mini|hochkant=1.2|Dorfkirche Walddrehna Die evangelische Dorfkirche Walddrehna ist eine gotische Feldsteinkirche in Walddrehna, einem Ortsteil der Gemeinde Heideblick im Landkreis Dahme-Spreewald im Land Brandenburg. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Niederlausitz der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Sie besitzt einen für die Region Südbrandenburg einmaligen Glockenturm auf Rundpfeilern, dessen Baugeschichte unter Experten umstritten ist.

Lage Die Walddrehna Hauptstraße führt in West-Ost-Richtung durch den Ort. Die Kirche steht südlich der Straße auf einem Gelände, das bis auf die Nordseite durch einen schlichten Zaun eingefriedet ist.

Geschichte Baubeginn im 12. bzw. 13. Jahrhundert Zur Baugeschichte des Sakralbaus gibt es unterschiedliche, zum Teil widersprüchliche Angaben. Das Dehio-Handbuch geht davon aus, dass der Bau in seinem Kern nicht vor dem Ende des 13. Jahrhunderts errichtet wurde. Das Buch Brandenburgische Dorfkirchen (siehe Literatur) spricht lediglich von einem Bau aus dem ausgehenden Mittelalter. Begründet werden diese Annahmen mit der Art der Bauausführung, insbesondere die Quaderung der Feldsteine, die bei früheren Bauwerken meist sorgfältig ausfiel, im Laufe der Jahrhunderte ungleichmäßiger wurde und schließlich häufig zu Bauwerken aus Mischmauerwerk führte. Allerdings existieren in der Region auch Bauwerke, die dieser Abfolge nicht entsprechen – beispielsweise die Dorfkirche Waltersdorf. Dort ist der Sockel wenig behauen; darauf setzt ein sorgfältig behauenes Feldsteinmauerwerk auf. Andere Experten können sich vorstellen, dass das Bauwerk im ausgehenden 12. Jahrhundert errichtet wurde und begründen dies mit den auffälligen Rundpfeilern. Bauhistorische Untersuchungen aus den 2000er Jahren ergaben, dass Rundpfeiler, Apsis und Kirchenschiff denselben Setzmörtel aufweisen und auf vergleichbarer Fundamenthöhe gegründet wurden. Die Befunde sprechen für eine einheitliche mittelalterliche Bauphase und gegen die ältere Vermutung, die Pfeiler könnten von einem älteren slawischen Bauwerk stammen.Thomas Krause: Dorfkirche Walddrehna: Die Baugeschichte eines einzigartigen Baudenkmals In: Annegret Gehrmann/Dirk Schumann (Hrsg.): Dorfkirchen in der Niederlausitz: Geschichte – Architektur – Denkmalpflege (= Band 6 der Reihe Kirchen im ländlichen Raum), Lukas Verlag, Berlin 2010 S. 109–143

Bauhistorische Vergleiche Im Rahmen bauhistorischer Untersuchungen verglich Thomas Krause die Dorfkirche Walddrehna mit zahlreichen mittelalterlichen Dorfkirchen der westlichen Niederlausitz und des angrenzenden Flämings. Dabei stellte er fest, dass die Grundrisse der Kirchen in Walddrehna, Riedebeck, Waltersdorf, Uckro, Frankena, Werenzhain, Lugau, Lindena und Schönborn auffällige Übereinstimmungen aufweisen. Bei einer Überlagerung der Grundrisse zeigte sich, dass die Außenkanten der Langhäuser trotz unterschiedlicher Gesamtgrößen in einem nahezu konstanten Abstand parallel zueinander verlaufen. Besonders enge Übereinstimmungen bestehen mit den Kirchen in Riedebeck, Waltersdorf und Uckro. Zur Überprüfung dieser Beobachtung wurden weitere mittelalterliche Kirchen des ehemaligen Kreises Luckau in den Vergleich einbezogen. Bei den meisten der untersuchten Bauwerke konnten entsprechende Übereinstimmungen jedoch nicht festgestellt werden. Die Untersuchungen belegen damit eine auffällige Nähe der Grundrissproportionen zwischen den genannten Kirchen, deren Ursache bislang nicht abschließend geklärt ist.

14. Jahrhundert mini|Südportal aus dem 14. Jahrhundert Nach einer Sondage gilt es als sicher, dass es im 14. Jahrhundert zu einem strukturellen Eingriff in das Gebäude kam. Handwerker brachen in die Südwand des Kirchenschiffs ein kleines Portal, was unter anderem an den – im Vergleich zu allen anderen mittelalterlichen Öffnungen – fehlenden Raseneisensteinen am Sockel des Gewändes ersichtlich ist. Vermutlich zur gleichen Zeit entstand eine Sakramentsnische im südlichen Bogen der Apsis. Ihre Laibung ist einfach gestuft ausgeführt. Die Öffnung wird durch eine hölzerne Tür mit Kastenschloss verschlossen. Um 1470 wurden alle Türen und Fensteröffnungen durch Archivolten spitzbogig überformt. In dieser Zeit entstand weiterhin der Turmaufsatz auf den beiden vorhandenen Rundpfeilern. Handwerker brachen dazu den Westgiebel ab und nutzen eine hölzerne Schalung, um die Arkadenbögen zu errichten. Während im unteren Bereich vorrangig Raseneisenstein und Feldstein verwendet wurde, kam weiter oben zunehmend Mauerstein zum Einsatz. Anschließend wurden alle Fugen verputzt, wenn auch nicht als Sichtfassung. Durch die zahlreiche Verwendung der zu dieser Zeit vergleichsweise teuren Formsteine kam es zu einer erheblichen Aufwertung des Bauwerks. In Verbindung mit der offenen Vorhalle vermuten Experten, dass vermehrt Pilger die Kirche aufsuchten. Dies erscheint schlüssig, zumal Walddrehna zu dieser Zeit an einer Kreuzung zweier bedeutender Handelswege lag.

15. und 16. Jahrhundert Um 1500 wurde die gesamte Fassade mit Ausnahme der Turminnenseite flächig verputzt. Untersuchungen in den 2000er-Jahren ergaben, dass die Handwerker dabei von oben nach unten vorgingen und anschließend eine rote Kalktünche auftrugen, in die Ritzungen mit Dreipässen und Vierpässen eingebracht wurden. Die Portale erhielten eine ornamentale Gestaltung. Zur gleichen Zeit erneuerten Handwerker den Putz im Innenraum oder trugen ihn erstmals auf. Ein Vergleich mit anderen Kirchen der Region lässt den Schluss zu, dass sich die Arbeiten an der rund vierzig Jahre zuvor fertiggestellten Kirche St. Nikolaus in Stendal orientiert haben könnten.

17. Jahrhundert Überlieferungen zufolge wurde der Ort im Dreißigjährigen Krieg im Winter 1636/1637 von schwedischen Truppen bis auf die Kirche, die Försterei und die Schänke verwüstet. Walddrehna stand in dieser Zeit unter der Herrschaft Sonnewalde, und so wurde die Kirche unter der Leitung des Grafen Solms von Sonnewalde instand gesetzt. Dendrochronologische Untersuchungen am Dachwerk ergaben, dass das Holz für den Dachstuhl im Winter 1698 gefällt wurde. Der Aufbau dürfte daher im darauffolgenden Sommer 1699 erfolgt sein. Zuvor wurden die Mauerkronen am Langhaus aufgemauert. Im Zuge dieser Arbeiten erhielt die Apsis ihre Schweifhaube. Anschließend wurde der Innenraum neu gestaltet und eine Empore eingebaut.

18. Jahrhundert 1708 goss Michael Weinholdt in Dresden aus Bronze eine neue Glocke für die Kirche. Sie hat den Schlagton C und wiegt rund 120 kg bei einem Durchmesser von rund 60 cm. Es handelt sich um eine Stiftung des Heinrich Wilhelm Graf zu Sonnewalde und Tecklenburg, der seine Initialen H.W.G.Z.S.V.T sowie das Solmsche Wappen anbringen ließ. Mitte des 18. Jahrhunderts erwarb der Kirchenpatron ein barockes Altarretabel sowie eine passende Kanzel. Das Ostfenster der Apsis wurde gleichzeitig mit Mauersteinen und einem Lehmmörtel verschlossen. Anschließend verputzten Handwerker die äußeren Fenstergewände. Sie verwendeten dabei eine Vielzahl kleinerer Stücke Mauerstein, sodass der Putz eine rosa-rötliche Färbung erhielt.

19. und 20. Jahrhundert Krause gibt bei seinen Untersuchungen an, dass „ab der Mitte des 19. Jahrhunderts“ das Inventar der Kirche ergänzt wurde. Dazu zähle auch ein Taufengel mit einer Taufschüssel, die die Jahreszahl 1853 trägt. Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) datiert den Engel in die Mitte des 18. Jahrhunderts. 1888 erhielt die Kirche eine Orgel. In den 1930er-Jahren stiftete der Gemüsehändler Berthold eine zweite Glocke. Sie hatte einen Durchmesser von 67 cm, musste im Zuge einer Metallspende des deutschen Volkes abgegeben werden und ging verloren. Im Zweiten Weltkrieg traten kaum Beschädigungen auf. Lediglich das Altarblatt wurde von drei Geschossen getroffen, die bei Restaurierungsarbeiten im Jahr 2004 beseitigt wurden. In den Jahren 1953 und 1954 ließ die Kirchengemeinde die Empore und das Gestühl erneuern. Die Kirche erhielt einen Fliesenfußboden sowie eine neue Bretterdecke. Ein an der Kanzel angebrachter Pastorensitz wurde ausgebaut und die Treppe zur Kanzel erneuert. 1955 erhielt die Kirche eine zweite Glocke mit einem Durchmesser von 66 cm. Von 1963 bis 1965 bauten Handwerker eine elektrische Heizung ein und richteten einen Gemeinderaum ein. Ende der 1980er-Jahre wurde das Dach neu eingedeckt, und der Turm erhielt einen neuen Putz. 1992 und 1993 wurde die Orgel überholt und die Ausmalung der 1950er-Jahre überstrichen.

21. Jahrhundert Von 2006 bis 2010 stand die Kirche in Zentrum einer bauhistorischen Untersuchung der TU Berlin. Die Arbeiten dienten einerseits der Vorbereitung künftiger Sanierungsmaßnahmen, andererseits der Erforschung der Baugeschichte des Gotteshauses sowie seiner Einordnung in die mittelalterliche Kirchenlandschaft der westlichen Niederlausitz. Neben einer detaillierten Bauaufnahme erfolgten restauratorische und archäologische Untersuchungen mit kleineren Eingriffen in die historische Bausubstanz. Dabei konnten verschiedene Bauphasen des Kirchengebäudes näher bestimmt und zahlreiche ältere Annahmen zur Baugeschichte überprüft werden. Die Untersuchungen lieferten unter anderem neue Erkenntnisse zur Entstehungszeit und Funktion der Rundpfeiler, zur Entwicklung des Turmaufsatzes sowie zu baulichen Besonderheiten des Kirchenschiffs. Ein weiterer Schwerpunkt war der Vergleich mit anderen mittelalterlichen Dorfkirchen der Region. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen bildeten die Grundlage für neue Datierungsvorschläge sowie für die bauhistorische Einordnung der Kirche innerhalb der westlichen Niederlausitz.

Baubeschreibung

mini|Westportal

Das Bauwerk wurde im Wesentlichen aus unbehauenen und nicht lagig geschichteten Feldsteinen errichtet, die teilweise verputzt wurden. Die Lagenhöhe beträgt durchschnittlich 35 cm; Zwischenräume wurden mit kleinen Feldsteinen oder Bruchstücken zugesetzt. Die Apsis ist halbrund und gegenüber dem Kirchenschiff leicht eingezogen. Das Scheitelfenster war ursprünglich spitzbogig und ist mit rötlichem Mauerstein zugesetzt. An der Nord- und Südseite ist je ein spitzbogenförmiges Fenster mit Gewänden aus Mauerstein, der teilweise als Birnstab ausgeformt wurde. Darauf ist eine geschweifte Haube.

Nach Westen schließt sich das rund 15 Meter lange und rund 8 Meter breite Kirchenschiff an. Die Ostwand ist fensterlos, einzelne Ecksteine bestehen aus behauenem Raseneisenstein. Im Giebel ist eine kleine, hochrechteckige Öffnung. An der Nordseite sind zwei spitzbogenförmige Fenster. Die Öffnungen an der Südseite bestehen zunächst aus einem Spitzbogenfenster im östlichen Bereich des Bauwerks. Das Gewände ist verputzt und abgefast. Nach Westen folgt eine Spitzbogenpforte, westlich davon ein großes und barockes Sprossenfenster, das großflächig mit Mauerstein eingearbeitet wurde. Den Abschluss macht ein gedrückt-segmentbogenförmiges Fenster im westlichen Bereich. Das Schiff trägt ein schlichtes Satteldach, das mit Biberschwanz gedeckt ist. Im Innenraum springen die Längswände im oberen Bereich um rund 30 cm zurück.

mini|Glockenturm auf Rundpfeilern