Die Liste von Sakralbauten in Volkach listet alle sakralen oder kultischen Bauwerke in der unterfränkischen Stadt Volkach und ihren Ortsteilen auf. Die Liste umfasst sowohl die erhaltenen, als auch die abgegangenen Gebäude. Neben christlichen Kirchen existierte in der Vergangenheit auch eine Synagoge auf dem heutigen Gemeindegebiet.
Sakralbau in der Stadt Volkach Vor der Reformation links|mini|hochkant|Die Volkacher Bartholomäuskirche im Volkacher Salbuch, 16. Jahrhundert Obwohl die heutige Gemeinde Volkach ein Produkt der Gebietsreform in den 1970er Jahren ist, waren die meisten Ortsteile bereits durch pfarrliche Strukturen in der Vergangenheit verbunden. Ursprünglich lag dieses seelsorgerische Zentrum wohl auf der Vogelsburg, hier wird bereits in einer Urkunde des Jahres 906 eine Kapelle („Fugalespurc cum capella“) erwähnt. Ohne Kenntnis der Quellen verlor die Kapelle im Laufe der Zeit ihre Stellung als Pfarrkirche.
Neuer Mittelpunkt wurde dagegen der sogenannte Kirchberg im Norden der Stadt Volkach. Hier errichtete man die neue „Urpfarrkirche“ für die umliegenden Gemeinden. Sie wurde erstmals im Jahr 1158 erwähnt. Der Kirchbergkirche waren die Orte Astheim, Eichfeld, Gaibach, die Wüstung Gieshügel, Hallburg, Krautheim, Obervolkach und Rimbach zugeordnet. In einzelnen Dörfern existierten wohl bereits Kapellen, die allerdings keinen eigenen Pfarrer besaßen.Feuerbach, Ute: Die Pfarrei. S. 195 f.
Als Volkach zu Beginn des 13. Jahrhunderts zur Stadt aufstieg, verlegte man mehr und mehr pfarrliche Strukturen vom entlegenen Berg in die aufstrebende Gemeinde. Im 15. Jahrhundert bestanden schließlich mit der Georgskirche in der Stadt und der dem heiligen Bartholomäus geweihten Kirchbergkirche zwei Pfarrkirchen in Volkach. Zugleich begannen die vielen Filialen ein Eigenleben zu entwickeln: So hatten die Eichfelder bereits im Jahr 1339 die Pfarrei verlassen und ein eigenes Gotteshaus im Dorf errichtet.
Noch im 15. Jahrhundert übergab man den sogenannten Beginen die Kirche auf dem Kirchberg, die hier eine Klause einrichteten. Bis 1447 verlor die Kirche ihre pfarrlichen Funktionen, stattdessen konnte die Stadtpfarrkirche auch das Patrozinium des heiligen Bartholomäus auf sich vereinen. Die Kirche auf dem Berg wurde der Jungfrau Maria unterstellt und lockte mit ihrem Gnadenbild vermehrt Wallfahrer an. In Astheim übernahm das 1409 gegründete Kartäuserkloster die örtliche Kapelle und baute sie zur Pfarrkirche um.Benedum, Christa: Astheim und seine Kartause. S. 24 f.
In Dimbach förderten die Dorfherren, die Mönche des Klosters Münsterschwarzach den Kirchenbau und die Errichtung einer Propstei. Im Jahr 1443 wurde die Auspfarrung der Obervolkacher von der Volkacher Kirche bestätigt, um 1500 hatte sich die Gemeinde in Krautheim von der Stadtpfarrei entfernt. Zeitgleich begannen auch die Lehren Martin Luthers im heutigen Volkacher Stadtgebiet Fuß zu fassen. Allerdings waren die einzelnen Ortschaften ganz unterschiedlich von der Ausbreitung der Reformation betroffen.
Bis heute In Volkach hielt der Vikar Jakob Pfeffer in der Kapelle vor dem Oberen Tor den ersten lutherischen Gottesdienst.Metzner, Victor: Das Werden der evangelischen Kirchengemeinde in Volkach. S. 22. Allerdings setzte sich die neue Lehre in der zum katholischen Hochstift Würzburg gehörigen Stadt nie durch. Anders war es in den Dörfern Krautheim und Eichfeld, die im Einflussbereich der lutherischen Grafen zu Castell lagen. Sie wurden im 16. Jahrhundert evangelisch und blieben es. Der Einfluss von lutherischen Predigern war auch in Escherndorf und Fahr groß.
mini|hochkant|Die Dimbacher Kirche zu Beginn des 20. Jahrhunderts Allerdings gelang es hier dem Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn die Bewohner wieder mit dem alten Glauben zu versöhnen. Echter trieb die Gegenreformation voran, indem er die pfarrlichen Strukturen erneuerte, in Escherndorf sogar eine neue Pfarrei errichtete und die Kirchengebäude modernisieren ließ. So entstanden auch an der Mainschleife die typischen Julius-Echter-Türme mit den spitzen Helmen.Feuerbach, Ute: Die Pfarrei. S. 199.
Während des Dreißigjährigen Krieges eroberten die protestantischen Schweden 1631 das Gebiet um Volkach und versuchten neuerlich lutherische Gemeinden aufzubauen. Der Versuch misslang und die Mainschleife blieb, mit Ausnahme der Orte Eichfeld und Krautheim, ein katholisches Gebiet. Im 18. Jahrhundert etablierten die Grafen von Schönborn in Gaibach eine eigene Herrschaft. Sie verpflichteten mit Balthasar Neumann einen der einflussreichsten Baumeister seiner Zeit um die Dreifaltigkeitskirche neu zu bauen.Schneider, Erich: Die Kirchen zu Gaibach. S. 2 f.
Die Auflösung des Hochstifts Würzburg durch die Säkularisation bzw. das Ende der Grafschaft Castell durch die Mediatisierung am Beginn des 19. Jahrhunderts veränderte die kirchliche Situation an der Mainschleife grundlegend. Volkach wurde Sitz eines katholischen Dekanats, das bis in die 1970er Jahre Bestand hatte. Mit der vom Königreich Bayern vorangetriebenen Judenemanzipation konnten auch die jüdischen Gemeinden in Rimbach und Öttershausen eigene Synagogen ins Auge fassen, errichtet wurde eine solche aber lediglich in Öttershausen.
Heute sind die katholischen Gemeinden im Stadtgebiet von Volkach Teil des Dekanats Kitzingen. Sie wurden zu Beginn des 21. Jahrhunderts in zwei Pfarreiengemeinschaften, St. Urban an der Mainschleife und Obere Volkach - St. Urban, organisiert. Dimbach ist als Teil des ehemaligen Klostergebietes von Münsterschwarzach Filiale in der Gemeinschaft Stadtschwarzach, Schwarzenau, Reupelsdorf. Die jüdischen Gemeinden lösten sich am Ende des 19. Jahrhunderts auf und die Synagoge in Öttershausen verfiel.
Die evangelisch-lutherischen Gemeinden in Krautheim und Eichfeld sind heute im Dekanat Castell organisiert, das sich aus der aufgelösten Grafschaft entwickeln konnte. Durch das Wachstum der Stadt Volkach nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Nachkriegszeit immer wieder diskutiert, die Gemeinde aus Eichfeld auszupfarren. Im Jahr 1977 wurde schließlich der erste Gottesdienst in der ehemaligen Totenkapelle St. Michael abgehalten. 1982 verpachtete man das Gotteshaus schließlich an die Gemeinde.Vgl.: Metzner, Victor: Das Werden der evangelischen Gemeinde in Volkach.
Kirchen Die Auflistung orientiert sich an mehreren Aufsätzen und Werken über die Kirchen von Volkach, wobei über die kunsthistorisch bedeutsamsten ein „Kleiner Kunstführer“ erschien. Die evangelisch-lutherischen Gotteshäuser wurden im Sammelband Castell - Grafschaft und Dekanat kompiliert, während die katholischen im Realschematismus der Diözese Würzburg zusammengefasst wurden. Die verwendeten Werke sind den Einzelnachweisen der jeweiligen Häuser zu entnehmen. Die Zuordnung zu den Ortsteilen der Stadt erfolgt durch die Lage im Gemeindegebiet.
Die Kirchen sind nach ihrem Entstehungsjahr bzw. dem Jahr der Ersterwähnung geordnet, wobei hierdurch ältere Traditionen nicht immer deutlich werden. Hier Abgegangene Bauten sind mit einem Kreuz (†) versehen, evangelisch-lutherische Kirchen (ev.-luth.) wurden in Klammern mit einer Jahreszahl ausgestattet, die den ersten lutherischen Gottesdienst bzw. die Umwidmung markiert. Katholische Kirchen sind durch die Abkürzung kath. zu erkennen.
Mariä Schutz kath. vor 906 100px|Vogelsburg
Bei der Kirche Mariä SchutzWehner, Thomas: Realschematismus der Diözese Würzburg. Dekanat Kitzingen.Biedermann, Hermenegild Maria (u. a.): Vogelsburg, Escherndorf, Köhler. auf der Vogelsburg auf den Fluren des gleichnamigen Ortsteils in der Gemarkung von Escherndorf handelt es sich um das mit Abstand älteste Gotteshaus in der weiteren Umgebung. Der Berg selbst war bereits seit der Steinzeit fast durchgängig besiedelt. In der Bronzezeit errichtete man erstmals Befestigungen. Die Franken werteten die Anlagen auf dem Berg weiter auf und trieben auch die Christianisierung voran. Wahrscheinlich entstand während des 6. Jahrhunderts hier eine Kirche.
Die Pfarrei auf dem Berg verlor im 8. Jahrhundert die seelsorgerische Zentralität, die Kirche wurde zur Kapelle umgewandelt. Erst im Jahr 1282 gründete Graf Hermann I. zu Castell hier ein Karmelitenkloster und bestimmte die neuerrichtete Kirche zu seiner Grablege. Nachdem das Kloster 1545 aufgelöst worden war, verfiel das Gotteshaus. Erst im 18. Jahrhundert entstand die heute noch bestehende Kirche. Durch die Säkularisation kam die Kirche in Privathände.
Die Kirche präsentiert sich heute als schlichte Saalkirche. Ihr wurde oberhalb des Ostchores ein kleiner Dachreiter aufgesetzt. Man betritt die Kirche im Erdgeschoss, wo eine Treppe zum 1908 errichteten Obergeschoss mit dem heutigen Gottesdienstraum überleitet. Von der ursprünglichen Ausstattung hat sich nichts erhalten, der Kircheninnenraum wurde im Zuge einer Renovierung im Jahr 2015 stark umgestaltet und präsentiert sich heute sehr schlicht.
St. Maria de Rosario kath. 11. Jh. 100px|St. Maria de Rosario
Die Kirche Maria de RosarioJulier, Jürgen: Ehemalige Propstei- und Wallfahrtskirche S. Maria de Rosario Dimbach. bildet den historischen Mittelpunkt vom Dimbach, bereits im 11. Jahrhundert stand ein Vorgängerbau an der Stelle des heutigen Gotteshauses. Ihr heutiges Erscheinungsbild erhielt die Kirche zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert. Die enge Verbindung zum Kloster Münsterschwarzach führte in der Folgezeit zur Errichtung einer Propstei im Ort, die zeitweise von drei Mönchen besetzt war. Dimbach war Ziel einer Wallfahrt, die allerdings lediglich lokale Bedeutung besaß.
Der Außenbau der Kirche ist ebenso bemerkenswert, weil sie für eine Dorfkirche außerordentlich dimensioniert ist. Sie präsentiert sich als dreischiffige Basilika mit einem breiten Westturm und zitiert den Stil der Gotik. Ein Fünfachtelchor schließt das Gebäude nach Osten hin ab. Im Inneren wurde im Chor Kreuzrippengewölbe angebracht, die sogenannte Turmhalle im Westen weist dagegen ein Kreuzgewölbe mit figürlichen Konsolen auf. Das Langhaus hat ein Spitzbogengewölbe.
Ziel der Wallfahrer war die Gnadenmadonna im Inneren des Hochaltars. Die Figur wurde 1398 geschaffen und war zunächst als Prozessionsmadonna vorgesehen. Das Kircheninnere weist noch mehrere wertvolle Ausstattungsgegenstände auf, so ist das sogenannte Kreuzigungsrelief auf die Zeit um 1070 zu datieren. Es ist somit eine der ältesten, fränkischen Steinplastiken. Die restliche Ausstattung entstammt zumeist der Zeit des Barock, teilweise brachten die Schwarzacher Äbte auch Stücke aus der Klosterkirche dorthin.
St. Michael (Krautheim) ev.-luth. (1583) 1150 100px|Evangelische Kirche Krautheim
Den Mittelpunkt von Krautheim bildet die evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Michael.Güntsch, Georg: Castell - Grafschaft und Dekanat. Porträt eines Dekanatsbezirks. Sie war lange Zeit eine Filiale der Großraumpfarrei auf dem Volkacher Kirchberg und wurde als solche in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts neu errichtet. Spätestens im 16. Jahrhundert wurde hier evangelisch-lutherischer Gottesdienst abgehalten. Mehrere Jahrzehnte lang wurde Krautheim allerdings dennoch vom nahen Eichfeld aus seelsorgerisch betreut.
In den 1970er Jahren entschied sich die Gemeinde dann für einen umfassenden Neubau des Langhauses, es konnte 1973 neu geweiht werden. Ein architektonisches Markenzeichen bildet heute der Chorturm aus dem 16. Jahrhundert. Er wurde im Stile der sogenannten Echtergotik gebaut, die typisch für das Hochstift Würzburg war, obwohl die Gemeinde zu diesem Zeitpunkt bereits lutherisch war. So ist der typische Echterturm mit dem Spitzhelm zu erklären.