mini|Luigi Alessandro Gonzaga

Luigi Alessandro Gonzaga di Castiglione (auch Aloisio oder Aloysius) (* 20. April 1494 in Luzzara; † 19. Juli 1549 in Castelgoffredo) war ein italienischer Adliger und Condottiere in der Zeit der Renaissance, der über zwei Jahrzehnte in den Italienischen Kriegen kämpfte. Als Herr von Castiglione, Solferino und Castelgoffredo begründete er eine Nebenlinie des weitverzweigten Hauses Gonzaga, die bis zum Jahr 1819 bestand.

Luigi Alessandro Gonzaga, ein Condottiere der italienischen Renaissance Herkunft Luigi Alessandro war der jüngere der beiden Söhne des Markgrafen Rodolfo Gonzaga di Castiglione aus dem alten italienischen Adelsgeschlecht der Gonzaga, aus dessen Ehe mit Caterina Pico della Mirandola, verwitwete di Carpi. Sein Großvater väterlicherseits war Markgraf Ludovico III. von Mantua, dessen Enkel Gianfrancesco II. Gonzaga, Markgraf von Mantua (1484–1519), war Luigis Cousin.

Neben seinem sechs Jahre älteren Bruder Gianfrancesco hatte er noch vier Schwestern sowie drei Halbgeschwister aus der ersten Ehe seiner Mutter, die als Angehörige der Familie Pio di Savoia die Nachfolge ihres Vaters in der Herrschaft Carpi beanspruchten.

Am 6. Juli 1495 fiel der Vater in der Schlacht bei Fornovo im Alter von 43 Jahren. Gianfrancesco und Luigi Alessandro traten formal die Nachfolge ihres Vaters als Herren von Castiglione, Luzzara, Solferino und Castelgoffredo an. Die Mutter, Marchesa Caterina, übernahm für ihre erst sieben und ein Jahr alten Söhne die Vormundschaft. Das Gebiet, das sie vom Vater geerbt hatten, hatte dieser nach dem Tod von Markgraf Ludovico III. von Mantua, gemeinsam mit seinem damals noch minderjährigen Bruder Ludovico, im Jahr 1478 erhalten. Der Nachfolger, Markgraf Federico I., hatte seinen Brüdern Grenzgebiete der Markgrafschaft Mantua zugesprochen. Die Vereinbarung, die zwischen den Brüdern festgelegt worden war, wurde am 10. Juni 1479 von Kaiser Friedrich III. ratifiziert. abgerufen am 26. Mai 2018 Federico I., der mit einigen Punkten dann doch nicht zufrieden war, trat mit seinen Brüdern Gianfrancesco und Rodolfo in Nachverhandlungen. Dadurch bekam Luigi Alessandros Vater im Jahr 1480, gegen Gebietsabtretungen an Mantua (Canneto und Mariana), auch die Herrschaft Luzzara.

Kindheit und Jugend Im Dezember 1501 starb die Mutter unter obskuren Umständen eines unnatürlichen Todes. Ariosto berichtet darüber in seinem Epilog für Alberto Pio, Caterinas Sohn erster Ehe. Manche Quellen sagen, sie sei von ihrer Magd vergiftet worden, andere, sie sei im Schlaf von ihr erdrosselt worden. Von verschmähter Liebe einerseits, von Geldgier andererseits, ist die Rede. abgerufen am 31. Mai 2018 Gianfrancesco war zu diesem Zeitpunkt dreizehn Jahre alt, Luigi Alessandro erst sieben. Ihr 35-jähriger Cousin Markgraf Gianfrancesco II. von Mantua nahm die Vollwaisen unter seinen Schutz und half Luigi Alessandro bei der Erfüllung der testamentarischen Verfügung seines Vaters, als er im Jahre 1511 die Erbrechte auf Castelgoffredo geltend machte. Anfang Januar dieses Jahres war der Bischof von Mantua, ihr gemeinsamer Onkel gestorben, unter Hinterlassung eines Testaments zu Gunsten eines anderen Neffen, was den Abmachungen widersprach, die damals unter den vier Brüdern getroffen worden waren. Um seinen Besitz zu deklarieren, ließ der älteste Sohn des Gianfrancesco Gonzaga di Sabbioneta Castelgoffredo besetzen, doch am 30. Januar konnte Luigi Alessandro mit Hilfe bewaffneter Truppen des Markgrafen von Mantua den rechtmäßig ererbten Besitz zurückerobern.

Durch Maximilian I. war bereits im Jahr 1502 das Lehen bestätigt und die Primogenitur festgesetzt worden. Im Jahr 1515 erfolgte durch Kaiser Maximilian I. die Investitur. Die Brüder Gianfrancesco und Luigi Alessandro regierten die Herrschaften gemeinschaftlich. Am 29. Mai 1521 wurde die Investitur durch Kaiser Karl V. bestätigt; im Anschluss nahmen die Brüder eine Teilung vor. Luigi Alessandro wurde alleiniger Herr von Castiglione, Solferino und Castelgoffredo, während Gianfrancesco alleiniger Herr von Luzzara wurde. Er wurde Stammvater der Markgrafen von Luzzara; die Nebenlinie Gonzaga di Luzzara erlosch im Mannesstamm im Jahr 1794.

Militärische Laufbahn als Condottiere Markgraf Gianfrancesco II. von Mantua beschloss, Luigi Alessandro im Waffenhandwerk ausbilden zu lassen, womit dieser in die Fußstapfen seines Vaters trat. Sein Debüt in dieser Rolle fand anlässlich der Belagerung von Asola im Kampf gegen die Venezianer im Oktober 1515 statt. , abgerufen am 3. Juni 2018 Im darauffolgenden Jahr wurde er an den Hof von Francesco Maria I. della Rovere, Herzog von Urbino, geschickt, um die militärische Kunst zu verfeinern und blieb bis Ende 1516 dort. Zwischen 1516 und 1520 pendelte Luigi im Auftrag des Papstes zwischen Rom und Frankreich. Luigi Alessandro heiratete am 24. Juli 1519 in Mantua Ginevra Rangoni aus Modena, Tochter des Grafen Niccolò Maria Rangoni und Witwe des Grafen Giangaleazzo von Correggio.Girolamo Tiraboschi: Storia della letteratura italiana, 1809 Das Ehepaar wohnte zunächst in Mantua und weilte oft am Musenhof der seit März 1519 verwitweten Markgräfin Isabella d’Este. Bei einem dieser Besuche lernte Luigi den Dichter Matteo Bandello kennen, den er später als Gast an seinen Hof in Castelgoffredo holen wird.

mini|Luigi Alessandro Gonzaga Im Jahr 1521 nahm Luigi Alessandro mit den päpstlichen Truppen unter Führung von Gianfrancescos Sohn Federico II., Gonfaloniere der Kirche, an der Belagerung von Parma teil, das von den Franzosen besetzt war. Die Vertreibung der Franzosen war zwar erfolgreich, die Stadt kapitulierte nach nur drei Tagen, aber Luigi Alessandro trug eine schwere Verletzung am Bein davon, die ihn zwang, für den Rest seines Lebens zu hinken. Luigi lebte mit seiner Frau, die Ehe blieb kinderlos, hauptsächlich in seinem Palazzo in Mantua (heute Archivio di Stato di Mantova), den er von seinem Vater geerbt hatte. Etwa ab 1520 bis 1532 begann er mit dem Ausbau von Castelgoffredo, das er mit Türmen und einem Wassergraben sicherte, und der Verschönerung des dortigen Schlosses (heute Palazzo Gonzaga-Acerbi) mit Gemälden, die Schülern von Giulio Romano zugeschrieben werden. Diesem repräsentativen Sitz fügte er ab etwa 1530, am Rande von Castelgoffredo, noch ein Landhaus hinzu (heute Villa Gambaredolo).

Im Mai 1523 begleitete er Ferrante Gonzaga, den 16 Jahre alten Bruder von Markgraf Federico II., nach Spanien an den Hof von Kaiser Karl V., der dort seine lange militärische Karriere in kaiserlichen Diensten begann. Nach seiner Rückkehr im November 1523 stellte er sich Anfang 1524 in den Dienst der Venezianer, zu dieser Zeit Verbündete des Kaisers. An der Schlacht von Pavia nahm er nicht teil, aber am Folgetag, dem 25. Februar 1525, traf er den französischen König Franz I., der in der Burg von Pizzighettone gefangen gehalten wurde. Luigi setzte sich bei dieser Gelegenheit für die Freilassung eines Verwandten aus dar Bozzolo-Linie der Gonzaga ein, der auch ein Gefangener war. Im Herbst 1526 kämpfte er gegen die Landsknechte, die in Italien eingefallen waren und Richtung Rom marschierten. Venedig hatte die Seiten gewechselt und war der Liga von Cognac des französischen Königs beigetreten. Im November stand er an der Seite von Giovanni dalle Bande Nere, der den Befehl über die päpstlichen Truppen gegen die Kaiserlichen hatte, als der Medici-Spross bei Governolo schwer verwundet wurde. Da kein Arzt in der Nähe gefunden wurde, ließ Luigi Alessandro den Kameraden in seinen etwa 15 Kilometer entfernten Palazzo nach Mantua schaffen. Trotz Amputation erlag dieser fünf Tage später dort seiner Verwundung.

Nach der Plünderung Roms im Mai 1527 quittierte Luigi den venezianischen Dienst und zog sich nach Castelgoffredo zurück. Ab 1529 kam es zu einer Annäherung zwischen Markgraf Federico II. und dem Kaiser. Bei der Ankunft von Karl V. in Italien reiste Luigi Alessandro im Auftrag Federicos zur Huldigung nach Genua.Marion Philipp: Ehrenpforten für Kaiser Karl V.: Festdekorationen als Medien politischer Kommunikation, abgerufen am 5. Juni 2018 Am 5. November 1529 nahm er am feierlichen Einzug des Kaisers in Bologna teil und ebenso war er bei der Krönung des Kaisers am 24. Februar 1530 anwesend. Dem folgte am 25. März der Besuch des Kaisers in Mantua, bei dem in einer feierlichen Zeremonie Federico II. Gonzaga die herzogliche Würde verliehen wurde. Nach einer zweijährigen Ruhephase, die er zum Ausbau seiner Residenz Castelgoffredo nutzte, gingen ihm die Finanzen aus und er nahm wieder militärische Aufgaben wahr. Im Sommer 1532 trat er den kaiserlichen Truppen Karls V. in Österreich bei, um sich dem türkischen Vormarsch zu stellen, aber nachdem die osmanische Gefahr überwunden war, kehrte er im Oktober nach Italien zurück. Im August des folgenden Jahres reiste er noch einmal nach Spanien, um für den Herzog von Mantua den Anfall von Montferrat zu regeln. Diese Mission blieb erfolglos, da der Fall einer juristischen Kommission überlassen wurde.

Rückzug ins Privatleben und Verstrickungen in Machtkämpfe Im Laufe der Jahre verschlechterte sich sein Gesundheitszustand stetig. Neben den immer zahlreicher werdenden Beschwerden seiner Verletzung am Bein, wurde er auch durch Gichtanfälle geplagt, die ihn in den letzten Lebensjahren dazu zwangen, einen großen Teil der Zeit bewegungslos auf einem Stuhl zu verbringen. Aus diesem Grund musste er mit der Zeit seine Tätigkeit als Soldat reduzieren, nahm aber, obwohl er oft leidend war, an den militärischen Ereignissen teil, die zwischen 1536 und 1537 in Piemont stattfanden. Der nach dem Tod des Francesco II. Sforza, ausgebrochene Krieg zwischen König Franz I. und Kaiser Karl V. um das Herzogtum Mailand hatte verschiedene Fronten. Luigi Alessandro kämpfte im Feldzug von 1537 unter Alfonso d’Avalos gegen die Franzosen in Piemont. Nach dem Ende der Kampfhandlungen kehrte er auf seine Ländereien zurück und nahm nicht mehr direkt an nachfolgenden militärischen Aktionen teil.

Luigi Alessandro hatte ein sehr kämpferisches und glorreiches Leben. Es gab jedoch auch Schattenseiten, so wurde ihm die Ermordung des Francesco Maria I. della Rovere im Jahr 1538 zur Last gelegt. Von der Republik Venedig und vom Kaiser wurde er entlastet und der Vorwurf entkräftet, die wahren Umstände konnten aber nie vollständig geklärt werden. Neun Jahre nach der Ermordung des Herzogs von Urbino gab es einen weiteren Mord, in den Luigi involviert war. Pier Luigi II. Farnese, der Herzog von Parma fiel 1547 einem Komplott des Adels in Piacenza zum Opfer.