1917 ist ein Kriegsfilm von Sam Mendes, der im Dezember 2019 in die US-amerikanischen und im Januar 2020 in die europäischen Kinos kam. Der Film folgt zwei Soldaten der britischen Armee, die 1917 während des Ersten Weltkrieges als Meldegänger an der Westfront einen dringenden Befehl in die vorderste Linie bringen sollen. Der Film ist ein One-Cut-Film, das heißt, er ist so gedreht und geschnitten, dass sich die Handlung von einigen Zeitsprüngen abgesehen wie in Echtzeit abspielt, auch wenn es sich nicht um einen One-Shot-Film handelt.

Bei der Oscarverleihung 2020 gewann der Film die Preise für die beste Kamera, den besten Ton und die besten visuellen Effekte. Darüber hinaus erhielt er weitere sieben Nominierungen, unter anderem als bester Film, Mendes für die beste Regie und gemeinsam mit Krysty Wilson-Cairns für das beste Originaldrehbuch.

Handlung Die Handlung spielt am 5. und 6. April 1917, dem Tag des (im Film ansonsten nicht erwähnten) Eintritts der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg,The true story behind the war film 1917. Commonwealth War Graves Commission, 18. September 2023 (englisch), abgerufen am 7. August 2025. im britischen Sektor der Westfront im Norden Frankreichs. Zwei britische Soldaten, die Lance Corporals Will(iam) Schofield und Tom Blake, erhalten den Befehl, eine dringende Nachricht an Colonel Mackenzie zu überbringen. Dieser steht kurz davor, mit dem II. Bataillon des Devonshire Regiment einen Angriff auf die Deutschen zu unternehmen, die sich nach seiner Kenntnis auf dem ungeordneten Rückzug befinden. Unterdessen hat die britische Heeresführung durch Luftaufklärung erfahren, dass es sich bei diesem Rückzug um eine Finte handelt (Unternehmen Alberich). In Wahrheit geht das Deutsche Heer auf die Siegfriedlinie zurück und erwartet dort in bestens ausgebauten Stellungen den britischen Angriff.

Somit ist der Angriff von Mackenzies Bataillon zum Scheitern verurteilt, von den 1600 Männern würden vermutlich nur wenige überleben. Blakes Bruder Joseph dient als Lieutenant in dem Bataillon, daher ist Tom äußerst motiviert, den Befehl zum Abbruch des Angriffs rechtzeitig zu übermitteln.

Als sie die deutschen Schützengräben erreichen, stellen sie fest, dass der Feind tatsächlich abgezogen ist. In einem unterirdischen Schlafsaal, den sie durchqueren, haben die Deutschen eine Sprengfalle hinterlassen, die durch eine Ratte ausgelöst wird. Bei der Explosion brechen Teile der Befestigung zusammen, Schofield wird verschüttet, kann aber durch seinen Kameraden gerettet werden.

Auf dem Weg durch das von den Deutschen verlassene Hinterland erreichen sie einen menschenleeren Bauernhof, wo sie den Luftkampf zwischen zwei britischen und einem deutschen Flugzeug beobachten. Das deutsche Flugzeug wird abgeschossen und stürzt unmittelbar in ein Stallgebäude auf dem Hof. Blake und Schofield retten den feindlichen Piloten aus dem brennenden Wrack. Während Schofield ihm Wasser holt, greift der Flieger Blake mit einem Messer an. Schofield erschießt den Deutschen, kann seinem Kameraden aber nicht mehr helfen. Blake verblutet in seinen Armen, wobei Schofield ihm verspricht, die Mission allein abzuschließen und Blakes Bruder vor der Falle der Deutschen zu bewahren.

Nachdem er zunächst von einer vorrückenden britischen Kompanie auf dem Mannschaftslastwagen mitgenommen wird, setzt er den Weg an einer für Fahrzeuge unpassierbaren Brücke allein fort. Dabei gerät er ins Visier eines deutschen Scharfschützen und wird beschossen. Es gelingt ihm, den Schützen in seinem Versteck aufzusuchen und zu töten. Dabei stürzt er von einer Treppe und bleibt mehrere Stunden bewusstlos liegen. Nachts muss er den zerstörten Ort Écoust durchqueren, wo sich noch deutsche Soldaten aufhalten. Auf der Flucht vor einem Wachposten versteckt er sich in einem Keller, wo er auf eine junge Französin trifft, die einen Säugling versorgt. Er schenkt der Frau seinen letzten Proviant und erhält von ihr eine Wegbeschreibung zu dem Wäldchen, wo er die Truppe von Colonel Mackenzie erreichen will. Er entkommt früh morgens aus dem Ort, muss aber auf der Flucht in einen reißenden Fluss springen und wird kilometerweit in den Wald hineingetragen, wo er völlig durchnässt auf die Nachhut Mackenzies trifft.

Das Bataillon steht unmittelbar davor, die erste Welle des geplanten Angriffs zu starten, was Schofield nicht mehr verhindern kann. Im Chaos des Sturmangriffs rennt er teilweise ohne Deckung durch das Niemandsland und erreicht schließlich den Unterstand von Mackenzie. Nach anfänglicher Abweisung kann er den Colonel dazu bringen, den von ihm überbrachten Befehl zu lesen. Mackenzie entscheidet daraufhin, den Angriff abzubrechen.

Anschließend erfährt Schofield, dass Blakes Bruder bei der ersten Welle des Angriffs war, und sucht ihn auf dem Verbandsplatz unter den Verwundeten. Schließlich trifft er Lieutenant Joseph Blake unverletzt dort an und kann ihm den Tod seines Bruders mitteilen und dessen persönliche Gegenstände übergeben.

Produktion Stab und Besetzung

mini|hochkant=0.8|Regisseur Sam Mendes Regie führte der Oscarpreisträger Sam Mendes, der gemeinsam mit Krysty Wilson-Cairns auch das Drehbuch schrieb. Es handelt sich um Mendes’ erste Arbeit als Drehbuchautor. In: mediabiz.de, 19. Juni 2018. und um die zweite Zusammenarbeit mit Wilson-Cairns, die bereits das Drehbuch für The Voyeur’s Motel schrieb. Nach Jarhead – Willkommen im Dreck handelt es sich um den zweiten Kriegsfilm von Mendes. Als Produzent fungierte Steven Spielberg mit seiner Firma Amblin Partners.Tim Seiffert: Erste Regiearbeit nach „James Bond“: Sam Mendes dreht Erster-Weltkrieg-Film „1917“. In: filmstarts.de, 19. Juni 2018. Mendes produzierte den Film zudem gemeinsam mit Pippa Harris, Jayne-Ann Tenggren und Callum McDougall.Megan Davies: Sherlock reunion announced for Sam Mendes’ new film. In: Digital Spy, 28. März 2019.

Der Film ist Sam Mendes’ Großvater Alfred H. Mendes gewidmet, einem Veteranen des Ersten Weltkriegs, der als Lance Corporal diente. Dieser hatte ihm viele Geschichten über seine Erlebnisse als Meldeläufer zwischen 1916 und 1918 erzählt.„1917“: Sam Mendes’ Abenteuerparcours im Niemandsland. In: Der Standard, 11. Januar 2020.Scott Simon: ‚It Was Part Of Me‘: Director Sam Mendes On The Family History In ‘1917’. In: ktep.org, 21. Dezember 2019.David Steinitz: Im Niemandsland. In: Süddeutsche Zeitung, 15. Januar 2020. Er war damals siebzehn Jahre alt, sei später Schriftsteller geworden und habe vier, fünf Bücher und eine Autobiografie geschrieben, in der er all seine persönlichen Kriegsgeschichten niederschrieb. Der Film versuche auf irgendeine Weise, den Opfern dieser verlorenen Generation Tribut zu zollen, so Mendes bei einer Vorstellung des Films in New York. Er fügte dem Film ein Zitat aus Erich Maria Remarques Roman Im Westen nichts Neues hinzu, der den Horror dieses brutalen Krieges deutlich machen will, in dem es heißt: „Wir haben so viel zu sagen, und wir werden es niemals sagen.“Brent Lang: Sam Mendes’ ‘1917’ Plunges Into the Oscar Race. In: Variety, 23. November 2019.

Seit Ende März 2019 war die Besetzung von Benedict Cumberbatch, Andrew Scott und einer Reihe weiterer Schauspieler bekannt. George MacKay und Dean-Charles Chapman übernahmen die Rollen der beiden Soldaten. In weiteren Rollen sind Richard Madden, Mark Strong, Daniel Mays, Adrian Scarborough, Jamie Parker, Nabhaan Rizwan, Claire Duburcq und Colin Firth zu sehen. Bei MacKay und Chapman in den Rollen von Lance Corporal William Schofield und Lance Corporal Tom Blake handele es sich um junge Schauspieler, die keine bekannten Stars sind, so Mendes. Eine Sache, auf die er bei 1917 mehr Wert gelegt habe als bei seinen anderen Filmen, sei die Bitte an die Schauspieler gewesen, die Geschichte wirklich zu durchleben, anstatt sie zu „spielen“. Auch die beiden Hauptdarsteller seien den von ihnen gespielten Figuren während der Dreharbeiten immer vertrauter geworden. Er habe sie hierfür angehalten, tagtäglich ausschließlich ihre Uniformen und ihre Gewehre zu tragen, damit es zu ihrer zweiten Natur wurde.

Dreharbeiten und Filmaufbau mini|Gedreht wurde unter anderem an den Govan Graving Docks in Glasgow Die Dreharbeiten wurden Anfang April 2019 begonnenDavid Katz: Sam Mendes begins shooting WWI epic ‘1917’. In: cineuropa.org, 9. April 2019. und fanden in England (darunter in der Salisbury Plain und am Low Force) und Schottland statt. Dort drehte man an den Govan Graving Docks in Glasgow.Gillian Loney: Govan Graving Docks transformed as Hollywood director Sam Mendes begins filming WWI epic 1917. In: glasgowlive.co.uk, 11. Juni 2019. Als Kameramann fungierte Roger Deakins.

Der Regisseur wollte, dass sich die Handlung in Echtzeit abspielt und der Laufzeit von 110 Minuten entspricht. Daher wurde der Film so gedreht, dass er wie ein kontinuierlicher Shot wirkt, unterbrochen nur durch eine mehrstündige Bewusstlosigkeit der Hauptfigur Schofield. Anders als bei Victoria wurden die beiden Teile aber nicht tatsächlich nonstop gedreht. Stattdessen wurden mehrere Szenen an verschiedenen Schauplätzen in zahllosen Probeläufen so lange durchgespielt, bis sie genau choreographiert aufgenommen und dann nahtlos aneinandergehängt werden konnten.Anke Sterneborg: 1917. In: epd Film, 23. Dezember 2019.

Wie Deakins erläuterte, hatte man entschieden, den Großteil des Films bei bedecktem Himmel zu drehen, um die visuelle Kontinuität zu wahren und den Eindruck eines ununterbrochenen Shots nicht zu zerstören. Bei sonnigem Wetter musste daher abgewartet werden, bis wieder Wolken aufzogen, bevor weitergedreht werden konnte. Während der Dreharbeiten arbeitete man mit zwei Drehbüchern, eines mit den Dialogen und Handlungspunkten und eines mit den Kamerabewegungen.Sam Mendes & Roger Deakins: 1917 wie One-Shot gedreht. In: moviejones.de, 1. Oktober 2019.Kate Erbland: ‘1917’: Sam Mendes Explains the ‘Emotional Choice’ to Design His War Epic As a Single-Take Drama. In: indiewire.com, 30. September 2019. Die Wahl, das ganze Geschehen als eine Art einzige kontinuierliche Einstellung zu inszenieren, sei der Überlegung geschuldet gewesen, das Publikum so stark wie irgend möglich in die realen Ereignisse der Reise, die die Figuren machen müssen, einzubeziehen, so Mendes.

Rüdiger Suchsland vom Filmdienst erklärt, auch wenn es keine erkennbaren Schnitte gebe, werde das Prinzip einer einzigen Kamera-Einstellung nicht komplett durchgehalten, wie sich an einigen „Sollbruchstellen“ wie Explosionen, Reißschwenks und Schwarzblenden zeige. Zudem breche Mendes den in der ersten Filmhälfte sehr konsequenten Naturalismus der Chronologie im zweiten Teil mehrfach, indem er die Nacht in Sekunden zum hellen Tag werden lässt, oder wenn ein offenkundig kilometerweiter Weg in Minuten zurückgelegt wird. Mitunter ähnele 1917 darin dramaturgisch einem Computerspiel. An anderen Stellen öffne sich der Film in expressiven, betont künstlich wirkenden Szenen hin zum Poetischen. Als Spielfilm zum Ersten Weltkrieg sei dieser Film ein Solitär; seine Haltung zum Krieg sei von den bekannten Mustern gleich weit entfernt: „Nicht Stahlgewitter, nicht Verklärung des Kriegs zur inneren Erlebnissteigerung, aber auch nicht Im Westen nichts Neues-Pazifismus findet sich hier. Mendes zeigt das Grauen des Krieges, zeigt ekelerregende Erlebnisse wie den Griff in die offene Wunde eines Toten, Tiere, die an Leichen knabbern.“ Mit seinem Drehkonzept und der Illusion einer einzigen Einstellung wollte Mendes erreichen, dass man sich als Zuschauer ganz unmittelbar anwesend fühlt und den beiden jungen Männern durch ein weitläufiges Panorama des Kriegsschauplatzes scheinbar auf Schritt und Tritt folgt.

Filmmusik und Sound