mini|Jack Benny (hinten) mit Harry S. Truman am Klavier (1959) Jack Benny (* 14. Februar 1894 in Chicago, Illinois als Benjamin Kubelsky; † 26. Dezember 1974 in Los Angeles, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Entertainer und Schauspieler. Benny gilt als einer der beliebtesten US-amerikanischen Komiker des 20. Jahrhunderts, insbesondere dank seiner langjährigen Radio- und später Fernsehshow The Jack Benny Program (1932–1965). Im deutschsprachigen Raum wurde er vor allem durch seine Hauptrolle im Filmklassiker Sein oder Nichtsein (To Be or Not to Be) von Ernst Lubitsch bekannt.
Leben mini|Jack Benny (1909) Jack Benny wurde als Sohn jüdischer Eltern in Chicago geboren, sein Vater war polnischer, seine Mutter litauischer Herkunft. Mit sechs Jahren begann Jack Benny Violine zu lernen. Er verließ früh die Schule und trat bereits als Teenager mit seiner Geige in einem Vaudeville-Theater auf, in dem zeitgleich die Marx Brothers spielten. Bennys Instrument wurde bald bloßes Requisit in einer Comedy-Nummer und Bennys angebliche musikalische Unkenntnis zu einem seiner Erkennungszeichen. In Wirklichkeit war er ein ausgezeichneter Hobby-Violinist, den eine langjährige Freundschaft mit dem Virtuosen Isaac Stern verband.
Von 1917 bis 1918 diente Benny bei der Navy und kehrte nach Kriegsende auf die Bühne zurück. In den 1920er-Jahren begann er kleinere Rollen in Broadway-Shows zu übernehmen und erhielt gegen Ende des Jahrzehnts auch erste Filmrollen. Bennys endgültiger Durchbruch kam jedoch im Radio: Ein Auftritt in der Radioshow von Ed Sullivan führte im Frühjahr 1932 zu großer Resonanz und wenige Monate später zu einer eigenen Radioshow, dem Jack Benny Program.
Danach war Benny von 1932 bis 1955 der Star der Radioshow The Jack Benny Program, die zu den populärsten amerikanischen Radioshows in einer Zeit wurde, als das Radio für die Amerikaner das führende abendliche Unterhaltungsmedium war. Die Grundidee der Radioshow übertrug er fast unverändert auf eine gleichnamige Fernsehserie mit ihm, die von 1950 bis 1965 lief. Als fiktionalisierte Version seiner selbst verkörperte Benny einen untalentierten, eitlen, dauermuffeligen Moderator, der zudem noch extrem geizig war. Benny empfing in seiner Show oft berühmte Gäste wie z. B. Humphrey Bogart, Harry S. Truman oder Marilyn Monroe. Seinen angeblichen Geiz nutzte er 1955 für einen legendären Auftritt in der Quizshow The $64,000 Question. Nachdem er die erste Frage richtig beantwortet hatte, stand er auf und ging mit seinem Gewinn von 64 Dollar heim. Ebenfalls berüchtigt war beim amerikanischen Radiopublikum dieser Zeit eine angebliche Fehde zwischen Benny und dem Komiker Fred Allen. Beide waren eigentlich befreundet, machten aber fast 20 Jahre lang bis zu Allens Tod 1956 Witze übereinander.
In den meisten seiner Filme spielte sich der Radiostar Jack Benny selber, zum Beispiel in dem Musicalfilm The Big Broadcast of 1937. Dabei zeigte vor allem seine Darstellung des selbstverliebten polnischen Schauspielers Joseph Tura in Ernst Lubitschs Komödienklassiker Sein oder Nichtsein (To Be or Not to Be, 1942), dass Benny mehr als nur eine Rolle spielen konnte. Weitere Filmerfolge für Benny waren eine Verfilmung von Charleys Tante im Jahr 1941 sowie die Komödie Unser trautes Heim aus dem Folgejahr. Nachdem 1945 die Komödie Der Engel mit der Trompete zu einem Flop geraten war, entschied sich Benny dazu, keine tragenden Filmrollen mehr zu spielen. Seine späteren Filmauftritte beschränkten sich daher größtenteils auf Cameos. In seinen Shows nahm Benny aber auch viele Jahre danach noch ironisch auf den Misserfolg von Der Engel mit der Trompete Bezug.
1965 beendete der inzwischen über 70-jährige Benny sein Jack Benny Program nach Auseinandersetzungen mit Fernsehproduzenten, zu diesem Zeitpunkt hatte es immer noch über 18 Millionen wöchentliche Zuschauer. Bis zu seinem Tod blieb Benny mit Fernsehspecials, Konzerten und als Talkshowgast in der Öffentlichkeit präsent. Kurz bevor er im Dezember 1974 im Alter von 80 Jahren starb, wurde ihm eine der beiden Hauptrollen in der Verfilmung des Stückes Die Sonny Boys (The Sunshine Boys) von Neil Simon angeboten. Bennys Krebserkrankung verhinderte seinen Einsatz, und Bennys langjähriger Freund George Burns übernahm die Rolle.
Benny war von 1927 bis zu seinem Tod mit seiner Schauspielkollegin Mary Livingstone (1905–1983) verheiratet. Während Livingstone fester Bestandteil des Radioensembles von Benny war, machte sie aufgrund von schwerem Lampenfieber den Wechsel zum Fernsehen in den 1950ern größtenteils nicht mit. Das Paar hatte eine Tochter namens Joan (1934–2021). Benny vermachte zwei Violinen aus seinem Besitz dem Sinfonieorchester von Los Angeles. Eine davon war eine Stradivari,Benny’s Violins Given To Philharmonic Lakeland Ledger, 29. Oktober 1975 die er 1957 erworben hatte und die heute Benny genannt wird.
Humor Bennys Humor war ein charakterbasierter, der die Schwächen und Fehler der Menschheit auf liebenswürdige Weise aufgreift, um damit Späße zu treiben. Dabei ist es zumeist nicht Benny selbst, der auf Kosten anderer Menschen Witze machte, sondern er stellte vielmehr sich selbst bewusst als Zielscheibe von Witzen zur Verfügung. In der Öffentlichkeit prägte er über Jahrzehnte kontinuierlich ein Image mit angeblichen Schwächen seiner Person. Der Jack Benny, den er in Radio- und Fernsehshows sowie Filmen verkörperte, war geizig, selbstverliebt, ein schrecklicher Geigenspieler und gab niemals zu, dass er älter als 39 Jahre ist. Aus diesen angeblichen Schwächen Bennys ergaben sich jedoch viele Running Gags, die zu Konstanten seiner Shows und immer wieder in Variationen aufgegriffen wurden. Mit diesem Element der ironischen Selbstherabwürdigung prägte er folgende Komikergenerationen. So schrieb der Radiohistoriker John Dunning:
„Anders als Bob Hope erzählte Jack Benny keine Witze. In seiner Show war Jack selbst der Witz. Alles drehte sich um ihn und seine komischen Marotten, wobei Benny als „straight man“ fungierte. Die anderen Figuren in der Show waren die Komiker, sie machten die Witze, Bemerkungen und Seitenhiebe über Bennys Geiz, seine Eitelkeit oder sein miserables Geigenspiel.“
Typisch für den als „Komiker-Minimalisten“ beschriebenen Benny war es, oftmals Sprechpausen einzulegen, etwa wenn er einen Witz über ihn kontern wollte. Die Sprechpause vergrößerte dabei den komischen Effekt. Oftmals leitete Benny nach solchen Pausen seine Antwort mit der Formulierung „Well!“ ein, was ein weiteres Markenzeichen wurde.
Bennys regelmäßige Show-Mitwirkende waren u. a. seine Frau Mary Livingstone, der afroamerikanische Komiker Eddie Anderson (in der Rolle von Bennys Diener Rochester van Jones), der Bandleader Phil Harris, die Sänger Kenny Baker und später Dennis Day, der Ansager Don Wilson sowie in unterschiedlichen Rollen der Schauspieler Mel Blanc. Zusammen bildeten sie über die Jahre quasi ein eingespieltes Ensemble, das Witze mit- und übereinander machte, und waren damit ein einflussreicher Vorläufer für das sich in dieser Zeit entwickelnde Genre der Sitcom.
Über die insgesamt 33 Jahre Sendezeit variierte der Inhalt des Jack Benny Program mitunter, aber typisch für das Jack Benny Program war es, angebliche Einblicke in die Vorbereitungen zur Jack-Benny-Show zu zeigen, die zum Leidwesen von Benny oft von dem Verhalten der anderen Beteiligten konterkariert wurden. Daneben gab es Musik- und Gesangseinlagen, Sketche und Anspielungen auf aktuelle Ereignisse. Gegen Ende der halbstündigen Show wurde dann eine Parodie auf bekannte Filme und Bücher oder alternativ eine komplett erfundene Handlung vorgeführt.
Ehrungen Benny ist einer der Komiker, die 1991 als Karikaturen von Al Hirschfeld auf US-Briefmarken erschienen. Die anderen waren Laurel und Hardy, Edgar Bergen, Fanny Brice und Abbott und Costello.
1989 wurde er in die Radio Hall of Fame aufgenommen. Drei Sterne auf dem Hollywood Walk of Fame in den Kategorien Film, Fernsehen und Radio erinnern an Jack Benny.
Filmografie (Auswahl)
Auszeichnungen 1955: Emmy-Nominierung für The Jack Benny Program 1956: Emmy-Nominierung für The Jack Benny Program 1957: Emmy und Golden Globe Award für The Jack Benny Program 1958: Emmy für The Jack Benny Program
Weblinks
Jack-Benny-Biographie International Jack-Benny-Fanclub
Einzelnachweise
Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Hörfunkmoderator Kategorie:Golden-Globe-Preisträger Kategorie:Komiker Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1894 Kategorie:Gestorben 1974 Kategorie:Mann