Obercunnersdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Kottmar im Landkreis Görlitz und ein staatlich anerkannter Erholungsort. Das Ortsbild Obercunnersdorfs nordöstlich des Kottmars prägen über 250 Oberlausitzer Umgebindehäuser. Es trägt daher auch den Titel Denkmalort.
Geografie miniatur|Karte von Oberreit mit Obercunnersdorf um 1845 mini|Das Straßenbild wird bestimmt durch das außerordentlich dichte Ensemble von über 250 schiefergedeckten Umgebindehäusern
Der Ortsteil Obercunnersdorf erstreckt sich im Tal des Cunnersdorfer Wassers, etwa sieben Kilometer südlich von Löbau. Unmittelbar südlich des Ortes erhebt sich der 583 m hohe Kottmar, wo eine der 3 Spreequellen entspringt.
Geschichte Das Dorf Cunradisdorf bei Löbau wurde 1221 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort, ab der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde zwischen Neu-, Nieder- und Ober-Kunerßdorf unterschieden, gehörte zum Besitz des Bautzner Domkapitels. Die seit 1527 nachweisliche Pfarrkirche in Obercunnersdorf war von 1597 bis 1819 eine Filialkirche von Kottmarsdorf und unterstand dem Patronat des Domstiftes Bautzen. Heute sind die Kottmarsdorfer und Obercunnersdorfer Kirchen Schwesterkirchen, zu letzterer gehörte seit 1932 die Filialkirche Niedercunnersdorf. Zusammen bilden sie die Kirchgemeinde Sankt Barbara.
Das Waldhufendorf ist neben dem Zittauer Ortsteil Dittelsdorf für seinen reichhaltigen denkmalgeschützten Umgebindehausbestand bekannt und erhielt von der UNESCO den Ehrennamen Denkmalort. 1995 belegte Obercunnersdorf im Bundeswettbewerb der schönsten Dörfer den dritten Platz. Im Jahre 2001 wurde der Ort Sieger des Wettbewerbes „Entente Florale Europa“ der schönsten Blumendörfer Europas.
Obercunnersdorf ist spätestens seit 2006 staatlich anerkannter Erholungsort.Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit über die Liste der Sächsischen Kur- und Erholungsorte gemäß § 3 Abs. 5 SächsKurG vom 9. Februar 2006 (SächsABl. S. 185) auf: revosax.sachsen.de.
Ortsnamenformen 1306: „ambae Conradesdorpp“; 1399: „Kunersdorf superior“; 1399: „Kunirsdorff obirste“; 1419: „Conradstorff superior“; 15. Jh.: „Cunradistorff superior“; 1472: „Obirkunerßdorff“; 1547: „Ober Kunnerßdorff“; 1657: „Ober Cunnersdorff“; 1875: „Obercunnersdorf b. Löbau“
Verwaltungszugehörigkeit 1777: Bautzener Kreis, 1843: Landgerichtsbezirk Löbau, 1856: Gerichtsamt Löbau, 1875: Amtshauptmannschaft Löbau, 1952: Kreis Löbau, 1994: Landkreis Löbau-Zittau, 2008: Landkreis Görlitz
Die Gemeinde Obercunnersdorf, zu der seit dem 1. Januar 1999 der Ortsteil Kottmarsdorf gehörte,StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999 war ausführende Gemeinde der Verwaltungsgemeinschaft Obercunnersdorf, die sie mit der Nachbargemeinde Niedercunnersdorf bildete. Am 1. Januar 2013 fusionierten die Gemeinden Obercunnersdorf, Niedercunnersdorf und Eibau zur neuen Gemeinde Kottmar.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2013
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1777 25 besessene Mann,38 Gärtner, 305 Häusler 1834 2.975 1871 3.006 1890 2.660 1910 2.571 1925 2.600 1939 2.554 1946 2.951 1950 3.063 1964 2.738 1990 2.016 2000 2.376
Politik
Frühere Gemeindepartnerschaften Deggingen, Deutschland Świerzawa, Polen Die ehemalige Gemeinde Obercunnersdorf unterhielt Partnerschaften mit Deggingen in Deutschland und dem polnischen Świerzawa. Beide wurden als neue Partnerschaften der neuen Gemeinde Kottmar übernommen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Das Haus des Gastes – Touristeninformation
Die Dorfkirche Obercunnersdorf ist eine barocke langgestreckte Saalkirche mit Ausstattung aus dem späten 17. Jahrhundert.
Museen Eine kleine museale Sammlung befindet sich im Schunkelhaus in der Klippelgasse.
Die Museumsheimatstube im Bibliothekshaus erhielt im Jahre 2003 zur Erinnerung an das Obercunnersdorfer Original Heinz Leßmann (1903–1983; 1929–1975 ev. Pfarrer in Obercunnersdorf), den Namen „Pfarrer-Heinz-Leßmann-Stube“.
Freizeit- und Sportanlagen Der Ort hat seit 1997 ein Erlebnisbad, das durch Umbau des aus dem Jahre 1927 stammenden alten Nieder- und Obercunnersdorfer Freibades entstand. Das beheizte Freibad mit Hallenbereich und Dampfsauna ist von Mai bis Oktober geöffnet. Es besteht die Möglichkeit zu campen. Es gibt auch einen Sportplatz mit Tennisanlage.
Dazu gibt es im benachbarten Umfeld die Erikabaude, ein Gastlokal, welches im damaligen Tagebau Erika, heute Erikasee, abgebaut und am heutigen Standort wieder aufgebaut wurde, allerdings mittlerweile geschlossen ist.Webseite der Erikabaude, https://erikabaude.de/, abgerufen am 13. Januar 2020 Am 28. April 1999 wurde sie durch einen Brand auf Grund eines technischen Defekt vollständig zerstört und innerhalb eines Jahres wieder aufgebaut.
Persönlichkeiten Karl Eiffler (1896–1974), Maler Heinz Leßmann (1903–1983), 1929–1975 evangelischer Pfarrer Heinz Matthes (1927–1988), deutscher Politiker (SED) Gerhard Schnitter (* 1939), christlicher Liedermacher und Musiker
Lutz Clausnitzer (1949–2021), deutscher Astronomielehrer und Astronomiehistoriker; lebte zuletzt in Obercunnersdorf
Verkehr mini|Obercunnersdorfer Eisenbahnviadukt Am besten zu erreichen ist Obercunnersdorf über die neugebaute B 178n aus Löbau, die von Weißenberg bis Zittau verläuft. Die sächsische S 143 beginnt und endet hier, es verlaufen 4 Kreisstraßen durch den Ort. Die Bahnstrecke Zittau–Löbau durchquert das Dorf auf einem 340 m langen Viadukt und ist seit 2003 auf diesem Abschnitt stillgelegt.
Literatur
Film Obercunnersdorf – Große Liebe Umgebindehaus. Dokumentarfilm, Deutschland, 2017, 29:25 Min., Buch und Regie: Anne Mehler, Produktion: MDR, Reihe: Der Osten – Entdecke wo du lebst, Erstsendung: 16. Januar 2016 im MDR Fernsehen.
Weblinks
Website des Ortes
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Oberlausitz Kategorie:Ort im Landkreis Görlitz Kategorie:Staatlich anerkannter Erholungsort in Sachsen Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Görlitz) Kategorie:Waldhufendorf Kategorie:Ersterwähnung 1221 Kategorie:Gemeindeauflösung 2013 Kategorie:Geographie (Kottmar, Gemeinde)