August Abramović Ritter von Adelburg (auch August d’Adelburg; * 1. November 1830 in Pera, Konstantinopel; † 20. Oktober 1873 in Wien)Keil: Europa. Keil, 1873, S. 713 (). war ein Geiger und Komponist. Er hatte deutsch-ungarisch-kroatische Wurzeln.Marijan Bobinac, Theodor Körner im kroatischen Theater, in: Marijan Bobinac, Porträts und Konstellationen 1. Deutschsprachig-kroatische Literaturbeziehungen, in: Zagreber Germanistische Beiträge 11, 2002, S. 59–96 (Digitalisat).

Leben Familie und Kindheit, 1833 bis 1850 Sein Vater war der Orientalist, Botaniker und Diplomat Eduard von Abramovicz-Adelburg (1804–1856). Er gehörte der alten kroatischen Adelsfamilie Abramović an. Während dessen Dienstzeit als erster österreichischer Dolmetsch bei der Hohen Pforte in Konstantinopel wurde August von Adelburg dort geboren. Seine Mutter war die Gräfin Helene von Franchini, deren Vater ebendort als kaiserlich-russischer Staatsrat erster russischer Dolmetsch war. Sie starb bei seiner Geburt. Die ersten neun Jahre verbrachte er in Konstantinopel und erlernte dort die griechische Sprache als Muttersprache. Ab dem Alter von fünf Jahren erhielt er Musikunterricht, ab sieben den ersten Violinunterricht. Er erhielt noch ein halbes Jahr Violinunterricht und schrieb erste Sonetten für Violine und Klavier, bevor sein Vater mit seiner Familie nach Wien abberufen wurde. Dort besuchte er in den nächsten elf Jahren die k. u. k. Theresianische Ritterakademie. 1849 verließ er trotz sehr guter Leistungen gegen die Pläne seiner Eltern, die eine diplomatische Laufbahn befürworteten, die Akademie, um sich ganz der Musik zu widmen.

Musikalische Ausbildung und erste Jahre als Solist und Komponist, 1850 bis 1859 Er studierte jetzt bei Joseph Mayseder Violine und bei Joachim Johann Hoffmann (1786–1856) Komposition.Anmerkung zu einem Porträt Mayseders auf www.gettyimages.de Im Oktober 1854 beendete er zunächst seine Ausbildung und ging in Familienangelegenheiten nach Konstantinopel. Nachdem er schon in Wien als Geiger in kleinen Kreisen konzertiert hatte, gab er in Konstantinopel drei Konzerte mit Orchester. Von hier reiste er nach Smyrna, wo er auch konzertierte. Er knüpfte Kontakte nach Leipzig, ging aber zuerst für zwei Monate nach Wien. Ende November 1855 kam er das erste Mal nach Leipzig. Hier trat er das erste Mal in die große Öffentlichkeit und gab am 16. Dezember um 11.00 Uhr im Gewandhaus unter Julius Rietz in einer Matinee sein Debüt in Europa. Auf dem Programm standen eigene Kompositionen, der erste Satz des Concert dramatique für Violine und Orchester op.65, seine Violinsonate op. 76 und Le streghe op. 8 von Niccolo Paganini. Sowohl seinem Violinspiel als auch seinen Kompositionen wurden von Kritikern Talent zuerkannt, aber noch Unfertigkeit in der Ausbildung kritisiert.

Am 1. Januar 1856 konzertierte er im großherzoglichen Residenzschloss in Weimar unter Leitung von Franz Liszt wieder mit Le streghe. Am 7. Februar spielte er auf dem Hradschin in Prag vor Kaiser Ferdinand I. mit Kapellmeister Jan Nepomuk Škroup.Schott: Neue Zeitschrift für Musik. Schott, 1856, S. 283 (). Darauf reiste er nach Paris, wo er sich ab März 1856 aufhielt. Im Juni fuhr er wieder über Leipzig nach Prag. Am 14. Dezember starb sein Vater in Wien. Während seiner Zeit in Prag wurde in der Kreuzherrenkirche eine von ihm komponierte Messe aufgeführt. Als Geiger gab er nur in kleineren Kreisen Kostproben seines Könnens. Im März 1857 ging er für ein Konzert mit einer neu komponierten Ouvertüre und einer Sinfonie, die schon in Prag aufgeführt worden war, nach Leipzig. Im selben Monat wurden die von ihm herausgegebene Violinetüden von Violinprofessor Moritz Mildner (1812–1865) am Konservatorium in Prag als Lehrmaterial eingeführt. In einem Konzert des akademischen Lesevereins in Prag wurden seine Frohsinns-Sinfonie und seine Zigeuner-Variationen aufgeführt. Er selbst spielte den Solopart. Im Folgenden dritten Conservatoriumskonzert im April 1857 wurde seine Ouverture romantique aufgeführt. In einem Brief vom 18. April 1857, den er von Prag aus an einen unbekannten Empfänger schickte, erwähnt er die Aufführung seiner Komposition Meeresfahrt „für Sopran, Alt, Violin und Clavier, welches sehr gefallen“.Zitiert nach Thomas Kotte, Autographs and Manuscripts 50 (Digitalisat). Nach weiteren solistischen Auftritten verließ er Prag im Mai 1857 Richtung Konstantinopel, wo er den Sommer verbrachte. Die Meinung der Kritiker, dass er sein Können bei attestiertem Talent weiter perfektionieren müsse, war einhellig. In Konstantinopel spielte er vor Sultan Abdülmecid I., erhielt von diesem den Mecidiye-Orden vierter Klasse verliehen und widmete ihm die Symphonie-Fantasie Am Gestade des Bosporus op. 9. Im Oktober verweilte er wieder in Prag. Dort wurde in einem Konzert in der Deutschen Lesehalle Am Gestade des Bosporus aufgeführt. Anfang des Jahres 1858 leitete von Adelburg in den Donnerstagskonzerten der Theaterkapelle eine Aufführung seiner Frohsinns-Symphonie. Im März des Jahres hielt er sich in Leipzig auf und gab am 6. März im Hauptsaal der Buchhändlerbörse ein Konzert. Gespielt wurden die Ouvertüre dramatique, Am Gestade des Bosporus und eine von ihm selbst komponierte und gespielte Romanze für Violine und Klavier. Des Weiteren spielte er zwei Etüden von Charles de Beriot: La dramatique und Le Priére. Am 15. Mai kam er nach Wien und reiste später nach Pest weiter, wo in der Innerstädtischen Pfarrkirche am 11. Juli eine von ihm komponierte Messe unter Leitung des Regenschori Franz Bräuer (1839–1871) aufgeführt wurde. Auch am 8. September, dem Fest Mariä Geburt, wurde am gleichen Ort eine Messe aus Adelburgs Feder aufgeführt. Nach seinem Aufenthalt im Sommer in Pest traf er im Oktober wieder in Wien ein. Auch in Wien wurde darauf in der Piaristenkirche in der Josefstadt eine Festmesse von Adelburgs aufgeführt. Im November 1858 erschien im Verlag Witzendorf in Wien eine Sonate für Clavier und Violine und eine Symphonie für grosses Orchester. Gegen Ende des Monats reiste er wieder für zwei Wochen nach Pest. In Pest hatte er sich mit dem Klavierbauer Péter Vendelin angefreundet, dessen Tochter Mária er auch geheiratet hatte.

Disput mit Liszt über ungarische Musik, 1859 Im Oktober 1859 veröffentlichte er im Verlag Robert Lampel die Schrift Entgegnung auf die von Dr. Franz Liszt in seinem Werke „Des Bohemiens et de leur musique en Hongrie“. In ihr stellt er sich gegen die These es gebe keine ungarische Nationalmusik, sondern nur Zigeunermusik. Das Vorwort stammte von Alexander von Cseke.Erika Quinn: Franz Liszt. BRILL, 2014, ISBN 978-90-04-27922-3, S. 102 ().August von Adelburg: Entgegnung auf die von D. Franz Liszt in seinem Werke: Des Bohémiens et de leur musique en Hongrie „aufgestellte Behauptung : daß es keine ungarische Nationalmusik“ giebt. Rob. Lampel, 1859 (). In Blätter für Musik, Theater und Kunst vom 18. Oktober 1859 erwähnte der Autor als möglichen Beweggrund für die Erstellung der Schrift ein persönliches unliebsames Urtheil Liszts über von Adelburg.

Die Jahre bis zur Uraufführung der Oper Zrinyí. 1860 bis 1868 Im Frühsommer 1860 befand er sich mit seiner Gattin auf einer Reise nach Venedig. Auf der Rückreise besuchten sie in Graz die Brunnen-Kuranstalt Sauerbrunn. Der Instrumentenmacher Brandl in Pest machte im Juli 1860 damit Werbung, dass berühmte Geiger ihm auf der Durchreise ihre Instrumente anvertrauten. Unter den aufgeführten befand sich neben Miska Hauser und Ole Bull auch von Adelburg. Nachdem er sich im Herbst des Jahres in Wien aufgehalten hatte, ging von Adelburg über den Winter nach Athen. Anfangs des Jahres 1861 wurde in Athen von der französischen und türkischen Gesandtschaft, ihm zu Ehren eine Soiree veranstaltet. Im Mai 1861 konzertiert er wieder in Pest. Er veranstaltete gegen Ende des Jahres wöchentliche Quartettabende, an denen er mit gewissem Erfolg eigene Streichquartette zum Besten gab. Am 8. Dezember 1861, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis wurde eine neue von ihm komponierten Messe in der Innerstädtischen Pfarrkirche uraufgeführt. Dazu wurde auch öffentlich, dass er an einer Oper, Zrínyí, arbeitete, die im Laufe des Jahres aufgeführt werden sollte. Am Ostersonntag wurde die Messe nochmals unter der Leitung von Franz Bräuer aufgeführt. Anfang August 1862 traf er wieder in Leipzig ein. Er trat hier dem Allgemeinen Deutschen Musikverein bei und veröffentlichte sein Erstes Großes Quartett für Zwei Violinen, Viola und Violoncello op. 16 bei C.F. Kahnt Musikverlag. In einem der philharmonischen Konzerte des Jahres 1864 wurde in Pest eine Sinfonie von Adelburgs aufgeführt. Im ersten Konzert führte man das erste Mal in Pest Beethovens Neunte auf. Ende 1965 vollendete er die Oper Zrínyí und ging nach einem längeren Aufenthalt in Süditalien nach Pest, um die Uraufführung der Oper vorzubereiten. Im letzten Philharmonischen Konzert am 11. März 1866 wurden Teile der Oper einschließlich der Ouvertüre aufgeführt. Im Juni 1866 ging er nach Wien und arbeitete an der Fertigstellung der Kantate Krieg und Frieden. Im Oktober 1866 wurde in Wien die wöchentlich erscheinende Aesthetische Rundschau ins Leben gerufen. Herausgeber und Redakteur war Alexander von Cseke, Musikredakteur des Pester Lloyd. Von Adelburg soll einen maßgeblichen Anteil am Zustandekommen des Projektes gehabt haben. So schrieb er das Vorwort zur ersten Ausgabe über sein historisch-dramatisches Tongemälde Zrínyí. Für das Komponieren einer Messe erhielt er im Oktober 1866 von Maximilian I., dem Kaiser von Mexiko, das Ritterkreuz des Guadalupe-Ordens verliehen. Von Adelburg soll in dieser Zeit an einer weiteren Oper namens Wallenstein gearbeitet haben. Nach einem weiteren Aufenthalt in Pest kam er Anfang Januar des Jahres 1867 wieder nach Wien. Im Rahmen einer von Alexander von Cseke jeden Freitag veranstalteten Konzertreihe, der Ästhetischen Soiree, wurde Anfang 1867 von Adelburgs erste große Violinsonate aufgeführt. Im April wurde bestätigt das Zrinyi am Pester Nationaltheater aufgeführt werden sollte. In der Ästhetischen Rundschau wurde im Mai das von Adelburg selbst verfasste Libretto vorab veröffentlicht. Es handelt von der Belagerung von Szigetvár und dem Kampf des Helden Nikolaus Zrínyí und seiner begeisterten Heerscharen gegen die Osmanen. In Die Debatte vom 7. Mai 1867 wird es jedoch, obwohl an Operntexte an keine hohen Maßstäbe gelegt werden würden, als Frevel bezeichnet, der zu haarsträubend sei, um nicht an den Pranger gestellt zu werden. Von Juni bis September 1867 hielt von Adelburg sich mit seiner Gemahlin in Ischl auf. Darauf reiste er wieder nach Leipzig. Hier gab er am 27. Oktober 1867 ein Konzert mit Orchester im Gewandhaus. Im Oktober kristallisierte sich heraus, dass von vier für die neue Saison angekündigten Opernproduktion – Don Carlos, Roméo et Juliette und Álmos von Mihály Mosonyi – im Pester Nationaltheater nur von Adelburgs Zrinyi übriggeblieben war. Im November wurde wieder mit Don Carlos und Fiesco von Gusztáv Fáy (1824–1866) geplant. Die Uraufführung von Zrínyí fand dann erst kurz vor Ende der Spielzeit am 23. Juni 1868 statt.

Zeit nach Zrinyí, letzte Lebensjahre, 1868 bis 1873 Auf seinem Weg nach Deutschland weilte er im Oktober 1868 wieder in Wien. Georg I. der König von Griechenland, beauftragte ihn mit der Komposition einer hellenischen Nationalhymne. Diese komponierte er 1869 und schickte sie im Herbst des Jahres nach Griechenland. Anfang des Folgejahres wurde das Werk für Chor und Orchester auf dem Schloßplatz in Athen uraufgeführt. Den Sommer 1871 verbrachte von Adelburg mit seiner Gattin wieder in Ischl. Gegen Ende des Jahres verweilte er in Salzburg. In dieser Zeit arbeitete er wohl an der Oper Wallenstein und an der Kantate Krieg und Frieden. Am 31. Mai 1873 meldete das Neue Fremdenblatt in Wien, dass August von Adelburg dem Wahnsinn verfallen sei und sich in einem hoffnungslosen Zustand in der Irrenanstalt Döbling befände. Er starb am 20. Oktober 1873.

Werke (Auswahl)