Der ehemalige Wiener Pulverturm, auch als Pulvermagazin bezeichnet, befand sich von 1740 bis 1779 auf freiem Feld in der späteren Pulverturmgasse 7 und 8 in der Wiener Vorstadt Thury. Das Gebäude war mit 1256 Zentner Schießpulver und Stückmunition wie Granaten oder Kanonenkugeln angefüllt.

Geschichte Im 15. Jahrhundert gab es in Wien eine Pulverstampfe, die sich auf dem Gebiet der später dort errichteten Salzgrieskaserne befand. Im Jahr 1441 gab es zudem ein herzogliches Pulvermagazin im sogenannten Harnischhaus. Von 1530 bis 1693 diente die Kapelle der Heiligen Philipp und Jakob auf der Freyung als städtisches Pulverlager. 1740 wurde nahe der Nußdorfer Linie ein Pulverturm als Munitions- und Pulvermagazin errichtet. Es diente in Kriegszeiten dazu den Nachschub für die Truppen sicherzustellen. Am 26. Juni 1779 kam es zu einem Brand in dieser Anlage, was gegen 9 Uhr am Morgen zu einer schweren Explosion führte. Diese richtete durch umherfliegende Munitionsteile in den Vorstädten Himmelpfortgrund, Lichtenthal, Roßau und Thury schwere Schäden an. Zudem waren 92 Tote (25 Konstabler, 67 zivile Personen in Straßen und auf Feldern) und 97 teilweise schwer Verletzte zu beklagen. Zahlreiche anliegende Häuser stürzten ein oder wurden so schwer beschädigt, dass sie unbewohnbar waren, selbst das stabilere Kirchengebäude in Lichtenthal war einsturzgefährdet.

Ambros Lorenz (1721–1781), Propst des Stiftes Klosterneuburg, entging nur knapp dem Einschlag einer herausgeschleuderten Kanonenkugel, die sein Kutschpferd traf und tötete. Aus diesem Anlass ließ er eine Votivsäule errichten, die dem Heiligen Leopold gewidmet ist.Prälatenkreuz – Votivsäule zur Erinnerung an die Pulverturmexplosion auf austria-forum.org.

In einem Wanderführer aus dem Biedermeier, dem Werk „Wien’s Umgebungen auf zwanzig Stunden im Umkreise“ von Adolf Schmidl (1835), wird dieses Ereignis ebenfalls beschrieben:

Nach diesem Unglück wurden die zehn äußeren Türme der Umfassungsmauer des Gartens des Schlosses Neugebäude in Pulvermagazine umgewandelt und die Gebäude wurden dem Militär überlassen, um eine Artillerieversuchsstation einzurichten.

Literatur Alfred Wolf: Alsergrund-Chronik. Von der Römerzeit bis zum Ende der Monarchie. Selbstverlag, Wien 1981, ISBN 3-900447-00-4, S. 90 ff. Alfred Wolf: Denkmäler und Zierbrunnen in Wien-Alsergrund. Sutton, Erfurt 2005, ISBN 3-89702-873-5. Helga Maria Wolf: Die unglaubliche Begebenheit des zerspringenden Pulvermagatzins. (S. 1–2) und Beschreibung des am 26. Juni 1779 … in Wien bey der Nussdorferlinie in die Luft gesprengten Pulvermagazins nebst den dabei entstandenen Verunglückungen. (S. 3–6) In: Das Heimatmuseum Alsergrund. Heft 80 (September), Schulz, Wien 1779, (bezirksmuseum.at PDF; 2,49 MB). Anna Hartmann (Hrsg. Erika Flemmich): Erinnerungen einer alten Wienerin. Böhlau, Wien / Köln / Weimar 1998, ISBN 3-205-98848-5 (books.google.at).

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Einzelnachweise

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