mini|OE-XVB (Christophorus 1) at LOJO mini|„Christophorus 1“ mit der Kennung OE-FXA war der erste Notarzthubschrauber Österreichs und wurde 1983 in Innsbruck in Betrieb genommen mini|Christophorus 12 beim Landeanflug
Der Christophorus Flugrettungsverein (CFV) ist der größte Anbieter für Flugrettung in Österreich und stellt in jedem der neun Bundesländer Notarzthubschrauber. Er wurde von den Landesvereinen des Automobilclubs ÖAMTC als gemeinnütziger Verein gegründet. Von den 18 Stützpunkten aus werden ganzjährig Einsätze bei medizinischen Notfällen, Unfällen und Überstellungsflüge durchgeführt. Im Winter werden vorwiegend während der Skisaison zusätzliche saisonale Notarzthelikopterstützpunkte in den alpinen Regionen Westösterreichs unter dem Funkrufnamen „Alpin 1“, „Alpin 2“ und „Alpin 5“ vorgehalten.
Geschichte mini|EC 135 T2+ am Heliport Klagenfurt
Schon seit Beginn der 1970er Jahre gab es in Österreich Flugrettungseinsätze für medizinische Notfälle zum Transport zwischen Kliniken, im Rahmen der Bergrettung und gelegentlich auch bei Verkehrsunfällen sowie als Bereitschaftsdienst bei Großveranstaltungen wie dem Formel-1-Grand-Prix Rennen auf dem Österreich-Ring.
Für die Steiermark hatte das Innenministerium im Jahr 1966 der Gendarmerie zur Verkehrsüberwachung am Grazer Flughafen einen Long-Ranger der Firma Ēcureuil zur Verfügung gestellt, der auch für Patiententransporte verwendet werden durfte. Gelegentlich sprang auch das Bundesheer – in der Steiermark von Aigen im Ennstal aus – mit einem seiner wesentlich größeren Hubschrauber ein, besonders wenn es um die Rettung oder Bergung von Unfallopfern im Gebirge ging; denn dieses Gerät verfügte über eine Bergungs-Seilwinde.https://www.bmi.gv.at/magazinfiles/2018/07_08/sonderausstellung_flugpolizei.pdf
Weil immer wieder Patienten aus weiter entlegenen Krankenhäusern mit dem Rettungswagen in die Universitätsklinik nach Graz transportiert wurden, nur um dort tot oder unrettbar anzukommen – auch der Hubschraubertransport kam immer wieder zu spät, wenn er die Hin- und Retourstrecke fliegen musste –, entstand die Idee, einen Neurochirurgen als Nothelfer mit sterilen Instrumenten bereitzuhalten und direkt zum Krankenhaus zu fliegen, damit er die Notoperation vorort ausführen konnte. Als eine Vergleichsanalyse zu den Ergebnissen vor dieser Strategie ergab, dass mit dieser Methode nun doppelt so viele Patienten ihre Verletzungen überlebten, erhielt die Hubschrauber-Rettung deutlich mehr Aufmerksamkeit; doch die Politik zögerte mit einem Ausbau der Versorgung, bis ein besonders tragisches Vorkommnis am Freitag, den 7. September 1979 eine Wende herbeiführte:
Ein schwerverletztes Kind konnte nicht zeitgerecht per Hubschrauber-Rettungsarzt im Krankenhaus Judenburg behandelt und danach nach Graz transferiert werden, weil der Hubschrauber mit dem Privatflug eines Beamten unterwegs war. Als die Presse davon erfuhr, zwang der resultierende Skandal die Landespolitik, nun einen eigenen, geregelten und ausschließlich für die medizinische Notfallmedizin gewidmeten Dienst zu genehmigen: Es war die erste offizielle medizinische Hubschrauberrettung in Österreich. Die Zahl der Hubschraubertransporte medizinischer Notfälle nahm rasch zu, auch deshalb, weil sich der Dienst auch als Rettungsmaßnahme für Patienten in nicht-unfallbedingten Notfallsituationen durchzusetzen begann.
Gleichzeitig mit der steirischen Initiative hatten auch in Tirol ähnliche Aktivitäten begonnen, dort vorwiegend zur Rettung verunfallter Bergsteiger. Als die Politik von den österreichischen Initiatoren dieser Hubschrauber-Rettung wiederholt auf den in München-Harlaching stationierten ADAC-Hubschrauberdienst als Beispiel hingewiesen wurde, übernahm im Jahr 1983 der ÖAMTC das deutsche Modell mit dessen „Christoph-Flotte“ von BO-105-Rettungshubschraubern (MBB, Messerschmitt-Bölkow-Blohm), und begann mit dem Aufbau seiner „Christophorus“-Flotte in Österreich. Erst im Jahr 2001 übernahm dann der ÖAMTC auch den Grazer Standort des Innenministeriums als „Christophorus 12“.https://www.bmi.gv.at/magazinfiles/2018/07_08/sonderausstellung_flugpolizei.pdf
Der Christophorus Hubschrauberdienst wurde als „Flugrettungsverein“ vom ÖAMTC gegründet, vor allem auch deshalb, weil der Innsbrucker Chirurg Gerhard Flora den Zustand der Flugrettung in Österreich kritisierte.Flugrettung in Österreich auf luftrettung.at, abgerufen am 27. Januar 2011. Mit Christophorus 1 in Innsbruck und Christophorus 2 in Krems standen die ersten beiden Notarzthubschrauber (NAH) bereit. Im Mai 1984 wurde durch einen Vertrag mit den Sozialversicherungsträgern die Finanzierung sichergestellt, im Mai 1985 wurde vom Bundesministerium für Inneres, dem Österreichischen Bundesheer und dem ÖAMTC beschlossen, die Flugrettung bundesweit auszudehnen. Der ursprünglich unter dem Namen Christophorus 1 fliegende Hubschrauber ist seit Dezember 2003 im Technischen Museum Wien ausgestellt.ÖAMTC-Flugrettung – Meilensteine auf oeamtc.at, abgerufen am 27. Januar 2011.
Zwischen Jänner und Juli 2002 übernahm der Flugrettungsverein einen Stützpunkt des Bundesheeres sowie sieben des Innenministeriums, nachdem sich der Staat aus finanziellen Gründen aus der Flugrettung zurückzog.Martin Zirwig: Die Flugrettung in Österreich, Diplomarbeit von 2008 (; PDF; 6,8 MB) Bis zum Jahr 2006 kamen drei weitere Stützpunkte hinzu. Die Hubschrauberflotte wurde vollständig auf EC 135 von Eurocopter umgerüstet.
Im Jahr 2006 ging der Verein auch eine Kooperation mit dem ungarischen Rettungsdienstes OMSZ ein, der damit seine Flotte auf die Helikopter des ÖAMTC umstellte. Zu diesem Zeitpunkt war der Flugrettungsverein mit 24 Hubschraubern EC 135 der europaweit größte zivile EC-135-Betreiber.ÖAMTC-Kooperation mit ungarischer Flugrettung auf OTS vom 10. März 2006, abgerufen am 3. März 2017
Der Verein unterhält 18 Stützpunkte in ganz Österreich. In den Wintermonaten kommen sechs weitere Stützpunkte des HAT (Heli-Ambulance-Team) hinzu. Diese werden in Kooperation mit dem privaten NAH-Betreiber Wucher betrieben. Damit reagiert der ÖAMTC auf die zunehmende Zahl privater Hubschrauberbetreiber. In einem durch die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse in Auftrag gegebenen Untersuchung wird diese Überversorgung kritisiert, von den 38 in der Wintersaison aktiven Stützpunkten könnten 22 geschlossen werden, ohne die Erreichbarkeit aller Gebiete innerhalb von 15 Minuten zu gefährden. auf www.rettungsdienst.de, abgerufen am 27. Jänner 2011.
Der CFV arbeitet eng mit dem Österreichischen Roten Kreuz, der österreichischen Bergrettung und der Berufsrettung Wien zusammen. 250 Notärzte arbeiten für die Organisation.
Die 18 Stützpunkte decken Österreich komplett ab; durchschnittlich treffen die Christophorus-Hubschrauber nach 14 Minuten am Notfallort ein.20 Jahre Christophorus-Luftrettung in Österreich auf www.luftrettung.at, abgerufen am 27. Januar 2011. Die Anforderung des Notarzthubschraubers erfolgt über den üblichen österreichischen Rettungs-Notruf 144 und wird über die örtlich zuständige Leitstelle vermittelt. Über die Notwendigkeit eines NAH-Einsatzes entscheidet der Leitstellendisponent anhand der Angaben, die der Anrufer am Telefon macht. Wenn die zuständige Krankenkasse den Einsatz des Hubschraubers nicht finanziert, trägt entweder der Verein die Kosten oder stellt sie dem Patienten in Rechnung.Als Beispiel: In: Kleine Zeitung vom 5. Oktober 2009. So wurde im Jahr 2008 jeder dritte Einsatz nicht von den Sozialversicherungsträgern bezahlt; aufgrund dieser ungelösten Finanzierungssituation hat der Christophorus Flugrettungsverein den Vertrag zum Betrieb der Rettungshubschrauber an den mit dem Innenministerium betriebenen Standorten zum Jahresende 2010 gekündigt.Turbulentes Jahr für ÖAMTC Flugrettung vom 6. Januar 2009 auf austrianwings.info, abgerufen am 5. November 2010. Bei den Neuausschreibungen der Verträge für die acht Standorte ist vom Innenministerium eine Eigenbeteiligung der Patienten vorgesehen,Andreas Wetz: Flugrettung: Patienten sollen künftig zahlen vom 8. Oktober 2010 bei Die Presse, abgerufen am 5. November 2010. die zusammen mit den Bundesländern Niederösterreich, Oberösterreich, Burgenland und Tirol betriebenen Standorte werden aus dem jeweiligen Landeshaushalt subventioniert. Aus sozialen Gründen lehnt der ÖAMTC die Rechnungslegung an Patienten ab und hat nach eigenen Angaben einen jährlichen Verlust von drei bis fünf Millionen Euro.
Für November 2019 wurde ein dritter Flugrettungsstützpunkt in der Steiermark angekündigt. Er wird in Sankt Michael in Obersteiermark eingerichtet und mit Christophorus 17 besetzt.Dritter Notarzthubschrauber-Stützpunkt fix auf ORF vom 4. April 2019, abgerufen am 4. April 2019.
Hubschrauber-Besatzung mini|Das Heck der EC 135 mit Krankentrage und Alpinausrüstung mini|Innenansicht des Patientenraums der EC 135 mini|Der NAH Christophorus 1 ist in Innsbruck stationiert
Neben dem Piloten besteht die Crew des Hubschraubers aus einem Notarzt, einem Notfallsanitäter des Roten Kreuzes oder der Berufsrettung Wien und je nach Einsatzart eventuell noch einem Flugretter der Bergrettung oder einem Alpinpolizisten. Die medizinischen Geräte und Sonderausstattungen an Bord der Hubschrauber entsprechen den aktuellen Standards und ermöglichen so auch spezielle Einsätze. Von den zwei Sitzen seitlich des Patienten ist es dem behandelnden Notarzt oder Notfallsanitäter möglich, den Zustand des Patienten zu überwachen und diesen weiter zu versorgen. Die Besatzung wird regelmäßig geschult, was bei Piloten jährliche Kosten von rund 15.000 Euro verursacht,Gnadenfrist im Streit um Flugrettung auf derstandard.at vom 19. November 2010, abgerufen am 27. Januar 2011. für die Bergrettung in alpinem Gelände sind die Besatzungen zu einer Bergrettungsausbildung und jährlichen Fortbildungen verpflichtet. auf www.bergrettung.at, abgerufen am 27. Januar 2011.
Die Besatzungen befinden sich täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang in Einsatzbereitschaft, frühester Dienstbeginn ist 6 Uhr morgens. Maximal drei Minuten nach Alarmierung zu einem Notfalleinsatz erfolgt der Start des Hubschraubers.
Fluggerät
Die Flotte besteht mittlerweile ausschließlich aus der von Eurocopter hergestellten EC 135 in verschiedenen Varianten beziehungsweise vom Nachfolgermodell H135. Die erste dieser Maschinen wurde im Jahr 1997 an den Christophorus Flugrettungsverein ausgeliefert (OE-XEA). Seitdem hat sich die Flotte auf einen Bestand von 31 Maschinen vergrößert (OE-XEA bis OE-XEZ exkl. der verkauften OE-XEB und OE-XEJ, der in Salzburg verunfallten OE-XEH und der an die ungarische Flugrettung verleasten OE-XES, -XET, -XEU, -XEV, -XEW und -XEX); sowie weiters die in der Flotte verbleibenden OE-XVA bis OE-XVJ, wobei die an die ungarische Flugrettung verleasten Hubschrauber bei ihrer Wiedereingliederung in die Flotte neue Registrierungen erhielten: aus OE-XES wurde OE-XVK, aus OE-XEU die OE-XVL, aus OE-XEW die OE-XVM und aus OE-XEX die OE-XVN. Der Verbleib von OE-XEV ist unbekannt, zuletzt trug die Maschine die ungarische Registrierung HA-ECE im Dienst der ungarischen Flugrettung. Der Christophorus Flugrettungsverein war bis 2006 weltweit größter privater Betreiber einer EC 135-Flotte. Mittlerweile (Stand August 2022) wurde die Flotte bei gleichbleibender Größe von 31 Maschinen etwas verjüngt und die OE-XEF auch ausgeschieden. Neu hinzugekommen sind die Airbus Helicopters H135 der neuesten Generation OE-XVP, -XVQ, -XVR, -XVS, -XVT, -XVU und -XVV.