Eine Pelzzutatenhandlung, in Österreich Pelzzugehörhandlung, ist ein Großhandelsbetrieb und Zulieferer für die fellverarbeitenden Gewerbe, vor allem für die Kürschner und die Pelzindustrie. Charakteristisch für die Betriebe ist eine breite Lagerhaltung aller im pelzverarbeitenden Gewerbe benötigten direkten Pelzzutaten, aber auch der in der Branche verwendeten Chemikalien und Handwerkszeuge. Meist wurde sie in der Vergangenheit durch Reisende vertreten.

In geringerem Umfang hält die Pelzzutatenhandlung auch Schneidereizutaten vorrätig, wie auch die Schneiderbedarfs- und die Modistenbedarfs-Handlungen oft eine Auswahl des Kürschnerzubehörs führen. Außerdem werden Produkte für die Lederbekleidung herstellenden Betriebe angeboten.

Geschichte mini|Posamentenverschlüsse an einem Pelz aus Swakara- und Waschbärfell (2012) mini|Samtnerzjacke mit Leder, Reißverschluss und Schnallen (2008)

Den Leipziger Kürschnern war es 1711 untersagt, Pelzzutaten vorrätig zu halten, das heißt Posamenten, Knöpfe, Nadeln, Garne Stoffe, Golddraht und Silberdraht. Diese Zutaten waren bei sechs Kürschnerkollegen zu kaufen.Paul Schöps: Zur Entstehung des Handwerks. Manuskript S. 92. Kapitel Geschäfte der Zünfte und Zunftgenossen. S. 10, ohne Angabe der Primärquelle (Sammlung G. & C. Franke).

Als Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen wurde, Pelze mit dem Haar nach außen zu tragen, entstand ein vergrößerter Bedarf an speziellem Pelzzubehör. Wurde bisher schon eine außerordentlich große Auswahl an unterschiedlichem Zubehör für die Pelzgarnituren gebraucht, benötigte man jetzt vor allem auch Zutaten für Pelzjacken und Mäntel. Die Pelze wurden gegen Ausreißen mit leinenbindigen Stoffen und zum Wärmen mit Wattierungen pikiert. Es wurden besondere, stabile Pelzseiden eingefüttert, für die in Krefeld zwei darauf spezialisierte Seidenwebereien entstanden. die Firma G. Hollender Söhne (1842) und Peter Bircks & Cie. (1863). Als Verschlüsse dienten die gebräuchlichen Knöpfe oder Pelzknöpfe, die eine Holzform als Kern hatten. Holzformen brauchte man auch für die Köpfe der sehr in Mode gekommenen Pelzkolliers, zum Blocken der Muffe und modischer Pelzkappen und Hüte.

mini|links|Kürschnerwerkzeug Mitte 18. Jahrhundert Vereinzelte Pelzgroßhändler begannen, neben ihrem Fellangebot auch Pelzzutaten durch ihre reisenden Vertreter anzubieten. Der Pelz kam Anfang des 20. Jahrhunderts derart in Mode, dass es sich für einige kleinere Unternehmen lohnte, sich ganz auf das Zubehör zu spezialisieren und eine Pelzzutatenhandlung zu eröffnen.

Stellte der Kürschner des Mittelalters vor allem Innenfutter und Verbrämungen von winterlicher Stoffkleidung her, entwickelte er sich im 20. Jahrhundert mehr und mehr zu einem modeschaffenden Handwerker, ähnlich dem Schneider. Es verfeinerte sich das Handwerkszeug. Spannte er bisher seine Felle und die genähten Pelzfutter mit Hammer und Nägeln, benutzte er hierfür jetzt eine Zweckzange und extra Zwecknägel. Kürschnermesser nahmen eine handgerechte Form an, Roll- und Streckhölzer dienen seitdem zum Weichreiben des Leders. Großstädtische Kürschner schnitten sich die Klopfstücke zum Ausklopfen der Pelze nicht mehr selber. Die Chemie erfand spezielle Fette zur Weicherhaltung und Stabilisierung des Pelzleders und Lüster zur Verbesserung des Haarfalls. Viele weitere Zutaten und Hilfsmittel kamen hinzu, die einen zentralen Zulieferhandel mit permanenter Lagerhaltung bis heute sinnvoll machen. Der wesentliche Vorteil eines Zwischenhandels ist es zudem, dass er die Materialien in bedarfsgerechter kleiner Stückzahl oder Maß liefert, im Gegensatz zum oft nur größere Mengen abgebenden Fabrikanten.

Der im Konzentrationslager Auschwitz ermordete Rauchwarenkommissionär Philipp Manes berichtete, dass sein Vater bereits um 1900 als Vertreter für die Leipziger und Berliner Pelzzutatenindustrie in Berlin tätig war. Er erwähnte die beiden Firmen Karl Veith und Leo Nomis, die ihren Aufstieg Manes Vater verdankten. Später kam zu seinen Vertretungen die Pelzweberei Peter Bircks & Cie. aus Krefeld hinzu, „die nur für Kürschner ihre Erzeugnisse herstellte“.Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900–1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 3. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 212. (→ Inhaltsverzeichnis).

Der mechanische Betrieb Alfred Meyer & Co. aus Annaberg im Erzgebirge, Fachbetrieb für Posamenten und Dekorationsschnüre, bot um 1920 als hauptsächliche Spezialität „Fransen für Pelz-Confektion“ an. So wechselt auch bei den Kürschnerzulieferern das Angebot entsprechend der jeweiligen Mode.Alfred Meyer & Co., Annaberg im Erzgebirge, Fransen für Pelzkonfektion. Rechnung vom 7. Juli 1922. Im Pelz-Fachverzeichnis des Jahres 1938 für das Pelzhandelszentrum Leipziger Brühl und das Zentrum der Pelzkonfektion Berlin sind, neben Speziallieferanten, für Leipzig die Pelzzutatenhändler Otto Lösche und Krock & Pohling aufgeführt, beide auf der Reichsstraße, für Berlin Paul Kießling, SW 68, Schützenstraße 33 (erloschen 1984Neues aus dem Handelsregister - Löschungen (HRA 10.953, letzte Adresse: Kurfürstenstraße 23, Berlin 30). In: Winckelmann Pelzmarkt. Nr. 738, Frankfurt am Main, 23. März 1984, S. 15.), Fritz Quiess, C2, Niederwallstraße 21 und eine Hausnummer weiter, Anna Will, Niederwallstraße 22, noch unter der Rubrik „Pelzfurnituren“.Führer durch den Brühl und die Berliner Pelzbranche, Werner Kuhwald Verlag, Leipzig 1938, S. 150, 156, 181, 187. Die tüchtige Anna Will war es, laut Philipp Manes, die als erste Muffbeutel produzierte, bevor sie später ein Zutaten- und Fellgeschäft angliederte.Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900–1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 1. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 163 (Kollektion G. & C. Franke). Das 1904 gegründete Unternehmen bestand noch 1954 auf der Scharrenstraße 17 am Spittelmarkt, jetzt firmierend als „Arthur Will, vorm. Anna Will“.Inserat Arthur Will, Pelz-Zutaten aller Art. In: Zeitschrift Hermelin, Nr. 9–10. 1954, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin/Leipzig/Wien, S. 13.

Im Jahr 1953 verzeichnete der Winckelmann, über Jahrzehnte hinweg das Adressbuch der Pelzbranche und in vielen Länderausgaben erschienen, für die Bundesrepublik Deutschland zehn Betriebe für Pelzzutaten und Kürschnerwerkzeuge, daneben Speziallieferanten für Futterstoffe und Garne, Chemieprodukte, Knöpfe und Nadeln, Korbwaren Flechten, Mottenschutzbeutel und Maschinen. Nach einer wohl einmaligen Konjunktur der Pelzbekleidung waren es im Jahr 1981 etwa 35 Firmen, teilweise mit Lagern in mehreren Städten.

Pelzzutatenbetriebe siedelten sich besonders in und um die Großhandelplätze für Pelzfelle an, sei es in New York zwischen der 24. und der 31. Straße, bis in den Zweiten Weltkrieg am Leipziger Brühl und nach dem Krieg im Pelzhandelszentrum Frankfurt am Main, Niddastraße. Dort waren nicht nur die Rauchwarenhändler vertreten, sondern auch viele Kürschnerbetriebe, die Pelzhalbfabrikate herstellten oder für die Pelzkonfektion arbeiteten. Allein an der Niddastraße waren es sieben Pelzzutatenhandlungen.Sonja Gelzenleuchter: Das Frankfurter Pelzviertel als Beispiel eines monofunktional geprägten Stadtviertels. Diplomarbeit, Darmstadt, Juli 1983. Inhaltsverzeichnis.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das im Jahr 1946 gegründete Düsseldorfer Handelsgeschäft Karschierow & Barkowsky, bald als Gustav Karschinierow firmierend, zu dem herausragend größten Anbieter von Pelzzutaten. Hervorgegangen war das Unternehmen aus ehemaligen Mitarbeitern der Düsseldorfer Firma Ernst E. Heimann, Pelzfutterseiden.Geschäftliches. In: Rund um den Pelz Nr. 4, Köln, 20. April 1949, S. 25. Eine Zweigstelle befand sich in der, der Niddastraße benachbarten, Karlstraße 12.Winckelmann Deutschland. Fachadressbuch der Rauchwaren u. Pelzwirtschaft und des Kürschnerhandwerks, 81. Ausgabe, 1973, S. 203. Nach dem Tod des Vaters Gustav Karschinierow (* 1906 in Stuttgart) führte der Sohn Uriel Karschinierow (* 1938; † 2011) die Firma weiter. Zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt expandierte er das Unternehmen. Er übernahm die notleidende Pelzseidenweberei Peter Bircks & Cie. und ließ eine neue Lagerhalle errichten. Zu der Zeit begann der Pelzumsatz zu stagnieren, gleichzeitig hörten die Kürschner weitgehend, auf die klassischen Pelzseiden zu verarbeiten, sie wandten sich stattdessen modischen Synthetics aus der Textilbranche zu. In dem Trend, die Pelze immer leichter zu machen, wurden zudem immer weniger Zwischenmaterialien, wie Pikierstoffe oder Wattierungen verwendet. Uriel Karschinierow musste Konkurs anmelden, der Versuch der Mitarbeiter der ehemaligen Weberei Bircks diesen Geschäftszweig weiter zu führen, schlug ebenfalls fehl. In ganz geringem Umfang führte Uriel Karschinierow noch einen Pelzzutatenhandel weiter.commons:Category:Gustav Karschinierow.

Im Jahr 2018 bestanden in der Bundesrepublik noch drei Pelzzutatenhandlungen, von denen die Firma H. Espey in Gladbeck, Ruhrgebiet führend ist. Das Unternehmen entstand aus der Weiterführung der Firma M. & E. Gans, die etwa 1924 als Großhandel für Schneiderbedarf in Borken gegründet wurde. Später siedelte es nach Gladbeck um. Die Inhaber Gans waren Juden, über die Art und den Zeitpunkt der Übergabe (während der Zeit des Nationalsozialismus?) an Heinz Espey († 1996) scheint nichts mehr bekannt zu sein. Nach der Rückkehr von Heinz Espey nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb unter dem heutigen Namen weitergeführt. 1978 waren hier neun kaufmännische Angestellte, ein Auszubildender und zwei Hilfskräfte tätig.Betriebsunterlagen. Eingesehen am 30. Mai 2018. Etwa nach dieser Zeit wurden als wesentlicher Produktanteil die ersten Außenstoffe für die, von den Kürschnern Hüllen genannten, Übermäntel für Pelzinnenfutter, aufgenommen. 1980 wurde die Firma in eine GmbH umgewandelt, Geschäftsführer waren der bisherige Mitarbeiter Karl Hans Holtwiesche (bis 2002https://www.moneyhouse.de:/ Johannes Schröer aus Bottrop. Zuletzt abgerufen am 10. Juni 2018.) und, auch weiterhin, Johannes Schroer. Im Oktober 2017 wurde als 2. Geschäftsführer und künftiger Nachfolger der Sohn Carsten Schroer (* 1977) angekündigt.Nachfolge geregelt - Fachgroßhändler Espey stellt Weichen für die Zukunft. In: Pelzmarkt Newsletter 10/17, Oktober 2017, Deutscher Pelzverband e. V., Frankfurt am Main, S. 9–10.H. Espey auf Commons. 2022 übernahm H. Espey die Waren und Kunden der aufgelösten Pelzzutatenfirma von Eckhard Roesner aus Oberschleißheim, Textilingenieur und „Urgestein der Branche“, der auch Haken und Öse in eigener Produktion herstellte.Die H. Espey GmbH übernimmt Kunden und Waren der Firma Eckhard Roesner. In: Pelzmarkt Newsletter Nr. 5, Deutscher Pelzverband, Frankfurt am Main, 22. Mai 2022, S. 8. Mit dem Abnehmen der Pelzproduktion in Deutschland verlagerte sich der Schwerpunkt des Unternehmens auf den Schneidereibedarf.

In der DDR versorgte die Abteilung VEB Pelzzubehör des VEB Pelzhandel am Brühl, Leipzig - Messe- und Buchstadt. Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte. Letzte Änderung 7. November 2016. Abgerufen am 3. August 2017. um 1989 die insgesamt 400 einschlägigen Betriebe der DDR mit veredelten Fellen und mit Zubehör, darunter im Leipziger Raum 106 private Kürschnermeister und zwei leistungsstarke Produktionsgenossenschaften. Sie entstand aus der Zusammenlegung der Leipziger Zutatenfirmen F. Lösche, F. Reifferscheidt und Fr. Ernst Wieseler, alle drei mit Firmensitz auf der Nikolaistraße.Paul Schöps: Die Pelzwirtschaft der DDR. Undatiertes Originalmanuskript, S. 1, Sammlung G. & C. Franke.Winckelmann Fachadressbuch der Rauchwaren- und Pelzwirtschaft für Deutschland, 59 Ausgabe, 1950/51.