Georg Wilhelm VestnerGeorg Wilhelm Vestner … auf der Seite der Österreichischen Galerie Belvedere [ohne Datum], zuletzt abgerufen am 15. Juli 2020, auch WestnerDieter Brosius: Niedersachsen. Das Land und seine Geschichte in Bildern, Texten und Dokumenten. 2. Auflage, Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-8319-0265-8 und ISBN 978-3-8319-0265-1, S. 113 (* 1. September 1677 in Schweinfurt; † 24. November, ▭ 1. Dezember 1740 in Nürnberg) war ein deutscher Medailleur und Stempelschneider. Vestner gehörte zu den bedeutendsten Kunsthandwerkern seines Faches in Süddeutschland während der Zeit des Barock. Seine Werke werden heute weltweit in zahlreichen Museen ausgestellt.

Leben Vestner wurde als Sohn eines Lebkuchenbäckers geboren. Er erlernte zunächst den Beruf seines Vaters und entwickelte beim Schneiden der Formen für die Lebkuchen große Begabung. Um sein Talent weiter zu fördern, erlernte er nun zusätzlich bei Johann Daniel Preissler die Malerei und bei Metzner, einem Bildhauer, das Modellieren. Der Medailleur Uhl aus Schweinfurt, ein Verwandter seiner Mutter und sein Vetter, unterrichtete ihn in der Kunst des Stempel- und Medaillenschneidens sowie des Gravierens. Später ging er auf Reisen, unter anderem nach Berlin und Weimar, wo er seine Fähigkeiten vervollkommnen konnte.

Vestner ließ sich ab 1704 dauerhaft in Nürnberg nieder und trat in die Dienste der Freien Reichsstadt, betrieb aber auch dort eine Lebkuchenbäckerei. Für die Stadt Nürnberg schnitt er zahlreiche Münzstempel und wurde 1720 zum bischöflich Würzburger Hofmedailleur ernannt. Der Nürnberger Münzwardein gestattete es ihm allerdings nicht, seine Arbeiten zu Hause auszuführen. Erst 1728 erhielt er ein kaiserliches Privileg, Medaillen in seiner eigenen Werkstatt prägen zu dürfen. Er gab nun auch seine Lebkuchenbäckerei auf und widmete sich ganz der Kunst des Medaillierens. 1732 wurde Vestner Kurbayerischer Hof- und Kammermedailleur.

Georg Wilhelm Vestner starb am 24. November 1740, im Alter von 63 Jahren, in Nürnberg. Sein Sohn Andreas Vestner (1707–1754) wurde wie sein Vater Medailleur. Er war ab 1726 Teilhaber der väterlichen Werkstatt.

Werke (Auswahl) 1712: Medaille der Freien Reichsstadt Nürnberg zu Ehren von Kaiser Karl VI. und dessen am 16. Januar 1712 abgehaltenen Feuerwerk 1713: Medaille auf die Kalabiliken i Bendar, das Handgemenge König Karl XII. mit den Türken im Jahre 1713 1714: Medaille aus Anlass des Todes von Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel 1714: Gedenkmedaille auf den englische Thronfolge durch Georg I. von Großbritannien aus dem Haus Hannover 1715: Medaille anlässlich der Ernennung von Bischof Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim zum Kardinal 1716: Medaille auf den Sieg von Prinz Eugen von Savoyen bei der Schlacht von Peterwardein am 5. August 1716 1716: Medaille für Kaiserin Elisabeth Christine anlässlich der Geburt des Thronfolgers und Erzherzogs Leopold Johann von Österreich 1717: Medaille der Freien Reichsstadt Nürnberg anlässlich der 2. Säkularfeier der Reformation 1717: Medaille der Freien Reichsstadt Schweinfurt auf die 200-Jahr-Feier der Reformation 1717: Medaille für Kaiser Karl VI. und die Einnahme Belgrads am 22. August 1717 1719: Medaille für Clemens August von Bayern aus Anlass seiner Wahl zum Bischof von Münster und Paderborn und den Tod seines Bruders Philipp Moritz von Bayern 1720/1721: Medaille anlässlich der Stadtgründung Karlsruhes 1724: Medaille anlässlich der Papstwahl von Benedikt XIII. 1729: Medaille in Gold, Silber, Bronze und Zinn auf die Hochzeit des Markgrafen Karl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach mit Friederike Luise von Preußen

Literatur Johann Ludwig Ammon: Sammlung berühmter Medailleurs und Münzmeister nebst ihren Zeichen. Christian Gotthold Hausse, Regensburg 1778, Seite 128–130. (Digitalisat.) Francisca Bernheimer: Georg Wilhelm Vestner und Andreas Vestner. Zwei Nürnberger Medailleure. Uni-Druck, München 1984, ISBN 978-3-87821-199-0. Hans Heinrich Füssli: Allgemeines Künstlerlexicon. Oder Kurze Nachricht von dem Leben und den Werken der Mahler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Kunstgiesser, Stahlschneider. Teil 2, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1818, Seite 3011. (Digitalisat.) Walter Grasser: Vestner, Georg Wilhelm. In: Karl Bosl (Hrsg.): Bosls Bayerische Biographie. Pustet, Regensburg 1983, ISBN 3-7917-0792-2, Seite 802. (Digitalisat.) Felix Joseph von Lipowsky: Baierisches Künstler-Lexikon. 2. Band, E. Fleischmann, München 1810, Seite 150. (Digitalisat.) Susanne Rischpler: „Sammlung Merkwürdiger Medaillen“: Ankauf von Medaillen des Barockmedailleurs Georg Wilhelm Vestner durch die Stadt Schweinfurt, in: Schweinfurter Münzbelustigungen, Heft 49, (Juli) 1982, S. 103–114

Weblinks

Eintrag über Georg Wilhelm Vestner in Belvedere 21 Eintrag über Georg Wilhelm Vestner im Personenregister der Germania Sacra Werke von Georg Wilhelm Vestner im Objektkatalog der Sammlungen des Germanischen Nationalmuseums

Einzelnachweise

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