Kästel ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Gerhardshofen im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Kästel hat eine Fläche von 6,892 km². Sie ist in 886 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7779,24 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Emelsdorf, Linden und Sintmannsbuch.
Geografie Durch das Kirchdorf fließt der Reisigbach, ein rechter Zufluss der Aisch. Im Südosten grenzt das Waldgebiet Sixtenhaid an, darin liegen die Sixtenhaidweiher. Im Osten grenzt das Waldgebiet Urlas an, 0,5 km nordwestlich erhebt sich der Steinberg (). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Emelsdorf (1,3 km südwestlich) bzw. zur Staatsstraße 2259 (0,7 km nördlich) zwischen Rezelsdorf (2 km östlich) und Birnbaum (2 km westlich).
Geschichte mini|Die Kirche St. Mauritius Der Ort wurde im Lehenbuch des Hochstifts Würzburg, das im Zeitraum zwischen 1303 und 1317 entstand, als „Kestal“ erstmals namentlich erwähnt. Lehensträger war zu dieser Zeit Konrad von Pahres. Unter dem Würzburger Bischof Gottfried III. von Hohenlohe (1317–1322) ging dieses Lehen auf Johannes von Pahres über. In der Folge fiel der Ort an die Burggrafschaft Nürnberg, schließlich an das Markgraftum Brandenburg-Kulmbach. 1421 erhielt Michael von Seckendorff zu Rennhofen u. a. in „Kerstal“ Güter und den Zehnten von Markgraf Friedrich I. zu Lehen. Aus dem markgräflichen Salbuch von 1434 geht hervor, dass ein Viertel des Zehnten in „Kerstall“ der Markgrafschaft gehörte und drei Viertel dem Kloster Michelsberg. Letzteres verlieh im Jahr 1464 Moritz Auracher von Dachsbach in „Kerstal“ eine Hube, zweieinhalb Lehen und einen Weiher. 1502/06 wurde dessen Besitz in „Cestel“ mit vier Gütern angegeben. Der Ort zählte zur Fraisch des markgräflichen Amtes Dachsbach. 1718 gab es nur noch einen brandenburg-bayreuthischen Untertan. Die übrigen unterstanden dem Domstift Bamberg, dem Rittergut Birnbaum und der Reichsstadt Nürnberg.H. Sponholz (Hrsg.): Landkreis Neustadt an der Aisch. S. 104.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Kästel zehn Anwesen. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das brandenburg-bayreuthische Kasten- und Jurisdiktionsamt Dachsbach aus. Grundherren waren die Herrschaft Wilhermsdorf (1 Gut), die Pfarrei Gerhardshofen (1 Gut), das Domkapitel Bamberg (5 Güter), das Rittergut Sichardshof (2 Güter) und das Rittergut Herrnneuses (1 Gut).H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim. S. 105.
Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justizamt Dachsbach und Kammeramt Neustadt. Im Jahre 1810 kam Kästel an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Kästel dem 1811 gebildeten Steuerdistrikt Dachsbach zugeordnet. 1813 wurde es dem Steuerdistrikt und der Ruralgemeinde Birnbaum zugewiesen. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Kästel, zu der Emelsdorf, Linden und Sintmannsbuch gehörten.H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim. S. 220. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Neustadt an der Aisch zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Neustadt an der Aisch (1919 in Finanzamt Neustadt an der Aisch umbenannt, seit 1972 Finanzamt Uffenheim). Ein Anwesen unterstand jedoch bis 1839 in der freiwilligen Gerichtsbarkeit dem Patrimonialgericht Wilhermsdorf.H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim. S. 186 f. Ab 1862 gehörte Kästel zum Bezirksamt Neustadt an der Aisch (1939 in Landkreis Neustadt an der Aisch umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Neustadt an der Aisch (1879 in das Amtsgericht Neustadt an der Aisch umgewandelt). Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 6,850 km².
Am 1. Juli 1971 wurde Kästel im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Gerhardshofen eingemeindet.
Baudenkmäler Haus Nr. 5: eingeschossiges Wohnstallhaus von 1744; Eckpilaster, darüber kleine Voluten im Giebelansatz; geohrte Fenster, profilierte Fensterbank, Gurtgesims, Quadersockel; im Keilstein der geohrten Tür „J“(ohann) „M“(ertel) / „1824“, datiert einen Umbau. Im Keller „1744“ als vermutliches Erbauungsjahr eingemeißeltR. Strobel: Landkreis Neustadt an der Aisch. S. 93. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Haus Nr. 8: zweigeschossiges Satteldachhaus, Gurtband, profiliertes Traufgesims mit Anfängern; Türsturz bezeichnet „J“(ohann) „B“(rehm) / „1841“. Haus Nr. 19: evangelisch-lutherische Filialkirche St. Mauritius
Einwohnerentwicklung Gemeinde Kästel Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 222 308 279 284 276 289 300 311 325 315 291 253 245 258 255 254 266 263 242 294 266 249 227 218HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 39 49 51 57 54 58 48 50 58 Quelle Für die Gemeinde Kästel zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Emelsdorf (S. 22), Linden (S. 55) und Sintmannsbuch (S. 86). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 302 Einwohner.
Ort Kästel Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2016 2020Einwohner 60 91 85 92 98 85 85 101 77 79 65 84 74Häuser 11 17 17 17 16 16 16 19 Quelle auf der Website gerhardshofen.de
Religion Der Ort ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und bis heute nach St. Peter und Paul (Gerhardshofen) gepfarrt.
Literatur
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ortsteil von Gerhardshofen Kategorie:Ort im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim) Kategorie:Ersterwähnung 1303 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim