Diese Seite bietet einen Überblick über die Genealogie der Steinway-Flügel.

Geschichte Steinway & Sons fertigte in den ca. drei ersten Jahren ab 1853 ausschließlich Tafelklaviere. Diese waren in den USA noch weit länger im Gebrauch als in Europa, wo sie ab 1855 allmählich verschwanden und von den Hochklavieren, „uprights“, abgelöst wurden. Die Tafelklaviere erreichten auch in den USA mit den dreifach besaiteten und kreuzbesaiteten Versionen Größen, wie sie in Europa niemals gefertigt worden waren, und starben in den USA erst um 1900 aus – Steinway fertigte die letzten Tafelklaviere (manche sagen auch „Querflügel“) 1888.

Die ersten Flügel ab 1856 waren zunächst in der Konzertflügel-Größe (oberhalb 2,40 m, hier die ersten ca. 2,48 m lang). Anfangs waren sie noch gerade besaitet, d. h. noch nicht im Bass überkreuzt. Sie waren abgeleitet von dem damals weltweit als führend anerkannten Design der Firma Erard, Paris – die Konzertflügel, mit denen zum Beispiel Franz Liszt durch Europa tourte.

Die Flügel wurden in kurzer Zeit durch intensive Arbeit vorrangig der beiden „Henrys“, Vater Heinrich Engelhard Steinweg und sein technisch äußerst begabter dritter Sohn Henry Jr., verbessert und aus den Ursprüngen der Erard-Kopien in schneller Folge weiterentwickelt. Henry Steinway Jr. gilt, trotz seines frühen Todes mit nur 35 Jahren in 1865, als der Vater des modernen Flügels.

Henry Jr. und sein Vater bauten ab 1859 auch Flügel unterhalb der Konzert-Größe – die sogenannten Parlor Grands, Salonflügel für die bürgerliche Oberschicht. Sie hatten eine Länge von ca. 220 cm und waren die Vorläufer der ab 1878 mit dem Buchstaben „C“ klassifizierten Flügel. Die Konzertflügel wurden später mit dem Buchstaben D identifiziert. Frühe Identifikationen hießen „Styles“ und waren ein Mix aus Größenklassen und Gehäuse-Ausführungen.

Wesentliche Entwicklung von Henrys ältestem Bruder Theodor Steinweg, der nach Henrys Tod 1865 aus Deutschland nach New York zu Hilfe kommen musste, waren dann die Arbeiten des sogenannten „Vollpanzerung“, die Abdeckung des empfindlichen Stimmstocks durch die volle Gussplatte, sodann die Verbesserung der Spielmechanik, und die mit Hermann von Helmholtz zusammen entwickelte Duplexskala (ähnlich den Aliquot-Saiten beim AliquotflügelErich Valentin: Handbuch der Musikinstrumentenkunde. Mit Zeichnungen von Franz Mazura. Gustav Bosse, Regensburg 1954, S. 250.). Letzte Änderungen waren die 1874 für Albert Steinway, den jüngsten Bruder, in den USA nach-patentierte Sostenuto-Pedal, und die im März 1875 von Theodor eingeführten Pilotenschrauben, die das Abbauen des Mechanikgestells oberhalb der Tasten eminent erleichterte. Diese Entwicklungen resultierten in dem kurz vor Weihnachten 1875 fertiggestellten Konzertflügeltyp „Centennial D“, die dann im Wettbewerb der Klavierbauer auf der „Centennial“-Weltausstellung in Philadelphia 1876 zur Feier der einhundertjährigen US-Verfassung die Preise erhielten.

1878 wurden zwei kleinere Flügeltypen auf die gleiche technische Basis gestellt, „Vollpanzer“, d. h. der Stimmstock ist unter der Gussplatte abgedeckt, Duplexskala, die verbesserte Spielmechanik und das Sostenuto. Diese Flügeltypen wurden „B“ (ca. 210 cm) und „A“ (ca. 182 cm) genannt.

Mit ihnen ging die allmähliche Ablösung des aus Holzplanken „segmentiert“ gebauten Gehäuses einher; Theodor hatte die im Möbelbau schon bekannte Gehäusefertigung in verleimten Dickten-Schichten, dicke Furniere, so adaptiert, dass ab 1878 zunächst die kleineren Flügelgehäuse der Modelle A und B in dieser Weise gefertigt wurden. Damit wurden erhebliche Kosten gespart und Ausschuss vermieden. Die Umstellung der größeren Flügel C und D vom constructed case (zusammengebautes Gehäuse) auf den sogenannten Rim erfolgte dann 1880.

Noch immer aber waren die C-Flügel eine alte Konstruktion der beiden „Henrys“ – Theodor Steinway, der nach Henry Jr. verantwortliche Techniker der Weiterentwicklung, mochte diese Flügel überhaupt nicht. Sie waren ihm weitaus zu aufwendig gefertigt. Theodor hatte schon vor 1865, von Deutschland aus in Briefverkehren mit Vater und Brüdern immer darauf hin zu wirken getrachtet, dass Steinway in die Fertigung von Hoch-Klavieren gehe und preiswertere Klaviere und Flügel ins Angebot nehme. Als er 1865 dann seiner Familie nach New York zu Hilfe kommen musste, brachte Theo sowohl vorbereitete Klavierkonstruktionen als auch mehrere Mitarbeiter seiner Braunschweiger Werkstatt mit.

Mit der Gestattung durch William, seinen jüngeren Bruder, Hauptanteilseigner und Chef des Unternehmens, ging Theo daran, die komplette Flügelfertigung in seinem Sinn umzugestalten. Die alten Designs von Vater Heinrich und Bruder Henry sollten verschwinden. Theo baute den C-Flügel noch auf den Rim um und spendierte ihm eine Vollplatte mit Stimmstockabdeckung. Immer noch aber hatte der Salonflügel C (Parlor Grand) nur 85 Tasten.

Eine der Änderungen, die sehr früh schon auf Theo Steinways Einfluss zurückgehen, war die wahlweise Lieferung einfacher gestalteter, schwarz seidenmatt lackierter Flügel ohne Palisander-Furnier, ohne die bis dato für Privatkunden gedachten Schnitzverzierungen und Bordüren – das Design plain, also schlicht und glatt. Zuvor waren ausnahmslos alle Flügel (und die Tafelklaviere) in braunen Hölzern furniert, zumeist „Rosewood“ (Palisander), und mit umfangreichen geschnitzten Bordüren sowie mit kunstvoll gestalteten, geschnitzten Beinen in S-Form („Löwentatzen“) ausgestattet. Das neue „glatte“ Design war mindestens bei den Salonflügeln ab ca. 1866 lieferbar. Die seidenmatte Lackierung wurden in mehreren Bürsten-Gängen aufgetragen, mindestens sieben Schichten, die jeweils drei bis vier Tage zum Trocknen benötigten. Die letzten zwei Schichten wurden nur von den erfahrensten Lackierern aufgebracht, kurz vor der Auslieferung. Zu jeder Zeit einer hohen Nachfrage waren in der Endfertigung bei Steinway bis zur Änderung auf Nitro-Lacke immer ca. 500 bis 600 Flügel und Klaviere allein zum Trocknen gelagert.

Theo Steinway arbeitete den Centennial-Flügel in den Jahren vor 1884 um zu einem erheblich leichteren Instrument, was Vorteile beim Bühnen-Handling bietet. Er änderte das alte, symmetrische Layout der fünf Saitenfelder von 17-18-18-18-17 Tönen pro Saitenfeld auf 20 Basstöne ab. Centennial D sind markant an den auch noch kupfer-umsponnenen unterkreuzten ersten sechs Tenortönen zu erkennen, die der moderne D-Flügel ab 1884 nicht mehr hat. Theo erleichterte auch wesentlich die eminent starke Gussplatte des Centennial-Flügels. Sein 1884 erschienener D-Flügel war dann fast 200 Kilogramm leichter geworden, im Vergleich zum Siegerflügel der Weltausstellung – unter Beibehalt der mit dem Centennial D erzielten Klangqualität. Man erkennt den Unterschied in der Seitenansicht daran, dass die Gehäuse der frühen Konzertflügel einschließlich des Centennial D eine Unterkante auf einem Niveau haben, derweilen der neuere Steinway D-274 nach hinten gestuft ist, das Gehäuse wird schlanker hinter der Spielmechanik, die Unterkante des Gehäuses nach oben versetzt. Der D-Flügeltyp von 1884 ist auch heute noch – fast unverändert, mit nur kleinen Detailmodifikationen – das Flaggschiff des Unternehmens.

Letzte Entwicklungsarbeit von Theodor Steinway war dann der zwei Jahre später erstmals mit den vollen 88 Tasten herausgekommene Flügeltyp C-227, der den vorigen „Parlor Grand“ 220 cm ablöste, der allerdings seit 1878 auch schon „C“ genannt worden war. Mit dem neuen C-227-Flügel betrachtete Theo seine Arbeit für New York als beendet, er zog sich nach Braunschweig zurück und starb dort drei Jahre später.

Aus den Jahren 1878 bis ca. 1930 gibt es eine Mehrzahl vor allem von A-Varianten auch mit im Detail unterschiedlicher Klanganlage. Größte Wertschätzung unter allen A erlangte die Variante A-3 mit 194 cm Gehäuselänge, die allerdings in den Verkäufen offensichtlich die teurere B-211-Größe zu sehr kannibalisierte und daher aus dem Programm genommen wurde.

Theo Steinways Neffe Henry Ziegler, Sohn seiner Schwester Dorothea (Doretta), war seit langen Jahren schon Theos Vertrauter und Rechte Hand gewesen. Erste eigenständige Arbeit des neuen Entwicklungs-Chefs Ziegler nach Theos Tod 1889 war die Erweiterung der „kleinen“ Flügelgrößen A und B von 85 Tasten auf 88, der in den Jahren 1892/93 stattfand. Seither schielt die Welt der Steinway-Käufer darauf, ob ein Flügel die vollen 88 Tasten hat, oder nur die vorigen 85.

In weiterer Folge entwickelte Henry Ziegler einen noch kleineren Flügel, der unter dem abweichenden Buchstaben „O“ dann 1900 herauskam. Ziegler nannte diese Entwicklung „Miniature Design“. Aus dem O-Design wurden später weitere Verkürzungen abgeleitet, die die Aufteilung der Saitenfelder jedoch mit dem O-Flügel ident hatten. Mit den Größen M-170 (1911) und dann S-155 (1935) wurde die untere Grenze erreicht, die als „echte Steinway-Flügel“ gelten – im Gegensatz zu den heutigen Boston- und Essex-Flügeln günstigerer Preislagen, die hier in dieser Auflistung der Genealogie der Steinway-Flügel keine Rolle spielen.

Es gibt somit zunächst eine zeitliche Entwicklung von großen zu kleineren Flügeln. Erst gab es nur eine Größe, den Konzertflügel. Dann gab es zwei Größen, den Konzertflügel und den Salonflügel, dann die kleineren A- und B-Größen, sämtlich Arbeiten, die bis 1886 abgeschlossen waren. Sodann gab es zusätzlich nach 1900 die drei Typen noch kleinerer Flügel O, M und S des „Miniature Designs“. Dem O-Typ im Wechsel hinzugesellt wurde noch der Typ L, der eine Version des O mit verbreitertem Flügelende und besseren Klangeigenschaften ist und nur in New York phasenweise gefertigt wurde. Im Gegensatz hierzu ist der heutige C-227 ein Flügel, der seit Langem nur noch in Hamburg hergestellt wird.

im Wesentlichen sind dies drei Klassen Steinway-Flügel, die sich an Merkmalen ihrer Klaviatur-Aufteilung und Aufteilung der Saitenfelder unterscheiden, und die innerhalb ihrer Klassen auf die gleichen Spielmechaniken, Klaviaturen zurückgreifen.

Typ Größe Saitenfelder Basstöne Klaviatur D 274 5 20 CD C 227 B 211 4 20 AB A 188 O / L 180 4 26 OMS M 170 S 155

Von den Typen M und O wurden dann in der Zusammenarbeit mit den Anbietern von Player-Roll-Pianos Flügel bei Steinway & Sons vorgefertigt, die im Wesentlichen aus der Klanganlage des M und dem etwas längeren Gehäuse des O bestanden, um Platz zu geben für den Einbau der pneumatischen Spieleinheit zwischen Klaviatur und Klanganlage. Die Spielmechaniken erhielten wesentlich längere Tasten in Konzertflügellänge, jedoch nachteiligerweise eine Ansteuerung der Fänger, die die Spieleigenschaften beim Selbstspiel ohne Pneumatik verschlechtern.

Die folgende Liste der Entwicklung der Flügel über die Jahre ist grob nach den Ären der jeweiligen Firmenpräsidenten und -Eigentümer geordnet.

Flügeländerungen nach Jahren Hinweise A, B, C, D sind Flügelgrößen, entsprechend ca. 188, 211, 227, 274 cm Länge. Konzertflügel sind bei Steinway Flügel mit Längen von ca. 248–274 cm im Serienbau. Parlor Grands sind ca. 220 cm lang. Die Hamburger Fertigung unterscheidet sich mit teils kleinen Abweichungen von der Produktion in New York. SN# = Seriennummer aus dem Number Book, der kontinuierlichen Aufschreibung der Nummernvergabe bei der Endfertigung kurz vor Lieferung. Die in den Tabellen angegebenen Nummern wurden irgendwann im Lauf des jeweiligen Kalenderjahres erreicht.

Überblick: Meilensteine