Hereditary – Das Vermächtnis (Originaltitel Hereditary, engl. für „erblich“ oder „vererbbar“) ist ein Mystery-Horror-Drama von Ari Aster, das am 21. Januar 2018 im Rahmen des Sundance Film Festivals seine Weltpremiere feierte. Am 8. Juni 2018 kam der Film in die US-amerikanischen und am 14. Juni 2018 in die deutschen Kinos.
Handlung Am 3. April 2018 stirbt Ellen Taper Leigh im Alter von 78 Jahren. Ihre Tochter Annie beschreibt sie bei der Trauerfeier als verschwiegen und als eine Person, die nichts von ihrem Innenleben oder ihren Ängsten preisgegeben habe. Annie ist verheiratet, und gemeinsam mit ihrem Mann Steve und den Kindern Peter und Charlie bewohnt sie ein Holzhaus am Waldrand. Nach der Trauerfeier bringt Annie ihre Tochter Charlie ins Bett, die um ihre Großmutter trauert. Annie erinnert sich, dass Charlie Ellens Liebling gewesen sei und Ellen früher, als Charlie noch klein gewesen sei, immer darauf bestanden habe, sie zu füttern, was Annie manchmal schier wahnsinnig gemacht habe. Charlie verbringt ihre Zeit am liebsten in einem großen Baumhaus auf dem Grundstück der Familie. Dort fertigt die 13-Jährige Figuren aus Plastikabfällen und schläft auch gerne dort. Mutter Annie ist unterdessen damit beschäftigt, Modelle für ihre geplante Ausstellung „Small World“ zu fertigen. In den Miniaturarbeiten zeigt sie Szenen, die sie aus ihrem Alltag kennt, so auch das Hospiz, in dem ihre Mutter kürzlich verstorben ist.
Über deren Tod und die zwiespältigen Gefühle, die sie für sie hatte, kann sie in der Familie mit niemandem reden. Daher besucht Annie eine Selbsthilfegruppe für Menschen, die Verluste zu beklagen haben. Gegenüber den Fremden dort offenbart sie, dass ihre Mutter an einer dissoziativen Identitätsstörung gelitten habe und ihr Vater unter Depressionen. Er habe sich zu Tode gehungert, während ihr älterer Bruder an Schizophrenie erkrankt sei und sich mit 16 Jahren erhängt habe. Annie erklärt, sie und ihre Mutter hätten sich die letzten Jahre auseinandergelebt und kaum noch miteinander gesprochen. Ihren eigenen Sohn Peter habe sie vor seiner manipulativen Großmutter schützen wollen. Ohne wirklich daran schuld zu sein, fühle sie sich für die gesamte familiäre Situation schuldig. Sie habe erst nach der Geburt Charlies wieder Kontakt zu ihrer Mutter gehabt, was sie bisweilen bereue.
Als Peter eines Abends auf eine Party möchte und seine Mutter nach einem Auto fragt, besteht diese darauf, dass er auch Charlie dorthin mitnimmt, auch wenn sie eigentlich gar nicht mitkommen will. Dort angekommen, zieht sich Peter mit seinen Freunden zum Kiffen zurück, während er Charlie ans Kuchenbuffet schickt, an dem sie sich mit großem Appetit bedient. Sie ist allerdings stark allergisch gegen die Walnüsse im Schokoladenkuchen. Als Peter den Zustand seiner Schwester erkennt, trägt er sie zum Auto, um sie ins Krankenhaus zu bringen. Während der Fahrt ringt Charlie nach Luft und hält ihren Kopf aus dem Fenster, und als Peter einem toten Tier auf der Straße ausweichen muss, reißt ein Straßenmast ihr den Kopf ab. Unter Schock stehend fährt Peter mit dem kopflosen Körper seiner Schwester nach Hause und legt sich ins Bett.
Annie erleidet nach dem Unfall einen Nervenzusammenbruch, und auch Peter leidet schwer unter dem Vorfall. In der Schule kann er sich kaum mehr konzentrieren, und das Kiffen bereitet ihm Schmerzen und Angstzustände. Jede Nacht, wenn Peter zum Baumhaus blickt, aus dem das Licht der Heizstrahler dringt, wird er an den Vorfall erinnert, denn dort hält sich seit dem Tod seiner Schwester die Mutter nachts vorzugsweise auf, um Schlaf zu finden. Als Annie ein weiteres Mal die Selbsthilfegruppe besuchen, dann jedoch hiervon Abstand nehmen will, wird sie von Joan angesprochen, die selbst vor Kurzem ihren Sohn und ihren Enkel bei einem Unfall verloren hat. Sie bietet ihr an, sich mit ihr privat zu treffen, um über den Verlust ihrer Tochter zu reden. Annie nimmt das Angebot an. Einige Zeit später erzählt ihr Joan von ihren Erfahrungen, die sie bei einer offenen Séance gemacht habe. Sie zeigt ihr, wie sie mit einer Kerze und der Schreibtafel ihres verstorbenen Enkels Kontakt zu diesem aufnehmen könne. Mit einer solchen Kerze und einer Beschwörungsformel versucht Annie, zu Hause Kontakt mit Charlie herzustellen. Völlig überwältigt von dem Ergebnis, will sie dies auch ihrem Mann und ihrem Sohn zeigen, doch als Annie während einer Séance plötzlich mit Charlies Stimme zu sprechen beginnt, ist Peter völlig überfordert. mini|Annie entdeckt auf einem Foto: Joan und ihre Mutter tragen das gleiche okkulte Zeichen. Es ist das Siegel des Paimon Peter leidet zunehmend unter nächtlichen albtraumhaften Visionen. In der Schule scheint es einmal so, als habe eine fremde Macht Besitz von ihm ergriffen, und er beginnt, seinen Kopf auf eine Tischplatte zu schlagen, bis seine Nase gebrochen ist. Der Vorfall ist für Vater Steve zu viel, und er beschließt, seinen Sohn zu schützen. In Annie sieht er eine Geisteskranke und macht sie dafür verantwortlich, was mit Peter geschieht. Diese hat jedoch eine andere Theorie, denn in den Sachen ihrer verstorbenen Mutter findet Annie ein Fotoalbum mit Bildern von dieser und Joan. Weil sie zudem auf dem Foto dasselbe okkulte Zeichen tragen und sie im Nachlass ihrer Mutter auch ein Buch über Spiritismus und eine Nachricht an sie gefunden hat, sie seien geboren, um Opfer zu bringen, glaubt Annie, sie selbst sei dieses Opfer, das erbracht werden müsse. Nur so, glaubt sie, könne sie Peter vor weiterem Schaden schützen.
Als Peter erwacht, findet er im Wohnzimmer die verkohlte Leiche seines Vaters: Der Versuch seiner Mutter, das Skizzenbuch von Charlie zu verbrennen und damit auch sich selbst, scheiterte, denn als sie das Buch in den Kamin warf, stand auf einmal Steve in Flammen. Eine fremde Macht hat Besitz von Annies Körper ergriffen und sie mit übernatürlichen Kräften ausgestattet. Als sich Peter vor ihr auf den Dachboden flüchtet, sieht er sich nicht nur seiner toten Großmutter gegenüber, auch seine Mutter trennt sich selbst ihren Kopf ab. Peter springt aus dem Fenster, stürzt ins Gartenbeet, und eine kleine, schwebende Lichterscheinung dringt in seinen leblosen Körper ein. Peter erhebt sich, klettert zum Baumhaus hinauf und findet sich dort inmitten einer Schwarzen Messe wieder. Joan nennt ihn Paimon und erklärt ihm, dass der Körper, in dem er sich nun befinde, gesünder sei als sein vorheriger Wirt Charlie.
Produktion Stab, Besetzung und Synchronisation mini|hochkant=0.9|Regisseur Ari Aster und Hauptdarstellerin Toni Collette beim Sundance London 2018 Der Film wurde von A24 produziert. Als Produzenten fungierten Kevin Scott Frakes und Lars Knudsen. Letzterer hatte für A24 bereits The Witch produziert. Es handelt sich bei Hereditary um das Langspielfilmdebüt von Regisseur Ari Aster, der auch das Drehbuch schrieb.Der Trailer zum Horrorfilm 'Hereditary' ist herrlich verstörend. In: vice.com, 31. Januar 2018.
Nina Rehfeld von Spiegel Online erklärt, Motor der Story sei die Unauslöschlichkeit sowohl von banalen als auch von katastrophalen Ereignissen, die eine Familienkonstellation strukturieren oder, wie hier, sprengen. Vielfach ziehe Aster den Hut vor Horror-Klassikern wie The Shining oder Rosemary's Baby, ohne sich aber zu sehr an alte Meister oder überkommene Muster anzulehnen, und schaffe stattdessen mit großer Präzision eine ganz eigene, total verstörende Atmosphäre, so Rehfeld.Nina Rehfeld: Gehypter Horrorfilm „Hereditary“: Auge um Auge, Fluch um Fluch. In. Spiegel Online, 13. Juni 2018.
Toni Collette übernahm im Film die Rolle von Annie Graham, Gabriel Byrne die ihres Ehemanns Steve. Alex Wolff und die Nachwuchsschauspielerin Milly Shapiro spielen ihre Kinder Peter und Charlie. Ann Dowd übernahm die Rolle von Annies neuer Vertrauten Joan.
Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch und der Dialogregie von Wanja Gerick im Auftrag der Splendid Synchron GmbH, Berlin.
Annie Graham Toni Collette Christin Marquitan Steve Graham Gabriel Byrne K. Dieter Klebsch Peter Graham Alex Wolff Patrick Baehr Charlie Graham Milly Shapiro Luisa Wietzorek Joan Ann Dowd Martina Treger
Dreharbeiten und Ausstattung Die Dreharbeiten fanden in Utah statt, so in Salt Lake City und den Utah Film Studios in Park City. Als Kameramann fungierte Pawel Pogorzelski. Mit seiner Kameraarbeit und der Beleuchtung näherte sich Pogorzelski nach eigenen Aussagen Hereditary wie einem Filmdrama. Im dritten Akt des Films arbeitete er mit härteren Lichtern und etwas mehr Ausdruck, um so dem Umstand Rechnung zu tragen, dass sich der Film erst dann zunehmend in einen Horrorfilm wandelt.Jonathan James: Interview: Cinematographer Pawel Pogorzelski on Working with Ari Aster to Create 'Hereditary'. In: dailydead.com, 7. Juni 2018.
Während die Außenaufnahmen des Hauses vor einem tatsächlich existierenden Gebäude in Salt Lake City entstanden, wurden alle Innenaufnahmen, so die untere Etage, der zweite Stock, der Dachboden und die Innenräume des kleineren Baumhauses und eines größeren Baumhauses für die letzte Szene, an einem Filmset gemacht. Von der Verkleidung über die Tapete bis hin zu den Holzböden hatte Aster diesen gemeinsam mit seiner Szenenbildnerin Grace Yun entworfen.Ari Aster: How They Did It: Building Hereditary’s Haunted Houses From Scratch Was First-Time Helmer Ari Aster’s Living Nightmare. In: moviemaker.com, 6. Juni 2018.
Der Filmexperte Marcus Stiglegger erklärte gegenüber Deutschlandfunk Kultur, der Film habe mehrere Ebenen. Eine hiervon werde durch die Modellhäuser geschaffen, die die Protagonistin baut. Diese spiegelten ihr Leben und ihre Alltagsrealität wider, so Stiglegger. Man habe im Film aber auch unerwartete Montagen, Verbindungen von Bildern, von Bildebenen, die dann konfrontiert werden. Das sei ein Einfluss, der, wenn überhaupt, von Nicolas Roegs Wenn die Gondeln Trauer tragen vielleicht her erklärbar sei und damit eigentlich eine Tradition des Horrorfilms, die selbst schon sehr künstlerisch ambitioniert ist.Marcus Stiglegger im Gespräch mit Patrick Wellinski: „Hereditary – Das Vermächtnis“: Die Familie als Hort des Bösen. In: Deutschlandfunk Kultur, 9. Juni 2018. Nina Rehfeld meint, wie ein langsam, angstvoll schweifender Blick fahre Pogorzelskis Kamera durch die Räume des Hauses und erwirke trotz der klaren und offenen Architektur eine enorme Beklemmung. Die rechtwinklige Ordnung des Domizils und von Annies minimalistischen Puppenhäusern unterstreiche hier nur das Grauen, das Aster dort verwurzelt, wo es am eindringlichsten ist: in dem Gefühl totaler Desintegration.
Diese Miniaturarbeiten wurden von Steven Newman gefertigt. Aster erklärte, thematisch seien die Miniaturhäuser und -räume, die die Protagonistin Annie Graham für ihre bevorstehende Kunstausstellung fertigt, eine Metapher für die mangelnde Handlungsfähigkeit ihrer Familie. Wie in einem Puppenhaus werde die Graham-Familie von äußeren Kräften manipuliert. Kameramann Pawel Pogorzelski erklärte, es seien spezielle Objektive zum Einsatz gekommen, um diese Modelle zu filmen, so Frazier-Systemlinsen, die es erlaubten, in diese Miniaturen hinein zu gehen, da sich diese am Ende einer längeren Röhre befanden. Für weitere Aufnahmen wurden Makro-Objektive genutzt, mit denen sich die Kamera auf diese Miniaturen in Nahaufnahmen konzentrieren konnte. Des Weiteren kamen Tilt-und-Shift-Objektive zum Einsatz. Um die Aufnahmen der Miniatursets und des eigentlichen Filmsets aneinanderzufügen, so für die Einstellung zu Beginn des Films, habe man an den Wänden der beiden Schlafzimmer Aufkleber angebracht, die den Effektkünstlern dabei halfen, diese in der Postproduktion zusammenzustellen, so Aster.
Filmmusik und Veröffentlichung