mini|Turmfassade an der Place Jeanne d’Arc mini|Lage auf dem Heiligkreuzhügel in der Innenstadt mini|Inneres mit Blick zur Apsis Die St.-Segolena-Kirche (französisch: Église Sainte-Ségolène) befindet sich in Metz an der Place Jeanne d’Arc (vormals deutsch: Schmiedplatz) auf dem Heiligkreuzhügel (Colline Sainte-Croix), der höchsten Erhebung der Innenstadt. Die weithin sichtbare katholische Segolenakirche gehört aufgrund ihrer Proportionen, des hochaufragenden Turmpaares sowie ihres prachtvollen inneren Bilderschmucks, der in der Tradition einer Biblia pauperum steht, zu den eindrucksvollsten Sakralbauten der Stadt Metz. Der Kirchenbau besteht aus dem ortstypischen gelben Jaumont-Stein. Die mittelalterlichen Teile der Kirche (Krypta, Apsis) wurden im Jahr 1981 in der Kategorie „classé“, die historistischen Teile der Kirche aus dem 19. Jahrhundert nur in der Kategorie „inscrit“ als „Monument historique“ verzeichnet. Im Jahr 2013 wurde die gesamte Kirche in der Kategorie „classé“ unter Denkmalschutz gestellt.

Standort der Kirche Auf der strategisch günstig gelegenen Stelle zwischen den Flüssen Mosel und Seille ließen sich die Kelten um das Jahr 1000 vor Chr. nieder. Hier legten die Römer ein Forum an und die Merowingerkönige residierten in einem Palast. Im hohen und späten Mittelalter wurden hier die Stadtburgen des Metzer Patriziats errichtet. Der heute der heiligen Johanna von Orleans gewidmete Platz vor der Kirche weist einen Springbrunnen auf. Der Legende nach soll sich Jeanne d’Arc/Jeanne des Armoises hier im Jahr 1436 mit ihrem Ehemann Robert des Armoises aufgehalten haben, nachdem sie vor dem Tod auf dem Scheiterhaufen gerettet worden sei. Anschließend sei das Paar zum lothringischen Schloss Jaulny gereist, wo es seinen Lebensabend verbracht hätte.

Patrozinium Der anonymen, aus verschiedenen Heiligenlegenden kompilierten Vita zufolge, soll die heilige Segolena (Siglind von Troclar), deren Kirchenfest am 24. Juli gefeiert wird, Mitte oder gegen Ende des 7. Jahrhunderts in Albi als Tochter eines aquitanischen Adeligen geboren worden sein. Ihr Bruder sei der Metzer Bischof Sigebald gewesen. Historisch ist das anzuzweifeln, doch ist in diesem angeblichen familiären Zusammenhang der Grund für die Verehrung der Heiligen in Metz zu sehen. Segolenas Vita berichtet weiter, dass sie nach dem Tod ihres Gatten – einem Adeligen, mit dem sie zehn Jahre lang verheiratet gewesen war – die erste Äbtissin von Troclar wurde, einem unweit von Albi gelegenen Kloster, das ihr Vater Chramiscus eigens deswegen gestiftet haben soll. An diesem Ort verstarb auch die Heilige. Das genaue Todesjahr ist unbekannt. Nach ihrem Tod breitete sich die Verehrung der Heiligen Segolena von Albi ausgehend vor allem im südwestlichen Frankreich aus. Ausläufer gibt es aber bis nach Spanien und vor allem, aus genanntem Grund, bis nach Metz. Sehr früh ist hier ein Zentrum des Segolena-Kultes feststellbar. Möglicherweise trugen dazu zusätzlich Verbindungen des Metzer Bistums zu Südfrankreich und vor allem zum Gebiet um Albi bei. Von Metz ausgehend lässt sich die Verehrung der heiligen Segolena auch in Echternach, Toul, Remiremont/Romberg und in Senones/Sens nachweisen.

Geschichte Die Segolenakirche erscheint bereits in der Liste der Metzer Stationskirchen aus der Mitte des 9. Jahrhunderts, dann auch zum Jahr 912 im Kopialbuch der Abtei Gorze. Von dem ersten Kirchenbau, der der heiligen Segolena geweiht war, hat sich nur noch die Krypta unter dem heutigen Chor erhalten.

Um 1250 ließ das Metzer Domkapitel, welches das Patronat über diese Pfarrei besaß, eine neue Kirche errichten. Von ihr haben sich bis heute der Hauptchor, die beiden seitlichen Nebenchöre und die ersten drei Langhausjoche erhalten. Die gotische Kirche wurde mit einem reichen Glasfenster- und Freskenschmuck versehen. Dabei thematisiert wurde die Legende „Die drei Lebenden und die drei Toten“, eine Geschichte, die seit dem 11. Jahrhundert in vielen europäischen Ländern in kleinen Variationen anzutreffen ist und das Zusammentreffen dreier Lebender mit drei Toten schildert. Die Legende betont, ganz in mittelalterlichem Weltverständnis, die Nichtigkeit des Erdenlebens.

Zwischen 1896 und 1898 wurde unter Leitung des Architekten Conrad Wahn eine umfangreiche Erweiterung der Kirche um drei Joche und eine abschließende Westfassade, die sich an der Marburger Elisabethkirche orientiert, vorgenommen. Dabei zerstörte man die alte Fassade aus dem Jahr 1470 sowie das zum Vorhof der Kirche führende, mit reichem Blattwerk geschmückte Portal.

Die drei ursprünglichen Langhausjoche wurden unter dem Architekten Conrad Wahn komplett abgebaut und unter Verwendung alter Substanz leicht verändert wiederaufgebaut. Die mittelalterlichen Fresken der Kirche, die man im Jahr 1850 wiederentdeckt hatte, wurden beim neogotischen Umbau zerstört. Die umgestaltete Kirche wurde im Jahr 1898 feierlich eingeweiht.R. S. Bour: Ein Rundgang durch die Metzer Kirchen und Kapellen. in: A. Ruppel (Hrsg.): Lothringen und seine Hauptstadt, Eine Sammlung orientierender Aufsätze. Metz 1913, S. 431–432.Niels Wilcken: Vom Drachen Graully zum Centre Pompidou-Metz – Metz, ein Kulturführer. Merzig 2011, S. 99–108.

Architektur Äußeres

Die Segolenakirche ist eine dreischiffige Basilika mit einem fünfjochigen Langhaus, an das sich ein zweischiffiges Querhaus anschließt. Die polygonale Choranlage über einer romanischen Krypta ist in nordöstlicher Richtung gelegen und wird von zwei ebenfalls polygonalen Nebenchören flankiert. Über einer inneren Vorhalle erhebt sich eine Orgelempore, die auch über die Seitenschiffe weitergeführt wird. Auf den Kapitellen der Rundpfeiler sitzen dreiteilige Gewölbedienste auf. Die Rippen und Gurte der Arkaden sind birnstabförmig profiliert. Die Seitenschiffe sind durch dreiteilige Fenster, die Obergaden durch zweiteilige Fenster erhellt. Um einen architektonischen Gegensatz zur Fassade des Metzer Domes zu erreichen, entwarf Architekt Conrad Wahn eine neogotische Zweiturmfassade mit drei gestuften Trichterportalen, die ein reiches Skulpturenprogramm aufweisen. Die beiden Fassadentürme orientieren sich an den Türmen der Marburger Elisabethkirche aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, allerdings sind die Metzer Turmhelme im Gegensatz zu denen in Marburg schiefergedeckte Holzkonstruktionen.

Die Skulpturen der drei Portale stammen von Auguste Dujardin (1847–1921), einem Bildhauer, der zusammen mit seiner Werkstatt auch die Figuren für das Liebfrauenportal und das Hauptportal des Metzer Domes fertigte. Die Figuren auf der linken Seite des Hauptportals stellen (von links nach rechts) die heilige Waldrada dar, die die erste Äbtissin des Metzer Kosters St. Peter zu den Nonnen war. Es folgen der heilige Trudo, der Domschatzmeister der Metzer Kathedrale sowie der Metzer Bischof Arnulf. Auf der rechten Seite des Portals sieht man (von rechts nach links) Hildegard, eine der Ehefrauen Karls des Großen, den Metzer Märtyrerheiligen Livarius sowie den heiligen Sigibert, den König von Austrasien. Der als mittelalterlicher Ritter in Rüstung dargestellte Livarius war der Legende zufolge ein aus Metz stammender Edelmann und Soldat. In der Zeit des Hunnensturms soll der Heilige die Hunnen bekämpft und versucht haben, sie zum Christentum zu bekehren. Der Hunnenkönig Attila soll Livarius bei Moyenvic persönlich geköpft haben. Durch ein göttliches Wunder habe Livarius sein Haupt aufgehoben und einen Hügel bestiegen, auf dem er dann beerdigt wurde. Im Metzer Stadtteil Pontiffroy wurde dem Heiligen eine Kirche (St. Livier) geweiht, die heute noch als Ruine erhalten ist.

Der Türsturz stellt das Sterben der heiligen Segolena dar, während sie ihr Bruder, begleitet von einem Ministranten, mit den Sterbesakramenten versieht. Eine Nonne richtet der auf einem Bett liegenden Heiligen das Kissen, damit sie mit aufgerichtetem Oberkörper die Kommunion empfangen kann. Zwei kniende Klosterfrauen mit Leuchtern beobachten ehrfürchtig die Szene. Im Feld darüber empfangen zwei Engel die Heilige im Himmel. Segolena ist in Nonnentracht dargestellt. In ihrer Rechten trägt sie eine Siegespalme, in ihrer Linken die Bibel. Während der linke Engel ein Weihrauchfass schwenkt, überreicht der rechte der Heiligen die Krone des Lebens. Die Flachreliefs zu beiden Seiten des Hauptportals zeigen links Szenen aus dem Leben des Heiligen Livarius und rechts Szenen aus dem Leben der heiligen Segolena.

Das bronzene Hauptportal der Segolenakirche, ein Werk des in Nancy tätigen Künstlers Eugène Vallin (1856–1922) aus dem Jahr 1903, ist der heiligen Segolena gewidmet. Das linke Portal thematisiert das Martyrium der heiligen Brüder Ferreolus, der als Bischof von Besançon gilt, und Ferrutius. In einer Figurengruppe wird dem in bischöfliche Gewänder gehüllten Ferreolus von seinen heidnischen Peinigern mit einer Zange die Zunge herausgerissen, während sein als Diakon gekleideter Bruder Ferrutius dem grausamen Treiben hilflos zusehen muss. Das rechte Portal stellt die Wiederauffindung des heiligen Kreuzes Christi durch die heilige Helena in Jerusalem dar. Es nimmt Bezug auf den Namen des Hügels, auf dem sich die Kirche befindet: Der „Heiligkreuzhügel“.

Nach dem Zeugnis des Bischofs Ambrosius von Mailand und des Eusebius reiste Helena im Alter im hohen Alter nach Palästina. In Jerusalem wies Helena um 326 den Bischof Makarios darauf hin, dass der Überlieferung nach unter einem von den Römern im 2. Jahrhundert errichteten Venustempel das Grab Christi liegen müsse. Nach der Legende veranlasste Helena Grabungen, bei denen der Ort des Heiligen Grabes sowie das Kreuz Christi gefunden wurden. Von den bei den Grabungen entdeckten drei Kreuzen wurde das wahre Kreuz Jesu nach mittelalterlichen Legenden durch eine Totenerweckung bei Berührung des echten Kreuzes identifiziert. Das Bogenfeld des Portals zeigt demnach auch die heilige Helena in kaiserlichen Gewändern bei der Verehrung des Auferweckungswunders. Darüber halten zwei Engel auf Wolkenbänken, die ihre Hände ehrfürchtig in Tücher gehüllt haben, das heilige Kreuz empor.

Die beiden seitlichen Portale erinnern an zwei ehemalige Kapellen, die unter der Oberhoheit der Pfarrei standen und im Lauf der Zeit verschwunden sind: Die erste im 16. Jahrhundert, die andere während der Französischen Revolution.

Im Giebelfeld zwischen den Türmen sind die Statuen des segnenden Jesus Christus mit dem Buch des Lebens sowie die der Apostel Petrus (Himmelsschlüssel) und Paulus (Hinrichtungsschwert) angebracht. Unter den Baldachinen der vier Fassadenstrebepfeiler stehen Skulpturen der vier Evangelisten. Zahlreiche Fabelwesen bevölkern die Fassade.R. S. Bour: Ein Rundgang durch die Metzer Kirchen und Kapellen. In: A. Ruppel (Hrsg.): Lothringen und seine Hauptstadt, Eine Sammlung orientierender Aufsätze. Metz 1913, S. 431–432.Niels Wilcken: Vom Drachen Graully zum Centre Pompidou-Metz – Metz, ein Kulturführer. Merzig 2011, S. 99–108.

Inneres

Im Inneren stellt der Chor mit den beiden seitlichen Nebenchören den einzigen originalen Teil des gotischen Neubaues dar. Die Choranlage ist ein Zeugnis von der Qualität der Metzer Baukunst der Mitte des 13. Jahrhunderts. In dieser Zeit entstanden in Metz das Langhaus der Kathedrale, das Langhaus der Pfarrkirche St. Martin sowie die Abteikirche St. Vinzenz. Mit den beiden letztgenannten Bauten bestehen enge Bezüge. So stellt die markante Choranlage von St. Segolena eine vereinfachte Version derjenigen der Abteikirche St. Vinzenz dar, während das Langhaus eine deutliche Verwandtschaft mit dem von St. Martin aufweist.