Salomon Marix (* 26. Mai 1805 in Zillisheim bei Mülhausen; † 27. März 1872 in Wiesbaden) war ein französisch-deutscher Tuchhändler, Marmorfabrikant und Brauereibesitzer.

Herkunft und Familie Salomon Marix kam am 26. Mai 1805 im französischen Zillisheim bei Mülhausen zur Welt.Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (HHStAWi), Abt. 365 Nr. 912 (jüdisches Sterberegister 1872), Sterbeurkunde Salomon Marix. Geburtsurkunde Salomon Marix; abrufbar unter: http://www.archives.haut-rhin.fr/ [11.08.2017]. Darin heißt es, Salomon Marix sei am 6. Tag des Monats Prairial im 13. Jahr der Republik geboren. Laut Umrechnungskalender zum französischen Revolutionskalender von Dieter Echterhoff handelte es sich dabei um Sonntag, den 26. Mai 1805; vgl. http://www.lzkv.de/frk/bilder/frk1-14.pdf [28.05.2018]. Sein Vater war der 1763 geborene Weinhändler Jacob Marix, seine Mutter die 1773 geborene Pauline Herschel, zuweilen auch Hirschel genannt. Das jüdische Ehepaar hatte insgesamt 13 Kinder, davon acht Mädchen und fünf Jungen. Salomon war das neunte Kind der beiden. Zwischen 1807 und 1811 verzog die Familie nach Besançon.Zum Stammbaum der Familie Jacob Marix vgl. https://gw.geneanet.org/ [22.05.2018]. Salomon Marix betrieb dort ein Tuchgeschäft.L’indicateur de Besançon, ou Almanach Administratif, Industriel et Commercial contenant Les Noms et Les Adresses Des Autorités, Des Négociants, Manufacturiers et Commerçants en tout genre, qui resident en cette ville. Première Année. Besançon 1837, S. 147. Am 18. Juni 1831 heiratete er in Besançon Sara Picard. Die am 20. Mai 1815 in Metz geborene Braut, Tochter von Michel und Merlé Picard, war zum Zeitpunkt der Eheschließung noch nicht einmal 16 Jahre alt.Archives Besançon, Tables décennales des naissances, mariages, décès 1823–1832; abrufbar unter: http://memoirevive.besancon.fr/ark:/48565/a011290417937A7aVHl/1/539 [22.05.2018]. Archives Metz, 1815 Etat-civil: Naissances, mariages, décès; abrufbar unter: [23.05.2018]. Der Name der Ehefrau von Salomon Marix wird in dessen Sterbeurkunde, vgl. HHStAWi, Abt. 365 Nr. 912 (jüdisches Sterberegister 1872), Sterbeurkunde Salomon Marix, mit Sara Picard angegeben. Im Adressbuch Wiesbaden 1872/73, S. 139, heißt es, Elisabeth Salomon sei die Witwe des Rentners Salomon Marix. Hierbei muss es sich um einen Irrtum handeln. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, drei Jungen und zwei Mädchen. Sohn Jules, geboren am 26. November 1832, und Tochter Marie Emma, geboren am 13. November 1840, kamen in Besançon zur Welt.Vgl. Geburtsurkunde Jules Marix (1832) und Marie Emma Marix; abrufbar unter: http://memoirevive.besancon.fr/ [24.05.2018]. Es folgten die Söhne Paul und Joseph Edmond sowie die Tochter Olga.

Leben in Eltville Im Laufe der 1840er-Jahre verließ die Familie Besançon. Zeitweilig lebte die Familie Marix in St. Petersburg und Moskau, später in Paris und Lyon.Vgl. Edith Kirmann: De Besançon à Moscou et Saint-Petersburg, Paris et Lyon/Descendances de Salomon Marix; in: GenAmi Review 60/2012, S. 12–18; abrufbar unter: http://www.genami.org/documents/bulletin/bulletin-60.pdf [24.05.2018]. Um 1850 übersiedelten sie nach Eltville.Die Angaben zum Zuzug Marix’ nach Eltville differieren. Mal wird von 1849, dann wieder von 1851 gesprochen. 1849 vgl.: http://www.alemannia-judaica.de/eltville_synagoge.htm [29.03.2017]. 1851 vgl. Helga Simon: Die Eltviller und Königsklinger Aue; in: Rheingau Forum. Zeitschrift für Wein, Geschichte, Kultur. 14. Jahrgang, 2/2005, S. 20. Dort erwarb Salomon Marix in den folgenden Jahren insgesamt 91 Morgen Land, diverse Häuser und schließlich die Königsklinger Aue, jene im Rhein zwischen Eltville und Heidesheim gelegene Insel, auf der er ein Herrenhaus „im Stil der Krimvillen“ errichten ließ, das daher im Volksmund als „Krimschlösschen“ bezeichnet wurde.Zum Erwerb der Aue und dem „Krimschlösschen“: Königsklinger Aue [29.03.2017]. Außerdem Simon, S. 21. Zu Marix’ Grundbesitz in Eltville vgl. Villa am Park: http://www.vap-gmbh.de/geschichte-der-villa-am-park.html [29.03.2017]. Nach der Hochzeit von Marix’ Tochter Olga mit dem russischen Großfürsten Serebriany lebte das Ehepaar in dem Herrenhaus auf der Aue, weshalb die Insel von den Einwohnern Eltvilles kurzerhand „Olga-Insel“ genannt wurde. Nach dem Tod Salomon Marix’ im Jahr 1872 ging die Aue in den Besitz seiner Tochter Olga über, die bis 1888 die Eigentümerin der Insel blieb, dort aber – nach der Trennung von ihrem Mann – nicht mehr lebte. Sowohl auf der Aue als auch in seiner Eltviller Villa, zu der außerdem ein nahegelegenes Gästehaus gehörte, bewirtete Salomon Marix regelmäßig illustre Besucher aus dem In- und Ausland, für deren Unterhaltung er sich manches einfallen ließ. Dazu gehörten zum Beispiel Rheinfahrten in speziell ausstaffierten Kähnen, die wie Gondeln aussahen und von kostümierten „Matrosen“ gesteuert wurden. Hinzu kamen große, extravagante Gartenfeste mit Illumination und Böllerschüssen, was Marix einmal Ärger mit dem Eltviller Bürgermeister einbrachte. Der wollte Marix im Sommer 1853 wegen nächtlicher Ruhestörung mit einer Strafe von sechs Gulden belegen. Doch Marix verweigerte die Zahlung, weil die Böllerschüsse, die der Bürgermeister beklagte, nicht in Eltville, sondern auf der Aue abgefeuert worden waren. Die, so führte Marix aus, gehöre zum Gebiet der Gemeinde Heidesheim, weshalb der Eltviller Bürgermeister kein Recht habe, ihn wegen der Böllerei zu belangen. Das liege allein in der Kompetenz seines Heidesheimer Kollegen, der sich mit der Aktion jedoch einverstanden erklärt habe.Simon, S. 21.

Garten-, Pflanzen- und Rosenfreund Marix war aber nicht nur ein kluger Geschäftsmann mit guten Kontakten zu verschiedenen Vertretern deutscher Adelshäuser, sondern darüber hinaus auch ein großer Pflanzen- und ein ganz besonderer Rosenfreund. Im Park seiner Eltviller Villa soll es verschiedene Treibhäuser mit Aufenthaltsräumen gegeben haben, außerdem chinesische Pavillons, eine Orangerie, unterirdische Gänge, in denen Champignons gezüchtet wurden, einen Weiher mit Seerosen sowie einen Ginkgobaum. Marix scheute keine Kosten, wenn es um den Erwerb oder die Pflege seltener oder ihm wichtiger Blumen und Pflanzen ging. Im Jahr 1873 wurde sogar eine Rose auf den Namen seiner Tochter getauft.Zu Marix als Pflanzenfreund vgl. Villa am Park. Zu seiner Bekanntschaft mit Adeligen: http://www.alemannia-judaica.de/eltville_synagoge.htm [29.03.2017]. Simon, S. 21. Die „Olga Marix“-Rose wird als „mittelgroß, gefüllt, fleischfarbig weiß“ beschrieben.Beschreibung der Rose in Wilhelm Hampel: Gartenbuch für Jedermann. Berlin 1890, S. 277.

Geschäftliches Engagement Im Jahr 1870 erwarb Salomon Marix in Wiesbaden eine Bierbrauerei. Dabei handelte es sich um die 1862 an der Landstraße zwischen Wiesbaden und Sonnenberg errichtete und im Januar 1863 in Betrieb genommene Wiesbadener Aktien-Bierbrauerei. Doch trotz der in jener Zeit in Wiesbaden steigenden Nachfrage nach Bier gelang es der Brauerei nicht, ihr Produkt am Markt zu etablieren.Schreiben des Bürgermeisters des Herzoglichen Verwaltungsamts zu Wiesbaden vom 27. Dezember 1862; in: HHStAWi, Abt. 211 Nr. 8251. Kronenbrauerei, in: Historisch-Biographische Blätter. Industrie, Handel und Gewerbe. Der Regierungsbezirk Wiesbaden. II. Lieferung (vermutlich 1913). [unpaginiert] So richtig in Schwung kam der Betrieb erst, nachdem Marix das Unternehmen gekauft und technisch auf den neuesten Stand gebracht hatte. Als Marix sich 1870 entschloss, die Wiesbadener Aktien-Bierbrauerei zu übernehmen, bedeutete das auch eine Erweiterung seines bisherigen Produktportfolios.Magrit Spiegel: Wiesbadener Firmenbriefköpfe aus der Kaiserzeit 1871–1914. Fabrik- und Hotelansichten auf Geschäftsschreiben und Rechnungen. 50 Beispiele mit Firmenkurzporträts. Wiesbaden 2003, S. 102. Pierre Even: Brauwesen im Nassauer Land; in: Sonnenberger Echo, Heft 56/1994, S. 8. Dazu gehörte seit den 1860er-Jahren die Bearbeitung des weltweit bekannten und genutzten Lahnmarmors. Ende 1864 erwarb Marix in Villmar an der Lahn die Jahrhunderte alte Mahl- und Ölmühle am linken Lahnufer mit den zugehörigen Nebengebäuden sowie weitere Grundstücken in der Nähe der örtlichen Steinbrüche, um dort das erste mit Wasserkraft betriebene Unternehmen zur Marmorbearbeitung zu errichten. Ende 1865 schien er jedoch das Interesse an der Ver- und Bearbeitung von Marmor verloren zu haben, weshalb er die eben gegründeten „Nassauischen Marmorwerke“ seinem Schwiegersohn, dem 1820 in Vic-sur-Seille/Moselle geborenen Joseph Jules Levy Luville verkaufte, der mit Marix’ Tochter Marie Emma verheiratet war.Lydia Aumüller: Das Nassauische Marmorwerk in Villmar an der Lahn; abrufbar unter: http://www.heimatforschung-villmar.de/spielbank.htm [22.05.2018]. Außer für Marmor interessierte sich Salomon Marix auch noch für Wein. Im Rheingau galt er als einer der Hauptproduzenten von Johannisberger Riesling-Weinen.J. G. A. Wirth berichtet in seinem Werk über „Die Weinorte der Rheinlande“, Mainz 1866, S. 52, dass Marix zu den Hauptproduzenten in Johannisberg gehört habe. Simon, S. 21 u. S. 29 (Anmerkung 14). Unter anderem gehörte ihm der Weinberg rund um das heutige Schloss Hansenberg, den er hatte anlegen lassen, nachdem er Haus und Grundstück im Jahr 1861 erworben hatte. Zehn Jahre später, 1871, ließ Marix’ Sohn Jules das Gebäude, das 1824 von dem Wiesbadener Pädagogen Johannes de Laspée errichtet worden war, im französischen Stil aus- und umbauen. Fortan wurde das Gebäude als Schloss Johannisburg bezeichnet. Erst 1873, nach dem Verkauf der Immobilie an den Weinhändler Ludwig Bauer, erhielt sie die Bezeichnung Schloss Hansenberg.Vgl. Bestandsbeschreibung HHStAWi, Abt. 559 (Katastrophenschutzschule/Hessische Landesfeuerwehrschule – Außenstelle Schloss Hansenberg). Zu Julius (Jules) Marix als Eigentümer von Schloss Johannisburg vgl. HHStAWi, Abt. 3011/1 Nr. 7850 H u. Nr. 7851 H (Pläne eines Wirtschaftsgebäudes für Jules Marix auf Johannisburg bei Johannisberg).

Aktivitäten in Wiesbaden Bereits seit den 1860er-Jahren hatte Marix geschäftliche Verbindungen nach Wiesbaden. In jener Zeit stand der bereits Mitte der 1850er-Jahre projektierte Um- und Ausbau der Stadt auf der Agenda der nassauischen Regierung.Wolf-Heino Struck: Wiesbaden im Biedermeier. Wiesbaden 1981, S. 167. Dazu gehörte auch die Umgestaltung des Schützenhofplatzes, der nach der Vorstellung des Architekten und nassauischen Baubeamten Georg Christian Carl Boos und des von ihm erarbeiteten „Generalplans über das Bauwesen in der Stadt Wiesbaden“ zu einem Marktplatz umgestaltet werden sollte.Struck: Biedermeier, S. 170. Zu Carl Boos vgl. Gottfried Kiesow: Boos, Georg Christian Carl: https://www.wiesbaden.de/microsite/stadtlexikon/a-z/Boos__Georg_Christian_Karl.php [04.04.2017]. Baurat Richard Goerz lehnte die Idee jedoch ab, weil dieses Vorhaben nicht genügend Gewinn für den Staat abwarf, dem das Schützenhof-Areal gehörte. Stattdessen schlug er vor, das Gelände zu einem möglichst hohen Preis zu verkaufen. Zu einem der ersten Bieter gehörte der Bankier und Gesellschafter der Wiesbadener Aktien-Bierbrauereigesellschaft Marcus Berlé. Doch dessen Offerte fiel nach Ansicht der Regierung zu niedrig aus.Struck: Biedermeier, S. 170. Wesentlich interessanter dagegen erschien das Angebot Marix’. Der wollte insgesamt 155 000 Gulden für das Schützenhof-Areal bezahlen, davon 55 000 Gulden sofort. Allerdings unter der Prämisse, dass die Entscheidung, ob die Regierung das Angebot annahm oder ablehnte, binnen fünf Tagen gefällt wurde. Da es keine Offerten gab, die das von Marix vorgelegte Angebot überstiegen, genehmigte der Herzog den Verkauf am 28. Januar 1864. Daraufhin veranlasste Marix den Abriss des Schützenhofs, um dort zwischen 1865 und 1869 „eine völlig neue Anlage“ errichten zu lassen. Dazu gehörte unter anderem der Bau einer Fahrstraße in Richtung Michelsberg.Struck: Biedermeier, S. 170–171.