Die Geschichte der Stadt Heppenheim umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Heppenheim von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart.
Mittelalter Frühmittelalter Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung, Hepphenheim, datiert laut der Abschrift einer Schenkungsurkunde im Codex Laureshamensis vom 17. Juli 755. In der in Botzheim bei Ladenburg ausgestellten Urkunde hielt ein Priester Hiebo die Schenkung eines Marcharius fest, der seinen Hausstand in Weinheim nebst zugehörigem Besitz der Kirche St. Peter in Heppenheim übertrug. Das Schriftstück ist auch die erste urkundliche Erwähnung der Stadt Weinheim; die beiden Städte sind damit die ältesten erwähnten im Raum Bergstraße zwischen den Römerstädten Worms (Borbetomagus) und Ladenburg (Lopodunum).
Im Jahre 764 schenkten Gaugraf Cancor und dessen Mutter Williswinda ihr wenige Kilometer von Heppenheim entfernt gelegenes Landgut Laurissa („Lorsch“) dem Erzbischof Chrodegang von Metz zur Gründung eines Klosters. Dieses entwickelte sich rasch zu einem Zentrum der karolingischen Herrschaft des fränkischen Reiches unter König (ab 800: Kaiser) Karl dem Großen, der das Kloster Lorsch im Jahre 772 zur Reichsabtei erhob und unter Königsschutz stellte. Die von Graf Heimerich, dem Sohn des Klosterstifters Cancor, erhobenen Ansprüche auf die Abtei als Eigenkloster wurden vom Königsgericht abgewiesen.
Am 20. Januar 773 schenkte Karl der Große die Stadt Heppenheim nebst dem zugehörigen Bezirk, der ausgedehnten „Mark Heppenheim“, dem Reichskloster. In der über die Schenkung aufgenommenen Urkunde wird die Mark erstmals urkundlich erwähnt. Das Gebiet, über das sie sich erstreckte, lag insgesamt etwas östlicher als der heutige Landkreis Bergstraße, wies aber doch schon eine gewisse Ähnlichkeit mit diesem auf. Die nördliche Ausdehnung von Zwingenberg bis zur Neunkirchner Höhe entsprach fast genau der heutigen Kreisgrenze, ebenso die Ausdehnung im Osten bis knapp hinter Fürth (Odenwald) und im Süden etwas über Gorxheim und Siedelsbrunn hinaus. Die westlichen Gebiete zwischen Lorsch und dem Rhein gehörten noch nicht dazu, ebenso wenig das hessische Neckartal (Hirschhorn und Neckarsteinach), dafür aber die heute badischen Städte und Gemeinden entlang der Bergstraße Laudenbach, Hemsbach, Sulzbach und Weinheim sowie im Südosten das Gebiet um Beerfelden.
Die Benennung der Mark deutet zwar auf eine gewisse Mittelpunktfunktion Heppenheims schon zur damaligen Zeit hin. Eine echte Verwaltungseinheit war die Mark aber nicht. Von einer kreisstadtähnlichen Stellung Heppenheims zu dieser Zeit kann daher sicher nicht die Rede sein.
Die Schenkung der Mark erscheint großzügiger, als sie war: Die Übertragung von Reichsland auf ein Reichskloster bedeutete für das Reich keinen Verlust, sondern im Grunde nur eine Verwaltungsreform. Der Zugriff auf ein Reichskloster war für den Kaiser genauso selbstverständlich wie der Zugriff auf eine dem Reich gehörende Mark. Kloster und Mark profitierten indessen gegenseitig von dieser Maßnahme, weil sie einerseits eine Vermehrung des klösterlichen Besitzes bedeutete, andererseits der Mark jetzt eine starke Institution für die weitere Entwicklung zur Verfügung stand.
Das Kloster Lorsch erlebte einen langen Aufstieg. Die folgenden Jahrhunderte waren von der stetig wachsenden Bedeutung der Abtei, die jetzt im Range eines Fürstentums stand, gekennzeichnet. Die ostfränkischen Könige Ludwig der Deutsche (* 804; † 876) und Ludwig der Jüngere († 882; Geburtsdatum unbekannt) waren große Wohltäter der Abtei und wurden in Lorsch beigesetzt (ihre Grabkirche wurde 1052 durch Papst Leo IX. neu geweiht). In der Zeit der Verschwörungen gegen Otto den Großen (* 912; † 973) in dessen ersten Regierungsjahren war sie dem König ein wichtiger Stützpunkt, dem er im Jahre 939 sogar den Schutz seiner Gemahlin Edgith anvertraute; seinem Bruder Bruno übertrug er die Leitung der Abtei.
Der Besitz des Klosters vermehrte sich durch zahllose Schenkungen ständig und zog sich schließlich in einem breiten Band vom Rhein bis tief in den Odenwald, mit zusätzlichen weit versprengten Besitztümern zum Beispiel in Schwaben, an der Lahn und am Niederrhein.
Heppenheim entwickelte sich seit der Schenkung immer mehr zum weltlichen Mittelpunkt des klösterlichen Besitzes. Bereits in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts fand vermutlich ein Markt in Heppenheim statt, lange bevor das Marktrecht als kaiserliches Privileg der besonderen Verleihung bedurfte, die anderen Städten der Region erst ein Jahrhundert später zuteilwurde (Bensheim: 956; Weinheim: 1000; Oppenheim: 1008). Neben der wirtschaftlichen Funktion für die Reichsabtei stieg Heppenheim auch zum Sitz der Verwaltung der Lorscher Rechte und Länder auf. Die Geschichte der Stadt war somit jahrhundertelang aufs engste mit der Geschichte des Klosters verknüpft.
Etwa um das 10. Jahrhundert entstanden wahrscheinlich die sechs Hubendörfer Unter- und Oberhambach, Kirschhausen, Erbach, Sonderbach und Wald-Erlenbach auf dem Gebiet der Heppenheimer Gemarkung. Sie bildeten mit Heppenheim eine Marktgenossenschaft.
Hochmittelalter Im Jahre 1065 wurde mit der Errichtung der Starkenburg ein neues Kapitel in der Geschichte des Raumes Bergstraße aufgeschlagen. Die Umstände, die zu ihrem Bau führten, beruhten letztlich auch auf dem Erfolg und der Bedeutung des Reichsklosters Lorsch. Kaiser Heinrich III. war im Jahre 1056 im Alter von nur 38 Jahren gestorben. Heinrich IV., sein erst 6-jähriger Sohn, trat die Thronfolge an, stand aber zunächst unter der Vormundschaft des von den Fürsten unterstützten Erzbischofs Anno II. von Köln, der dadurch die Regentschaft übernehmen und kaiserliches Vermögen verschleudern konnte. Da ergriff der hochgebildete und befähigte, aber auch machtbewusste und ehrgeizige Erzbischof Adalbert von Bremen die Fahne des Kaisers und gewann großen Einfluss auf ihn. Heinrich belohnte Adalbert dafür mit reichen Geschenken. Seit 1064 machte Adalbert auch Ansprüche auf das Reichskloster Lorsch geltend. Im Frühjahr 1065 wurde Abt Udalrich an den Hof des Königs gerufen, um die Übergabe an Adalbert anzuerkennen, jedoch widersprach der Abt, der darum bemüht war, die Unabhängigkeit des Klosters zu verteidigen, diesem Ansinnen. Auch Papst Alexander III. lehnte die von Heinrich nachgesuchte Zustimmung ab. Gleichwohl übertrug Heinrich mit königlicher Urkunde vom 6. September 1065 seinem Günstling die Abtei. Als sich Udalrich noch immer widersetzte und insgesamt drei Aufforderungen des Kaisers zur Vorsprache am Hofe – die letzte für den 1. November 1065 – wegen Krankheit nicht nachkommen konnte, unternahm Adalbert den Versuch, seine Besitzansprüche mit Waffengewalt durchzusetzen. Von den Lehensträgern der Abtei unterstützt, ließ Udalrich ab Ende Oktober 1065 in Windeseile auf dem Heppenheimer Stadtberg (genannt „Burcheldon“, heute: Schlossberg) die Starkenburg errichten. Bereits zum Jahreswechsel 1065/66 wurde die Burg von Adalbert belagert, hielt aber der Belagerung stand. Auf dem Reichstag zu Trebur im Januar 1066 gelang es den Reichsfürsten, Heinrich zur Entlassung seines treuen Anhängers Adalbert und zur Aufhebung aller zu dessen Gunsten ergangener Verfügungen zu zwingen. Adalbert gab daraufhin die Belagerung der Burg und alle Versuche, Herrschaft über Kloster Lorsch zu erlangen, auf; die Rechtsstellung der Reichsabtei war gerettet.
Der Name Burcheldon („Burgfeld“) und die extrem kurze Bauzeit lassen darauf schließen, dass der Bau der Starkenburg keinen völligen Neubau darstellte, sondern eine bereits vorhandene Wehranlage (möglicherweise noch aus keltischer oder germanischer Zeit) lediglich erneuert und ausgebaut wurde.
Seit dieser Zeit war die Starkenburg als Bollwerk des Klosters sein Rückhalt und der Garant für die Macht des Klosters in der Region. Als Kernstück der Lorscher Befestigung wurde sie immer wieder ausgebaut und weiter verstärkt. Im Jahre 1206 taucht erstmals der Name „Starkenberg“ auf, weil sie den Berg, auf dem sie errichtet war, zu einem starken machte. Lorsch, Heppenheim und Starkenburg bildeten in dieser Zeit den innersten Kern des klösterlichen Besitzes.
Der Blütezeit des Klosters folgte im 11. und 12. Jahrhundert sein Niedergang. Neue Mächte konkurrierten jetzt um die Herrschaft im Starkenburger Raum. Der Pfalzgraf bei Rhein hatte bereits erheblichen Einfluss gewonnen; ebenso bemühte sich der Erzbischof von Mainz, der neben der Bischofsstadt selbst ein ausgedehntes geistliches Territorium besaß, um die Vormachtstellung. Dem Kräftespiel dieser beiden Kurfürsten sollte Heppenheim und der Raum Bergstraße nunmehr länger als ein halbes Jahrtausend ausgesetzt sein, ehe sich mit dem Ende des alten Reiches schließlich der dritte große Rivale, die Grafschaft Katzenelnbogen und das später aus ihr hervorgegangene Großherzogtum Hessen, durchsetzen sollte. Die Zersplitterung des alten Reiches spiegelte sich damals auch im Bergsträßer Raum wider. Neben den genannten großen Mächten verfügten unter anderem auch die Grafen von Erbach und der Bischof von Worms über Besitz im Bergsträßer Raum, daneben zahlreiche weitere Grafen und sonstige Herrschaftsträger, so dass dieser Raum insgesamt ein flickenteppichartiges Gewirr unterschiedlichster Hoheits- und Herrschaftsrechte darstellte.
Mit Kloster Lorsch verlor zunächst auch Heppenheim an Bedeutung in der Region. Sein Verwaltungsbezirk schrumpfte allmählich bis auf die sechs Hubendörfer. Das Ende der großen Lorscher Zeit wurde schließlich unter dem Staufenkaiser Friedrich II. besiegelt. Dieser stellte das bereits weitgehend in Bedeutungslosigkeit versunkene Kloster nach der Absetzung des letzten Abtes 1232 unter die Verwaltung der Mainzer Erzbischöfe, die somit auch die Verwaltung über Heppenheim übernahmen. Die konkurrierende pfälzische Macht war damit im Bergsträßer Raum zunächst eingedämmt. Bis zum Reichsdeputationshauptschluss des Jahres 1803, der dem endgültigen Untergang des alten Reiches im Jahre 1806 voranging, blieb Heppenheim dann – allerdings unterbrochen durch eine etwa 160 Jahre währende kurpfälzer Pfandherrschaft – Mainzer Besitz.
Kurmainz und Kurpfalz rangen von nun an über Jahrhunderte hinweg um die Vorherrschaft im Raum Bergstraße und Starkenburg. Schon 1238 kam es zu Kämpfen, in denen sich die Starkenburg als die wichtigste Bastion des Mainzer Erzbischof gegen den ihn bedrängenden Pfalzgrafen, der von den Lorscher Mönchen unterstützt wurde, erwies. Auch gegen den Kaiser musste sich der Erzbischof erwehren. Der Sohn und spätere Nachfolger Friedrichs II., Konrad IV., wollte eine staufische Herrschaft über das Gebiet begründen und brandschatzte dabei im Spätsommer 1243 die Bergstraße. Die Starkenburg und das durch seine Mauern geschützte Heppenheim konnte er jedoch nicht einnehmen. Der Erzbischof gewann wieder die Oberhand. Im Jahre 1245 setzte er im Kloster Lorsch Prämonstratenser ein. Im September 1247 schloss er in Bingen mit dem Pfalzgraf Frieden. Die Starkenburg wurde jetzt sowohl der militärische als auch der verwaltungsmäßige Mittelpunkt der Region. Im Jahr 1265 wird erstmals das „Amt Starkenburg“ – als echte Verwaltungseinheit – erwähnt, das von nun an bis zum Ende der Mainzer Zeit im Jahre 1803 Bestand haben und ab dem 17. Jahrhundert „Oberamt Starkenburg“ heißen sollte.