mini|hochkant|Radarsensor eines Abbiegeassistenten beim Volvo FH Ein Abbiegeassistent, Abbiegeassistenzsystem oder Rechtsabbiegeassistent überwacht beim Rechtsabbiegen den Bereich rechts neben dem LKW auf Radfahrer und Fußgänger und warnt den Fahrer.
In Deutschland ereignen sich jährlich 30 tödliche Unfälle bei geringer Geschwindigkeit, wenn der LKW an einer Straßenkreuzung bei „grün“ losfährt und nach rechts abbiegt. Ein Radfahrer oder Fußgänger, der direkt rechts neben dem LKW steht, wird überfahren, weil er in der Schleppkurve des LKW steht, oft im toten Winkel. Viele Assistenten warnen nicht in allen Situationen oder haben oft Fehlalarme und werden dann abgeschaltet, daher sind separate Grünphasen; getrennte Verkehrswege sowie der Einsatz von Abbiegeassistenten mit künstlicher Intelligenz zusätzlich wünschenswert.
Abbiegeunfälle Für Deutschland schätzt die Unfallforschung der Versicherer, dass von den getöteten Radfahrenden in Unfallereignissen mit schweren Lkw etwa ein Drittel bei Kollisionen mit rechtsabbiegenden LKW ums Leben kommt.Siegfried Brockmann: „Schwere Unfälle mit schweren LKW“ (PDF; 1,2 MB), Präsentation zur Pressekonferenz der Unfallforschung der Versicherer, Münster, 26. Oktober 2017 Häufig werden Radfahrende bei Unfällen mit rechtsabbiegenden Güterkraftfahrzeugen überrollt, wodurch sich der hohe Anteil tödlicher Verletzungen erklärt. Derartige Unfälle sind selten von Radfahrenden verschuldet. Für 2012 ermittelte die Bundesanstalt für Straßenwesen BASt aus Hochrechnungen 23 getötete Radfahrende bei Rechtsabbiegeunfällen mit Güterkraftfahrzeugen, davon der weit überwiegende Anteil unter Beteiligung von Lkw mit über 7,5 t zulässigem Gesamtgewicht und von Sattelschleppern. Des Weiteren wurden für 2012 vier getötete zu Fuß Gehende bei Kollisionen mit rechtsabbiegenden Güterkraftfahrzeugen geschätzt.B. Schreck, M. Pöppel-Decker: „Unfallgeschehen von rechtsabbiegenden Güterkraftfahrzeugen und geradeausfahrenden Radfahrern“, ZVS - Zeitschrift für Verkehrssicherheit, Heft 4, S. 239–242, Bonn, 2014 In einer Untersuchung von Unfällen mit Lkw ab 12 t zulässigem Gesamtgewicht durch die Unfallforschung der Versicherer betrug in 62 Kollisionen mit Radfahrenden der Anteil von Rechtsabbiege-Unfällen etwa 60 %, in 43 Kollisionen mit zu Fuß Gehenden betrug der Anteil 9 %.Axel Malczyk,: „Unfälle schwerer Lkw mit Fußgängern und Radfahrern“ (PDF; 2,8 MB), Unfallforschung kompakt Nr. 94, Unfallforschung der Versicherer, Berlin, 2019. Angewendet auf Unfälle zwischen Lkw und Radfahrern unterscheidet der dreistellige Unfalltypenkatalog der Unfallforschung der Versicherer drei wesentliche Arten von Rechtsabbiegeunfällen:Unfalltypenkatalog „UNKA“, auf udv.de.
Der Radfahrer fährt auf einem abgetrennten Radweg oder Fußweg parallel und in gleicher Richtung wie der Lkw, bevor dieser nach rechts abbiegt (Unfalltyp 243) Der Radfahrer fährt auf der Fahrbahn parallel und in gleicher Richtung wie der Lkw, bevor dieser nach rechts abbiegt (Unfalltyp 232) Der Radfahrer fährt auf dem abgetrennten Radweg oder Fußweg in entgegengesetzter Richtung wie der Lkw, bevor dieser nach rechts abbiegt (Unfalltyp 244)
Die Bundesanstalt für Straßenwesen ermittelte, dass unter allen Abbiegeunfällen (Rechtsabbiegen und Linksabbiegen) von Güterkraftfahrzeugen mit über 7,5 t zulässigem Gesamtgewicht (Lkw und Sattelschlepper), bei denen Radfahrende starben, Unfälle des Typs 243 einen Anteil von 72 % und die des Typs 232 einen Anteil von 16 % hatten. Bei Unfällen nach Unfalltyp 244 kam kein Radfahrer ums Leben.B. Schreck, P. Seiniger: „Abbiege-Assistenzsystem für Lkw“, Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Fahrzeugtechnik, Heft F 104, Bergisch Gladbach, 2015
Nutzen von Abbiegeassistenten Kraftfahrzeuge müssen laut StVZO § 56 („Spiegelparagraph“), Absatz (1), mit derartigen Einrichtungen für indirekte Sicht ausgestattet sein, dass die fahrzeugführende Person „nach rückwärts, zur Seite und unmittelbar vor dem Fahrzeug – auch beim Mitführen von Anhängern – alle für sie wesentlichen Verkehrsvorgänge beobachten kann“. Trotz dieser vorgeschriebenen vollständigen Rundumsichtmöglichkeit tötet/verletzt Lkw-Fahrpersonal beim Rechtsabbiegen immer wieder eine Vielzahl von Radfahrenden/zu Fuß Gehenden.
Abbiegeassistenzsysteme können erheblich zur Verbesserung der Verkehrssicherheit im Straßenverkehr beitragen und Unfälle zwischen rechtsabbiegenden Lkw und ungeschützten Verkehrsteilnehmern verhindern. Nach Schätzungen von ADFC und Unfallforschung der Versicherer können durch elektronische Lkw-Abbiegeassistenten über 60 Prozent der schweren Unfälle verhindert werden. In Deutschland könnten jährlich etwa 28 Unfälle mit getöteten und 160 mit schwer verletzten Radfahrern durch rechtsabbiegende Lkw vermieden oder die Unfallfolgen deutlich gemildert werden.
Schätzungen des ADFC zufolge sind in Deutschland weniger als 5 Prozent der gemeldeten Lkw mit Abbiegeassistenten ausgestattet.
Typen von Abbiegeassistenten Es gibt verschiedene Ansätze, Abbiegeunfälle zu verhindern.
Typ 1: Kamerabasierend Ein kamerabasierendes System nutzt eine Weitwinkelkamera, welche vorne rechts am LKW angebaut wird und auf dem Bild den gesamten Toten Winkel auf der rechten Seite zeigt. Dieser kann durch Signale wie Lenkeinschlag, Geschwindigkeit und Blinker aktiviert werden. Eine erweiterte Version dieses Systems, entwickelt von CARGUARD Technologies, integriert KI-Technologie zur präziseren Erkennung von Menschen. Es verwendet ein Trägheitsnavigationssystem und ein 3D-Messsystem mit Beschleunigungs- und Drehratensensoren, um auch bei schlechtem GPS-Empfang, wie durch Hochhäuser oder schlechtes Wetter, zuverlässig zu funktionieren. Das System erkennt Menschen zuverlässig bis zu einer Entfernung von 22 Metern und in einer Tiefe von 10 Metern und kann über ein Smartphone einfach konfiguriert werden. Es warnt zuverlässig bei allen Lichtverhältnissen und unterscheidet Menschen von anderen beweglichen Objekten, selbst wenn diese stillstehen oder sich langsamer als der LKW bewegen. Das System kann durch zwei zusätzliche Kameras erweitert werden, die die linke Seite und das Heck des Fahrzeugs überwachen.
Der erste serientaugliche Abbiegeassistent wurde von der EDEKA Handelsgesellschaft Südbayern bereits 2014 durch deren Technischen Leiter Anton Klott entwickelt und ab 2015 in allen Neu LKW der EDEKA Südbayern verbaut. Klott bekam am 27. Oktober 2015 für diese Leistung den DEKRA Award verliehen."Jeder Tote ist vermeidbar durch so ein System", Donaukurier vom 10. Juli 2018 Am 2. November 2018 wurde Anton Klott mit dem Präventionspreis „Roter Ritter“ vom Verein Aktion Kinder Unfallhilfe e.V. in der Elbphilharmonie Hamburg geehrt.Der „Rote Ritter 2018“: Diese preisgekrönten Präventionsprojekte schützen Kinder vor Verkehrsunfällen, auf kinder-unfallhilfe-online.de, abgerufen am 20. August 2022
Der Edeka Abbiegeassistent hat neben Kamera-Monitor auch Ultraschall Sensoren sowie einen Lenkwinkelsensor um das System auch ohne Betätigung des Fahrtrichtungsanzeiger zu aktivieren. Das System ist für alle Fahrzeughersteller nutzbar.
Bei einem reinen Kamera-Monitor-Systemen wird lediglich der Sichtbereich des Lkw-Fahrers erweitert. Bei einer Kombination aus Sensoren und Kamera-Monitor-System hingegen werden außerdem der Bereich rechts hinter der A-Säule und die ersten 6 m des Fahrzeugs im Abstand von 2,5 m von 4 Sensoren überwacht, die Hindernisse über eine LED-Anzeige im Fahrerhaus anzeigen. Ein Hindernis wird erkannt und das System gibt ein akustisches und visuelles Signal aus. Als erstes System dieser Art bestand der Abbiegeassistent der Firma Wüllhorst („Wüllhorst Abbiegeassistent“) Anfang 2019 die Fahrtests zum Erlangen einer Allgemeinen Betriebserlaubnis (ABE).
Ein weiteres System stammt von Truck!Warn als Deluxe-Plus-4-Abbiegeassistent mit einem erweiterten Kamerabild und einer Abstandsanzeige zum Hindernis.
Das Deluxe-Plus-6 von Truck!Warn bietet noch eine Erweiterung, so dass nicht nur der Tote-Winkel rechts, sondern auch die Linke Seite als Abbiegehilfe überwacht wird.
Typ 2: Radarbasierend Radarsysteme überwachen permanent den Bereich rechts neben dem Fahrzeug und erkennen sich bewegende Objekte. Dem Fahrer wird ein optisches Signal gegeben, welches bei berechneter möglicher Kollision auf rot springt und einen zusätzlichen Warnton ausgibt. Daimler-Trucks-Fahrzeuge könnten außerdem demnächst noch automatisch einbremsen.
Radarbasierte Abbiegeassistenzsysteme können nicht nur statische von dynamischen Objekten unterscheiden, sondern sind zum Teil auch in der Lage Radfahrer und Fußgänger im Speziellen zu erkennen.Als Beispiel für Radarbasierende Systeme sind der AAS-4.0 der Firma Wüllhorst GmbH & Co. KG, RightViu von Continental, PreView side Defender II von Preco Electronics GmbH sowie das baugleiche Abbiegeassistent-System 1312 von Mekra Lang GmbH & Co. KG, zu nennen.
Hierzu bietet die Firma MEKRAtronics verschiedene Lösungen. Mit Hilfe von MEKRAtronics-Radar-Sensoren können Bereiche um das Fahrzeug zusätzlich überwacht werden. Diese Radarsensoren können zur Objekterkennung beim Vorwärts- und/oder Rückwärtsfahren verwendet werden oder als Abbiegeassistent, um das Rechtsabbiegen zu überwachen.
Typ 3: Softwarebasierend Softwarebasierende Systeme analysieren mit Hilfe einer Kamera in Echtzeit Farbveränderungen in der Bildfrequenz und erkennen so über einen Algorithmus Gefahren im „toten Winkel“. Der Algorithmus unterscheidet dabei zwischen bewegten Objekten (bspw. Fahrradfahrer oder Fußgänger) und statischen Objekten (bspw. Ampeln, Masten oder parkende Autos). Beim softwarebasierten System löst der Alarm nur dann aus, wenn sich bewegende Objekte im Gefahrenbereich befinden und diese schneller sind als das Fahrzeug selbst; statische, langsamere und gleich schnelle Objekte werden „herausgefiltert“.Nachrüstbarer Abbiegeassistent. Website Internationales Verkehrswesen. Abgerufen am 13. Dezember 2018. Moderne Abbiegeassistenten warnen zweistufig: Befindet sich zum Beispiel ein Radfahrer im Gefahrenbereich vom LKW, wird zunächst nur optisch gewarnt (durch eine LED-Warnleuchte oder optische Hervorhebung im Monitor in der Fahrerkabine). Leitet der Fahrer danach einen Abbiegevorgang ein, wie durch das Setzen des Blinkers oder durch den Einschlag des Lenkrades, ertönt zusätzlich ein akustischer Alarm.LUIS Technology bietet neuen LKW-Abbiegeassistenten an. Website Verkehrsrundschau. Abgerufen am 13. Dezember 2018. Softwarebasierende Systeme benötigen neben einer Kamera am LKW-Dach ein Steuergerät (ECU) für die Bildauswertung. Durch die hohe Positionierung der Kamera am LKW-Dach erfasst die Software einen sehr großen Teil der Umgebung, wie beispielsweise Fußgänger und Fahrradfahrer „in der zweiten Reihe“. Einen erweiterten Überwachungsbereich über die gesamte Fahrzeuglänge, sowie hinter und vor das Fahrzeug, wird durch den Verbau von zwei Kameras möglich, womit die Alarmierung auch bei höherer Geschwindigkeit über 30 km/h möglich wird, wie es z. B. bei dem Truck!Warn Flex-Abbiegeassistenten für Busse der Fall ist.
Hier ist der Abbiegeassistent LUIS turn detect zu nennen, das als erstes derartiges System eine ABE am 21. März 2019 erhalten hat. Weitere Systeme sind Rosho, Axion Dometic, Truck!Warn-Flex und Mobilline.
Typ 4: KI-basiert mit Trägheitsnavigation mini|AI turning assistant with artificial intelligence