Rudolf Kubitschek (* 29. Dezember 1895 in Böhmisch-Röhren/České Žleby bei Wallern im Böhmerwald; † 29. Mai 1945 in Prachatitz) war ein Volkskundler und Schriftsteller.

Leben Kubitschek wurde 1895 als Sohn eines Finanzbeamten in Böhmisch-Röhren bei Wallern geboren. Er besuchte die deutschen Gymnasien in Saaz und Prachatitz und studierte dann an der Deutschen Universität Prag Germanistik, Geschichte und Geographie. Seine 1919 eingereichte Wissenschaftliche Hausarbeit behandelt die „Siedlungsgeschichte des Böhmerwaldes in slavischer Zeit und die Anfänge der deutschen Kolonisation“. 1920 promovierte er bei Primus Lessiak mit einer „Dialektgeographie des Böhmerwaldes“. In den folgenden 25 Jahren war Kubitschek als Gymnasialprofessor in Dux, Prag, Plan bei Marienbad, Eger und Pilsen tätig, doch kam er in den Ferien immer wieder in seine Böhmerwaldheimat. Er wohnte in seinem Elternhaus in Prachatitz, das er 1931 übernahm.

Schon der junge Hochschüler schrieb Mundartdichtungen und Böhmerwaldgeschichten, die ab 1914, oft unter einem Decknamen, in Prager Zeitungen und Zeitschriften erschienen. Gemeinsam mit dem Heimatforscher Josef Blau und dem Dichter Hans Watzlik begründete und redigierte Kubitschek ab 1919 die im Verlag Moldavia in Budweis erscheinenden „Böhmerwäldler Dorfbücher“, als deren ersten Band er die „Hirschauerstücklein“ herausgab, eine Sammlung böhmerwäldischer Volksschwänke. 1920 gründete Kubitschek zusammen mit anderen Heimatforschern im Bezirk Prachatitz die heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft „Goldener Steig“, die in den folgenden Jahren auch den genauen Verlauf dieses alten Saumhandelsweges zwischen Prachatitz und der Landesgrenze erforschte und 1927 mit Tafeln markierte. 1921 gab Kubitschek gemeinsam mit dem Hohenfurter Zisterzienser und bedeutenden südböhmischen Historiker Valentin Schmidt (1863 bis 1927) die Geschichte und Volkskunde der Stadt Wallern heraus: „Wallern und die Wallerer“, als vierter Band in der Reihe der „Böhmerwäldler Dorfbücher“ erschienen, wurde zum Muster volkstümlicher und dennoch wissenschaftlich fundierter Ortsgeschichten. Auch knüpfte er Kontakte zu bayerischen Forschern. Mehrere Jahre war er Schriftleiter der in Passau erscheinenden „Monatsschrift für die ostbayrischen Grenzmarken“ für die Beiträge aus Böhmen. Bayerische Zeitschriften brachten in den zwanziger und dreißiger Jahren viele Aufsätze Kubitscheks, seine geschichtliche Arbeit „Die Holzhauersiedlung Fürstenhut“ wurde 1921, sein Büchlein, „Bauernrätsel“ 1922 bei Waldbauer in Passau verlegt. Dem grenznahen Böhmerwalddorf Fürstenhut, der Heimat seiner väterlichen Vorfahren, fühlte sich Kubitschek innig verbunden. Er erforschte exemplarisch die Geschichte, half den Fürstenhutern mit Rat und Geldspenden und organisierte bei ihnen im Sommer 1926 ein bayerisch-böhmisches Heimatfest. 1933 machte ihn die Gemeinde Fürstenhut zu ihrem Ehrenbürger.

Rudolf Kubitschek verstand es, die Ergebnisse seiner Archiv- und Feldforschungen zur Siedlungsgeschichte, sprachlichen Volkskunde und Mundartgeographie allgemeinverständlich darzustellen. Seine wissenschaftlichen Aufsätze erschienen vor allem in der „Monatsschrift für die ostbayrischen Grenzmarken“ und in der von seinem Freund Universitätsprofessor Dr. Gustav Jungbauer in Prag herausgegebenen „Sudetendeutschen Zeitschrift für Volkskunde“. Seine wahrscheinlich wichtigsten Publikationen sind zum einen „Die Mundarten des Böhmerwaldes“, die aus seiner Dissertation hervorging und mit einer Dialekt-Verbreitungskarte 1927 erschien, zum andern das Büchlein „Von den Namen der Heimat“, das 1923 zugunsten des damals gegründeten Böhmerwaldmuseums in Oberplan publiziert wurde. In seiner Broschüre „Tief drinn im Böhmerwald“ (1931) macht Kubitschek mit Andreas Hartauer (1839 bis 1915) bekannt, dem zuvor fast vergessenen Schöpfer des Böhmerwaldliedes. Kubitschek bewirkte auch, dass Hartauer 1937 in Eleonorenhain, wo er als Glasmaler tätig gewesen war, ein Denkmal erhielt.

Rudolf Kubitschek war ernster Wissenschaftler und zugleich ein Schelm und Spaßvogel, der gern unter seinen Waldlern am Wirtshaustisch saß und nie ein gutes Bier verachtete. Der Dichter Karl Franz Leppa widmete 1950 seinem Freund Rudolf Kubitschek einen späten Nachtruf: „Der stärkste Wesenszug seiner Persönlichkeit war ja sein Humor. Am wohlsten fühlte er sich deshalb unter seinen Wäldlern, wo er überall mittat, ob es nun buchen oder sonstwie gemütlich grob zuging, wofür er dann offenherzige und treue Freunde unter den Holzhauern hatte und bei ihnen nicht anders als ihr ‚Doktor‘ hieß. Mit seinem verwitterten Spitzhütl auf dem Kopf und der kurzen Pfeife zwischen den Zähnen, stets eine Mundvoll Witz und Heiterkeit vorrätig, und alles ringsum in beste Laune zu bringen, so wanderte er zwischen dem Plöckenstein und dem Osser die Waldheimat auf und ab im Laufe seines allzu kurzen Daseins. Im Leben hart geprüft durch den Verlust aller seiner Geschwister, war er uns und seiner greisen Mutter, die ihn überlebte und nun, auch heimatvertrieben, an unserem Elend ihr Teil nimmt, der allzeit fröhliche ‚Kubi‘ gewesen…“

Unermüdlich zeichnete Kubitschek auf seinen Wanderungen und Fahrten durch den Böhmerwald nicht nur die Mundartformen, sondern jegliche Volksüberlieferung auf, besonders die volkstümlichen Schwankdichtungen, die er dann in zahlreichen Beiträgen und Büchern wiedergab, von denen manche mehrere Auflagen erlebten. 22 kleinere und größere selbständige Schriften und über ein halbes Tausend wissenschaftliche oder populäre Abhandlungen und Aufsätze veröffentlichte Kubitschek. Und er beschrieb darin, ohne es zu wissen, eine Welt, die mit ihm untergehen sollte: den alten Böhmerwald.

Rudolf Kubitschek, der unverheiratet geblieben war, starb kurz nach Kriegsende am 29. Mai 1945, kaum fünfzigjährig, nach schwerer Krankheit in seinem Elternhaus in Prachatitz. Der Tote wurde im Beisein nur weniger auf dem Prachatitzer Friedhof bestattet. Sein Grab ist heute nicht mehr erhalten.

Der größte Teil seines Nachlasses gelangte ins Stadtarchiv Prachatitz (jetzt als Nachlass Rudolf Kubitschek im Statni okresni archiv Prachatice), der kleinere ins Böhmerwaldmuseum Passau.Paul Praxl in Hoam! 46. Jg. Dez. 1995.

Werke Hirschauerstücklein. Budweis 1919. Böhmerwäldler Bauernschwänke. Wien, Prag, Leipzig 1920. Wallern und die Wallerer. (zusammen mit Valentin Schmidt). Budweis 1921. Die Holzhauersiedlung Fürstenhut. Passau 1921. Bauernrätsel. Passau 1922. Von den Namen der Heimat. Oberplan 1923. Böhmerwäldler Spottbüchlein. Prachatitz 1925. Hundert altdeutsche Schwänke. Reichenberg 1926. Die Mundarten des Böhmerwaldes. Pilsen 1927. „Tief drin im Böhmerwald“. Das Heimatlied der Böhmerwäldler. Pilsen 1931. Eleonorenhain. Hundert Jahre Böhmerwäldler Glasmacherkunst. Eger 1932. Waldler. Kurzweilige Geschichten. Pilsen 1934. Die Herkunft der Wallerer. Prag 1935. Schnurren und Schwänke aus dem Böhmerwald. Karlsbad 1939. Böhmerwald – nicht Böhmerwald. Winterberg 1939. Allerlei Bayerisches und Böhmisches. Volkskundliche Aufsätze. Winterberg 1940. Pilsen. Vergangenheit und Gegenwart. Pilsen 1940. Glück und Segen. Alte und neue Böhmerwald-Schwänke. Karlsbad, Leipzig 1942. Der Böhmerwald lacht. Schnurren und Schwänke. Karlsbad 1944. Waldbauerng’schichten. Wien 1948 (posthum).

Literatur Archiv des Böhmelwaldmuseums Passau, Biographische Sammlung: Rudolf Kubitschek. Gerhard Lüdtke (Hrsg.): Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 1943. Berlin 1943, Spalten 610–611. Viktor E. Zimmer: Professor Dr. Rudolf Kubitschek. In: Böhmerwäldler Heimatbrief. Nr. 12, Geisenfeid 1949, S. 60. Karl Franz Leppa: Rudolf Kubitschek zum Gedächtnis. In: Hoam! Monatsschrift für die Böhmerwäldler, 3. Jg., Waldkirchen 1950, Nr. 5, S. 7. Josef Oswald: Bayerische Heimatbewegung und -forschung zwischen den zwei Weltkriegen. In: Historisches Jahrbuch der Görresgesellschaft. 72. Band, München 1953, S. 604–14. Heinrich Renner: Dr. Rudolf Kubitschek, seine letzten Lebenstage. In: Böhmerwäldler Heimatbrief. Nr. 76, Geisenfeid 1954, S. 209. Eduard Eisenmeier: Das Werk Rudolf Kubitscheks. In: Böhmerwäldler Heimatbrief. Nr. 79, Geisenfeid 1955, S. 289–291. Eduard Eisenmeier: Bibliographie zum Werke Rudolf Kubitschek. Typoskript 1955 (im Archiv des Böhmerwaldmuseums Passau, Nachlass Eduard Eisenmeier; dieses Verzeichnis konnte inzwischen wesentlich ergänzt und berichtigt werden). Paul Praxl: Rudolf Kubitschek. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch für Geschichte, Kunst und Volkskunde, 2. Band, Passau 1958, S. 308–310. Karl Keusch: Damals in der Heimat im Böhmerwald. (Fürstenhut) Grafenau 1992, S. 24, 6269,73. Paul Praxl: Rudolf Kubitschek 1895 – 1945 – 1995. In: Hoam! 46. Jahrgang, Dezember 1995.

Weblinks

Dokumente: https://www.kohoutikriz.org/autor.html?id=kubit&t=p

Einzelnachweise

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