mini|hochkant|Großerzbischof Jossyf Kardinal Slipyj (1968) mini|hochkant|Wappen von Jossyf Kardinal Slipyj Jossyf Kardinal Slipyj (, wiss. Transliteration [Jossyf / Jossyp Iwanowytsch Slipyj]; * 17. Februar 1892 in Zazdrość/Sasdrist, Kreis Tarnopol, Galizien; † 7. September 1984 in Rom) war ein ukrainischer griechisch-katholischer Geistlicher. Er war ab 1944 Erzbischof und Metropolit von Lemberg. Im Zuge der Verfolgung seiner Kirche in der Sowjetunion war er von 1945 bis 1963 im Gulag in Sibirien interniert. Nach seiner Freilassung emigrierte er nach Rom und leitete von dort die ukrainische griechisch-katholische Kirche im Exil. Er wurde 1963 zum Großerzbischof und 1965 zum Kardinal der römisch-katholischen Kirche erhoben.

Leben Jossyf Slipyjs Geburtsort Sasdrist gehörte damals mit Galizien zu Österreich-Ungarn, heute liegt es in der Oblast Ternopil in der westlichen Ukraine. Nach dem Schulbesuch in Sasdrist und Ternopil erhielt er seine theologische und philosophische Ausbildung an der Universität Lemberg und am Canisianum in Innsbruck. Vom Lemberger griechisch-katholischen Erzbischof Andrej Scheptyzkyj empfing er am 30. September 1917 das Sakrament der Priesterweihe. Im Jahr darauf wurde er in Innsbruck zum Doktor der Theologie promoviert.

Anschließend arbeitete er als Seelsorger in der Erzdiözese Lemberg. Ab 1922 lehrte er als Theologieprofessor am griechisch-katholischen Seminar von Lemberg, 1926 wurde er dessen Rektor. Von 1922 bis 1939 gab er die vierteljährlich erscheinende theologische Zeitschrift Bohoslowia heraus. Er wurde 1928 Rektor der Theologischen Akademie in Lemberg. Unter Metropolit Andrej Scheptyzkyj gehörte Slipyj dem Krylos, dem Beratungs- und Verwaltungsgremium der Metropolie von Lemberg und Halitsch, an und gehörte als Archidiakon und später Mitrat zum engsten Gefolge des Metropoliten.

Nach dem Überfall NS-Deutschlands und der Sowjetunion auf Polen und der Besetzung der Westukraine durch die Rote Armee ernannte Papst Pius XII. Slipyj im November 1939 zum Titularerzbischof von Serrae und zum Koadjutor des Erzbistums Lemberg mit Nachfolgerecht. Die Bischofsweihe spendete ihm am 22. Dezember 1939 Erzbischof Andrej Scheptyzkyj, als Mitkonsekrator assistierten die Bischöfe Mykolaj Tscharnezkyj und Nikita Budka. Während der Besetzung der Ukraine durch deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg stand er unter polizeilicher Aufsicht; mehrfach wurde er von der Gestapo verhört.Russischer Kolonialismus in der Ukraine. Berichte und Dokumente. Ukrainischer Verlag, München 1962, S. 118.

Nach dem Tod Scheptyzkis wurde Jossyf Slipyj im November 1944 durch Nachfolgerecht Erzbischof von Lemberg. Zunächst behelligte ihn die sowjetische Geheimpolizei NKWD nicht. Wie der KGB-General Pawel Sudoplatow ein halbes Jahrhundert später berichtete, wollte die Sowjetführung das Klima vor der Konferenz von Jalta nicht belasten und vor allem die Vorwürfe aus dem Westen entkräften, dass in der Sowjetunion die ukrainischen Gläubigen verfolgt würden.Pavel Sudoplatov: Specoperacii. Lubjanka i Kreml‘ 1930–1950 gody. Moskau 1997, S. 377. Doch zwei Monate nach der Konferenz von Jalta, auf der die Westalliierten die Zugehörigkeit der im Herbst 1939 von Moskau annektierten Westukraine zur Sowjetunion akzeptierten, wurde Slipyj am 11. April 1945 verhaftet und nach Sibirien deportiert.Russischer Kolonialismus in der Ukraine. Berichte und Dokumente. Ukrainischer Verlag, München 1962, S. 117. Er kam 1963 frei. Seine Freilassung hatte Papst Johannes XXIII erwirkt, er hatte den Fall Slipyj bei einer Privataudienz für Alexei Adschubei, den Schwiegersohn des sowjetischen Parteichefs Nikita Chruschtschow, vorgebracht.Vatikan intim Der Spiegel, 4. November 1974.

Slipyj konnte über Moskau nach Rom ausreisen, wo er an den letzten drei Sitzungen des Zweiten Vatikanischen Konzils teilnahm. 1965 nahm ihn Papst Paul VI. als Kardinalpriester mit der Titelkirche Sant’Atanasio dei Greci in das Kardinalskollegium auf. In den Jahren seines Aufenthaltes in Rom war er maßgeblich am Aufbau der ukrainischen katholischen Universität in Rom und in anderen Ländern beteiligt. Obwohl 1963 seine Metropolie zum Großerzbistum aufgewertet wurde, blieb der im römischen Exil in späteren Jahren entwickelte Plan, sein uniertes ukrainisches Patriarchat zu errichten, ohne Erfolg.

Jossyf Slipyj starb am 7. September 1984 in Rom und wurde in der dortigen Basilika St. Sophia bestattet. Nach dem Ende des Kommunismus in der Sowjetunion wurde er 1991 öffentlich rehabilitiert, 1992 wurden seine sterblichen Überreste nach Lemberg überführt und in der dortigen Kathedrale bestattet.

Ehrungen Ehrendoktorat der Katholischen Universität von Amerika.

Am 20. Juni 2017 gab die Nationalbank der Ukraine zu seinen Ehren eine 2-₴-Gedenkmünze heraus.Herausragende Persönlichkeiten der Ukraine - Jossyf Slipyj, auf der Webpräsenz der Nationalbank der Ukraine

Fiktion Jossyf Slipyj war eine Inspiration für die Figur des fiktiven Lemberger Erzbischofs Kiril Lakota in Morris Wests Roman In den Schuhen des Fischers, der 1968 mit Anthony Quinn in der Hauptrolle verfilmt wurde. Der ukrainische Kardinal Kiril Lakota wird darin nach langjähriger Haft aus dem sowjetischen Gulag entlassen (so weit die Parallele zur Biographie Slipyjs) und kurz darauf überraschend zum Papst gewählt.Jaroslav Pelikan: Confessor Between East and West. A Portrait of Ukrainian Cardinal Josyf Slipyj. 1990, S. 217.

Literatur Jaroslav Pelikan: Confessor between East and West. A portrait of Ukrainian Cardinal Josyf Slipyj. Eerdmans, Grand Rapids MI 1990, ISBN 0-8028-3672-0.

Weblinks

„Ein Zeuge heroischer Treue“ – Erinnerung an Josyf Kardinal Slipyj Letzte Worte von Papst Johannes Paul II. beim Seelenamt für den verstorbenen Kardinal Slipyj (17. Oktober 1984) „Gefangener um Christi willen“ – Auszüge aus dem Testament von Josyf Kardinal Slipyj

Fußnoten

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