François Émile Décorchemont (* 26. Mai 1880 in Conches-en-Ouche; † 17. Februar 1971 ebenda) war ein französischer Maler, Keramiker und Glaskünstler.
Leben mini|Kreuzigung von 1954, Fenster der Kirche Saint-Ouen in Gaillon, bestehend aus fünf Segmenten. François Décorchemont stammte aus einer Künstlerfamilie; sein Vater Louis Émile Décorchemont (1851–1921) war Professor für Bildhauerei an der École nationale supérieure des arts décoratifs in Paris, an der auch François studierte.
Décorchemont begann seine künstlerische Tätigkeit als Maler und Keramiker. In: liuliusa.com, abgerufen am 5. Mai 2020. 1903 wandte er sich der Fertigung von Glas aus Pâte de verre zu, wozu er ab 1909 mit einer neuen Formtechnik experimentierte. Mit Hilfe seines Vaters passte er das Wachsausschmelzverfahren an die Produktion von Glas an. Zudem unternahm er Versuche mit einer neuen Komposition seiner Glaspaste, die er zu Pâte de cristal weiter entwickelte, einem Material mit größerer Transparenz und Lichtdurchlässigkeit. 1912 stellte er zum ersten Mal auf dem Salon des Artistes décorateurs aus, danach auf dem Salon der Société des Artistes Français, unter anderem einen mit Rosen verzierten Becher mit dicker, lichtdurchlässiger Wand.François Décorchemont.Coupe. In: Musée d’Orsay, abgerufen am 5. Mai 2020. Im Ersten Weltkrieg war Décorchemont im Sekretariat des Kriegsministeriums tätig. Auf der Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernes 1925 waren seine Arbeiten an mehreren Stellen vertreten.Jared Goss: French Art Deco. Metropolitan Museum of Art, New York, N. Y. 2014, ISBN 978-0-300-20430-8, S. 58 f. ().
Im Verlauf der Weltwirtschaftskrise ließ die Nachfrage für Luxusartikel stark nach. Der tief religiöse Décorchemont fertigte daher ab den 1930er Jahren Fenster für über dreißig Kirchen, darunter eins mit einer Fläche von 300 m²Giuseppe Cappa: Le génie verrier de l’Europe. Témoignages. De l’historicisme à la modernité (1840–1998). Editions Mardaga, Brüssel 1998, ISBN 2-87009-680-1, S. 241 (französisch; ). für die Kirche Sainte-Odile in Paris sowie weitere, beispielsweise in der Eglise Saint Hélier in BeuzevillePatrimoine. L’Eglise Saint Hélier. Les Vitraux. François Décorchemont. In: beuzeville.fr, abgerufen am 5. Mai 2020 (französisch)., in der Eglise St-Gervais-St-Protaisin in Étrépagny. und in der Eglise Très Sainte Vierge Marie et Saint-Aubin in MénesquevilleUn patrimoine notable. L'Eglise de Ménesqueville. In: cdcla.fr, abgerufen am 6. Mai 2020 (französisch)..
Der Künstler galt als sehr diskret und hielt seine Entdeckungen und Techniken geheim.Biographie François Décorchemont. In: galerietourbillon.com, Galerie Tourbillon, Paris, abgerufen am 5. Mai 2020.
Die Ehrenlegion nahm François Décorchemont als 1926 „Ritter“ auf; 1955 wurde er zum „Offizier“ erhoben.Décorchemont, François Émile. In: Base Léonore, abgerufen am 5. Mai 2020. Décorchemont war der Großvater der Glasmacher Antoine Leperlier und Étienne Leperlier.Giuseppe Cappa: Le génie verrier de l’Europe. Témoignages. De l’historicisme à la modernité (1840–1998). Editions Mardaga, Brüssel 1998, ISBN 2-87009-680-1, S. 321 (französisch; ).
Werke (Auswahl) Décorchemonts Werk zeichnet sich durch ein raffiniertes Design, schlichte Linien und die Helligkeit, Transparenz und Leuchtkraft der Farben aus. Seine Kreationen haben keinen funktionalen, sondern wegen ihrer Zerbrechlichkeit und ihrer Herstellungskosten nur einen ästhetischen Wert. Er veröffentlichte seine Werke in kleinen Serien und suchte nicht nach Ertrag, sondern nach Ästhetik.
Literatur Janine Bloch-Dermant: The art of French glass, 1860–1914. Vendome Press, London 1980, ISBN 0-86565-000-4, S. 189. Giuseppe Cappa: Le génie verrier de l’Europe. Témoignages. De l’historicisme à la modernité (1840–1998). Editions Mardaga, Brüssel 1998, ISBN 2-87009-680-1, S. 241 (französisch; ). Ray Grover, Lee Grover: Carved & Decorated European Art Glass. Tuttle Publishing, North Clarendon 2012, ISBN 978-1-4629-0965-0, S. 75 ().
Weblinks
François-Emile Decorchemont (French, 1880–1971). In: artnet (mit Bildern von Arbeiten Décorchemonts)
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Frankreich) Kategorie:Keramiker Kategorie:Künstler des Jugendstils Kategorie:Glaskünstler des Art déco Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Offizier) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1880 Kategorie:Gestorben 1971 Kategorie:Mann