Toots & the Maytals war ein jamaikanisches Musiktrio. Die Gruppe war seit den frühen 1960er Jahren im Reggae-Geschäft erfolgreich und hält den Rekord mit 31 Nr.1-Singles in Jamaika.Go-Local Jamaica: , abgerufen am 22. Februar 2009.
Bandgeschichte mini|Toots Hibbert auf dem Rudolstadt-Festival 2017 Die Band Toots & the Maytals wurde Anfang der 1960er Jahre von Frederick Nathaniel Toots Hibbert – bekannt als „Toots“ Hibbert – zusammen mit Ralphus „Raleigh“ Gordon und Nathaniel „Jerry“ Matthias gegründet. Sie hatten sich in einem Barbershop, in dem Toots damals arbeitete, getroffen.David Katz: People Funny Boy: The Genius of Lee „Scratch“ Perry. White Rabbit, London 2021, S. 41
Die Karriere der Gruppe, die sich nach ihrem Heimatdorf May Pen benannte, begann in der Ska-Ära. Das Trio wurde von Lee Perry, der einige Zeit als Talentscout für den Musikproduzenten Coxsone Dodd arbeitete, entdeckt und vorgeschlagen.David Katz: People Funny Boy: The Genius of Lee „Scratch“ Perry. White Rabbit, London 2021, S. 41 Eine Audition im Studio One verlief zufriedenstellend, und sie nahmen anschließend ihre erste Single Hallelujah auf. Bald stellten sich mit Six and Seven Books of Moses (1963) und Broadway Jungle (1964) die ersten Hits ein. Die religiösen und sozialkritischen Texte von Songwriter Toots Hibbert hoben sich, ähnlich wie die seiner Kollegen Desmond Dekker und Justin Hinds, vom hauptsächlich aus Liebesliedern bestehenden Durchschnitt ab.
Im Jahr 1966 gewann die Band das erste Jamaican Song Festival mit dem Stück Bam-Bam. Eine langgezogene, im Falsett gesungene Melodielinie kontrastiert hier mit hartem Sprechgesang. Im Text machte Toots klar, dass seine Grundhaltung friedlich ist, dass aber Unruhestifter bei ihm mit Ärger zu rechnen haben. Unterlegt ist das Ganze mit einem lockeren Calypso-Groove und dem sich ständig wiederholenden „Bam-Bam“ des Background-Gesangs.
Kurze Zeit nach Veröffentlichung des Songs wurde Toots zu 18 Monaten Gefängnis wegen Marihuana-Besitzes verurteilt. Als Toots das Gefängnis nach einem Jahr Haft verlassen durfte, hatte ein neuer musikalischer Stil, der Rocksteady, den Ska abgelöst.Toots & the Maytals bei Trojan Records.
Die Gruppe arbeitet nun mit dem Produzenten Leslie Kong. 1968 verarbeitet Toots seine Gefängniserlebnisse in dem Song 54-46 That’s My Number (ein Jahr später als 54-46 Was My Number neu aufgelegt). Der Titel bezieht sich auf seine Häftlingsnummer. Im selben Jahr verleihen sie dem Musikstil, der den Rocksteady ablösen soll, mit der Single Do The Reggay seinen Namen – noch wird eine andere Schreibweise verwendet, aber es ist die Geburt des Reggae. Im Jahr 1969 gewinnen sie das Jamaican Song Festival zum zweiten Mal. Ihr Titel Sweet And Dandy ist ein Song über ein nervöses Hochzeitspaar.
1970 veröffentlichen sie Monkey Man, das neun Jahre später von der britischen Band The Specials gecovert, die sogenannte „zweite Welle des Ska“ einläuten sollte. Im selben Jahr spielen sie Pressure Drop ein, eine „Schrei-Orgie“ von Toots Hibbert, die beispielhaft für den druckvoll-rauen Sound der Band steht. 1971 stirbt Leslie Kong und die Gruppe arbeitet nun mit Chris Blackwell, dem Produzenten von Bob Marley.
1972 gewinnen sie das Song-Festival zum dritten Mal mit Pomp & Pride. Außerdem erscheint der Reggae-Film The Harder They Come, in dem Jimmy Cliff die Hauptrolle, einen „Rude boy“, spielt. Die Maytals tragen zwei Songs (Sweet and Dandy und Pressure Drop) zum Soundtrack bei und sind bei den Aufnahmen im Studio zu sehen.
1973 bringen sie Funky Kingston heraus, ihre erste Langspielplatte, die nicht aus vorher aufgenommenen Single-Material besteht. Beim Titelsong Funky Kingston erfolgt eine Synthese aus Funk und Reggae. Daneben enthält das Album eine Cover-Version von Take Me Home, Country Roads von John Denver – aus „West Virginia“ wird hier ganz zwanglos „West Jamaica“. Nach dem Album In The Dark (1974) folgt Reggae Got Soul (1976), bei dem Steve Winwood (u. a. The Spencer Davis Group, Blind Faith und Traffic) an der Orgel aushilft. Die für einen Grammy nominierte Platte Toots – live (1980) bringt ihnen einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde ein, da sie bereits am Tag nach der Aufnahme in den Plattenläden zu haben ist. Ebenfalls für einen Grammy nominiert wird Toots in Memphis (1988), wo Toots, begleitet von Sly Dunbar am Schlagzeug und von Robbie Shakespeare am E-Bass, sich an Stax-Klassikern wie Otis Reddings Hard to Handle oder Eddie Floyds und Steve Croppers Knock On Wood versucht. Skafather (1998), bestehend aus Neu-Auflagen alter Hits, bringt eine dritte Grammy-Nominierung.
2005 gewinnen sie den Grammy mit True Love (2004) in der Kategorie bestes Reggae-Album. Beteiligt sind dabei berühmte Gaststars wie die Gitarristen Keith Richards (The Rolling Stones), Eric Clapton und Jeff Beck, die Third-Wave-Ska-Gruppe No Doubt, der Ragga-Musiker Shaggy, der ehemalige Bob-Marley-Mitstreiter Bunny Wailer, Marcia Griffiths, ebenfalls früher in Marleys Band, Ken Boothe sowie Country-Musiker Willie Nelson.
2014 wirkten Toots & the Maytals beim Stück Rub A Dub auf dem Album Open Country von William White mit, das auf Jamaika aufgenommen wurde.Plattenkritik zu Open Country, abgerufen am 9. August 2014
Nach dem Tod von Toots Hibbert im Jahr 2020 hat seine Tochter Leba Hibbert die Leitung der Gruppe übernommen. Sie heißen jetzt Toots and the Maytals featuring Leba Hibbert.
Diskografie (Auswahl)
Alben 1964: Never Grow Old (Studio One) 1965: The Sensational Maytals (BMN) 1968: Sweet And Dandy (Beverley’s) 1970: From The Roots 1970: Monkey Man (Trojan Records) 1971: Greatest Hits (Beverley’s) 1972: Slatyam Stoot (Dynamic Sounds) 1973: Funky Kingston (Dragon) 1974: In The Dark (Dragon) 1976: Reggae Got Soul (Island Records) 1979: Pass The Pipe 1980: Just Like That 1980: Toots Live 1981: Knock Out! 1988: Toots in Memphis 1997: Never Grow Old 1997: Recoup 1998: Skafather 1999: Live in London 2002: World Is Turning 2004: True Love 2010: Flip and Twist
Singles 1963: Hallelujah 1963: Six And Seven Books Of Moses 1964: Broadway Jungle 1964: Pain In My Belly 1964: He’s So Real 1964: It’s you 1964: Someone Is Going To Bawl 1964: Neither Silver Nor Gold 1965: Never You Change 1965: John and James 1966: Bam-Bam 1968: Reborn 1968: 54-46 That’s My Number (UK: ) 1968: Do The Reggay 1969: Just Tell Me 1969: Desmond Dekker Came First 1969: Sun, Moon and Star 1969: Sweet And Dandy 1970: Monkey Man 1970: Peeping Tom 1970: One Eyed Enos 1970: She’s My Scorcher 1970: Pressure Drop (UK: ) 1970: Pomps & Pride 1981: I can see clearly now 1983: Spiritual Healing 1984: Peace, Perfect Peace
Auszeichnungen für Musikverkäufe Platin-Schallplatte
2022: für die Single Beautiful Woman
Literatur Stambler, Irwin: The Encyclopedia Of Pop, Rock And Soul. 3., überarbeitete Auflage, New York City, New York: St. Martin’s Press, 1989, S. 688f ISBN 0-312-02573-4.
Weblinks
Musikbeispiele Toots & The Maytals feat. Byron Lee & The Dragonaires: Toots & The Maytals: Toots & The Maytals: Toots & The Maytals:
Einzelnachweise
Kategorie:Reggaeband Kategorie:Skaband Kategorie:Jamaikanische Band Kategorie:Grammy-Preisträger