Ursula Elisabeth Trautwein, geborene Brezger (* 10. Dezember 1932 in Mangaluru; † 27. September 2025) war eine Aktivistin der Frauenbewegung in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.
Leben Kindheit, Ausbildung und Familie Trautweins Vater Rudolf Brezger bildete in Indien evangelische Theologen für die Basler Mission aus. Sie wuchs mit acht Geschwistern in Baden-Württemberg auf. Ihre Eltern gehörten der Bekennenden Kirche an.Pascal Sindlinger, Jonathan Seeger u. a.: ‘Gerechte unter den Völkern‘. Die stillen Retter untergetauchter Juden im Nordschwarzwald und im Oberen Gäu. Schriftenreihe des Vereins KZ-Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen e. V., Heft 1, Gäufelden 2011: , abgerufen am 25. Mai 2018. 1956 heiratete sie den evangelischen Theologen und Texter/Komponisten neuer geistlicher Lieder, Dieter Trautwein. Sie absolvierte Berufsausbildungen zur Krankenschwester und zur Gemeindehelferin.Ursula Trautwein: Von Beruf ehrenamtlich. In: Kinder, Kirche und Karriere. Berlin 2000, ISBN 978-3-88981-119-6, S. 187. Mit Dieter Trautwein hatte sie drei gemeinsame Kinder; ihre Tochter Ulrike Trautwein wurde evangelische Theologin, ihr Sohn Hans-Michael Trautwein ist Wirtschaftswissenschaftler..
Tätigkeiten Trautwein engagierte sich mit ihrem Ehemann gegen die Apartheid und für die Ökumene. Aus Protest gegen die südafrikanische Apartheidspolitik rief sie 1977 zu der Kampagne Kauft keine Früchte der Apartheid auf, die eine Aktion innerhalb der Frauenbewegung in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau war.Ursula Trautwein: Von Beruf ehrenamtlich. In: Kinder, Kirche und Karriere. Berlin 2000, ISBN 978-3-88981-119-6, S. 191.Wiebke Rannenberg: Auf Plantagen lebt die Apartheid fort. In: www.evangelisch.de/inhalte/125862/15-10-2015/auf-plantagen-suedafrika-lebt-die-apartheid-fort, abgerufen am 9. Januar 2018.www.fr.de/politik/spezials/einkaufen-gegen-apartheid-a-1193382 Felix Helbig: Einkaufen gegen Apartheid. Frankfurter Rundschau, 1. Juni 2007, abgerufen am 9. Januar 2018. Sie organisierte über mehrere Jahre den Protest in Frankfurt am Main. Im Stadtparlament setzte sie 1989 durch, dass Frankfurt sich Stadt gegen Apartheid nannte.Felix Helbig: Einkaufen gegen Apartheid. In: www.fr.de/politik/spezials/einkaufen-gegen-apartheid-a-1193382, Frankfurter Rundschau, 1. Juni 2007, abgerufen am 9. Januar 2018. Später forderten die Frauen der Südafrika-Projektgruppe der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland nicht nur den Boykott von Früchten aus Südafrika, sondern auch, dass deutsche Institutionen wie der Deutsche Evangelische Kirchentag die Konten bei Banken kündigten, die Kontakte zum südafrikanischen Regime unterhielten.Ursula Trautwein: Frauen gegen Apartheid: Politik mit dem Einkaufskorb. In: Christiane Drewello-Merkel, Sylvia Puchert (Hrsg.): 100 Jahre auf gutem Kurs. Evangelische Frauen in Hessen und Nassau und ihre Geschichte. Darmstadt 2007, ISBN 3-934083-09-9, S. 110. Auf dem Höhepunkt des Protests zog Trautwein 1987 auf dem Frankfurter Kirchentag mit 40.000 Menschen durch das Bankenviertel.
Ehrenamtliches Engagement Seit 1951 engagierte sich Trautwein auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag, unter anderem im Projektausschuss Südliches Afrika – Südafrikatag. Im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend e. V. engagierte sie sich für Mädchenpfadfinderinnen, christliche Pfadfinder und die Ökumene.Ursula Trautwein: Von Beruf ehrenamtlich. In: Kinder, Kirche und Karriere. Berlin 2000, ISBN 978-3-88981-119-6, S. 187. Von 1989 bis 1994 war sie Wahlbeobachterin bei den ersten freien Wahlen in Namibia und Südafrika. Außerdem war sie Mitglied im Verwaltungsrat des Deutschen Entwicklungsdienstes und als Mitglied der SPD Stadtverordnete im Frankfurter Parlament (1989–1997) sowie Abgeordnete im Landeswohlfahrtsverband Hessen (1990/91–2001).Ursula Trautwein: Von Beruf ehrenamtlich. In: Kinder, Kirche und Karriere. Berlin 2000, ISBN 978-3-88981-119-6, S. 190.Ursula Trautwein: Von Beruf ehrenamtlich. In: Kinder, Kirche und Karriere. Berlin 2000, ISBN 978-3-88981-119-6, S. 192. Als stellvertretende, ehrenamtliche Vorsitzende war sie bei der Organisation Frauenrecht ist Menschenrecht tätig. (Jahresbericht FIM 2009), abgerufen am 9. Januar 2018. Sie war Mitgründerin und Mitglied im Beirat der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main.Ursula Trautwein: Von Beruf ehrenamtlich. In: Kinder, Kirche und Karriere, Berlin 2000, ISBN 978-3-88981-119-6, S. 193. Des Weiteren war sie Referentin des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt zum Leben und Wirken von Oskar Schindler mit dem Lehrerfortbildungsprogramm Schindlers Liste im Unterricht – Zeitzeugengespräch mit Ursula Trautwein.www.pz-ffm.de, abgerufen am 9. Januar 2018. Als stellvertretende Vorsitzende war sie Jurymitglied der Evangelischen Filmarbeit.Ursula Trautwein: Von Beruf ehrenamtlich. In: Kinder, Kirche und Karriere. Berlin 2000, ISBN 978-3-88981-119-6, S. 193.
Ehrungen und Auszeichnungen Bundesverdienstkreuz erster Klasse, verliehen am 4. Oktober 2002. Goldenes Kugelkreuz der Evangelischen Jugend 2014, abgerufen am 9. Januar 2018..
Sonstiges Trautwein war befreundet mit Winnie Madikizela-Mandela und Nelson Mandela. In ihrem Besitz befand sich eine pistolenförmig ausgestanzte Bibel, die Winnie Mandela einst als Morddrohung unter ihrem Kopfkissen gefunden hatte.Anne Kampf: Ein Ständchen für Madiba. In: www.evangelisch.de/inhalte/90939/21-12-2013/ein-taenzchen-fuer-madiba-frankfurt, abgerufen am 9. Januar 2018.
Werke Ursula Trautwein: Von Beruf ehrenamtlich. In: Kinder, Kirche und Karriere. Von der berufstätigen Mutter im Dienst des Herrn. Erfahrungsberichte, Berlin 2000, ISBN 978-3-88981-119-6, S. 187–196. Ursula Trautwein: Frauen gegen Apartheid: Politik mit dem Einkaufskorb. In: Christiane Drewello-Merkel, Silvia Puchert (Hrsg.): 100 Jahre auf gutem Kurs. Evangelische Frauen in Hessen und Nassau und ihre Geschichte. Darmstadt 2007, ISBN 3-934083-09-9, S. 110f. Ursula und Dieter Trautwein: Mehr Hoffnung, mehr Einheit: 5 Kapitel für den ökumenischen Hausgebrauch. Eine Arbeitshilfe für die Gemeindepraxis. Mit einem Geleitwort von Karl Lehmann. Freiburg i. Br. 1975, ISBN 978-3-7664-0040-6. Ursula und Dieter Trautwein: Aus unseren ökumenischen Lebensläufen. In: Hans Vorster (Hrsg.): Ökumene lohnt sich. Dankesgabe an den Ökumenischen Rat der Kirchen zum 50jährigen Bestehen. Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-87476-337-4, S. 21–39.
Weblinks Lilith Becker: Standhaft wie Urahn Martin Luther. In: Nordwest-Zeitung, 11. April 2009, abgerufen am 9. Januar 2018 Bildungsstätte Anne Frank, abgerufen am 9. Januar 2018 Anne Kampf: Ein Ständchen für Madiba., abgerufen am 9. Januar 2018 Wiebke Rannenberg: Auf Plantagen in Südafrika lebt die Apartheid fort., abgerufen am 9. Januar 2018 Felix Helbig: Einkaufen gegen Apartheid. In: Frankfurter Rundschau, 1. Juni 2007, abgerufen am 9. Januar 2018 Hans Riebsamen: Bibliothek der Alten: Kurioses aus der Käwwern-Schachtel. In: FAZ vom 2. Dezember 2004, abgerufen am 9. Januar 2018
Einzelnachweise
Kategorie:Person (Feminismus) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Person des Christentums (Frankfurt am Main) Kategorie:Person (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1932 Kategorie:Gestorben 2025 Kategorie:Frau