mini|Symbol des VAR, das während des Überprüfungsprozesses auf den Bildschirmen erscheint Der Video-Assistent oder Videoschiedsrichter (, kurz VAR) soll im Fußball auf Fehlentscheidungen des leitenden Schiedsrichters hinweisen. Er sitzt fernab des Spielfelds im Video Assist Center (VAC) und schaut sich strittige Entscheidungen des Schiedsrichters auf einem Bildschirm in der Wiederholung und in Zeitlupe an und teilt dem Schiedsrichter per Funk seine Sicht der Dinge mit. Der Assistent des Video-Assistenten wird Assistant Video Assistant Referee (AVAR) genannt.Erläuterung der Aufgaben des AVAR auf www.dfb.de VAR und AVAR sind die Video-Spieloffiziellen (Video Match Officials, VMO).

Überprüft der Videoschiedsrichter eine strittige Spielszene, so wird als Oberbegriff auch vom Videobeweis gesprochen.

In Deutschland wurde der Video-Assistent in der 1. Bundesliga in der Saison 2017/18 eingeführt, in der 2. Bundesliga zwei Jahre später.

Spielsituationen Es gibt vier Arten von Entscheidungen, die überprüft werden:

Tor (wegen möglicher Regelverstöße im Vorfeld der Torerzielung, z. B. Abseitsposition, Foul oder Handspiel) Strafstoß Rote Karte falsche Identität (Verwechslung von Spielern)

Außerdem seit der Weltmeisterschaft 2026:Eckbälle und zweite Gelbe Karten sollen künftig vom VAR geprüft werden. In: spiegel.de, 1. März 2026.

Gelb-Rote Karte Eckstoß („sofern die Überprüfung sofort und ohne Verzögerung der Spielfortsetzung durchgeführt werden kann“)

In diesen Fällen wird nur unter zwei Bedingungen eingegriffen: bei einer „klaren und offensichtlichen Fehlentscheidung“ des Schiedsrichters oder bei „schwerwiegenden übersehenen Vorfällen“.Frederick Assmuth: Zentimeter-Entscheidung beim DFB-Sieg gegen Dänemark: Abseits ist Abseits, Legal Tribune Online vom 1. Juli 2024.

Dazu ist der Schiedsrichter per Funk mit dem Video-Assistenten verbunden. Der Schiedsrichter kann sich zudem bestimmte Szenen auf Empfehlung des VAR selbst an einem Monitor am Spielfeldrand ansehen (On-Field Review). Trifft der Schiedsrichter auf Basis des VAR eine Entscheidung oder kommt es zum On-Field Review, signalisiert er dies per Handzeichen, indem er mit beiden Händen ein Rechteck in der Luft nachzeichnet.

Geschichte Diskussionen um den Nutzen technischer Assistenzsysteme im Fußball kommen regelmäßig nach strittigen und (vermeintlichen) Fehlentscheidungen des Schiedsrichters auf. Hierzu zählen Spielsituationen wie ein verkanntes Foul im Strafraum, ein nicht gegebener Elfmeter oder ein übersehenes Handspiel bei der Torerzielung. Umgekehrt kann eine Schwalbe im Strafraum fälschlich als Foul bewertet, eine Abseitssituation vor dem Torschuss übersehen oder eine rote Karte zu Unrecht (nicht) gegeben werden. Umstritten kann auch sein, ob der Ball die Torlinie vollständig überquert hat oder vor der Torerzielung nach Überquerung der Seiten- oder Torlinie bereits im Aus war.

Dazu kamen mehrere konkrete Vorfälle, darunter:

Im Achtelfinale Deutschland gegen England der WM 2010 in Südafrika war der Ball im Tor. Fernsehbilder zeigten eindeutig (durch Zeitlupen, verschiedene Kamerawinkel etc.), dass der Ball für Sekundenbruchteile deutlich hinter der Torlinie war, bevor er zur Querlatte hochsprang und vom deutschen Torwart Manuel Neuer gefangen wurde. Der Schiedsrichter entschied hier auf „kein Tor“, da die Situation weder für ihn noch für den Linienrichter zweifelsfrei erkennbar war.Anti-Wembley-Tor provoziert Streit über Videobeweis. In: Der Spiegel, 27. Juni 2010. (Die offiziellen Anweisungen des DFB zu den Fußballregeln besagen: „Bestehen Zweifel, ob der Ball vollständig im Tor war, soll der Schiedsrichter das Spiel weiterlaufen lassen.“)

Im Spiel England – Ukraine, Gruppe D bei der Europameisterschaft 2012, wurde ein Treffer des Ukrainers Marko Dević nicht anerkannt. Schiedsrichter und Torrichter nahmen wahr, dass ein Verteidiger den Ball auf der Torlinie „rettete“; tatsächlich traf er ihn aber hinter der Torlinie.

Bei einem Bundesligaspiel im Oktober 2013 flog ein von Stefan Kießling geschossener Ball seitlich durch ein Loch im Netz ins Tor; der Schiedsrichter erkannte fälschlicherweise den Treffer an (siehe Phantomtor).Thomas Kistner: Mit künstlicher Dummheit belegt. In: Süddeutsche.de, 20. Oktober 2013.

Im DFB-Pokalfinale vom 17. Mai 2014 zwischen Borussia Dortmund und Bayern München kam es zu einer viel diskutierten Fehlentscheidung. Dortmunds Verteidiger Mats Hummels traf zum vermeintlichen 1:0 für seine Mannschaft, der Ball überquerte vollständig die Linie, wurde aber von Bayerns Spieler Dante zurück ins Spielfeld geschlagen. Der Schiedsrichter Florian Meyer ließ das Spiel weiterlaufen, welches schließlich 2:0 n. V. für Bayern München endete. Diese Tatsachenentscheidung zu Ungunsten Dortmunds befeuerte erneut die Diskussion um die Einführung des Videobeweises, der zwei Monate zuvor nach Abstimmung von den Vereinen der Bundesliga als auch der 2. Liga mehrheitlich, u. a. aus Kostengründen, abgelehnt worden war.

Torlinientechnik

Im Fußball war der Video-Assistent von der FIFA bis zum Juli 2012 nicht zugelassen. Dann – kurz nach der EM 2012 – beschloss sie die Einführung der Torlinientechnologie, also die Unterstützung durch technische Hilfsmittel, um festzustellen, ob der Ball die Torlinie vollständig überquert hat. Die zulässigen Systeme sind Torkamera (Hawk-Eye und GoalControl) zur Überwachung der Linie, sowie ein Funk-Chip im Ball (GoalRef-System).Fifa lässt technische Hilfe für Schiedsrichter zu. In: Süddeutsche.de, 6. Juli 2012.

Schrittweise Einführung ab 2016 Nach einer vierjährigen Testphase führte der niederländische Fußballverband KNVB den Video-Assistenten mit Genehmigung des IFAB ein. In 26 Pokalspielen der Saison 2016/17 konnte ein zusätzlicher Offizieller bei strittigen spielentscheidenden Situationen (Elfmeter, Platzverweis, Tor aus möglicher Abseitsposition) eingreifen. Dies geschah erstmals am 21. September 2016 beim Spiel Ajax Amsterdam gegen Willem II Tilburg. Nach einem Foulspiel von Anouar Kali an Lasse Schöne verwarnte Schiedsrichter Danny Makkelie ihn mit einer Gelben Karte. Der Video-Assistent Pol van Boekel begutachtete die Szene noch einmal und korrigierte die Entscheidung aufgrund der Schwere des Fouls, sodass Kali einen Platzverweis erhielt.Premiere: Erstmals Videobeweis in Pflichtspiel. In: Kurier.at, 22. September 2016.

Am 13. August 2016 wurde der Video-Assistent erstmals in einem United-Soccer-League-Spiel in Anspruch genommen (Vereinigte Staaten und Kanada).

Außerdem kam das Hilfsmittel am 10. April 2017 zum ersten Mal in der australischen A-League zum Einsatz.

2018 wurden Video-Assistenten von der International Football Association Board (IFAB) nach den Tests in mehreren Wettbewerben (Konföderationen-Pokal und Bundesliga) in die Spielregeln eingeführt.

Video-Assistent in Deutschland Zur Saison 2017/18 wurde der Video-Assistent in der deutschen Bundesliga eingeführt. Das Video Assist Center befindet sich in der Zentrale der DFL im sogenannten Kölner Keller. Ein Video-Assistent greift bei eindeutigen Fehlentscheidungen des Schiedsrichters über Funkkontakt ein. Das Eingreifen soll dabei in der Praxis auf Tore, Rote Karten (nicht aber Gelb-Rote Karten), Elfmeter oder Spielerverwechslungen begrenzt sein. Es gilt dabei die Regelung, dass der Video-Assistent nur dann eingreift, wenn in entscheidenden Szenen ein Wahrnehmungsfehler und somit auch eine klare Fehlentscheidung des Schiedsrichters vorliegt.Fröhlich leitet Projekt Video-Assistent. In: dfb.de, 6. November 2017. Wie eine umstrittene Szene letztlich bewertet wird, sei aber weiterhin Sache des Schiedsrichters auf dem Platz. Seit der Saison 2019/20 kann auch in der 2. Bundesliga auf den Video-Assistenten zurückgegriffen werden.

Im DFB-Pokal kommt er seit Saison 2017/18 ab dem Viertel- und seit Saison 2019/20 auch im Achtelfinale zum Einsatz.

Im Januar 2025 wurde ein Entschluss der DFL bekannt, dass in einer Pilotphase ab Anfang Februar 2025 die Schiedsrichter-Entscheidungen nach einem VAR-Eingriff auch über die Stadionlautsprecher erklärt werden – noch vor der meist zeitverzögerten Einblendung auf den Anzeigetafeln. Das soll zu mehr Transparenz führen. Nach einer Testphase in ausgewählten Stadien der ersten beiden Ligen wurden die Stadiondurchsagen ab der Saison 2025/26 flächendeckend in den Bundesligen etabliert.

Video-Assistent in Österreich Seit der Saison 2021/22 wird der VAR in der Bundesliga und im ÖFB-Cup-Finale eingesetzt. Bei den spielentscheidenden Situationen Tor, Platzverweis, falsche Identitätsfeststellung und Strafstoß ist der VAR berechtigt, den Schiedsrichter per Funk zu informieren, der sich gegebenenfalls die Bilder am Spielfeldrand ansehen kann und die letzte Entscheidung trifft.

Die Technik wird bis Sommer 2026 für 1,5 Millionen Euro pro Jahr vom Unternehmen Hawk-Eye Ltd. geliefert, anschließend bis 2034 von der Münchner Firma Sportec Solutions.

Entwicklung bei IFAB und UEFA Am 3. März 2018 beschloss das IFAB auf einer Tagung in Zürich, den Video-Assistenten in das Fußballregelwerk („Laws of the Game“) aufzunehmen. Die Entscheidung erfolgte einstimmig. Den nationalen Verbänden bleibt es aber freigestellt, ob sie den technisch und finanziell aufwendigen Video-Assistenten auch nutzen. Am 16. März 2018 bestätigte das FIFA-Council, dass der Video-Assistent bei der Fußball-WM in Russland eingeführt werde.

Im September 2018 gab das UEFA-Exekutivkomitee bekannt, dass sich der Schiedsrichter ab 2019 auch in der Champions League sowie ab 2020 während der Länderspiele bei der Europameisterschaft mit dem Video-Assistenten per Funk austauschen kann, sollte eine Spielsituation strittig sein.

In der Europa League kam der Video-Assistent erstmals beim Europa-League-Finale 2019 in Baku zum Einsatz. Der flächendeckende Einsatz des Video-Assistenten in der Europa League ist zur Saison 2020/21 erfolgt.europapokal.de: Videobeweis im Fußball: Wo ist der Videoassistent bereits im Einsatz? Artikel vom 19. April 2019.

Abseitsprüfung Seit der Saison 2022/23 wird in einigen internationalen Wettbewerben die halbautomatische Abseitserkennung eingesetzt. Bei dieser wird mittels eines Kamerasystems und einem Sensor im Ball bei Torerzielungen eine Abseitsposition überprüft. Der VAR muss dann nur noch prüfen, ob abseits stehende Spieler aktiv in das Spielgeschehen eingegriffen haben.Wie die halbautomatische Abseitserkennung funktioniert. In: n-tv.de, 19. November 2022. Ohne dieses Hilfsmittel muss der VAR mittels von einer Software erzeugter sogenannter kalibrierter Linien zunächst beurteilen, ob eine Abseitsposition vorliegt.Wie die Überprüfung durch den VAR am Beispiel Abseits funktioniert. In: bundesliga.com, abgerufen am 23. Juni 2024.

Kritik und Diskussion Über den Video-Assistenten wird seit seiner Einführung kontrovers debattiert. Kritisiert wird die lange Dauer, bis das Video analysiert wurde, und die Intransparenz für die Zuschauer im Stadion. Zudem wird von Manipulationsvorwürfen durch den Video-Assistenten berichtet. Weitere Vorwürfe sind, dass der Video-Assistent bei offensichtlichen Vergehen untätig bleibt oder umgekehrt, dass der Video-Assistent eingreift, obwohl keine klare Fehlentscheidung vorliegt.Die Liga ist genervt und Rudi Völler auf der Palme. In: Welt.de, 28. August 2017. Die Süddeutsche Zeitung folgert, „dass die Technik dem Fußball die Seele raubt“ und 11 Freunde dass „der Fußball zerstört wird“. „Der Begriff Videobeweis […] suggeriert eine Objektivität, die längst nicht immer gegeben ist“, meint Alex Feuerherdt von Collinas Erben. Im September 2019 wurden 150.000 Personen zum Video-Assistenten befragt, davon befürworten 50 % den Video-Assistenten, während 40 % ihn ablehnen. Hauptkritikpunkt ist die Umsetzung, die von 71 % als „schlecht“ bezeichnet wird. 62 % sind der Ansicht, dass der Video-Assistent dem Fußball die Emotionen nimmt. Von 239 befragten Bundesligaspielern lehnen 151 den Video-Assistenten ab.