25. Oktober 2009 Riedlbauch erinnerte daran, dass er am Ende der ersten Revolutionswoche seinen Rücktritt als Leiter des Opernensembles angeboten habe und beteuerte: Im November 1989 verließ Riedlbauch die Staatsoper. Die zuvor referierten Auseinandersetzungen um Riedlbauchs Rolle im Wendejahr 1989 fanden im Jahr 2009 statt, in dem er direkt in die Politik eintrat und zum tschechischen Kulturminister in der Regierung Jan Fischer berufen wurde. Riedlbauch gehörte dieser Regierung als Parteiloser auf Vorschlag der Tschechischen Sozialdemokratische Partei (ČSSD) an und amtierte von Mai 2009 bis Juli 2010. Die recht kurze Amtszeit der Regierung Fischer, die eigentlich nur die Tschechische EU-Ratspräsidentschaft 2009 sicherstellen sollte, während der ihre Minister den Vorsitz im Rat der Europäischen Union innehatten, ließ kaum Raum für größere innenpolitische Aktivitäten. Gleichwohl initiierte und unterstützte Riedlbauch während seiner Amtszeit einige Projekte, so dass es in einem Artikel über ihn heißt: