mini|Mehrere Orte in und um die japanische Stadt Ōgaki dienen als Handlungsschauplatz in A Silent Voice. A Silent Voice (Tagline: The Movie, Originaltitel: , übersetzbar als Die Form der Stimme – Der FilmPeter Bradshaw: The Guardian: A Silent Voice review – a beguiling Japanese coming-of-age animation, Alternativtitel: The Shape of Voice) ist eine japanische Comicverfilmung des gleichnamigen Mangas der Zeichnerin Yoshitoki Ōima. Regie führte Naoko Yamada, die Animationsarbeiten wurden von Studio Kyōto Animation ausgeführt und der Vertrieb erfolgte durch Shōchiku. Der Film kam am 17. September 2016 in die japanischen Kinos.
Das Drama erzählt die Geschichte des Oberschülers Shōya Ishida, der in seiner Grundschulzeit der Mitschülerin Shōko Nishimiya wegen ihrer Gehörlosigkeit das Leben schwermachte, nach deren Schulwechsel jedoch selbst zum Ziel von Mobbingattacken wurde. Voller Reue nimmt er einige Jahre später wieder Kontakt zu Shōko auf, wodurch er weitere alte und auch neue Freunde trifft. Der Handlungsverlauf konzentriert sich dabei in besonderer Weise auf den Umgang mit Schuldgefühlen und deren Aufarbeitung. Wie bei der Mangaserie auch wurde in der filmischen Umsetzung darauf geachtet, die Richtlinien des japanischen Gehörlosenbundes zu befolgen.
A Silent Voice erhielt durch Rezensenten überwiegend positive Bewertungen und wurde mehrfach ausgezeichnet. Der Film entwickelte sich auch in einigen Ländern außerhalb Japans zu einem kommerziellen Erfolg. Im deutschsprachigen Raum erfolgte die Erstaufführung am 25. Mai 2017 als Original mit englischen Untertiteln; die deutschsprachige Kinopremiere erfolgte wenig später am 26. September 2017. Der Verleger Kazé Anime veröffentlichte die deutsche Version des Films auf Blu-ray, DVD und als VoD-Stream. Die deutschsprachige Erstausstrahlung erfolgte am 10. Juni 2019 auf sixx.Robin Hirsch: sixx zeigt drei Anime-Filme am Pfingstmontag. In: Anime2You.de. 28. Mai 2019, abgerufen am 28. Mai 2019.
Handlung Der Oberschüler Shōya Ishida hat seinen gesamten Besitz verkauft, um das Geld seiner Mutter zu überlassen, und hat vor, Suizid zu begehen. Im letzten Moment besinnt er sich und denkt an seine Zeit an der Grundschule zurück, die ihn in diese Situation gebracht hat.
Zu dieser Zeit ist Shōya ein gleichgültiges Kind, das mit Streichen seine Langeweile vertreibt. Als die gehörlose Shōko Nishimiya neu in seine Klasse kommt und mit den anderen Kindern über ein Notizbuch zu kommunizieren versucht, weckt das Shōyas Interesse. Trotz ihrer Einschränkung versucht Shōko ein normales Schulleben zu führen und mit ihren Mitschülern in Kontakt zu treten. Ihre Mitschüler und Lehrer glauben aber, dass ihre Anwesenheit das soziale Gefüge der Klassengemeinschaft stört, und Shōya beginnt, die neue Mitschülerin zu mobben.
Zunächst bleibt es bei Beleidigungen und Ausgrenzung, was andere Mitschüler unterstützen oder nichts dagegen unternehmen; später folgen körperliche Auseinandersetzungen, bei denen Shōya die Hörgeräte seines Opfers mutwillig zerstört. Als die Situation zum Schulrektor gelangt, wird Shōya als alleiniger Täter ausgemacht. Er nennt einige seiner Mitschüler als Komplizen. Die jedoch streiten eine Beteiligung am Mobbing ab. Nun richtet sich die Abneigung der Mitschüler auch gegen Shōya selbst, und sie beginnen alsbald damit, ihn fertig zu machen. Nachdem er von seinen Klassenkameraden in einen Brunnen geworfen worden ist, findet er das Notizbuch von Shōko wieder, das er selbst dort hinein geworfen hat. Er macht Shōko für seine derzeitige Situation verantwortlich, und nachdem er herausgefunden hat, dass sie etwas mit seinem Tisch gemacht hat, geraten beide in einen heftigen Streit, infolge dessen Shōko die Schule wechselt. Shoya erfährt schließlich, dass sie hasserfüllte Kommentare, die seine Mitschüler mit Kreide auf den Tisch geschrieben hatten, wegwischte, und findet sich nun selbst in der Rolle des gequälten Außenseiters wieder.
In der Oberschule wird Shōya nach wie vor gemieden und akzeptiert seine Vergangenheit als Bestrafung. Voller Schuld und Angst beginnt er, sich von der Gesellschaft zu isolieren und sämtliche Gesichter um sich herum auszublenden, da er nicht in der Lage ist, seinen Mitmenschen ins Gesicht zu sehen. Trotz seiner Isolation freundet sich Tomohiro Nagatsuka, ebenfalls ein Einzelgänger, mit ihm an und bezeichnet Shōya schnell als seinen großen Freund. Shōya, der in der Zwischenzeit selbst die Gebärdensprache erlernt hat, besucht das Gebärdensprachzentrum, um Shōko ihr Notizbuch zurückzugeben, in der Hoffnung, das Vergangene wiedergutmachen zu können. Als sie Shōya im Gebäude zufällig über den Weg läuft, rennt sie vor ihm davon. Shōya rennt ihr hinterher. Als er sie eingeholt hat, versucht er ihr über Gebärden mitzuteilen, dass er keine böswillige Absicht habe und ihr lediglich das Notizbuch – mit der Bemerkung nicht hineinzuschauen – zurückgeben wolle. Die beiden beginnen sich auf der Suimon-Brücke zu treffen, um die Koikarpfen dort mit Brot zu füttern.Interview mit Mutsuo Shinohara (Art Director). In: A Silent Voice – Deluxe Edition. VIZ Media Switzerland SA (Kazé Anime), Berlin 2018, EAN 7630017513557. mini|links|Die Kois, ein wichtiges Motiv im Film. Shōko wird oft von ihrer jüngeren Schwester Yuzuru abgeholt, die an Shōyas guten Absichten zweifelt und die er, wegen ihres jungenhaften Aussehens, zunächst für Shōkos Freund hält. Als Shōya hinter Shōko von der Suimon-Brücke in den Fluss springt, um das Notizbuch herauszuholen, teilt Yuzuru ein Bild in den sozialen Netzwerken, wodurch Shōya einen Schulverweis erhält. Als er die Tochter seiner älteren Schwester vom Spielplatz abholen soll, trifft er auf Yuzuru, die sich dort versteckt hält. Yuzuru offenbart, dass sie das Bild ins Netz gestellt hat; doch anstatt wütend zu sein, bringt er sie zu sich nach Hause. Als sie mitten in der Nacht das Haus verlässt, folgt Shōya ihr und gibt ihr zu verstehen, dass er ernsthafte Reue für die vergangenen Geschehnisse mit Shōko empfindet. Yuzurus Mutter, die nach wie vor eine Abneigung gegen Shōya empfindet, kommt ihnen entgegen, verpasst Shōya eine Ohrfeige und nimmt Yuzuru mit nach Hause. Daheim angekommen verbietet sie Yuzuru und Shōko weitere Treffen mit Shōya.
Dennoch treffen sie sich weiterhin an der Brücke. Gemeinsam machen sie auch ihre alten Klassenkameraden aus der Grundschule ausfindig, die fortan beginnen, sich an der Brücke zu treffen. Über Miki Kawai, eine Mitschülerin aus Shōyas Grund- und Oberschulklasse, erfährt er, dass Miyoko Sahara und Naoka Ueno inzwischen eine Mädchenschule besuchen. Über Miki lernt Shōya zudem den Oberschüler Satoshi Mashiba kennen, der sich mit ihm anfreunden will. Am Bahnhof treffen er und Shōko zufällig auf Miyoko, die sich an die beiden erinnert. Etwas später trifft er auf Naoka, die an Passanten Rabattmarken für ein Katzencafé verteilt. Angestachelt von Tomohiro betritt Shōya das Café, in dem seine ehemalige Mitschülerin arbeitet. Diese versteckt sich aber zunächst vor ihm. Eine Tasche aus dem Café schenkt er Shōko, mit der er erneut auf Naoka trifft. Die will Shōko wieder einen Streich spielen und reißt ihr Hörgerät heraus, das Shōya daraufhin an sich nimmt, Shōko zurückgibt und sich bei ihr für Naoka entschuldigt.
Eines Tages überreicht Shōko Shōya ein Geschenk und möchte ihm ihre Gefühle offenbaren. Da sie versucht zu sprechen, anstatt Gebärden zu benutzen, kann Shōya sie nicht richtig deuten. Sie beginnt zu weinen und läuft nach Hause. Besorgt, dass sie aufgrund des Missverständnisses erschüttert ist, lädt er Shōko ein, gemeinsam mit seinen Klassenkameraden einen Vergnügungspark zu besuchen. Dort gibt Naoka Shōko ihre Ansichten zu verstehen. Sie macht Shōko dafür verantwortlich, dass Shōya später von der übrigen Klasse schikaniert wurde. Um weiterhin schuldlos wegen Shōkos Mobbing zu sein, entlarvt Miki Kawai Shōya vor den anderen Freunden als damaligen Täter, während sie ihre damalige Beteiligung herunterspielt. Der Streit der Gruppe über die Verantwortung jedes damals Beteiligten eskaliert, bis Shōya jedem Einzelnen seine Meinung sagt und sich die Gruppe daraufhin trennt.
Um Shōko nach dem Tod ihrer Großmutter aufzumuntern, beschließt Shōya, mit ihr aufs Land zu fahren, wo er erstmals feststellen muss, wie sehr sie sich selbst die Schuld für das gibt, was Shōya in der Grundschule widerfahren ist. Um sie zu beruhigen und ihre Gefühle ihm gegenüber zu ändern, trifft er sich weiterhin mit den beiden Schwestern. Während eines großen Feuerwerks verlässt Shōko das Gelände und geht nach Hause. Um Yuzurus Kamera zu holen, folgt Shōya ihr kurz darauf und sieht Shōko, die sich vom Balkon stürzen will. Er schafft es, sie heraufzuziehen, stürzt aber selbst hinunter und fällt ins Koma.
Während Shōya im Krankenhaus liegt, träumt Shōko davon, dass er sie zum Abschied besucht. Sie schreckt auf, eilt zu der Brücke, wo sie die Karpfen gefüttert haben, und bricht in Tränen aus. Zur selben Zeit erwacht Shōya aus dem Koma, gerät in Panik und geht zur Brücke. Dort entschuldigt er sich für alles, was er ihr angetan hat, und bittet sie, ihm dabei zu helfen, weiterzuleben. Als er gemeinsam mit Shōko das Schulfest besucht, findet er heraus, dass sich seine damaligen Mitschüler nach wie vor um ihn sorgen, und versöhnt sich mit allen. Während des Fests schafft es Shōya, seine Vergangenheit zu überwinden und den anderen Menschen in ihre Gesichter zu blicken.
Produktion
Entstehungsgeschichte Eine Umsetzung des gleichnamigen Mangas wurde im letzten Band der Serie am 19. November 2014 erstmals angekündigt. Etwa einen Monat später wurde bekannt, dass die Umsetzung in Form eines Kinofilms erfolgen werde. Im Oktober des Jahres 2015 wurden in der 46. Ausgabe des Shōnen Magazine Kyōto Animation als verantwortliches Studio und Naoko Yamada als Regisseurin bekanntgegeben. Der Vertrieb des Films, Shōchiku, listete den Film für eine Veröffentlichung im letzten Quartal des Jahres 2016. Während der Produktion war Mangaka Yoshitoki Ōima durch gemeinsame Meetings am Entstehungsprozess beteiligt.
Im April des Jahres 2016 ging die offizielle Webpräsenz online. Auf dieser Website wurden Reiko Yoshida und Futoshi Nishiya als Verantwortliche für das Drehbuch bzw. für das Charakterdesign genannt. Auch wurde der Film für den 17. September 2016 angekündigt.
Bei der Erarbeitung des Films waren auch Gebärdensprachdolmetscher, die bei der Verwendung der Gebärdensprache im Film halfen, während der Produktion anwesend. In einem Interview mit der AnimaniA erzählte Yamada, dass in der Nähe der Produktionsfirma Gebärdensprachseminare abgehalten wurden, von denen sie einige besuchte. Dadurch kam der Kontakt zu Gebärdensprachdolmetschern zustande. Die Arbeit am Storyboard und die Komposition der Filmmusik fanden zur gleichen Zeit statt. Bei der Film-Umsetzung wurde wie beim Manga darauf geachtet, die Richtlinien des japanischen Gehörlosenbundes zu befolgen.
Storyboard Beim Erarbeiten des Grundgerüstes für das spätere Drehbuch fanden zwischen Regisseurin Naoko Yamada und Reiko Yoshida zunächst grobe Gespräche über das Filmkonzept statt, in dessen Folge Elemente für den Film ausgewählt bzw. aussortiert wurden. Yoshida erstellte aus dem Material ein grobes Gerüst, das von Yamada angepasst wurde. Danach wurde ein Skript erarbeitet, wobei Yamada die Texte mit dem Film abgeglichen habe, um eine Harmonie zwischen Film und der Vorlage zu erzeugen. Yamada erklärte, beim Erarbeiten des Films darauf geachtet zu haben, wie sie die Gefühle der Charaktere darstelle. Dabei meinte sie nicht, zu zeigen, was man an der Oberfläche sehe, sondern das vorsichtige und langsame Hervorheben von Gefühlen wie Liebe und Aufrichtigkeit, die tief im Menschen verborgen liegen.